Rede zum 60-jährigen Jubiläum des Heimatmuseums Treuenbrietzen

Verehrter Herr Bürgermeister,
hochverehrter Herr Professor Assing, werte Frau Assing,
werter Herr Dr. Partenheimer,
sehr verehrte Stadtverordnete, liebe Kollegen, werte Gäste,

das Treuenbrietzener Heimatmuseum begeht seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlass möchte ich, wie es bei runden Jubiläen üblich ist, eine Rückschau auf die Anfänge des Museums und die Arbeit des Hauses geben.

Wenden wir uns zunächst der Sammeltätigkeit zu. Diese begann vor ca. 100 Jahren, also in der Zeit um 1900. Damals waren es vor allem die Herren Rektor Thurmann, Postrat Steinhart, Tierarzt Maaß und Karl Reichhelm, die sich für diese Dinge interessierten. Man war in der Gesellschaft für Heimatkunde „Brandenburgiga“ organisiert und hörte Vorträge, vor allem zur deutschen Vorgeschichte. Dadurch wurde man sensibel für die Ur- und Frühgeschichte des heimatlichen Treuenbrietzener Raumes. Die Funde von Urnen, Steinwerkzeugen, Gefäßen und Scherben, die beim Pflügen auf den Feldern oder bei Bauarbeiten gemacht wurden, konnten so gesammelt und aufbewahrt werden. Ein Teil der Fundstücke wurde dem Märkischen Museum in Berlin übergeben, ein anderer Teil verblieb in Privatbesitz. Am Rande sei erwähnt, dass man damals vor allem unsere germanischen Vorfahren verehrte und in Fellen gekleidet mit Pfeil und Bogen, Lanzen und Schwert bewaffnet durch die Treuenbrietzener Wälder zog. Im Nieplitztal saß man im Ting (einer von Karl Reichhelm nachgestalteten germanischen Beratungs- und Richtstätte) und besprach die weiteren Aktionen, die durch den Ausbruch des 1. Weltkrieges jäh unterbrochen wurden.

Karl Reichhelm, der viel in der Welt herum kam, brachte von seinen Reisen nach Grönland, Nordamerika, Afrika und Tirol eine Fülle von volkskundlichen Gerätschaften mit, die er zunächst in seiner Wohnung in der Stadt aufbewahrte. Im Jahre 1929 kaufte die Stadt Treuenbrietzen für 2000,- RM einen Teil der Reichhelmschen heimatkundlichen Sammlung auf und legte somit den Grundstock für ein Heimatmuseum.
Reichhelm bot der Stadt einen weiteren Teil seiner Sammlung zum Kauf an, die hingegen lehnte ab. Einige Stücke übergab er später dem Zauche-Museum in Beelitz, auch fertigte er insgesamt 78 Schautafeln mit frühgeschichtlichen Funden an, die an Treuenbrietzener Schulen sowie andere Einrichtungen in der näheren und weiteren Umgebung verliehen wurden.
Die eigentliche Sammeltätigkeit setzte im Februar 1930 ein, und bis zum Jahresende waren bereits 548 Gegenstände eingegangen. In den Jahren 1931 und 1932 kamen noch einmal knapp 1000 Gegenstände dazu, davon stammten die meisten aus der Stadt selbst, daneben aber auch nicht wenige aus den umliegenden Ortschaften, nämlich Lüdendorf, Dietersdorf, Pflügkuff, Bardenitz, Pechüle, Niebel, Schlalach, Lühsdorf, Deutsch Bork, Zauchwitz und Nichel. Sehr erfreulich ist, dass auch ehemalige Treuenbrietzener Bürger unser Museum mit Stiftungen bedachten. Das war früher so und ist auch heute noch so.
Zu verdanken haben wir diesen großen Zuwachs an heimatkundlichen Gegenständen vor allem einem Mann und zwar dem Mittelschul-Konrektor Herrn Oskar Brachwitz. Wir sehen, dass zu dieser Zeit eine umfangreiche Sammlung vorhanden war, allerdings war sie für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Es ist daher verständlich, dass Herr Gerhard Wernicke in der Treuenbrietzener Zeitung vom 19. September 1927 die Frage stellte: wann kommt das Stadt-Museum?
Er führte weiter aus: Geschichtliche Tradition verpflichtet und von diesem Gesichtspunkt ausgehend, wäre die baldige Einrichtung eines – wenn auch bescheidenen – städtischen Museums ein kluger Schachzug von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Was z. B. das benachbarte Beelitz kann, kann Treuenbrietzen schon längst, und sind erst mal die „Kinderkrankheiten“ überwunden, wird es auch vorwärtsgehen. „Vorgeschichtliche Abteilung“, „Historische Abteilung“, „Himmel-Zimmer“, das „Zunftzimmer“ und eine „Allgemeine Abteilung“ wäre in groben Zügen die Gliederung eines künftigen Stadtmuseums. Die Ausarbeitung dieses Planes musste zweckmäßig ein zu gründender Museumsverein übernehmen. Soweit Herr Wernicke.
Ähnlich äußerte sich im April 1931 Herr Oskar Brachwitz. Von vielen Seiten wird immer wieder der Wunsch geäußert, das Museum zu besichtigen. Wegen der provisorischen Unterbringung in einem Raum der Mittelschule ist jedoch zur Zeit eine Besichtigung nicht möglich, doch ist zu hoffen, dass in absehbarer Zeit die Raumfrage ohne erhebliche Kosten eine Lösung findet, die im Interesse des Museums zu wünschen ist. Dann wird auch unsere Stadt in dieser Hinsicht nicht mehr hinter Jüterbog, Beelitz und Lehnin zurück stehen.

