Wasserversorgung der Dörfer auf dem Hohen Fläming

Für die auf dem Hohen Fläming gelegenen Ortschaften war bisher die Wasserversorgung höchst beschwerlich. Sie waren auf wenige Brunnen und auf die Teiche im Dorfe angewiesen. In heißen, in regenarmen Sommern war das Wasser der Teiche sehr bald zu Ende und es begann dann eine schwere Zeit für die Bewohner, da sie genötigt waren, das Wasser für Mensch und Vieh aus Bächen heraus zu fahren, die zum Teil bis zu einer Meile ab vom Dorfe entfernt sind. Aus den vorhandenen Gemeindebrunnen wurde das Wasser jedem Bewohner von der Gemeinde zugemessen und dann der Brunnen für den betreffenden Tag verschlossen, damit nicht jemand selbst mehr Wasser entnehmen konnte, als ihm nach dem Beschlusse der Gemeinde zustand. In einigen Gemeinden hatten mehrere Besitzer gemeinsam einen Rohrbrunnen. Die Brunnen hatten eine Tiefe bis zu 65 m. Infolge dieser bedeutenden Tiefe war das Pumpen sehr schwer, es waren dazu 2 bis 3 Mann erforderlich. Der allgemeine Arbeitermangel wurde durch diesen Notstand noch verschlimmert, da die Dienstboten das schwere Pumpen nicht verrichten wollten und sich nur schwer entschlossen, gegen höheren Lohn in ein Dienstverhältnis bei einem Bauern in einem Dorfe ohne Wasserleitung zu treten. Der Wassermangel hatte also einen schädlichen Einfluß auf die Wirtschaft, da er vor allem die Viehhaltung behinderte, er war aber auch geeignet, die Gesundheit der Leute aufs schwerste zu schädigen, da das vorhandene Wasser gesundheitlich sehr bedenklich war, und ferner die Feuersicherheit sehr zu gefährden.

Die Gemeinden hatten längst auf Mittel und Wege gesonnen, um dieser Not abzuhelfen; aber es fehlten die nötigen Geldmittel. Da kam wie eine Erlösung die Bildung des sogenannten „Ostfonds“ . Staat und Provinz hatten Geldmittel bereit gestellt und zu einer gemeinschaftlichen Verwaltung vereinigt, um damit Unternehmungen zu fördern, welche die Landwirtschaft heben können. Aus diesem Fonds konnten nun auch Wasserleitungen unterstützt werden, wenn dadurch in erster Reihe landwirtschaftlichen Interessen gedient werden soll. Die vier Gemeinden Boßdorf, Lobbese, Zixdorf und Bergholz bei Belzig waren die ersten, welche sich zum Bau zentraler Wasserversorgungsanlagen entschlossen. In einem von dem Herrn Landrat dem Herrn Regierungspräsidenten erstatteten Berichte vom 31.Dezember 1908 wurden diese 4 Gemeinden zur Unterstützung vorgeschlagen. Boßdorf entschloß sich, ein ordnungsgemäßes Projekt, wie es für die Prüfung durch die behördlichen Instanzen nötig ist, anfertigen zu lassen und konnte deshalb auf Grund des durch den Stadtbauinspektor a.D. und Privatdozenten an der Königlichen Technischen Hochschule Max Knauff zu Charlottenburg erstellten und von dem Königlichen Meliorationsbauamte zu Potsdam geprüften Projekts schon bei der Verteilung des Ostfonds für das Rechnungsjahr 1909 berücksichtigt werden. Die Beihilfe fiel reichlich aus, es wurden sechs Zehntel der auf 42000 Mk. veranschlagten Kosten  = 25200 Mk. bewilligt.

In den Jahren 1909 und 1910 wurde das Boßdorfer Werk erbaut. Die Ausführungskosten stellten sich einschließlich der Kosten des Projekts, der Bauleitung und des Grunderwerbs auf 50784,76 Mark. Boßdorf hat 97 Gehöfte, 473 Einwohner, 88 Pferde, 399 Rinder, 787 Schweine, 50 Schafe. Der tägliche Wasserverbrauch beträgt etwa 50 m3, gibt also die Möglichkeit, den Ort auch dann mehrere Tage ausreichend mit Wasser zu versorgen, wenn einmal eine längere Windstille eintreten und deshalb der Windmotor nicht arbeiten sollte. Bisher hat die Wasserleitung stets Wasser in genügender Menge geliefert.

Zur Bestreitung der durch die Beihilfe nicht gedeckten Kosten hat die Gemeinde ein Darlehn von 25000 Mark aufgenommen, das ihr aus der Kreissparkasse zu Belzig gegen jährlich 3 ½ % Zinsen und 1 ½ % Tilgung gewährt wurde. Sie hat also für das Darlehn jährlich 1250 Mark aufzubringen. In 34 Jahren wird die Schuld getilgt. Zu den Kosten der Verzinsung und Tilgung des Darlehns treten noch geringe Kosten der laufenden Unterhaltung (Bedienung der Anlage, Schmiermaterial u.a.). Die Kosten werden durch Gebühren aufgebracht, die für das Jahr wie folgt festgesetzt sind:

50 Pfennig für jede Person,
1 Mark für jedes Pferd bzw. Fohlen über ½ Jahr alt,
1 Mark für jedes Stück Rindvieh bzw. Kalb über ½ Jahr alt,
50 Pfennig für jedes Fohlen, Kalb bis zu ½ Jahr und für jedes Schwein, ausschließlich der Saugferkel, sowie für jedes Schaf und jede Ziege.

Falls diese Beträge zur Deckung aller Kosten nicht ausreichen, ist der Fehlbetrag von den Wasserentnehmern im Verhältnis zu ihrer Jahresgebühr zu decken, ein etwaiger Überschuß dagegen ist zur Bildung eines Reservefonds für eintretende größere Reparaturen zinsbar anzulegen.

Die Boßdorfer sind hocherfreut über ihr Werk. Die Wassergebühren, die in Anbetracht der großen Bequemlichkeit, welche die Wasserleitung gegenüber dem früheren traurigen Zustande bietet, als gering zu bezeichnen sind, werden von keinem als Last empfunden.

Die Gemeinden Lobbese und Zixdorf haben aus eigenen Mitteln je eine Wasserleitung gebaut. (Die Windturbine „Herkules“ für das Wasserwerk Lobbese pumpt das Wasser aus zwei 60 m tiefen Rohrbrunnen in das direkt neben der Windturbine erbaute Hochreservoir). Eine Unterstützung aus dem Ostfonds konnte ihnen nicht gewährt werden, da sie, um der großen Wassersnot recht schnell ein Ende zu machen, mit dem Bau selbständig vorgingen, d.h. kein revisionsfähiges Projekt einreichten, sondern sofort zum Bau schritten. Nachträglich können bestimmungsgemäß Beihilfen aus Staatsfonds für ausgeführte Anlagen grundsätzlich nicht gewährt werden.

Von Sekretär Köhler, Belzig
( Aus: Kreiskalender für Zauch-Belzig 1913, S.35/36, eingereicht von Ernst-Peter Rabenhorst)
Erschienen in „Treuenbrietzener Heimatblätter“ Nr. 14 vom 8.10.1999

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