Färberei KOREUBER oder „Weihnachtsmannhaus" – eine Chronik der Großstraße 1

Das als „Weihnachtsmannhaus“ bekannte Gebäude Großstraße 1 stammt aus dem frühen 18.Jahrhundert und zählt zu den größten Fachwerkbauten im Land Brandenburg. Es war von Anfang mit einer Färberei verbunden, betrieben von der Familie KOREUBER. Woher aber kommt der Name „Weihnachtsmannhaus“? Frau BERKHOLZ denkt dabei, wie viele andere Treuenbrietzener auch, sogleich an Dr. LEST, einen früheren Bewohner des Hauses. Er war ein sehr kleiner Mann, ging immer äußerst gepflegt und aufrecht in seiner grünen Jägeruniform durch die Stadt.

 

Am auffälligsten war sein langer schneeweißer Bart. Herr PAEPER hatte oft bei ihm in der Wohnung gesessen und Skat gespielt. Dr. LEST zeichnete sich dabei durch ein traumhaftes Gedächtnis aus, er konnte immer genau vorausberechnen, wann er die notwendigen 61 Augen beisammen hatte. Dr. LEST muss nach seiner Ansicht auch ein sehr vermögender und unabhängiger Mann gewesen sein. Er durfte zu DDR-Zeiten seine Schriften im Westen publizieren und konnte seine einzige Tochter Hilde-Rose in Paris und Wien studieren und ihr dort Wohnungen einrichten lassen. Er erhielt sogar die Erlaubnis, zum Begräbnis des ersten österreichischen Nachkriegspräsidenten, mit dem er gemeinsam das Abitur abgelegt hatte, nach Wien reisen zu dürfen. Vor allem in Erinnerung geblieben sind ihm aber die karierten Breeches-Hosen und die hell-braunen Stiefel, die er bei allen Stadtspaziergängen trug, und natürlich der weiße Rauschebart.
Abgeleitet von dieser Äußerlichkeit wird das Haus, in dem er ein- und ausging, im Volksmund wohl den Namen „Weihnachtsmannhaus“ erhalten haben.
Nun etwas zu dem Mann, der dem Haus zu seinem Namen verholten haben soll. Dr. Ing. Gustav LEST, erhält 1947 die vorläufige Genehmigung, den freien Beruf als „Sachverständiger für Papier-, Wärme- und Krafttechnik“ in Treuenbrietzen auszuüben. In seinem Lebenslauf gibt er über sich Auskunft: In Kratzau bei Reichenberg in Böhmen am 26.01.1876 geboren. Schon früh wendet er sich der Papierfabrikation zu und wird im Jahre 1900 mit der selbständigen Leitung der Papierfabrik in Treuenbrietzen beauftragt. Diese Stellung hat er 10 Jahre inne. Danach leitet er Papierfabriken in Roßlau, Zell a. H., Sinsleben und Bad Muskau. Überall hat er den Abwärmebetrieb und die rationelle Wärmewirtschaft eingeführt. Dazu veröffentlicht er auch mehrere Artikel in Fachzeitschriften.
„Seine beiden größten Arbeiten ‚Wärmewirtschaft in der Papier- und Zellstoffindustrie‘ und .Umbau oder Neuanlage‘ sind vom Verein der Zellstoff- und Papierchemiker und Ingenieure mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden und als Band 12 der Schriften dieses Vereins erschienen. Herr Direktor LEST gehört dem Vorstand des Vereins Deutscher Pappenfabrikanten sowie der Vereinigung Deutscher Maschinenlederpappenfabrikanten an.“ Da er sich der Zusam-menarbeit mit der NSDAP verweigert, wird er schikaniert. Ihm werden Steuerprozesse angehängt, der größte Teil seines erarbeiteten und ersparten Vermögens wird konfisziert. Er arbeitet jetzt 12 Jahre als Sachverständiger für verschiedene Projekte.
Sein angehender Schwiegersohn, der Chefdramaturg Richard DÜWEL, wird am 9.Oktober 1944 in der Strafanstalt Brandenburg-Görden hingerichtet. „Auf Grund meiner epochemachenden Arbeiten bin ich (1926) von der Technischen Hochschule Breslau zum Dr. Ing. h.c. ernannt worden.“ (Aus dem Lebenslauf von Dr. LEST). – Dr. ing. h.c. LEST aus der Großstraße 1 wird auch nach 1945 mehrfach bei der Verwaltung vorstellig. Die reagiert auf ihre Art: „Es wurde beschlossen, dass Herr LEST aufgrund seiner fortwährenden Meckereien, hauptsächlich der im o.a. Schreiben erwähnten angeblichen Verschiebung von Baumaterialien durch das Bauamt, gemäß Stadtverordnetenbeschluss aus der Baukommission ausgeschlossen werden soll.“ So heißt es lapidar im Protokoll des Stadtrates vom 22.09.1949. Wie aber kam er in Verbindung mit dem KOREUBER-Haus? Ganz einfach: Nach seiner Arbeitsaufnahme in Treuenbrietzen war er auf der Suche nach einer „guten Partie“ und stieß dabei auf Agnes KOREUBER, die Tochter des Färbereibesitzers aus der Großstraße 1. Sie heirateten, hatten eine gemeinsame Tochter und ließen sich wieder scheiden.

