Auf Goethes Spuren

Zusammenkunft des Heimatvereins am 29.April 1999. Es geht gerade um die Vorbereitung unseres Besuches der Ausstellung „Bayern und Preußen“ in Berlin. Da dringen knarrende Geräusche von der Eingangstür des Heimatmuseums herauf, abends gegen 20 Uhr. Herr Lindemann faßt sich ein Herz und geht dem „Eindringling“ auf der hölzernen Wendeltreppe entgegen.

Nach wenigen Minuten führt er einen Besucher herauf. Der Gast entschuldigt sich für die späte Störung. Er sei aus Anlaß des Goethe-Jahres von Berlin nach Weimar unterwegs und suche nach Spuren, die der vor 250 Jahren geborene Dichter hinterlassen habe. Er wisse, daß Goethe auf einer Potsdam-Reise in Treuenbrietzen Station gemacht habe. Jetzt wolle er sich erkundigen, wo sich das Hotel „Schwarzer Adler“, in dem der Dichterfürst übernachtete, befunden habe und was aus dem Hause geworden sei.

Herr Alborg gibt ihm bereitwillig Auskunft. Er stellt zunächst richtig, daß der “Schwarze Adler“ kein Hotel war, sondern eine der Eisenfiguren auf den ehemaligen Stadttoren, die dem Reisenden den Eintritt in preußisches Territorium anzeigen sollten. Diese Schwarzen Adler, von denen ein vergleichbares Exemplar im Heimatmuseum ausgestellt ist, muß auch Goethe gesehen haben, als er in die preußische Grenzstadt Treuenbrietzen einfuhr. Übernachtet hat er aber im Hotel „Zum Posthorn“, hinter dem sich damals die alte Posthalterei befand. Heute arbeitet dort ein Reisebüro.
Der Gast war zufrieden, bedankte sich artig und setzte, auf Goethes Spuren wandelnd, seinen Weg nach Weimar fort.

Und was sagte Goethe selbst dazu? Fest steht, daß er in der Nacht vom 14. zum 15.Mai  1778 in Treuenbrietzen weilte, als er den Herzog Karl-August von Sachsen-Weimar auf einer Reise nach Berlin begleitete. In sein Tagebuch schrieb Goethe aus diesem Anlaß: „Abends in Treuenbrietzen, Pr. Adler, Sand. Rohrens Bekanntschaft. Kn. Halsbinde. 15.Früh 6 Uhr ab, Potsdam um 10.“

Ernst-Peter Rabenhorst
Erschienen in Treuenbrietzener Heimatblätter Nr. 11 (Ausgabe vom 04.06.1999)

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