Die Flämingsrommeln – K. Reichhelm

Der Ausdruck „Rommel“ ist ein dem mittleren Fläminggebiet eigentümlicher. Man leitet ihn aus dem Niederdeutschen ab. Der Ausdruck rummeln, rommeln bedeutet lärmen, Getöse machen, sich mit Gepolter bewegen, poltern. Der Ausdruck „das Wasser rommelt“ ist übrigens heut noch in verschiedenen Fämingsgegenden gebräuchlich. Von der Tätigkeit aus mag nun wohl die Bedeutung des Wortes auf den Ursprungsort des Lärmens übergegangen sein, ein Vorgang übrigens, der sich bei einer ganzen Reihe von Wörtern nachweisen läßt. Die Rommeln stellen sich als tiefeingeschnittene Trockentäler dar. Ihre Entstehung wird auf die Schmelzwässer der Eiszeit zurück geführt, die aus großen Höhen in Eisspalten hinab stürzten und den Boden wegschwemmten. Der Fläming war die vorgeschobenste Fläche der norddeutschen Tiefebene, bis zu der das Inlandeis vordrang und die wahrscheinlich längere Zeit vom Eis bedeckt blieb, als ihre nähere und entferntere Umgebung. Das von Norden vordringende Eis fand in der Landmasse des Flämings ein starkes Hindernis, dies bewirkte zunächst eine Stauung und Zusammenschiebung der im Wege liegenden Schichten, womit wahrscheinlich die sonst befremdliche Erscheinung zusammenhängt, dass der Nordabhang des Fläming steiler ist als der Südabhang. In zweiter Linie aber ergab sich hieraus eine höhere Schichtung des Eises und daraus wieder eine längere Eisbedeckung während des nachfolgenden Abschmelzungsvorgangs.

Als anschaulichste Vertreter der Flämingrommeln dürfen wir die südlich von Niemegk gelegene Neuendorfer und die Garreyer Rommel bezeichnen. Die Neuendorfer Rommel, die man am besten von Neuendorf aufwärts steigend besucht, zerfällt in drei scharf voneinander getrennte Abschnitte, eine nördliche flache Talmulde, einen mittleren Teil mit etwas steileren Rändern und endlich einen südlichen Teil, welcher den eigentlichen Charakter der Rommeln durch seine scharf eingeschnittenen, bis zu 20 m tiefen Schluchten zum Ausdruck bringt. Die Wände der Rommeln sind mit dichtem Graswuchs, aus dem sich blühende Feldblumen und wilde Rosen heraus heben, und mit Heidekraut bedeckt, das zur Zeit der Blüte einen prächtigen Zusammenklang satter Farben gewährt. Den Boden bedecken große und kleine Geschiebeblöcke, wechselnd mit tiefen Strudellöchern und Bänken angeschwemmten Sandes, ein Bild unberührter Naturwildheit.

Am östlichen Gehänge des mittleren Teiles befindet sich eine weitere Besonderheit dieser Rommel, die Schollensteine. Sie bestehen aus einer durch kalkhaltige Sickerwasser befestigten Grandschicht, ähnlich dem Nagelfluh genannten Mischgestein der Gebirge, und sind eine der allerjüngsten Felsbildungen. Eine ähnliche Gesteinsbildung, wenn auch in kleinerem Maßstabe und von mehr sandiger Beschaffenheit findet sich noch in der Brautrommel bei Grubo. Durch diese Rommeln stürzen, wenn nach einem schneereichen Winter plötzliches Tauwetter eintritt, im Frühjahr die Schmelzwässer des Flämings zu Tale hernieder, alles überschwemmend und mit sich fortreißend. Beträgt doch der Höhenunterschied zwischen dem oberen zur Garreyer Rommel entwässernden Gebiet und dem nur wenige Kilometer entfernten Niemegk nicht weniger wie 100 m. Der Ruf „Das Flämingwasser kommt!“ gestaltete sich deshalb für die im Tale liegenden Ortschaften oft zu einem wahren Schreckensruf, denn gegen die mit ungeheurer Wucht einherbrausenden Wassermassen , in der Hölzer und Hausrat, Heu und Strohbündel, Eisschollen und alles was auf den Feldern mitgerissen werden konnte, einherschossen, vermochte Menschenwerk nicht viel auszurichten. Doch schon nach einem Tage hatte sich die gelbe Flut verzogen, auf ihrem Wege eine dicke Schicht weißen Flusssandes zurücklassend.

Früher eine häufige Erscheinung ist das Flämingswasser zum letzten Male in größerer Menge im Jahre 1887 aufgetreten und richtete an Brücken, Wegen und Äckern erheblichen Schaden an. Seitdem hat es sich nur im Jahre 1909 noch einmal gezeigt, jedoch nur in geringem Umfang und ohne wesentlichen Schaden zu verursachen.

Erschienen in „Treuenbrietzener Heimatblätter“ Nr. 13 vom 24.09.1999
(Gekürzt aus: Kreiskalender Zauch-Belzig 1913, S.20/21. Eingereicht von Ernst-Peter Rabenhorst)

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