Das Schützenhaus

Seit 1716 besaß die Treuenbrietzener Schützengilde ein Schützenhaus und führte eine Fahne.
Dieses Schützenhaus hatte in den Befreiungskriegen sehr gelitten. Die Stadt Treuenbrietzen bestritt der Schützengilde das Eigentumsrecht am Schützenhaus und wollte es 1820 zur Tilgung von Kriegsschulden verwerten. Nachdem jedoch die Schützengilde 1821 von der Regierung das Eigentumsrecht zugesprochen bekam, verpachtete sie das Schützenhaus 1823 weiter. Jetzt wandten sich die Schützen an den König und den Magistrat mit der Bitte um Unterstützung beim Neubau eines Schützenhauses.

Am 04.07.1827 traf folgendes Antwortschreiben des Königs an die Schützengilde in Treuenbrietzen ein:
„Ich habe auf den Antrag der Ältesten der Schützengilde zu Treuenbrietzen vom 28.v.M. zum Bau eines neuen Schützenhauses daselbst die Summe von 300 Thlr. als Beitrag zu den Kosten dieses Hauses bewilligt, zu deren Zahlung der Finanzminister angewiesen ist. Berlin, den 4.Juli 1827. FRIEDRICH –WILHELM“

Vom Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung erbaten sich die Schützenältesten ein Stück von der Stadtmauer zum Bau der Fundamente, was ihnen auch bewiligt wurde. Der Bau des Schützenhauses wurde 1828 vollendet. Am 28.August des gleichen Jahres fand dort das Schützenfest statt, bei dem C.F. KOREUBER Schützenkönig wurde. Als Vertreter des Königs hat wohl Hofmarschall VON ROCHOW auf Plessow an der Einweihung des Schützenhauses teilgenommen. Für den Königsschuß, den der Tuchfabrikant Fr. KOREUBER abgab, erhielt die Schützengilde vom Hofmarschall einen Pokal mit der Inschrift: „Der Hofmarschall von Rochow  der Schützengilde zu Treuenbrietzen. Zur Erinnerung an das Schützenfest im Jahr 1828“.

Da das Schützenhaus schon bald den Anforderungen nicht mehr genügte, wurde es 1862 durch einen Anbau und teilweisen Umbau erweitert. Am 10. August desselben Jahres konnte in den neu hergerichteten Räumen das Königsschießen in alt gewohnter Weise gefeiert werden. Um ihre beim Bau des Hauses aufgenommenen Schulden tilgen zu können, verkaufte die Schützengilde folgende ihr gehörende Grundstücke: die Rohrwiese an Bauer BAATZSCH aus Lindow, die Hellbuschwiese an Bauer August HAGEN aus Buchholz und die Kavel an Ackerbürger TORGES.

Nachdem das Schützenhaus immer mehr heruntergewirtschaftet wurde, verkaufte es die Schützengilde 1868 an den Glasermeister und nunmehrigen Schützenwirt Fr. LÜDERITZ. Damit war die Gilde wieder schuldenfrei. Die Gilde behielt sich das Recht vor, ihre Feste daselbst zu feiern und ihre Schießübungen auf dem dazugehörigen Platz für immer fortzusetzen. Lüderitz ließ zuerst eine Kegelbahn im Garten an der Südseite einbauen, 1877 folgte der Bau einer Turnhalle, 1891 verlegte er die Treppe zum Saal nach der Südseite. Nach dem Tode des Schützenwirtes Lüderitz verkaufte seine Frau das Schützenhaus 1895 an Adolf ENGELMANN, der es bereits ein Jahr später an Karl TRITT weiterverkaufte. Er änderte auf Bitten der Schützengilde den Schießstand nach einem von Max RÜGER eingereichten Plan. Nach dem Tode von Karl Tritt führte seine Witwe ab 1901 das Lokal weiter, bis sie es 1908 an Max HILLMANN verkaufte. 1910 ging das Schützenhaus in den Besitz von Schuhmachermeister Otto REHFELD über. Er erwarb ein Grundstück von Gärtnereibesitzer Albert SCHULZE hinzu und verlängerte 1913 den Schießstand auf 175 Meter. Am 20.10.1912 fand das letzte Schießen auf dem alten Schießstand statt. Bereits am 16.06.1913 wurde aus Anlaß des 25-jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers und der Grundsteinlegung des Hohenzollernbrunnens die neue Schießhalle mit einem Jubelschießen eingeweiht. 1919 übernahm Willi DUCHOW das Schützenhaus.
(Nach: „100 Jahre Schützenhaus. Rede des Schützenältesten Otto ZERLING am 5.Juli 1928“, in: Treuenbrietzener Zeitung, Nr.69/159 vom 9.Juli 1928. Gefunden von: Helmut VORKASTNER).

Nach der Wende übernahm 1990 die Stadt Treuenbrietzen das Schützenhaus, welches zu DDR-Zeiten als Klubhaus eine konkurrenzlose kulturelle Einrichtung in der Stadt war, von der HO. Westliche Brauereigenossenschaften wollten das Objekt übernehmen, doch in letzter Minute nahm die Stadt von einem fast unterschriftsreifen Vertrag Abstand. Die Firma hatte von Gastwirt Reinhard DEUTSCHLÄNDER 16.000 DM Umsatz im Monat gefordert. Unter drei neuen Angeboten entschied sich die Stadt nunmehr für eine Verpachtung an den ehemaligen Justiziar im Gerätewerk, Fred REICH.
Der Zustand des Hauses erforderte eine gründliche und zügige Sanierung. Allein 1991 mußte die Stadt etwa 100.000 DM für Unterhalt und Bewirtschaftung des Schützenhauses aufbringen. Im September 1992 zog sich Unterpächter R. DEUTSCHLÄNDER aus der Gaststätte zurück. Da F.Reich keine Pacht mehr zahlte, kündigte die Stadt ihm im Dezember 1992 den Pachtvertrag. Inzwischen war die Heizung ausgefallen. Durch das Auffrieren der Heizungsanlage und offene Stromrechnungen waren der Stadt erneut Kosten in Höhe von 70.000 DM entstanden.
(Aus: Blickpunkt, Nr. 3 vom 08.04.93,S.17).

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