In der Satzung des am 26. Januar 1930 gegründeten Heimatvereins Treuenbrietzen lesen wir unter anderem: „Der Verein macht es sich insbesondere zur Aufgabe, das hiesige Heimatmuseum zu unterstützen. Der Heimatverein war es auch, der für den Vorschlag, die Ruine der Heilig-Geist-Kapelle als Museum auszubauen, den Beifall der Stadtverwaltung sowie der Stadtverordnetenversammlung erhielt. In dieser Zeit wechselte auch die Verantwortlichkeit von der Kirchenverwaltung zur Stadtverwaltung. Ohne die Zustimmung der Verantwortlichen im Regierungsbezirk Potsdam konnte allerdings nicht gebaut werden, und das war auch gut so, denn es wäre im Jahre 1865 fast um die Ruine der Heilig-Geist-Kapelle geschehen gewesen. Der damalige Kirchenvorstand wollte sie auf Abbruch verkaufen. Da man mit diesem Antrag bei den Regierungsbeamten nicht durchkam, heißt es in der Stadtchronik von 1871 wörtlich: „Dieses unschöne Gemäuer verunzieret daher noch immer die Großstraße der Stadt.“ An dieser Stelle einige Ausführungen zum historischen Gebäude.
Erstmalige Erwähnung findet dieser spätgotische Rundbau als „Kapelle des heiligen Geistes“ im Jahre 1352 im Schöppenbuch der Stadt. Über Sinn und Zweck des Gebäudes sowie dessen Erbauer gibt es verschiedene Ansichten. Diente die Kapelle ausschließlich religiösen Zwecken oder war sie nach Art der nordischen Rundwehrkirchen angelegt? Im Jahre 1936 schrieb der Regierungsbaumeister Alfred Bramigk aus Berlin: „Die bescheidene Ruine der Heilig-Geist-Kapelle in Treuenbrietzen ist eines der interessantesten Baudenkmäler in der Mark Brandenburg. Als spätgotische Rundkirche wohl das einzige Beispiel ihrer Art hierzulande. Ohne weiteres ist nicht ersichtlich, ob und welche Beziehungen zwischen den damals entstandenen Rundkirchen des Nordens und der Tatsache bestehen, dass viel später die Treuenbrietzener Heilig-Geist-Kapelle in dieser sonst hier ungewöhnlichen Grundrißform gebaut wurde, wenn auch vermutet werden kann, dass die Zinnaer Mönche, die wohl als Erbauer der Kapelle in Frage kommen, durch die weitverzweigten Beziehungen ihres Ordens Kenntnis von den nordischen Wehrkirchen hatten und im Zusammenhang mit dem Bau der Treuenbrietzener Stadtbefestigungen diesen alten Baugedanken hier als zweckmäßig aufgriffen. Gemeinsam war der Treuenbrietzener Heilig-Geist-Kapelle mit den nordischen Rundkirchen offenbar die doppelte Zweckbestimmung, dass sie nicht nur Kirchen, sondern ebensosehr Wehrbauten waren. Die Bornholmer Rundkirchen haben mehrere Geschosse übereinander, von denen nur das unterste als Kirche diente. Im obersten ist der Wehrgang noch deutlich erkennbar. Die heutigen Kegeldächer der nordischen Rundkirchen stammen fast durchweg erst aus dem 18. Jahrhundert. Ein Unterschied besteht zwischen diesen kleinen nordischen Turmkirchen – die mit einem inneren Durchmesser von etwa 11 bis 13 m nicht sehr viel größer als die Treuenbrietzener Heilig-Geist-Kapelle sind – und den beiden größten, inzwischen verschwundenen Rundkirchen des Nordens – St. Michael in Schleswig und St. Olof in Tönsberg in Norwegen. Die beiden großen Rundkirchen gingen unzweifelhaft auf südländische Vorbilder, die Zentralbauten der Babtisterien, zurück und hatten rein kirchlichen Charakter. Die Ahnen dieser kleinen Wehrkirchen kamen indessen aus dem Norden. Ähnlich, ebenfalls mehrgeschossig, wird auch die Heilig-Geist-Kapelle in Treuenbrietzen gewesen sein. Die kirchlichen Gesichtspunkte traten wahrscheinlich bei ihrer Erbauung hinter denen der Stadtverteidigung zurück. Die drei erhaltenen Fensteröffnungen liegen nach der Stadtseite zu. Nach Westen ist die über 1 m starke Ringmauer geschlossen. Hier befindet sich in dem geringen Abstand von etwa 3 m bereits die Stadtmauer, und zwei äußere Mauervorlagen an der Westseite der Kapelle scheinen auf eine frühere enge Verbindung mit der Stadtmauer hinzuweisen. Als Flankendeckung für das ehemalige Leipziger Tor wird diese Wehrkirche eine wichtige Stellung in der Stadtverteidigung eingenommen haben.“ Soweit die Meinung von Herrn Bramigk.
Am 28. November 1935 treffen sich Vertreter des Reichsausschusses für den Volksgesundheitsdienst, der Provinzialkonservator Blunk, der Regierungsbaumeister Bramigk, Dr. Ruttke, der Parteigenosse Iden, der Stadtbaumeister Heuer und der Konrektor Brachwitz, um über ein Heimatmuseum zu beraten. Dabei gewinnt die Heilig-Geist-Kapelle immer mehr Bedeutung. Im Ergebnis der Beratung übernimmt der Reichsausschuss für den Volksgesundheitsdienst die Leitung und Finanzierung für den Ausbau der Heilig-Geist-Kapelle zum Heimatmuseum. Der Stadt entstehen dabei keinerlei Kosten.
Die Firma Spahn aus Treuenbrietzen bekam den Auftrag zur Konstruktion und Bauausführung und begann ein Jahr später mit den Arbeiten. 1939 war es dann soweit, das Museum konnte seine Arbeit aufnehmen. Der erste Direktor wurde Oskar Brachwitz. Liebevoll wurden die Exponate für die Öffentlichkeit vorbereitet.

