60 Jahre Heimatmuseum Treuenbrietzen

Auf einer gemeinsamen Festveranstaltung der Stadtverwaltung und des Heimatvereins wurde an den 60. Jahrestag der Gründung des Heimatmuseums erinnert. Das Interesse war groß, der Rundraum in der zweiten Etage des Museums reichte kaum aus, um alle Gäste aufnehmen zu können. Zusätzliche Stühle mussten eiligst aus Reuters benachbartem Restaurant herbeigeschafft werden.

Bürgermeister Karsten Cornelius eröffnete die Veranstaltung, Künstler der Musikschule „Engelbert Humperdingk“ aus Belzig umrahmten sie mit klassischer Musik. Museumsleiter und Heimatvereinsvorsitzender Wolfgang Ucksche ging in seinem Beitrag auf die Vorgeschichte des Heimatmuseums ein. Er erinnerte daran, dass nach dem Willen der Stadtoberen die Ruine der mittelalterlichen Heilig-Geist-Kapelle, auf der sich heute das Heimatmuseum als ein Wahrzeichen Treuenbrietzens erhebt, schon im vorigen Jahrhundert abgetragen werden sollte, um einen „Schandfleck“ im Stadtbild zu beseitigen. Traditionsbewusste Kräfte konnten damals den Abriss verhindern…

Wolfgang Ucksche würdigte die Rolle von Karl Reichhelm und Oskar Brachwitz, die sich intensiv mit der Erforschung der Heimatgeschichte und der Sammlung historischer Fundstücke befassten. Bei der Suche nach einem geeigneten Gebäude, in dem die zahlreichen Zeugnisse der Vergangenheit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten, stieß man auf die Reste der turmartigen Ruine am Westausgang der Stadt. Der Bau erhielt in den dreißiger Jahren durch aufwendige Rekonstruktionsmaßnahmen seine heutige Gestalt und wurde 1939 als Heimatmuseum eingeweiht.

Das Museumsjubiläum fiel mit einem anderen für die Geschichte Treuenbrietzens wichtigen Ereignis zusammen: Vor 790 Jahren gab es (nach bisherigem Kenntnisstand) die erste schriftliche Erwähnung unseres Ortes. Deshalb war es für alle Anwesenden eine erfreuliche Bereicherung, dass Professor Dr. Helmut Assing von der Universität Potsdam die Einladung zur Festveranstaltung angenommen hatte. Sein Vortrag führte uns zurück in die Anfänge der Stadtgeschichte und wurde zu einem Höhepunkt des Abends. Beeindruckend war, wie er, der sich seit Jahrzehnten mit der Frühgeschichte unserer Region beschäftigt, keine fertigen Antworten präsentierte, sondern durch das Aufwerfen von Fragen das logische Denken und die Phantasie seiner Zuhörer anregen wollte.

Offen ließ er, ob die Urkunde mit der ersten schriftlichen Erwähnung eines Burchard von Brietzen aus dem Jahre 1208 oder 1209 stammt oder ob Treuenbrietzen sogar über 200 Jahre älter ist. Bedeutsam ist in diesem Zusammenhang eine Urkunde aus dem Jahre 981, in der ein Brichowa als Burg nahe der Havel erwähnt wird. War damit das heutige Treuenbrietzen gemeint? Zweifel bleiben. Zwar gab es hier eine Burg, aber viele neu gegründete Siedlungen der Slawen benannten sich nach den damals in Flussniederungen häufig vorhandenen Birken. Und in der Nähe der Havel gibt es zahlreiche Orte, deren Namen sich von der slawischen Wurzel Bresa (= Birke) ableiten.

Nicht unumstritten sei auch die Frage, ob die Marienkirche oder die Nikolaikirche früher fertiggestellt wurde. Fest steht nur, dass beide Kirchen schon im 13.Jahrhundert Mittelpunkt von Siedlungskernen unserer heute einheitlichen Stadt waren. Dieses Brietzen war damals ein bedeutender Handelsknotenpunkt. Offen bleibt aber, wo diese Handelsstraßen genau verliefen. Fest steht, dass eine von Jüterbog kommende Straße über das Steintor in die Stadt hinein führte. Aber wo verließ sie die Stadt wieder? Setzte sie ihren Weg nach Brandenburg oder nach Magdeburg fort? Oder verzweigte sie sich in beide Richtungen?

Prof. Assing rief zum Mitdenken und Mitstreiten auf, wovon in der anschließenden Gesprächsrunde lebhaft und engagiert Gebrauch gemacht wurde. Man darf gespannt sein auf die für nächstes Jahr angekündigte Veröffentlichung der neuesten Forschungsergebnisse des Potsdamer Professors zur Entstehungsgeschichte des mittelalterlichen Treuenbrietzen. Und konnte zumindest eine Erkenntnis aus dem Heimatmuseum mit nach Hause nehmen: Die vergangene Geschichte ist ebenso offen wie die künftige. Jeder neue archäologische Befund kann das bisherige Wissen in gleicher Weise bestätigen wie korrigieren.

Ernst-Peter Rabenhorst (erschienen in den Treuenbrietzener Nachrichten vom 19.11.1999)

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