800 Jahre Treuenbrietzen – Das Hoffest bei BRENDELs

Hoffest-Umzug 059 Die Sabinchen-Festspiele 2008 standen ganz im Zeichen des 800. Jahrestages der erstmaligen schriftlichen Erwähnung des Namens Brietzen. Ein Burkardus de Briscene hatte sein adliges „sigillum“ (Siegel) mit unter eine deutsche Herrscherurkunde setzen dürfen. Im Auftrage der Stadt Treuenbrietzen war aus diesem Anlass unter Regie des Heimatvereinsvorsitzenden Wolfgang UCKSCHE ein historischer Festzug zusammengestellt worden, der in verschiedenen Bildern Ausschnitte aus der 800-jährigen Geschichte unserer Stadt dokumentierte. Vereinsmitglied Kerstin FRANZ sorgte mit ihren Frauen in der Kleiderkammer dafür, dass alle Teilnehmer am Festzug maßgerecht und historisch exakt eingekleidet wurden.

Ein eigenständiger Beitrag des Heimatvereins zum Gelingen der Sabinchen-Festspiele war die Öffnung von BRENDEL’s Hof. Auch wenn keine speziellen schriftlichen Dokumente darüber vorliegen, die Geschichte dieses Hauses reicht bis in die Zeit der nach einem festen Plan erfolgten Erbauung unserer Stadt vor mehr als 800 Jahren zurück. Der Hofbesitzer muss von Anfang an ein Ackerbürger gewesen sein, der sich zunächst als Siedler vor den Toren der Stadt niedergelassen und dort Land erworben hatte, später aber in seinen Vierseitenhof in der Großstraße mit dem zur Grünstraße hin liegenden Mietenplatz zur Lagerung der geernteten Feldfrüchte einzog. Die erste uns überlieferte Aussage zu diesem Haus stammt aus dem Jahre 1781. Der damalige preußische König FRIEDRICH II. benötigte Unterkünfte für die Soldaten seiner in Treuenbrietzen stationierten Garnison. Da es hier keine Kaserne gab, ließ er in der Stadt eine Reihe von Häusern aufstocken und dort Etagenwohnungen für seine Soldaten einrichten, darunter auch eine in der heutigen Großstraße 56 für den Tuchmachermeister Johann Christian BAATZ. Aus dieser Mitteilung wird zweierlei ersichtlich: erstens stammt die am Vorderhaus sichtbare obere Etage aus dieser Zeit und zweitens war die Landwirtschaft für den Grundstückseigentümer damals zum Nebenerwerb und das Tuchmachergewerbe zur Hauptbeschäftigung geworden. 1875 gehörte das Anwesen der Ackerbürgerfamilie Lehmann. 1888 wurde die Landwirtschaft vom Ökonom Ferdinand Eichelbaum übernommen. Sein Sohn Ernst Eichelbaum führte den landwirtschaftlichen Betrieb von 1919 bis zur Abmeldung des Gewerbes 1959. Von der landwirtschaftlichen Vergangenheit des Gebäudes zeugt noch heute die durch ein großes Holztor verschlossene Toreinfahrt, die jetzt für einen Tag geöffnet wurde, um die Besucher zum Verweilen auf dem Innenhof einzuladen.

Zunächst geht es durch einen tunnelartigen Raum unter dem Wohngebäude hindurch, einen Weg, den einst die voll beladenen Erntewagen passieren mussten, ehe sie die große Scheune hinter dem Hof erreichten. An der rechten Seite der Hofeinfahrt sind zwei von der Familie BRENDEL zusammengestellte Schautafeln angebracht, die mit vielen Bildern und wenigen Worten Wissenswertes zur Geschichte des Hauses vermitteln. Zwei eigens zu dieser Veranstaltung angebrachte Richtstrahler ermöglichen es auch noch dem nächtlichen Gast, sich zu informieren. An der gegenüberliegenden Seite stehen und hängen landwirtschaftliche Geräte, die heute bereits musealen Charakter tragen: ein Dreschflegel, Teile von Kuh- und Pferdegeschirren, ein Scheffel, ein Getreidesieb, zwei Muskrücken und anderes.