Im April 1945 war die Stadt Treuenbrietzen Kampfgebiet. Zum Glück gab es keine Schäden am Gebäude. Nach Beendigung der Kämpfe durfte das Museum nicht verschlossen sein, so kam es, dass Kinder sich im Museum austobten und dabei einigen Schaden anrichteten.
1946 wurde von der Kreisverwaltung in Belzig ein neuer Museumsleiter bestätigt. Es war Herr Bercht aus der Pfarrgasse in Treuenbrietzen. Der Heimatforscher und Initiator des Treuenbrietzener Heimatmuseums Oskar Brachwitz wurde 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht in das KZ Buchenwald verschleppt und ist dort im Jahr 1946 umgekommen. Ebenfalls 1946 entfernten und vernichteten die Sowjets die gesamte Waffensammlung des Museums. Es handelte sich fast ausschließlich um historische Stücke, die nicht unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fielen. Ob diese Aktion mit dem Gerücht, Jugendliche hätten versucht im Gerätewerk Waffen wieder gangbar zu machen, um an Wehrwolfaktionen teilzunehmen, zusammenhängt, läßt sich wohl nicht mehr klären. Seit jener Zeit reagierten die Behörden äußerst empfindlich, wenn an das Treuenbrietzener Museum Waffen abgegeben wurden. Kurze Zeit später erschien die deutsche Volkspolizei und brachte die Exponate ins Museum nach Jüterbog in „Sicherheit“, die meisten kamen dort allerdings nicht an, vielleicht hängen sie bei den Genossen der Volkspolizei als Zierde über dem Sofa, oder Herr Schalk Gollodkowski hat sie gegen harte Währung eingetauscht. In den nächsten Jahren geschah nicht viel im Museum, die Menschen hatten verständlicherweise andere Sorgen.
In den 50er Jahren finden sich wieder geschichtsinteressierte Bürger, die ehrenamtlich für das Museum arbeiten, Horst Behnke, Günter Korn, Claus Grywnow.
Sie ordnen vor allem die ur- und frühgeschichtlichen Funde, kleben Gefäße zusammen, katalogisieren und archivieren die Bestände.
Um das Museum vor der Schließung zu bewahren, wurde eine Fotogruppe gegründet, die auf eigene Rechnung die notwendigen Mittel für die Ausstellungen im Museum aufbrachte. Es waren vor allem die Herren Fink, Grabow, Witt, Kunze, Heitzwebel sen. und jun., Seeger, Gatzky und Wilhelm Jacob. Später fertigte der Sportlehrer Horst Saackel ein Modell der Stadt Treuenbrietzen sowie mehrere Holzbrennarbeiten für unser Heimatmuseum.
Die Öffnungszeiten werden von Herrn Ganzert aus der Stadtverwaltung abgesichert, später findet sich mit Herrn Wilhelm Urban  ein rüstiger Rentner, der diese Aufgabe ehrenamtlich übernimmt. Da das Museum weder eine Heizung noch einen Wasseranschluss besitzt, kann es sowieso nur in den Sommermonaten genutzt werden.
1960 wurden dem Heimatmuseum die Gegenstände aus dem Besitz der Schützengilde übergeben, darunter die kostbaren Schützenketten aus 800er Massivsilber. Kurze Zeit später wurde die gesamte Münzsammlung gestohlen. Besonders bedauerlich der Verlust der römischen Goldmünzen aus der vorrömischen Kaiserzeit. Nach 1965 blieb das Museum geschlossen, so dass bei einer Revision 1973 festgestellt wurde, dass der Kreis Jüterbog seiner Anleitungs- und Kontrollpflicht nicht nachgekommen sei und daher die Wiedereröffnung des Museums nicht durchgesetzt wurde. Noch verheerender fällt der Bericht der staatlichen Finanzrevision vom 1. Dezember 1976 aus:

Die verantwortlichen Mitarbeiter im kulturellen Bereich schenken dem Museum kaum Aufmerksamkeit.
–    Seitens des Bürgermeisters wurde der Arbeitsgemeinschaft „Junge Historiker“ die Aufgabe übertragen, museale Gegenstände zu sichten. Der Leiter der Arbeitsgemeinschaft war für diese Aufgabe nur bedingt qualifiziert und hatte keine Rechenschaftspflicht dem örtlichen Rat gegenüber.
–    Schlechter baulicher Zustand, insbesondere der Dachkonstruktion,
–    erhöhte Verrottungsgefahr der Exponate,
–    Ausstellungs- und Magazinräume unsauber,
–    unsachgemäße Lagerung,
–    kein Überblick über die vorhandenen musealen Gegenstände,
–    das Inventar und die Sachkartei seit Jahren nicht geführt,
–    der Rat der Stadt kommt seinen Aufgaben hinsichtlich der Sicherung des Museumsgutes nicht nach,
–    kein Interesse an der Aufrechterhaltung des Museums durch die Stadt.
Da auch kein Geld für die dringend notwendigen Reparaturen vorhanden war, war man sich zwischen Rat des Kreises Jüterbog und Rat der Stadt Treuenbrietzen einig, das Museum zu schließen. Am 12. Januar 1977 beschließen die Stadtverordneten, die Bestände des Heimatmuseums an das Heimatmuseum Jüterbog abzugeben. Die Bevölkerung ist über diese Entscheidung entsetzt und auch der Kulturbund setzt sich für den Erhalt des Museums ein. Für das Jahr 1978 soll Planungskapazität für die Reparatur des Museums angefordert werden und bis 12. Dezember soll dann ein Konzept für die spätere Nutzung vorliegen.
Als interessierter Bürger war ich 1977 mit einem Freund zum Museum gelaufen, weil wir gehört hatten, dass dort aufgeräumt werden sollte. Was wir sahen verschlug uns dann doch die Sprache. Der damalige Referatsleiter für Jugendfragen, Sport und Kultur legte selbst Hand an. Mit den originalen Ledereimern der alten Feuerwehrspritze wurde der Schutt nach draußen getragen und auf einen bereitstehenden Hänger gekippt. Mit einem Säbel aus der Ausstellung wurden Kalkreste vom Fußboden entfernt, auf die großen Treuenbrietzener Stadtbilder rieselte der Staub, der beim Zuschneiden der Ziegel für die Dacheindeckung entstand …usw.
Zwei Beispiele sollen zeigen, welche Dinge unter anderem weggeworfen wurden.
Der Lehrer Heitzwebel fuhr mit seinem Fahrrad aus Richtung Rathaus kommend in Richtung Bahnhof. In Höhe des Museums entdeckte er ein altes Buch auf dem Schutthaufen eines bereitgestellten Hängers liegend. Im Vorbeifahren griff er das Buch und staunte zu Hause angekommen nicht schlecht. Es war die Stadtchronik von Carl Nathanael Pischon in der Originalausgabe von 1871.
