Maibaum und Pfingstvogel

Schon seit heidnischen Zeiten und später auch im Leben der christlichen Kirche sind der Monat Mai und sein Baum, die Birke, auf das Engste miteinander verbunden. Junge Birken und Birkenzweige, auch Maien genannt, wurden aus den Wäldern geholt und vor den Häusern und Kirchen aufgestellt. Sie waren Ausdruck der Freude des Menschen über das Wiedererwachen der Natur und sollten der Fruchtbarkeit in Feld und Flur, in Haus und Stall neues Leben einhauchen. Deshalb stellte zu Pfingsten auch mancher Jüngling ein frisches grünendes Birkenstämmchen vor die Haustür seiner Angebeteten. Zugleich sollte die Maie die Götter mild stimmen, das Haus vor Ungemach wie Blitzschlag und Krankheit schützen sowie Zauber und Ungeziefer vertreiben.

Das älteste uns überlieferte Dokument für diese Tradition in Treuenbrietzen ist eine Kirchenrechnung aus dem Jahre 1596. Dort kann man nachlesen, daß zur Ausschmückung der Kirche zwei Fuhren „Mayen“ angeliefert wurden, für die aus der Kirchenkasse 8 Groschen Fuhrlohn zu zahlen waren. 1633 mußten Marienkirche und Nicolaikirche schon je 12 Groschen für die zwei Fuhren Mayen aufwenden.
Die Tradition der Pfingstmaien muß in Brandenburg ein solches Ausmaß erreicht haben, daß sich der preußische König Friedrich II. (1712 – 1786) höchstpersönlich ernsthafte Sorgen um den Fortbestand der Birkenwälder machte. Im Vorgriff auf grünes Gedankengut kommender Jahrhunderte erließ er am 21.Juli 1747 ein spezielles Edikt, das der schädlichen Gewohnheit des jährlichen Maiensetzens zum 1.Mai und zu Pfingsten sowohl vor den Türen der Kirche als auch denen der Häuser ein Ende machen sollte. Der König beklagte es, daß viele im besten Wachstum stehende junge Birken abgehauen werden und dadurch dem Zuwachs jungen Holzes ein nicht geringer Schaden zugefügt wird. Er befahl, daß dieser Mißbrauch gänzlich abgeschafft und verboten wird. Zuwiderhandelnden Personen drohte er Geldstrafen oder empfindliche Leibesstrafen an.
Genutzt hat es wenig. Pfingstbäume gibt es bis heute noch überall in Deutschland, so auch bei uns in den Fläming-Dörfern rund um Treuenbrietzen. Am Pfingstsonnabend wird die Birke auf dem Anger aufgestellt, der an die Stelle der heidnischen Kultplätze getreten ist. Oft schmücken die Mädchen die Zweige noch mit farbigen Bändern. Jedes Dorf strebt danach, die größte und schönste Maie zu haben.
Eine weitere Tradition besagt, daß der Maibaum von der Jugend benachbarter Dörfer gestohlen oder abgesägt werden darf, wenn er in der Nacht zum Pfingstsonntag zwischen Einbruch der Dunkelheit  und Sonnenaufgang nicht ordnungsgemäß beschützt wird. Deshalb werden Wachen aufgestellt, die spätestens mit dem Läuten der Kirchenglocken am Pfingstsonntag eingezogen werden können. Es soll aber schon vorgekommen sein, daß die nächtlichen Bewacher sich so stark mit Pfingstbier „ermuntert“ hatten, daß sie am nächsten Morgen zwar noch ihren Maibaum wiedererkannten, aber nicht mehr die Häuser, denn die gehörten zu einem anderen Dorf. 
Am Pfingstsonntag herrschte dann Festfrieden. Er wurde nach alter Tradition mit Pfingstbier begossen, das die Fröhlichkeit der Herzen befördern und Zwietracht aus der Gemeinschaft der Feiernden verbannen sollte. So nimmt es auch nicht Wunder, daß die Flämingbewohner ihre eigene Übersetzung für den Ruf des Pfingstvogels, des Pirols, gefunden haben. Sie hören immer „Bier hol! Bier hol!“ und verstehen es als Aufforderung zu feucht-fröhlicher Geselligkeit unter dem Maibaum. Einer dichtete den Gesang des Pirols auf Fläming-Platt sogar noch weiter: „Pingesten Bier hol‘n! Utsup‘n! Nich bitoal‘n! Mihr hol‘n!“

Zusammengestellt von: Ernst-Peter Rabenhorst
Erschienen in „Treuenbrietzener Heimatblätter Nr. 11 (Ausgabe vom 04.06.1999)

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