Dr. LEST verließ Treuenbrietzen, kehrte nach 1945 aber dorthin zurück und erhielt wieder Wohnrecht in der rechten Parterrewohnung des Fachwerkhauses Großstraße 1. Dort verblieb er bis zu seinem Tode. Doch nun zur Geschichte des Hauses, die weit zurückreicht. Überliefert ist, dass der Kunst-, Weid- und Schönfärber Gottfried August KOREUBER am 12.Mai 1786 geboren wurde und später eine Charlotte KRÜGER heiratete. Seine Nachfahren bis 1903 waren Färbereibesitzer und meist auch Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung.
Die älteste erhalten gebliebene Mitteilung in der Bauakte stammt vom 4.April 1843. Dort heißt es: „Bei der von der ständischen Feuer- Revisions- Kommission am 27.September 1842 abgehaltenen Feuer- Revision fand dieselbe im Hause der Frau Withwe KOREUBER, No. 1, dass die Torfgrube auf dem Hofe nicht verschlossen ist.“ Die Witwe KOREUBER wird angewiesen, innerhalb von drei Wochen eine feuerfeste Tür vor der Torfgrube anzubringen. Am 10.Oktober findet eine Nachrevision statt. Dabei wird festgestellt, dass der Auflage Genüge getan und die Restasche durch Anlegung einer neuen Torfgrube vorschriftsmäßig unter Verschluß gebracht wurde. Unterzeichnet ist das Dokument von den Mitgliedern der Städtischen Feuer- Sicherheitsdeputation SCHWARZSCHULZ, BOTHE, WEIRICH, BEHRENDT und POPPENBERG. Das nächste Dokument ist eine Bauzeichnung für den Schönfärber KOREUBER vom 25.Februar 1851. Darin geht es um die Vergrößerung des linken Giebels der Blauerei (Blaufärberei). Die Blauerei ist von der Großstraße aus gesehen der linke Teil des Fabrikgebäudes, im rechten Teil befindet sich die Färberei. Beide sind durch eine Mauer mit Schornstein voneinander getrennt. Das Wohngebäude von KOREUBER liegt links von der Färberei, dazwischen ist eine Auffahrt. Rechts neben der Färberei fließt der Freigraben. Der Heraussetzung des Giebels wird unter der Bedingung zugestimmt, dass der ganze Anbau massiv aus Stein errichtet wird.
Am 23.August 1851 erhält Frau Witwe Schönfärber KOREUBER die Genehmigung für die Vergrößerung ihres Schuppens hinter dem Färbereigebäude. Die Erweiterung ist 11 Fuß lang, 17 Fuß breit und eine Etage hoch. Sie ist in Fachwerk und mit Ziegelbedachung auszuführen. Das Fachwerk ist mit gebrannten Ziegeln auszumauern. Unterschrieben sind Situationsplan und Auflagen von Bürgermeister HEMPEL. Am 19. März 1860 wird ein weiterer massiver Anbau an das Färbereigebäude des Schönfärbereibesitzers Gustav KOREUBER genehmigt. Die Bauzeichnung stammt von Maurermeister KOENIG. Der Anbau befindet sich in der Auffahrt gegenüber dem Wohngebäude.
Zwei Jahre später lässt KOREUBER den alten Schweinestall hinter dem Wohnhaus abbrechen und einen neuen massiven Stall an gleicher Stelle errichten. Die nächste Bauzeichnung stammt aus dem Jahre 1867, angefertigt von Maurermeister RÜGER. Es soll ein Raum an der Durchfahrtseite der Blauerei angebaut werden. Die Bauausführung wird Maurermeister RÜGER und Zimmermeister WEIRICH übertragen. Neben der Blauerei findet man hier statt Färberei den Begriff Siederei. Dann folgt noch eine Gehilfenstube. Hinter dem Wohnhaus ist eine Schwarzfärberei aus Steinfachwerk mit Ziegeldach eingezeichnet und hinter der Siederei befindet sich der Torfschuppen aus Fachwerk mit Ziegeldach.