Hatte der Gast die Tordurchfahrt passiert, so lockte ihn der Duft von Kaffee und Kuchen sogleich in die linke vordere Ecke des Hofes. Mit freundlichem Lächeln begrüßten ihn die hinter der Kuchentheke tätigen Frauen des Heimatvereins in ihrer vereinstypischen blau- weißen Hausfrauentracht. Zahlreiche Mitglieder und Freunde des Heimatvereines hatten zuvor mit der kostenlosen Bereitstellung eines oder mehrerer selbst gebackener Kuchen ihren Beitrag zum Gelingen des Festes geleistet, weit mehr als zwanzig Bleche waren zusammengekommen. Ihnen allen übermittelt der Vorstand des Heimatvereins ein herzliches Dankeschön. Die verführerisch duftenden Kuchen wurden übrigens im Hof auf einer Fläche angeboten, die vor 50 Jahren noch zur Lagerung von Stalldung genutzt wurde. Das tat aber der Kauflust keinen Abbruch.

Auch der Preis von einem Euro je Stück schien angemessen gewesen zu sein, denn schon nach drei Stunden war aller Kuchen ausverkauft, nichts wurde aus dem für den folgenden Tag vorgesehenen Resteverkauf auf der Festmeile vor BRENDEL’ s Haustür. Kerstin und Rita konnten sich ob des guten Absatzes auf das aus holprigen Pflastersteinen bestehende Parkett des BRENDEL-Hofes begeben und dort ein Extratänzchen zu den Klängen der Hofmusik hinlegen.

Die „Hofmusik“ zur Kaffeezeit hatte Vereinsmitglied Klaus MEISSNER gesponsert, im Zivilberuf Inhaber der einzigen Treuenbrietzener Buchhandlung. Gemeinsam mit seinem Sohn hatte er vorn an der rechten Hofseite, vor der ehemaligen Remise zur Lagerung von Stroh und Heu, sein blaues Zeltdach aufgeschlagen. Von dort aus sorgte er mit seiner Musikanlage für eine anheimelnde Hofcaféstimmung und kümmerte sich nebenbei noch um den Absatz von Broschüren und Souvenirs des Heimatvereins.

Dann folgten zum hinteren Hofausgang hin mehrere ausgeliehene Bank- und Tischreihen, die die Gäste zum gemütlichen Verweilen einluden. Sie waren von Vereinsmitgliedern sachkundig aufgestellt und mit einem Zeltdach überspannt worden, das gegen zu viel Regen und Sonne gleichermaßen Schutz bieten sollte. Die Dübel waren so geschickt in den von wildem Wein und Efeu überrankten Seitengebäuden des Hofes, die ehemals als Stallungen für Pferde, Rinder und Schweine dienten, verankert worden, dass sie der gemütlichen Stimmung keinen Abbruch tun konnten. Auch an die Erleuchtung hatte der Hausherr gedacht. Mehr als 280 Meter Kabel, 149 Meter Kunststoffplane, 60 Meter Spannstabseile, 42 Meter Lichtschläuche und 20 Meter Lichterketten hatte er gemeinsam mit Friedrich MIEHM, Jens BONOW und Matthias LINDEMANN verlegt, um Bier, Wein und anderes kühl zu halten und den Gästen auch in nächtlicher Stunde ein gegenseitiges Erkennen zu ermöglichen.

Und Strom benötigten natürlich auch die Musiker und ihre Sängerin, die im hintersten Teil des Hofes, größtenteils schon unter dem Dach der ehemaligen Scheune, ihre Instrumente und ihre Verstärkertechnik aufgestellt hatten. Die vor der Scheune stehenden Kapellemitglieder und die zur Dekoration aufgestellten Pflüge, Hacken, Gabeln, Misthaken usw. standen an einem Ort des Hofes, an dem sich bis zum Jahre 1861 ein Brauhaus zur Herstellung von Bier befand.

Die Mitglieder der Kapelle „Sunside“ sind alle Treuenbrietzener(Dietmar Forchner, Thomas Schröder, Michael Brandt und Dirk Böhme) Sie hatten sich in dieser Zusammensetzung im vergangenen Jahr nach 15-jähriger Pause anlässlich des Hoffestes 2007 wieder zusammengefunden, und dies mit großem Erfolg. Der anheimelnden Hofstimmung angepasst wurden mit angepasster Lautstärke viele bekannte alte und neue Melodien sowie wieder entdeckte alte Schlager gespielt. Die Gäste folgten der Melodienfolge aufmerksam und erfreut. Insbesondere der Sologesang der Tochter des Schlagzeugers (Annemarie Böhme) wurde stets, wie im Vorjahr, mit lang anhaltendem Beifall honoriert.

