Märkischer Aberglaube

Das Buch „Märkische Sagen und Märchen von Adalbert Kuhn aus dem Jahre 1843 gibt einen schönen Überblick über märkische Sagen, Gebräuche und eben auch den Aberglauben.
Es ist zu beachten, dass diese nicht unbedingt mit Treuenbrietzen zu tun haben müssen.

Hier nun ein Auszug:

Übermenschliche Wesen  

Frau Harke und Frau Gode. In der Mittelmark, besonders im  Havellande, in der Uckermark und auch in der Altmark heißt es, dass in den Zwölften Frau Harke durch das Land ziehe, und dass deshalb die Mägde bis zum Tage der heiligen drei Könige ihren Rocken müssen abgesponnen haben, sonst zerkratzt Frau Harke entweder dieselben oder besudelt ihnen den Rocken.

In der Prignitz hat man dieselbe Meinung von der Frau Gode, und diese teilt denn auch solche Ohrfeigen aus, dass die Streifen der Finger das ganze Leben hindurch sichtbar bleiben.

Frau Holle. Wenn es schneit, sagt man, Frau Holle schütte ihre Betten aus und das seien die Federn, die herumflögen, andere sagen dann: sie rupfe ihre Gänse. Zeigen sich kleine Wölkchen Morgens oder Abends am Himmel, welche man Lämmerchen heißt, so sagt man, Frau Holle treibe ihre Herde aus, oder sie treibe heim

Roggenmuhme. An vielen Orten der Mark schreckt man die unartigen Kinder damit, dass man ihnen sagt, die Roggenmuhme (in der Altmark Roggenmöin) werde mit ihren schwarzen, eisernen Zitzen kommen und sie holen.

Kobolde. Kobolde denkt man sich gewöhnlich als kleine rothbäckige Kerlchen, die im ganzen stets lustig und fröhlich sind, und sobald man ihnen Nahrung giebt, besonders Milch, allerhand Dienste im Hause verrichten. Von ihrer Lustigkeit rühren die Redensarten „wie ein Kobold lachen“ und „Kobolds schiessen“ her. Ihre Gestalt zeigen am besten die auf den Jahrmärkten verkauften kleine Figuren von Hollunder, die innen mit Blei ausgefüllt sind, und sobald man sie auf den Kopf stellt, augenblicklich wieder auf den Füssen stehen.
Wenn jemand schnell reich wird, so sagt man von ihm, er habe einen Kobold, welcher ihm Geld und Getreide zubringe, und zwar fliegt er dann als feuriger Drache durch die Luft; das Feuer ist von rother Farbe, wenn er Geld bringt, von blauer, sobald er Getraide trägt.
Es giebt auch Mittel, um durch die Luft ziehenden Draak oder Drachen festzumachen; es müssen nämlich zwei mit gekreuzten Beinen sich gegeneinander stellen, dann wird der Drachen gezwungen, etwas von dem, was er trägt, abzugeben.
Zu demselben Zweck ist es auch gut, das vierte Rad von einem Wagen zu ziehen.
Andere Namen für den Koblad sind „grüner Junge“, namentlich in der Altmark, und „Tückbold“, womit man aber auch an einigen Orten die Irrlichter bezeichnet.
In Gestalt denkt man sich den Kobold auch häufig als dreibeinigen Hasen, Kalb mit feurigen Augen, Rothbart u. dgl. mehr.

Irrlichter. In einigen Dörfern nenntn man sie auch Kobolde, und überall glaubt man von ihnen, daß sie sowie die Mondsüchtigen (Lattenklimmer) genannt die Seelen verstorbener Kinder seien, die keine Ruhe im Grabe hätten, und nun auf der Erde in feurigen Gestalten umherirren müssten, namentlich aber den Wandrer des Nachts vom rechten Wege abführten.

Wassermann, Wassernix, Nickert. Um die Kinder davon abzuhalten, daß sie zu nahe ans Wasser gehen, sagt man ihnen, da unten sitze der Wassermann oder Wassernix, der sei ganz schwarz und fürchterlich, und ziehe sie mit seinem langen Hamen zu sicher herunter, daß sie nie wieder das Tageslicht erblickten. Von vielen Gewässern erzählt man auch, daß sie alljährlich oft auch an bestimmten Tagen, namentlich am Johannistag, ihr Opfer verlangten, d.h. es muß dann ein Mensch darine rtrinken, deshalb fahren dann auch viele Schiffer nicht, sondern machen Ruhetag.

Zwerge. Gewöhnlich Untereerschken oder Unterirdischen, auch Dickköpfe genanntn; man denkt sie sich in kleiner breiter Gestalt, in grauer Tracht mit breiten Hüten. Sie vertauschen ihre ungestalteten Kinder, Wechselbälge, mit den hübschen Kindern der Menschen. Ihr Hauptaufenthalt ist in alten Klöstern und anden verfallenen Gebäuden.