Am 25. Januar 1873 richtet Färbereibesitzer G. KOREUBER ein Schreiben an den Magistrat. Er bittet darum, sein Grundstück gegen das 1869 fertig gestellte Städtische Krankenhaus Hinter der Mauer durch die Errichtung einer massiven Mauer abgrenzen zu dürfen. Dabei erklärt er sich auch zu einer geringfügigen Grenzregulierung zugunsten des Städtischen Krankenhauses bereit. Die Mauer soll am rechten Ende des Armenhauses der Stadt Treuenbrietzen beginnen, am Stall des Städtischen Krankenhauses vorbei führen und am Schanzgraben enden. Sie trenne damit seinen Garten vom Hofraum des Krankenhauses. Er hoffe, dass diese Trennmauer auch im Interesse der Stadt liege und die Stadt sich an den Kosten beteilige. Die städtischen Gremien stimmen dem Vorschlag zu.
1882 verstirbt der Rentier und Färbereibesitzer Gustav KOREUBER. Er vermacht dem PIETSCH‘ schen Armenhaus ein Legat von 3.000 Mark. Der Zinsertrag soll am 28. Juli, seinem Geburtstag, gleichmäßig unter die Armenhäuslerinnen und den Hausvater verteilt werden. (ZBZ,14.06.1882). Am 30.Mai 1910 beantragt die Witwe Antonie KOREUBER, geb. LAMPRECHT, bei der Polizeiverwaltung den Anschluss ihres Hausgrundstückes Großstraße 1 an die öffentliche Wasserleitung und Kanalisation und am 4.Oktober 1911 reicht Maurermeister STOLLE bei Stadt-bautechniker HENSSEL die Baupläne zur Erbauung eines Stalles auf dem Gehöft der Witwe A. KOREUBER in der Großstraße 1 ein. Der Bau wird genehmigt. 1923 wird der Antrag gestellt, im ehemaligen Färbereigebäude auf dem Grundstück der Geschwister KOREUBER in der Großstraße 1 eine Tischlerwerkstatt einzurichten. Bürgermeister JENNER reicht den Antrag zuständigkeitshalber an den Kreisausschuss in Belzig weiter. Er schreibt am 27.Januar 1923: „In dem fraglichen Raum ist nur eine Holzbalkendecke ohne Zwischendecke vorhanden. Da in dem Raum ein Leimofen erbaut werden soll, sind die vorgeschriebenen Bedingungen im vorliegenden Falle nicht erfüllt. Ferner halten wir es für bedenklich, nach der Straße eine Eingangstür zuzulassen. Die Straße hat an jener Stelle nur eine geringe Breite und bildet im Vergleich zu dem außerordentlich starken Verkehr schon immer ein Ver-kehrshindernis. Da durch den beabsichtigten Durchbruch der Tür Nachteile und Belästigungen für das Publikum zu befürchten sind, müssen wir auch im Interesse des öffentlichen Verkehrs uns gegen den Antrag aussprechen.“ Der Antrag wird abgelehnt. 1925 stellt Schmiedemeister Friedrich NATTRODT den Antrag auf Errichtung einer Schmiedewerkstatt auf dem Grundstück der Geschwister KOREUBER in der Großstaße 1. Bürgermeister JENNER hat auch hiergegen Bedenken. Er wendet sich am 12.Mai ans Gewerbeaufsichtsamt: „In der zu errichtenden Werkstatt ist keine Decke vorhanden. Es wird beabsichtigt, eine Holzdecke einzubauen, die geschalt, geröhrt und geputzt werden soll. Ob diese den Vorschriften entspricht, lässt die Bauordnung nicht einwandfrei erkennen. Weitere Zweifel bestehen insofern, als die Schmiede mit ihrem störenden Betriebe an einem Straßenteil zu liegen kommt, der zu den verkehrsreichsten Teilen der Stadt gehört.“ Doch das Gewerbeaufsichtsamt in Luckenwalde hat keine Bedenken gegen eine Erteilung der Bauerlaubnis.
