Zehn Jahre Rietzer Chor

Es war ein kühler Oktobertag im Jahre 1990. Pfarrer LÜDERSDORF hatte gerade den Konfirmandenunterricht in der Rietzer Kirche beendet und wollte in sein Auto steigen, um nach Treuenbrietzen zurückzukehren. Da trat Bauer STOLZE, der damalige Rietzer Bürgermeister, an ihn heran. „Herr Pfarrer, wir hatten früher einen Chor im Ort gehabt. Könnten wir nicht wieder einen gründen?“ „Und wer soll ihn leiten?“ kam es als Gegenfrage vom Pfarrer. „Sie natürlich!“ sprudelte es aus dem Bauern heraus, „Sie können doch so schön singen und Trompete spielen!“

Pfarrer Lüdersdorf überlegte in den nächsten Tagen hin und her, wie er sich am geschicktesten aus der Affäre ziehen könne. Einfach „Nein“ zu sagen ging nicht, das würde die Rietzer enttäuschen, die all ihre Sangeshoffnungen auf ihn setzten. Andererseits war er gerade an den Abenden ein viel beschäftigter Mann, war so gut wie ausgebucht: Treuenbrietzener Kirchenchor, Posaunenchor, Belziger Kirchenchor, Stadtforum und zahlreiche andere Verpflichtungen nahmen seine ganze Zeit in Anspruch. Da kam ihm die rettende Idee. Er stellte zwei Bedingungen: der Gemeindechor tritt in der Weihnachtszeit auch in der Kirche auf und die Proben finden am Freitag, seinem einzigen freien Abend, statt. Dabei hoffte er im Stillen, dass die Rietzer den Termin unmöglich akzeptieren können. Hatten doch die Frauen zu dieser Zeit mehr als genug mit der Vorbereitung des Sonntagsbratens, dem Waschen der Wäsche und der gründlichen Reinigung des Hauses zu tun. Mancher Bauer  musste auch noch das Vieh versorgen.
Aber der Pfarrer hatte die Rechnung ohne die sangesfreudigen Rietzer gemacht. Sie überarbeiteten ihre eigene Wochenendplanung, warfen Altgewohntes über den Haufen und stimmten dem vorgeschlagenen Termin zu. So traf man sich seit November 1990 regelmäßig am Freitagabend im Rietzer Gemeindehaus oder in der dortigen Kirche und übte sich im Gesang kirchlicher und weltlicher Lieder. Alle hatten ihre Freude daran, die Zahl der Chormitglieder blieb konstant, kaum jemand fehlte einmal unentschuldigt. Die Gemeindeverwaltung unterstützte „ihren“ Chor, dem auch einige Treuenbrietzener angehören, nicht nur moralisch, sondern auch mit einem kleinen jährlichen Geldbetrag.
Und es blieb nicht beim Üben. Mit seinen Liedern umrahmte der Rietzer Chor jahrein, jahraus manch feierliche Veranstaltung. Er hatte keine Schwierigkeiten damit, in der Kirche aufzutreten. Und das nicht nur zur Weihnachtszeit, sondern auch zu Ostern, zur Konfirmation und zum Erntedankfest. Ein besonderer Glanzpunkt waren immer die Auftritte bei runden Geburtstagen oder goldenen Hochzeiten, so zuletzt im Oktober 2000 bei Otto und Erna KILZ in Neu-Rietz und bei Johanna und Werner LEMKE in Treuenbrietzen. Letztere haben sich dafür sogar öffentlich bedankt, als sie in der MAZ schrieben: „Dem Chor der Gemeinde Rietz gilt unser Dank für die gelungene Überraschung.“
Ernst-Peter Rabenhorst

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