Die Unkosten für die abendliche Unterhaltung durch die Kapelle „Sunside“ konnten aus dem Erlös des Kuchenverkaufs beglichen werden. So blieb es nur noch Aufgabe des Getränkestandes, der dem Kaffeestand mit Einbruch der Dämmerung im vorderen Teil des Hofes gefolgt war, die durch die Musik angeheizte Stimmung wieder etwas abzukühlen und den Rausch der unsichtbaren Töne durch den Rausch der sichtbaren Flüssigkeiten zu ergänzen. Gemeinsam mit Jeanette und Ausschankchef Dirk hatte die Heimatvereins-Schatzmeisterin Diana bis weit nach Mitternacht alle Hände voll zu tun, damit das Flüssige aus den Fässern und Flaschen über gefüllte Gläser in die Kehlen der die Abendstimmung genießenden Hofbesucher gelangen konnte.

Und noch eine Ecke des Hoffestes sei erwähnt. Gleich vorn rechts, noch vor MEISNER’ s Hofmusik und unmittelbar am Hintereingang des Wohnhauses, hatte die Gastgeberin einen Tisch aufgestellt, den sie mit dem Etikett „privat“ versehen hatte. Hier saßen nicht nur Mitglieder des Heimatvereins, denen das Gehen schon etwas schwerer fällt, sondern auch die Vertreter von drei Generationen aus dem Hause BRENDEL, die alle auf ihre spezifische Weise zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen und schon Wochen vorher mit den Vorbereitungen darauf begonnen hatten. Besonders hervorzuheben ist hierbei die ständige Anwesenheit der beiden jüngsten Mitglieder des Heimatvereins, Ben und Tom, die stolz ihr gerade erworbenes blaues Vereinshemd mit dem 800-jährigen Burchardus zur Schau stellten.
Schon seit drei Monaten lag ein detaillierter Plan für die Vorbereitung des Hoffestes vor. Alle Besucher und Gäste sollten sich heimisch und wohl fühlen. In die Lösung dieser Aufgabe waren 25 Heimatfreunde oder anders ausgedrückt 44 % der Vereinsmitglieder einbezogen. Jeder Einzelne engagierte sich für die ihm übertragene Aufgabe.
Vorstandsmitglied Walter ALBORG suchte und fand auf seinem Dachboden ausgestorbene landwirtschaftliche Geräte, die er für eine kleine Ausstellung in den Nebengelassen des Hofes zur Verfügung stellte. Jens BONOW besorgte die Elektrik beim veranstaltenden Sabinchenverein, Diana WOITHE beschaffte Aufsteller und Lichterketten. Kerstin FRANZ fertigte das „Outfit“ für die Waschfrauen usw.
Unterstützt wurde der Heimatverein bei der Gestaltung und Durchführung des Hoffestes vom Bauunternehmen Andreas SCHRÖDER, von den Firmen Peter WARTENBERG, RUDOLPH & PARTNER GmbH, Getränkehandel SCHOLZ – Inhaber Gebr. ZMIESZKOL, Gärtnerei ALTMANN und Gärtnerei GEHRKE, von der Treuenbrietzener Buchhandlung –Klaus MEISSNER-, vom An- und Verkauf –Diana WOITHE- und von der Kapelle „Sunside“. Alles in allem kann man sagen, es war ein Hoffest, das sich harmonisch in die Feierlichkeiten zum 800. Jahrestag unserer Stadt einfügte und zu dessen Gelingen viele sichtbare und unsichtbare Hände beigetragen haben. Nicht vergessen werden soll auch die Hilfe und Unterstützung durch den Sabinchenverein und die Stadtverwaltung, insbesondere durch Ordnungsamtschef Ralf GRONEMEIER und Bürgermeister Michael KNAPE. Der Heimatverein Treuenbrietzen e. V. bedankt sich bei Allen herzlich für die vielfältige Unterstützung.

(P.S.: Weitere Bilder können im Internet unter www. heimatverein-treuenbrietzen.de betrachtet werden.)

Ernst- Peter Rabenhorst

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