Am 27.Mai 1925 erklären Frl. Helene KOREUBER und Frau Agnes LEST geb. KOREUBER aus der Großstraße 1 vor dem Bürgermeister folgendes: „Sollten wir früher oder später gezwungen sein, von unserem Grundstück Großstraße 1 Gelände zur Straßenverbreiterung nach Maßgabe des bestehenden Baufluchtlinienplanes abzutreten, so verpflichten wir uns schon heute für uns und unsere Besitznachfolger, diejenigen baulichen Werte, die jetzt durch den von uns beabsichtigten Ausbau des Färbereigebäudes geschaffen werden, insoweit bei unserer Entschädigungsforderung außer Acht zu lassen, als die Gestehungskosten des Ausbaus die Werterhöhung bedingen.“ Am 15. Mai 1934 macht der in der Großstraße 1 als Pächter wohnende Gärtner Peter BUSCH eine Eingabe an den Magistrat, in der er sich über die unzureichenden hygienischen Verhältnisse in der Großstraße 1 beschwert. Für die 25 Personen, die in diesem Hause wohnen, sei nur ein öffentlicher Abort vorhanden. Frau LEST und Frl. KOREUBER sollten sofort angewiesen werden, für seine Familie einen Abort zu errichten. Während der darauf folgenden Gerichtsverhandlung vertritt Rechtsanwalt Dr. von WITTKEN aus der Adolf- Hitler- Straße 68 in Treuenbrietzen die beiden Frauen. Er schreibt in seiner Stellungnahme: „Dieses Klosett ist keineswegs unhygienisch oder unsauber, sondern es ist, wie sich der Unterzeichnete persönlich überzeugt hat, einfach aber sauber. Das einzige daran ist, dass es noch aus einer Zeit herrührt, in welcher die technischen Anlagen moderner Klosetts noch nicht erfunden waren.“ Herrn BUSCH sei dieses Klosett angeboten worden, er habe aber abgelehnt. „Einmal wolle er das Klosett nicht säubern, dann aber vor allen Dingen wolle er die von ihm und seiner Familie abfallenden Fäkalien zur Düngung des von ihm gepachteten Gartens benutzen und deshalb bediente er und seine Familie sich zur Verrichtung der natürlichen Bedürfnisse eines Eimers.“ Weiter schreibt er: „Im Hause befinden sich natürlich 4 mit einer neuzeitlichen Wasserspülungsvorrichtung versehene Klosetts, welche den Mietern des Hauses zur Verfügung stehen. Stadtbekannt dürfte sein, dass in diesem Hause auch Herr Dr. WIEDWALD seine Praxis betreibt, und es dürfte kaum anzunehmen sein, dass er als Arzt derartige hygienische Zustände.. .gutheißen und mitmachen würde.“ -Auch Stadtbaumeister HEUER kommt zu dem Schluß: „Die Abortanlagen sind in Ordnung…Auf dem Grundstück wohnen 6 Familien, außerdem hat der Schmied NATTRODT seine Betriebsstätte dort. Vorhanden sind 4 Wasserspülklosette und 2 Hofaborte, die nach den geltenden Vorschriften als ausreichend anzusehen sind. Klosettanlagen mit Wasserspülung können nicht überall sein. Aborte mit Gruben oder Kasteneinrichtung sind zulässig, sofern die Auswurfstoffe auf dem Grundstück landwirtschaftlich verwendet werden können, was hier der Fall ist.“ 1941 wird in der ehemaligen Schmiede Großstraße 1, die jetzt Adolf- Hitler- Straße heißt, die Annahmestelle der NSDAP- Ortsgruppe für die Reichsspinnstoffsammlung eingerichtet. Gesammelt werden hier Textilien aller Art. (Streiter,01.08.1941). Im gleichen Jahr wird dem Stellmachermeister Richard FLEISCHHAUER aus der Neue Marktstraße 4 gestattet, „in dem Stadt. Gebäude (frühere Schmiede NATTRODT) Wehrmachtsfahrzeuge vorübergehend unterstellen zu können gegen eine Anerkennungsgebühr von 5,00 RM monatlich.