Sabinchen war ein Frauenzimmer

Treuenbrietzen wird auch die „Sabinchenstadt“ genannt. Der Grund dafür ist das bekannte Küchenlied „Sabinchen war ein Frauenzimmer“.

sabbrunDas Lied, das in verschiedenen Versionen existiert, erzählt die Geschichte einer Dienstmagd, die „gar hold und tugendhaft“ war, bis sie sich mit einem jungen Schuhmacher „aus Treuenbrietzen“ einließ. „Sein Geld hat er schon lang versoffen“, deswegen forderte er ihres. Da sie keines besaß, stahl er „von ihrer guten Dienstherrschaft drei silberne Blechlöffel“. Als der Diebstahl entdeckt wurde, „da jagte man mit Schimpf und Schande Sabinchen aus dem Haus.“ Die Beschimpfungen durch Sabinchen beendete der Schuster, indem er ihr kurzerhand mit seinem Rasiermesser „den Schlund“ durchschnitt. Er wurde verhaftet und gestand „bei Wasser und bei Brot“ die Untat….

Wie es typisch für Moritaten ist, endet auch diese mit einer moralischen Belehrung des Zuhörers:

„Trau keinem Schuster nicht!
Der Krug, der geht so lange zum Brunnen,
bis dass der Henkel abbricht.“

Das Original ist eine Ballade, die erstmals in Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten erschien. Sie beginnt dort anders, nämlich mit einer ermahnenden Einleitungsstrophe, in welcher der Diebstahl als solcher verurteilt und nicht der Beruf des Schusters in Misskredit gebracht wird: „Der Diebstahl, der bringt große Schmerzen und nie kein Segen nicht.“ Die Originalballade spricht auch nicht von „Sabinchen“, sondern von „Sabine“.

Hier aber nun der Text, der heute am bekanntesten ist:

Sabinchen war ein Frauenzimmer, dabei gar tugendhaft,
Sie diente treu und redlich immer bei ihrer Dienstherrschaft.
Da kam aus Treuenbrietzen ein junger Mann daher.
Der wollte gern Sabinchen besitzen und war ein Schuhmacher.
 

Sein Geld hat er versoffen in Schnaps und auch in Bier,
da kam er zu Sabinchen geloffen und wollte welches von ihr.
Sie konnt ihm keins geben, da stahl er auf der Stell
von ihrer guten Dienstherrschaft sechs silberne Blechlöffel.

Jedoch nach achtzehn Wochen, da kam der Diebstahl raus,
da jagte man mit Schimpf und Schande Sabinchen aus dem Haus.
Sie rief: verfluchter Schuster, du rabenschwarzer Hund!
Da nahm er sein Rasiermesser und schnitt ihr ab den Schlund.

Das Blut zum Himmel spritzte; Sabinchen fiel gleich um,
der böse Schuster aus Treuenbrietzen, der stand um ihr herum.
In einem dunklen Loche – bei Wasser und bei Brot,
da hat er endlich eingestanden die grausige Moritot.

Und die Moral von der Geschichte: Trau keinem Schuster nicht!
Der Krug, der geht so lange zu Wasser, bis daß der Henkel bricht.


Das Sabinchenlied war in der Vergangenheit oftmals ein beliebtes Ansichtskartenmotiv, auch wurde dem Sabinchen in Treuenbrietzen ein Brunnen gebaut – Bilder dazu gibt es in unserer Fotogalerie:

Zu den Bildern!

3 Kommentare

JoanneFreitag, 16. Januar 2009 um 16:54

Gute idee, zum recherchieren!

lisaMittwoch, 2. März 2011 um 14:39

ich finde ihr sollltet noch eine neuversion schreiben

InaDienstag, 10. Januar 2012 um 21:08

Wer hatte denn nun die Löffel gestohlen? Man findet „er“ und „sie“ in verschiedenen Versionen.

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