Pantinenmacher Paul Heppe ist in seiner Werkstatt bei der Arbeit. Ein Nachbar kommt ganz aufgeregt angelaufen und meint: „Mensch Paule, du suchst doch immer olle Bilder. Fahr mal nach die Krähe ruff, da liegen eine janze Menge.“ Gleich mit Hausschuhen ging es zur Mülldeponie Krähenberg. Hier fand er einen Teil der fotografischen Sammlung von Karl Reichhelm. Motive von Trachten, alten Bauerngehöften aus der Zeit von 1902 bis 1914.
Da auch 1978 keine Reparaturen durchgeführt werden, fordert der Rat des Kreises am 22.05.1978 die Stadt auf, Projektierungskapazität für 1979 anzumelden mit dem Ziel, 1980 Rekonstruktionsarbeiten einzuordnen.
Zur Betreuung der noch im Museum verbliebenen Bestände wird im Jahr 1978 Frau Elsbeth Melzer wenigstens stundenweise eingesetzt. Der Rat der Stadt informiert seine Bürger in einem Artikel in der „Märkischen Volksstimme“ unter dem Titel: „Was geschieht mit dem Museum Treuenbrietzen“, dass die Exponate nur vorübergehend nach Jüterbog ausgelagert wurden und das Museum nach seiner Rekonstruktion wieder eine Kulturstätte der Stadt werden soll.
Auch die Bürger beschäftigen sich mit der ferneren Nutzung. Einer möchte ein Café mit dem Museum verbinden, andere haben wieder andere Ideen. Einig ist man sich aber darüber, dass das Museum einen ständigen Betreuer braucht. Im Jahr 1980 geht es tatsächlich an die Reparatur der Gebäudeschäden. Das Dach wird umgedeckt. Die zugigen Fenster dicht gemacht, aber noch immer fehlen die Nachtspeicheröfen und die elektrische Leitung. Aber schließlich ist auch dieser Engpass überwunden. Mitte April 1981 öffnet das Museum wieder seine Pforte.
Nach dem Ausscheiden von Frau Melzer 1982 wird das Museum von Helmut Päpke und Frau Schulz betreut. Als die Exponate aus dem Heimatmuseum Jüterbog nach Treuenbrietzen zurückkehren, sind auch die Schützenketten und ein Findling mit Aufschrift „Gasthof zur Eule 1585“ dabei. 1984 sind diese Dinge nicht mehr im Museum.
Frau Schulz scheidet am 30. Juni 1984 wegen eines begonnenen Direktstudiums aus dem Museumsdienst aus. Als der Stadt im Jahr 1985 eine halbe Planstelle für das Heimatmuseum genehmigt wird, löst Richard Löser den ehrenamtlichen Betreuer Helmut Päpke ab.
Im gleichen Jahr schließen sich einige Heimatfreunde zusammen und gründen einen Museumsbeirat, in dem Geschichts- und Museumsfragen diskutiert werden.
Die Reste von Schußwaffen, die noch im Museum vorhanden sind, werden am 10. Januar 1985 von der Volkspolizei beschlagnahmt und verschwanden auf Nimmerwiedersehen.
Als Richard Löser im Jahr 1989 das Rentenalter erreicht, übernimmt Frau Rita Maas die Betreuung des Museums. Noch immer ist das Museum nur in den Sommermonaten zugänglich. Trotz einiger Reparaturen verfielen vor allem die Innenräume in einen Zustand, der die Nutzung nur in geringem Maße ermöglichte. Zugige Fenster, kalte Räume und große Temperaturschwankungen wirkten sich ungünstig auf die Exponate aus.

