Versöhnung über den Gräbern

Im „Heldenhain“ ist Bewegung. Organisiert vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge haben sich 30 Teilnehmer des 7. Internationalen Jugendlagers daran gemacht, die Anlage in einen würdigen Zustand zu versetzen. Es wird gesichelt und Unkraut gejätet. Die Gedenkplatten für die im Ersten Weltkrieg getöteten Treuenbrietzener Soldaten werden gesäubert, konserviert und neu befestigt. Im Rahmen der Möglichkeiten versucht man, die verblichenen Schriftzüge mit den Namen der Toten wieder sichtbar zu machen. Der Flandrische Löwe im Mittelpunkt der Anlage erscheint nach der Reinigung in alter schlichter Schönheit. Auch die im vorderen Teil der Gedenkstätte gelegenen Grabstätten für die sowjetischen Soldaten, die in den letzten Schlachten des Zweiten Weltkrieges im Raum Treuenbrietzen ihr Leben ließen, werden von der Fürsorge nicht ausgeschlossen und liebevoll gepflegt.

„Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“, unter diesem Motto trafen sich die Jugendlichen aus 11 Ländern im Treuenbrietzener „Heldenhain“. Sie kamen aus England und der Ukraine, aus Polen und Frankreich, aus der Slowakei, Weißrußland, Italien und anderen Ländern. Sie brauchten nicht zur Arbeit angehalten zu werden, sie sahen selbst, wo etwas zu pflegen war, wo Verschmutzung dem Ort der Mahnung und des Gedenkens seine Würde zu nehmen drohte. Sie waren mit Eifer bei der Arbeit und haben sichtbare Spuren ihres Wirkens hinterlassen.

Und doch, an einer Aufgabe sind sie gescheitert: An der Entfernung der Graffiti von der Gedenksäule für die Treuenbrietzener Toten aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Die Qualität der von den Sprühern verwendeten IG(?)-Farben hielt allen Reinwaschungs-versuchen stand. Die Säuberung des Denkmals mußte abgebrochen werden, der Schandfleck am Podest der Säule bleibt.

Treuenbrietzener Jugendliche waren an den Pflegearbeiten nicht beteiligt. Sie hinterließen nur indirekt ihre „Spuren“. Als die Teilnehmer des Jugendlagers ihren zweiten Arbeitstag begannen, war die Gedenkstätte erneut mit Abfällen einer nächtlichen Park-Party übersät. Die ausländischen Jugendlichen nahmen es gelassen. „So sind eben die Deutschen“, sagte lapidar eine Teilnehmerin und räumte die neuerlichen Verschmutzungen weg. „Aber wir können doch nicht jeden Tag hier sein.“  

Übrigens: Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK) pflegte im letzten Jahr weltweit 1,7 Mio. Kriegsgräber auf 637 Anlagen. Vom 2. bis 16.August 1999 reisten über den VDK acht junge Erwachsene aus Potsdam-Mittelmark nach Mogilew, um dort gemeinsam mit zehn Weißrussen an Gräbern der Gefallenen des Zweiten Weltkrieges ein Mahnmal des Friedens zu schaffen, ein Zeichen der Versöhnung zu setzen. 

Erschienen in „Treuenbrietzener Heimatblätter“ Nr. 13 vom 24.09.1999

Gib Deine Meinung ab!

Dein Kommentar