“ Zur Bedingung wird gemacht, dass der NSFK (=Nationalsozialistisches Fliegerkorps)- Sturm 6/25 in diesem Gebäude einen Stellplatz für seinen Windenwagen erhält. Dieser Wagen darf nur mit leerem Benzintank dort untergestellt werden. – Nachdem die hiesige Modell- und Segelflugwerkstatt des NSFK in der Steinmühle zum 01.11.1942 geräumt wurde, werden die dort noch vorhandenen Geräte und Werkzeuge ebenfalls in der ehemaligen Schmiede NATTRODT untergestellt. 1942 wird der Abriss des Gebäudes in Erwägung gezogen. Der Bürgermeister von Treuenbrietzen bietet der Reichspostdirektion das Ziegelei-Grundstück TITTEL in der BISMARCK-Straße für den Postneubau an. (Aktennotiz 16.01.1942). Im Antwortschreiben der Reichspostdirektion heißt es: „Die Stadt beabsichtigt, aus verkehrstechnischen Gründen das große Fachwerkhaus am Eingang zur Altstadt abzubrechen und – im Zuge sonstiger städtebaulicher Maßnahmen – an Stelle des Fachwerkhauses und darüber hinaus nach Norden einen Grüngürtel anzulegen. Der Postneubau wird daher an diesem Grüngürtel liegen und von der Dietrich- ECKART- Straße (=so hieß damals ein Teil der Leipziger Straße) aus gut sichtbar sein.“ (Schreiben vom 27.01.1942). -Dieser Plan konnte aber nicht mehr verwirklicht werden, das Haus überlebte den Zweiten Weltkrieg. Ein Teil des Grundstücks Großstraße 1, die ehemalige Schmiede NATTRODT, wurde in der Nazizeit von den Geschwistern KOREUBER an die Firma KOPP verkauft. „Nach dem Zusammenbruch wurde die Stadt Treuenbrietzen Eigentümerin desselben; somit ging der Kaufvertrag automatisch in ihren Besitz über. Unter diesem Grundstück führt eine hölzerne Wasserleitung zum Haus LEST, die im Laufe der Zeit nun verfault und verstopft ist.“ Die Stadt stellt sich die Frage, ob sie diese Leitung jetzt wieder in Ordnung bringen muss. (Protokoll Ratssitzung vom 22.02.1951). 1963 ist eine Frau BOOG aus Görlitz mit der Verwaltung des Hauses betraut. Sie informiert den Rat der Stadt Treuenbrietzen, Abt. Wirtschaft, dass Anfang Juli In der Großstraße 1 Dachdecker- und Installationsarbeiten durchgeführt werden. (Schreiben vom 3.Juni 1963). – Im September 1966 erfolgt auf Grund einer Eingabe des VPKA Jüterbog, Abt. Feuerwehr, eine Überprüfung des Daches und seiner Konstruktion durch die Staatliche Bauaufsicht. „Hierbei wurde festgestellt, dass die Dachkonstruktion in einem äußerst bau-fälligen Zustand ist und der Durchgang ab sofort wegen Einsturzgefahr für jede Nutzung gesperrt ist.“ (Schreiben vom 07.09.1966). -1969 werden vom Aktiv für Bauwesen das Putzen und der Anstrich der Fassade des Hauses Großstraße 1 genehmigt. Auf Vorschlag des Instituts für Denkmalschutz der DDR beschließt der Rat der Stadt Treuenbrietzen im Jahre 1969, das Wohnhaus Großstraße 1, Besitzer LEEST, nicht mehr unter Denkmalschutz zu stellen. (Protokoll Ratssitzung vom 24.04.1969). – Als Frau BOOG davon Kenntnis erhält, legt sie Widerspruch ein. Sollte die Herausnahme aus dem Denkmalschutz nicht zurückgenommen werden, „rollt diese Angelegenheit bis zum Ministerium nach Berlin“, schreibt sie. Eine Abschrift des Widerspruchs schickt sie an die Hauseigentümerin, Frau