Anfang 1991 beschließen die Stadtverordneten eine grundlegende Restaurierung des Heimatmuseums und bereits im Juni dieses Jahres begannen dann die Arbeiten. Eine Erdgasheizung wurde eingebaut. Die Balken, Bohlen und Treppen wurden mit Holzschutzmitteln konserviert und wo notwendig saniert. Rohre für die neuen Sanitäranlagen werden verlegt, die Fassade renoviert, Doppelfenster eingebaut. Maler gaben dem Ganzen Farbe und verlegten einen neuen Fußbodenbelag. Auch die Inneneinrichtung wurde komplett neu gestaltet.
Die Leitung des Museums hatte in dieser Zeit Herr Dieter Schugardt übernommen, der auch vorher dem Museumsbeirat vorstand.
Mit Stolz konnte der damalige Bürgermeister Rudolf Werner – der die Stadtverordneten für den 20. Dezember 1991 in das Heimatmuseum eingeladen hatte – von den am Um- und Ausbau beteiligten Firmen das neue Haus übernehmen. Er sprach allen für ihre gute und termingerechte Arbeit seinen Dank aus. Danach nahmen die Stadtverordneten zu ihrer ersten Sitzung im neuen Domizil Platz. Der Bürgermeister erklärte, dass die hohen Investitionen den Zweck haben, die vorhandenen Ausstellungsstücke nachhaltig zu schützen, mit durchgängigen Öffnungszeiten den Interessierten zu allen Jahreszeiten einen Besuch zu ermöglichen, durch monatliche Sonderausstellungen das Kulturangebot der Stadt zu erhöhen und kulturelle Veranstaltungen wie Schriftstellerlesungen, Musikabende und ähnliches zu veranstalten.
Nach einer Ausschreibung der Stelle des Museumsleiters konnte ich am 1. Oktober 1992 mein neues Amt antreten. Nach längerer Diskussion überzeugte ich den damaligen Bürgermeister von meinen Ideen zur Gestaltung dieses Hauses.
Wie im Jahre 1930 wurde 1991 ein Heimatverein gegründet und wieder steht in der Satzung: „Der Verein macht es sich zur Aufgabe, das hiesige Heimatmuseum zu unterstützen.“
An dieser Stelle sei es mir gestattet, mich bei meinen Vereinsfreunden für ihre Unterstützung zu bedanken. Das Gleiche gilt auch für meine Kolleginnen und Kollegen aus den umliegenden Museen, die jederzeit und uneigennützig mir mit Rat und Tat zur Seite standen.
Einen ganz besonderen Dank möchte ich der Stadtverwaltung und vor allem denjenigen Stadtverordneten aussprechen, die die Bedeutung des Museums für die Stadt Treuenbrietzen erkannt haben und mir ihr Vertrauen für diese Aufgabe schenkten. Im Sinne meiner Vorbilder und Vorgänger Karl Reichhelm und Oskar Brachwitz werde ich mich stets bemühen, das in mich gesetzte Vertrauen nicht zu enttäuschen.

Wolfgang Ucksche (veröffentlicht in den Treuenbrietzener Nachrichten vom 17.12.1999)

1 Kommentar

Claus GrywnowMontag, 5. Juli 2010 um 13:15

De Geschichte eines Trauerspiels. – Mit diesem Satz ist wohl schon alles gesagt. Da hat man den Inhalt des Museums (also die Sammlungen), statt ihn in Odrnung zu bringen, kurzerhand beseitigt.
So können aucgh nur kulturlose Meschen „Ordnung“ schaffen. – Aus meiner Erinnerung fällt mir noch eine Episode ein: die Chronilk von Pischon, die Herr Heitzwebel wohl damals gerettet hat, wurde Ende der 50er Jahre von dem damaligen Leiter Herrn Urban an einen Lehrer der Schule ausgeliehen, dann hat er aber vergessen, wer es war. Das Buch ist dann offenbar doch noch zurückgegeben worden. Heute würde ich es kurzerhand digitalisieren, auch wenn es mehr als 100 Seiten umfaßt. Mir ist aber kein Exemplar zugänglich. – Das von einem Mann, heute Rentner, der bis 1961 am Museum (und am Archiv) in Treuenbrietzen mit großer Hingabe und Begeisterung tätig war. – Claus Grywnow

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