Alb oder Mahre. Der Alb, glaubt man, lege sichh dem Schlafenden auf den Leib und verursache ängstliche Träume; den Gequälten zu befreien, ist am besten, daß man ihn beim Taufnamen ruft.
Die Mahre steht ihm in ihrer Beschäftigung gleich, nur daß sie als schönes weibliches Wesen gedacht wird, daß man fangen kann, wenn man alle Öffnungen des Zimmer verstopft; es kann namentlich nicht entschlüpfen, wenn man es mit Handschuhen anfaßt. Häufig kehrt die Sage wieder, daß jemand lange Zeit mit einer Mahre verheiratet gewesen sein ist, die nachher plötzlich wieder verschwindet. In der Altmark hat man für den Namen Mahre die Form Mahrt und denkt sich meistens darunter einen Marder, der sich ebenfalls dem Schlafenden auf den Leib legt. An vielen orten der Altmarkt hält man auch dafür, daß die Mutterplage, asthmatische Zufälle, durch die Moger, ein häßliches Thier, das im Leibe des Menschen sitzt und aus dem Halse kriechen will, hervorgebracht werden.

Werwölfe. Mehrfach glaubt man noch, daß es Menschen gebe, die sich in Werwölfe verwandeln können und zwar geschehe es dadurch, daß sie sich einen Wolfsriemen umschnallen, in dem die zwölf Himmelszeichen auf eine zauberische Art eingewirkt sind. Wollen sie wieder Menschen werden, so legen sie den Gürtel ab. Besonders in den Zwölften treten sie auf, und, um sie da nicht an die Viehställe heranzulocken, wird kein Dünger aufgebracht.

Bihlweisen. So nannte man ehemals in der Mark die Leute, die einem sein Vieh bezauberten, daß es blöde und verzagt ward, verdorrte, keine Milch gab und dergleichen mehr. Sie bewirkten es besonders dadurch, daß sie ihr Teufelswerk unter den Schwellen der Ställe begruben, worauf das Vieh, welches darüber ging, verquinte und starb. Um das Vieh gegen diesleben zu schützen, muß man es am Walpurgisabend mit Meerkraut, das man in Urin gekocht hat, waschen.

Hexen. Der Glaube an hexen ist ind er Mark noch immer nicht verschwunden; Krankheit an Menschen und Vieh wird noch häufig denselben zugeschrieben, und man hört noch oft, wenn jemand krank ist, die Worte: „Ja, die hat es mir angetan!“
Am Walpurgisabend ziehen die Hexen bald auf Besenstielen, bald auf Gänseküken, Butterfässern, Mistgabeln usw. zum Blocksberg, daher zeichnet man noch aller Orten, besonders die Jugen, drei Kreuze an die Thüren der Häuser und Ställe. Über den durch angebliche Hexen in frührer Zeit in der Mark ausgeübten Zauber ist zu vergleichen „v. Naumer über die Hexenprocesse in der Mark“, in den Märl. Forschungen S. 236 ff.
Eine derselben bekannte , daß sie neun Tage lang vor Sonnenaufgang jedesmal einen neuen Napf mit Bier und Brot in einen Fliederstrauch hinter der Schinderei gesetzt und dabei folgende Worte gesprochen hab: „Guten Morgen, Flieerstrauch, du viel Gute, ich bringe dir Bier und Brot, du sollst mir helfen aus aller Noth, und so du mir helfen wirst, so werde ich morgen wieder bei dir sein.“
Man hat folgende Erkennungsmittel für die Hexen:
In bestimmten Tagen gehen dieselben in die Kirche. Will man sie sehen, so muß man das erstgelegte Ei einer schwarzen Henne in die Tasche stecken und so in die Kirche gehen; dann erkennt man sie an kleinen Butterfässern, die sie auf dem Kopfe tragen. Man muss sich aber sehr hüten, daß sei einem nicht zu nahe kommen, denn alsdann suche sie das Ei zu zerdrücken, wodurch man in einen großen Schaden gerathen kann.
Ein andres Mittel, um den Auszug der Hexen zum Blocksberg mit anzusehen, ist, daß man eine Furche um das Dorf zieht, dann den Pflug in die Höhe richtet und bis zur Dunkelheit wartet, alsdann kann man sie deutlich erkennen. Dasselbe erreicht man auch, wenn man sich unter eine ererbte Egge setzt, doch so, daß die Zähne derselben nach oben stehen.

Teufel. An vielen orten erzählt man sich noch von schwarzen Hunden mit feurigen Augen, die sich namentlich an gewissen Stellen aufhalten und dort Schätze bewachen.
Man spricht, daß sei der Böse, der in dieser Gestalt umherwandle. In einigen Gegenden glaubt man, wenn sich ein Wirbelwind erhebt, der Teufel sitze darin und fahre tosend durch die Luft.

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