Dr. Hilde-Rose LEST. -Das Gebäude verbleibt unter Denkmalschutz. Der Rat der Stadt beschließt 1973, dass ein Zwangskredit für das Grundstück Großstraße 1 nicht aufgenommen wird, „da diese Mittel sich auf Grund des starken Verfalls dieses Gebäudes nicht amortisieren würden. Die im Grundstück frei gewordenen Wohnungen können deshalb nur in dem Zustand vermietet werden, in dem sie sich zur Zeit befinden bzw. an Personen vermietet werden, die selbst entsprechende Werterhaltungsmaßnahmen durchführen. Eine offizielle Vergabe vom Rat der Stadt erfolgt nicht mehr.“ (Protokoll Ratssitzung vom 12.07.1973). – Schließlich wird aber im Jahre 1987 ein Kreditantrag der VEB(K) Kommunale Wohnungsverwaltung Jüterbog für das Grundstück Dr. Hilde-Rose LEST, Großstraße 1, in Höhe von 20,0 TDM für Maler- und Sanitärarbeiten bestätigt. Nach dem Tode von Dr. Hilde-Rose LEST gehört das Grundstück einer von ihr eingesetzten Erbengemeinschaft Dr. LEST. Am 22.Juni 1995 wird es versteigert. Im Auktionskatalog finden sich Angaben zum damaligen Zustand des Hauses:„Altbau in Fachwerkkonstruktion. Baujahr ca. 1780. Grundstücksgröße ca. 1.570 qm. 8 Whg. mit ca. 757 qm, davon 5 Whg mit ca.484 qm leer stehend. Ofenhzg., Podesttoiletten, tlw. Innen-WC. Insgesamt instandsetzungsbedürftiger Zustand. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.“ Im Bauausschuss der Stadt Treuenbrietzen werden im Januar 2004 erstmals Pläne für eine mögliche künftige Nutzung des Hauses Großstraße 1 vorgestellt. Für die Sanierung benötigt man ca. 2,4 Mio. Euro. Der Heimatverein erhält Stiftungsgelder der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS) für bauhistorische Untersuchungen im Rahmen der Sanierung der Gebäude auf dem Grundstück Großstraße 1. (FE,15.07.2005). Nachdem die Stadt das Haus von einem privaten Besitzer übernommen hat, geht es an die Arbeit. Zunächst wird die Scheune auf dem Hof wieder hergerichtet. Nach der Sanierung der Scheune geht es im Innern des Fachwerkhauses weiter. Marode Balken müssen teilweise erneuert werden. Auch der Dachstuhl wird überabeitet und das Dach neu eingedeckt. Künftig sollen dort die Kita „Spielkiste“, die Bibliothek sowie ein Seniorentreff und Vereinsräume untergebracht werden. (FE,25.10.2005)

Ernst-Peter Rabenhorst
Erschienen in den Treuenbrietzener Nachrichten 01/2008

3 Kommentare

Nattrodt Jürgen Horst KarlSonntag, 21. Juni 2009 um 02:21

Ich habe mich gefreut meinen Nachnamen hier in einer sehr interessanten historischen Abhandlung zu finden. Witzigerweiser bin auch ich im Metallhandwerk tätig, wie mein wahrscheinlicher Vorfahre.
Mit freundlichen Grüßen, Jürgen Nattrodt

Dr. Dieter DolifMontag, 19. Oktober 2009 um 05:22

Noch immer denke ich an gerne an die Zeit zurück, die ich als Enkel von Dr. WIEDWALD und seiner Frau Elisabeth von 1944 bis 1961 in diesem Haus verbrachte.Die alten Gemäuer waren für uns Kinder wildromantisch, mit zahlreichen geheimen Verstecken. Dr Leest fürchteten wir sehr – obwohl er uns nie zu nahe trat.
Mit freundlichen Grüßen
Dieter Dolif

Suely NattrodtMittwoch, 31. März 2010 um 20:17

Gostaria de informações sobre a minha família Nattrodt/Friedrich.
Muito obrigada

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