Niebels Herren im Streit mit Brietzen

1587 verkaufte der Rat von Brietzen das Dorf Niebel für 4.800 Taler an den Ritter EUSTACHIUS VON ERXLEBEN. Die Stadt übergab ihm die Ober- und Untergerichte und versprach ihm die unentgeltliche Überlassung der für die Ausbesserung des Kirchengebäudes in Niebel benötigten Dach- und Mauersteine. Auf den angrenzenden Wiesen und Triften wurde dem Käufer die freie Hütung für seine Kühe, Pferde und Schafe zugestanden. Er durfte sich auch das nötige Brennholz und Reisig, nicht aber sein Bauholz, aus der angrenzenden städtischen Heide holen. Der Verkauf wurde im Jahre 1588 durch den Kurfürsten Johann Georg dahingehend bestätigt, daß die von Erxleben und ihre männlichen Leibeserben das Dorf Niebel als rechtes Mannlehen besitzen. Mit dem Aussterben derer von Erxleben in männlicher Linie sollte das Dorf Niebel aber wieder an die Stadt Treuenbrietzen zurückfallen.

 

Eustachius von Erxleben und seine Besitznachfolger bedienten sich ihrer Patronatsrechte über die Kirche in Niebel in sehr willkürlicher Weise. So wurden durch den Herrn von Erxleben Geistliche zur Predigt in Niebel zugelassen, die mit der Pfarre in Brietzen in keiner Verbindung standen. Schon 1596 mußte deshalb Johann KÖPPEN d.Ä. den Ritter von Erxleben zurechtweisen und ihn daran erinnern, daß Niebel eine unstreitige Filiale der Kirche zu Brietzen sei. 1612 mußte der Ritter von Erxleben vor dem Konsistorium vermahnt werden, weil er dem Pfarrer zu Brietzen den schuldigen Zehnt nicht entrichtet hatte. 1614 wurde er vom Konsistorium erneut ermahnt, weil er in Niebel einen Küster ohne Vorwissen des Pfarrers von Brietzen eingesetzt hatte. Künftig sollte in Niebel kein Küster ohne Bewilligung des Pfarrherrn zu Treuenbrietzen angenommen werden. Im Jahre 1631 erließ das Konsistorium eine sehr nachdrückliche Vermahnung an Christoph von Erxleben und dessen Hausfrau wegen Versperrung der Kirche zu Niebel. Sollten sie die Kirche nicht wieder öffnen, um darin predigen zu lassen, wurden ihnen 200 Taler Strafe angedroht.
Auch zwischen der Stadt und denen von Erxleben gab es mancherlei Streitigkeiten über die Benutzung von Äckern, Wiesen und Waldungen in den beiderseitigen Grenzdistrikten, namentlich im sog. Grebbin. Die Niebeler hatten keine eigene Holzung. Sie empfingen nur an zwei Tagen des Jahres den nötigsten Brennbedarf aus dem Grebbin. Dazu mußte die Gemeinde Niebel dem Rat der Stadt Treuenbrietzen einen Wagen schicken, um sich das Holz anweisen zu lassen, und die Ratsherren gebührlich bewirten.

(Gefunden in Pischon’s Chronik von: Ernst-Peter Rabenhorst)

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