Der Ratshof

Der Antrag des Autohauses FELLER, den Ratshof zu erwerben, um dort eine Autowerkstatt zu errichten, stellt die Stadtverordneten nicht zum ersten Male in der Geschichte unserer Stadt vor eine wichtige Entscheidung: Wie soll das Gelände am Wasserturm,das der Stadt gegenwärtig als Park- und Lagermöglichkeit dient, in Zukunft genutzt werden?

In Pischons Chronik ist überliefert, daß dieses „Filetstück“ seit Jahrhunderten der Stadt gehört: Jobst von Mähren stellte 1409 das Voigthaus unter Bürgerrecht und überließ es der Stadt. Aus diesem Hause und den angrenzenden Parzellen entstand dann später der Ratshof zwischen Vogelgesang- und Großstraße.

Das Protokollbuch des Magistrats von Treuenbrietzen für die Jahre 1664 – 1677 vermerkt, daß die Stadt zwei Pferde nebst dazugehörigem Geschirr und einen Knecht halten mußte, um sie dem Landesherren im Bedarfsfalle für Reisen oder Jagden zur Verfügung zu stellen. Wagen und Pferde waren gemeinsam mit den Zuchtstieren für den Gebrauch der Bürgerschaft im Ratshof (oder auch Stadthof) untergebracht. Wurden die Stadtpferde nicht für Dienste des Landesherren benötigt, konnten die Ratsmitglieder sie für die Bestellung ihrer Felder oder zu Reisezwecken nutzen. Ebenfalls auf dem Ratshof waren die Pferde untergebracht, die im Kriegsfalle von der Stadt für die Kavallerie und Artillerie abgestellt werden mußten. Erst im 18.Jahrhundert kam diese Form der militärischen Dienstpflicht in Fortfall.

Nach dem 30-jährigen Krieg waren die der Stadt gehörigen Gebäude auf dem Ratshof stark verfallen. Im Jahre 1708 stellte der Postmeister und Zollverwalter Thomas WILCKE den Antrag, dort ein Posthaus zu bauen. Der Magistrat lehnte es ab, ihm die stadteigene Fläche zur Verfügung zu stellen, da man selbst auf dem Ratshof bauen wollte.

Die Stadt errichtete im Jahre 1717 an der Stelle, wo früher der Stadtvoigt gewohnt hatte, ein Syndikatshaus. Hinter diesem Hause lag ein Stall, in dem sich die fünf Stadtbullen befanden. Weiter nach dem Vogelgesang zu wurde 1740 ein sog. Deputantenhaus errichtet. Dort hatten der Stadtmusikus, der Stadtschütze (Stadtförster) und der Bullenwärter oder Stadtknecht ihre Dienstwohnungen.

Im Jahre 1803 sollte der Bau eines neuen, großen Schulhauses für die Stadt Treuenbrietzen beginnen. Kriegs- und Steuerrat von WERDECK, der als königlicher Commissar die Angelegenheit bearbeitete, schlug vor, die Schule auf dem Ratshof zu bauen, damit sie sich im Mittelpunkt der Stadt befindet. Auch waren dort für die Knaben- und Mädchenschule getrennte Gebäude und getrennte Zugänge über die Groß- bzw. Vogelgesangstraße möglich. Der Plan wurde aber vom Magistrat der Stadt verworfen, da der Abriß der dort noch befindlichen städtischen Gebäude zu teuer gekommen wäre. Außerdem war das Syndikatshaus zum Abriß zu schade, zum Schulhaus aber nicht geeignet.

Im 18. Und 19.Jahrhundert hat also die Stadt Umnutzungsanträge für den Ratshof abgelehnt. Es wird interessant sein, wie sich die gewählten Vertreter der Stadt diesmal, am Ausgang des 20.Jahrhunderts, entscheiden.

Zusammengestellt von: Ernst-Peter Rabenhorst

Erschienen in „Treuenbrietzener Heimatblätter Nr. 3 (vom 12.02.1999)“

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