Bayern und Preussen

Gemeinsam mit Heimatfreunden aus Schlalach und Beelitz sind Mitglieder des Heimatvereins Treuenbrietzen am 15.Mai 1999 in die Bundeshauptstadt Berlin gefahren, um sich dort in der Bayerischen Landesvertretung auf geschichtliche Spurensuche zu begeben. „Bayern und Preußen – Schlaglichter auf eine historische Beziehung“, unter diesem Motto hatten die Veranstalter wertvolle Exponate aus verschiedenen Museen Europas zusammengetragen. Die Ausstellung wollte um Verständnis werben, daß das Verhältnis zwischen Bayern und Preußen trotz aller Unterschiede in Mentalität und Lebensart, in religiösem Bekenntnis und politischer Orientierung nicht nur durch Hauen und Stechen charakterisiert war.

„Engere Beziehungen zwischen Bayern und Preußen begannen vor etwa 250 Jahren, als Friedrich der Große verhindert hat, daß Bayern zerstückelt wurde  und als politische Einheit von der Landkarte verschwand. Dafür sind die Bayern den Preußen bis heute dankbar. Es gibt zwar eine 50-jährige Episode bayerischer Herrschaft in der Mark Brandenburg, die viele Jahrhunderte weiter zurückliegt, aber das wird Sie wohl kaum interessieren.“ Unser Führer durch das Museum begann seine Standard-Erläuterungen, erntete dafür aber wenig Beifall, eher verhaltenes Murren und leise Widerrede. Er begriff schnell, daß die Treuenbrietzener gerade dieser Periode ihrer Geschichte zwischen dem Ende der Askanier-Zeit und dem Beginn der Hohenzollern-Herrschaft besondere Aufmerksamkeit widmeten. Verdankt doch die Stadt die ehrenvolle Verlängerung ihres ursprünglichen Namens Brietzen der Treue, mit der sie um die Mitte des 14.Jahrhunderts zum Bayerischen Königshaus der Wittelsbacher und zu deren in der Mark regierenden Söhnen gehalten hatte.

Unser Führer ging bereitwillig auf Fragen und Bemerkungen ein, erklärte, daß er selbst in Gera geboren und deshalb kein fanatischer Bayer sei. Fast eine Stunde verweilte er mit uns vor den Ausstellungsstücken, die den ältesten Abschnitt des preußisch-bayerischen Verhältnisses dokumentierten. Dabei kam alles zur Sprache, was Treuenbrietzener Heimatfreunde in diesem Zusammenhang beschäftigt: Die gemeinsame Abwehr des „Falschen Waldemar“, die von den Bayern übernommenen Stadtfarben Blau-Weiß,  die Rolle der drei Ludwigs und Ottos des Faulen, der Name der Stadt. Nicht unerwähnt blieb auch die besondere Beziehung zu Friedrich, dem ersten Brandenburgischen Kurfürsten aus dem Hause Hohenzollern, dem die Stadt später ein (heute leider verschollenes) Denkmal auf dem Marktplatz errichtete.

Der Hinweis, daß die Hohenzollern doch auch aus Bayern stammten und bis heute dort ihren Stammsitz haben, wurde vom Ausstellungsführer nur bedingt akzeptiert. Er versuchte, die Geschichte zu relativieren. Für die Bayern seien die Hohenzollern nur einfache Zollern, kein altes Adelsgeschlecht. Als Burggrafen von Nürnberg vergrößerten sie zwar ihre Macht, blieben aber mehr oder weniger höhere Verwaltungsbeamte. Sie hatten immer Schwierigkeiten, ihre königliche Herkunft glaubhaft nachzuweisen.

Aus der Führung durch die Ausstellung war ein Dialog über deutsche Geschichte geworden. Der Zeitplan geriet völlig durcheinander, beiden Seiten machte es offensichtlich Freude, ins Gespräch gekommen zu sein. Der Bayer konnte vermerken, daß sich auch die Treuenbrietzener mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, und der Märker nahm mit, daß bei allem Versöhnungswillen der Bayern ein Rest an Vorbehalten gegen das aus Bayern ausgezogene Haus der Hohenzollern fortbesteht.

Die sehenswerte, zum Dialog mit der Geschichte anregende Ausstellung ist in der Berliner Behrenstraße 21 noch bis zum 20.Juni 1999, täglich von 10 bis 19 Uhr zu sehen.

Ernst-Peter Rabenhorst  
Erschienen in „Treuenbrietzener Heimatblätter“ Nr. 12 vom 18.06.1999

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