850 Jahre Pechüle

Am Beginn der Feierlichkeiten zum 850. Geburtstag des Dorfes Pechüle, heute Ortsteil der Gemeinde Bardenitz, stand eine Enthüllung: Als am Abend des 25.Mai der Plasteschleier endlich fällt, kommt eine Eule zum Vorschein, Symbol der Weisheit und der Einordnung des Menschen in die ihn umgebende Natur.

In monatelanger Arbeit wurde sie aus den Stammresten einer alten Eiche herausgearbeitet von Guido SCHENKENBERG, einem jungen Künstler, der vor wenigen Jahren in Pechüle eine neue Heimat gefunden hat.Für manchen, der sich heute im Treuenbrietzener Umland und im Fläming mit Heimatgeschichte befasst und dazu historische Ansichten nutzen möchte, ist oftmals das fotografische Werk des damaligen Zahnarztes und Heimatforschers Karl Reichhelm aus Treuenbrietzen unumgänglich. Er war einer der ersten, die sich noch vor 1900 einen Fotoapparat leisteten. Reichhelm schuf damit unwiederbringliche Bilddokumente vor allem aus seiner Heimatstadt Treuenbrietzen. Diese kleinstädtischen Ansichten sollen jedoch nicht Gegenstand meiner Ausführungen sein.
Die Besonderheiten der Natur des Flämings waren für ihn ein wichtiges Betätigungsfeld. So z. B. erfasste und fotografierte er die Riesensteine und warb für ihren Erhalt. Viele dieser Zeugnisse der letzten großen Eiszeit gingen zuvor für die Verwendung als Baumaterial verloren. Auch fotografierte er zahlreiche Flämingrummeln in einem nahezu baum- bzw.  strauchlosen Zustand, was durch Beweiden erreicht wurde. Der Wanderer von heute kann nur mit Mühe nachvollziehen, dass diese Trockentäler durch gewaltige, immer wiederkehrende Regen- und Schmelzwassermassen in die hügelige Landschaft eingeschnitten wurden. Beide Themen waren – neben einem geschichtlichen Abriss der Stadt Treuenbrietzen – Grundlage für drei Aufsätze aus der Feder Karl Reichhelms im ersten „Kreiskalender für Zauch-Belzig“ im Jahre 1913.

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Die Holzskulptur ist eine Geburtstagsgabe an Pechüle und seine Einwohner. Unübersehbar wird sie künftig neben dem Gemeindehaus in Bardenitz über die Geschicke des Ortes wachen.
Seit 750 Jahren steht nachweislich die Kirche im Mittelpunkt des Straßendorfes Pechüle. Sie ist das älteste erhaltene Bauwerk des Ortes und hat mit ihren wehrhaften Mauern und ihrer kunstvollen Innenausstattung alle äußeren Angriffe heil überstanden. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Superintendent FICHTMÜLLER beim Jubiläumsgottesdienst seine Predigt hielt. Er verwies darauf, dass die Pechüler Kirche mit ihrem Turm weithin sichtbar das Ortsbild prägt, ganz anders als im benachbarten Treuenbrietzen, wo ein hässlicher Betonmast neben der Kirche die Silhouette der Stadt verschandelt hat.
Auf der öffentlichen Gemeindevertretersitzung in der Gaststätte „Zur Friedenseiche“ war der große Saal überfüllt, als nach dem Ehrensalut der Schützengilde Silvia STÖCKMANN das Wort zum Festvortrag erteilt wurde. Aufbauend auf der Dorfchronik ihres Vaters Georg HABERLAND ließ sie die wechselvolle Geschichte des alten märkischen Bauerndorfes noch einmal lebendig werden. Mit Beifall wurden ihre abschließenden Worte aufgenommen, dass sie das Vermächtnis ihres Vaters erfüllen und die Arbeit an der Chronik des Ortes Pechüle fortführen wolle.
Georg HABERLAND, der Verfasser der Pechüler Chronik, war ein märkischer Bauer, der fest in seinem Heimatdorf Pechüle verwurzelt war. Archäologische Fundstücke, die beim Beackern seiner Felder ans Tageslicht kamen, und Erzählungen der Dorfbewohner hatten in ihm schon in frühester Jugend das Interesse an der Geschichte seiner Vorfahren geweckt. Er begann alles zu sammeln, was über Pechüle geschrieben oder erzählt worden war. Dabei fand er einen gleichgesinnten Partner in Heimatfreund Fritz TURLEY aus Treuenbrietzen, der ihm bei der Beschaffung wertvoller alter Dokumente behilflich war. Als Rentner wollte er dann alles in einer Ortschronik zusammenfassen. Doch eine schwere Krankheit zwang ihn früher mit der Arbeit zu beginnen, ihm blieb nur noch wenig Zeit. Die vorliegende Veröffentlichung widerspiegelt den Erkenntnisstand, den Georg Haberland bei seinem Tode im Jahre 1988 erreicht hatte.

Ernst-Peter Rabenhorst
Erschienen in den Treuenbrietzener Nachrichten vom 16.06.2000

1 Kommentar

Hans-Joachim BüttnerSonntag, 24. August 2008 um 17:40

Hallo – ich habe vergeblich nach dem Ursprung des Ortsnamens „Pechüle“ gesucht. Wir waren am 23.08.08 mit dem Dombau-Verein dort – niemand konnte diese Frage beantworten.
Es gibt in Berlin-Dahlem einen Pechüler Pfad
Für eine Antwort womöglich aus der Chronik wäre ich – und der Verein dankbar. Ihr Hans-Joachim Büttner

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