Bodendenkmäler

Zu den Aufgaben des Heimatvereins gehört es, sich um jene stummen Zeugen der Vergangenheit zu kümmern, die vielleicht noch Antwort geben können auf die Frage, wo unsere Vorfahren herkommen und wie sie lebten: die Bodendenkmale. Sie berichten über Zeiten, aus denen meist keine schriftlichen Dokumente vorhanden sind.

Am 15. März 1999 war es wieder soweit: Vereinsvorsitzender Wolfgang Ucksche und das erste Ehrenmitglied unseres Heimatvereins, der Bodendenkmalpfleger des Brandenburgischen Landesmuseums für Ur- und Frühgeschichte, Horst Behnke, machten sich auf, um den Zustand der Bodendenkmale in unserem Amtsbezirk in Augenschein zu nehmen.

 

Älteste Spuren einer Besiedlung lassen sich in unserer Gegend bis in die Mittlere Steinzeit zurückverfolgen. Die Fischer und Jäger dieser Zeit bevorzugten Wohnplätze in den DÜNEN. Sie lagen hoch und trocken und gewährten einen guten Rundblick über die Umgebung. Das lebensnotwendige Wasser war auch nicht weit. Die Dünen waren damals kahl oder mit strandhaferähnlichen Gräsern bewachsen. Heute stehen dort meist Kiefern. In diesen Dünen fand man zahlreiche Spuren menschlicher Besiedlung, vor allem kleine Feuersteinwerkzeuge (sog. Mikrolithen) und Tonscherben als Überreste eines derben und rohen Geschirrs. Eine solche Düne befindet sich in der Gemarkung Niebel. Fundstücke aus diesem Bodendenkmal sind in unserem Heimatmuseum zu besichtigen.

Eine große Rolle spielte für unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit die Verehrung ihrer verstorbenen Angehörigen. Sie errichteten ihnen aus Findlingen und Feldsteinen riesige Grabstätten. Die Steine wurden zu Sargkammern zusammengestellt und oft mit einem Erdmantel umhüllt, der jedoch im Laufe der Jahrtausende durch Wind und Regen oftmals wieder abgetragen wurde. Gut erhalten sind einige solcher HÜGELGRÄBER in verschiedenen Gemarkungen unseres Amtsbereiches.

Während der Völkerwanderung verließen germanische Stämme unser Gebiet, Slawen drängten von Osten her nach und gründeten eigene Siedlungen. Auch die Slawen ließen sich am Wasser nieder, aber in den Ebenen, auf kleinen Sandinseln in unmittelbarer Nähe der Flußläufe. Um sich vor dem Wasser und vor möglichen Feinden zu schützen, vertieften sie die Gräben und warfen die Erde zu Wällen auf, die sich rund um ihre Wohnanlagen herumzogen. Auf den Wällen wurden nochmals Pallisaden und Wachtürme errichtet. Nur ein Tor gestattete den Zugang ins Innere der Burg. Drei dieser BURGWÄLLE haben sich bis in die heutige Zeit als Bodendenkmale erhalten, auch wenn ihre Spuren auf den ersten Blick kaum noch wahrzunehmen sind: die Burgwälle in und bei Treuenbrietzen und der Burgwall bei Bardenitz. Auch slawische Bezeichnungen der damals gegründeten Ansiedlungen haben sich bis heute in vielen Ortsnamen erhalten.

Daneben gibt es weitere Bodendenkmale, die erst wenige ihrer Geheimnisse preisgegeben haben. Lange bevor das heutige Kolonistendorf  Klausdorf vor 250 Jahren entstand, hatten Ansiedler auf der Klausdorfer Gemarkung mindestens zweimal versucht, dort eine ORTSSTELLE zu schaffen. Einmal nahe dem Quellgebiet des Bardenitzer Baches, das andere Mal auf einer Anhöhe. Beide Plätze sind heute wüst. Nur einzelne Tonscherben wurden gefunden, die ebenso wie der Flurname „Alte Dorfstelle“ auf eine mittelalterliche Besiedlung hindeuten. Auf einer anderen Klausdorfer Feldflur weisen aufgefundene Schlackereste auf die vormalige Existenz eines Eisenverhüttungsplatzes hin. 

Offen ist auch die Zuordnung von drei Bodendenkmalen in der Gemarkung Schwabeck. Hier wurden beim Kiesabbau in einer heute wieder geschlossenen Grube Tonscherben und Urnen gefunden. Das Mitglied unseres Heimatvereins, Wilhelm Jacob, hatte sich seinerzeit intensiv  um die Bergung und Sicherung der gefundenen Bruchstücke gekümmert. Die Funde reichten aber nicht aus, um genauere Rückschlüsse auf die Besiedlungsgeschichte in der Gemarkung Schwabeck ziehen zu können.

Von: Ernst-Peter Rabenhorst
Veröffentlich in „Treuenbrietzener Heimatblätter Nr. 8 (Ausgabe vom 23.04.1999)“

Gib Deine Meinung ab!

Dein Kommentar