Gedanken zur Nieplitz

Zusammengetragen von Ernst- Peter Rabenhorst

In einem Zeitungsbericht von 1928 heißt es: „Im Frohnsdorfer Wald entspringt dem Boden der klare Quell unserer Nieplitz. Im matten Lauf erreicht sie nach mehreren Stunden Treuenbrietzen. Bis hierher erblickt man noch immer, was die Natur ihr verliehen, den gelben Sand ihres klaren Grundes. In ungestörtem Frieden tummeln sich noch Weißfisch und Forelle. Hier übt die Natur noch ihr Recht, daß es, sobald das Wasser die Tore von Treuenbrietzen verlassen hat, in so bedauerlicher Weise an den Menschen abtreten muß. Denn schon der Geruch, ein jauchig stinkender, erfüllt das ganze Wasser. Giftige Gase, die der Kulturwelt entströmen, sind sogar den bisher noch lebenden Fischen ein Greuel gewesen. Tote Fische hält das Wehr in Buchholzer Mühle in großer Anzahl, ein Beweis, wie unendlich weit sich der Mensch an der Kreatur versündigt. Und nicht allein an ihr, sogar an seinen eigenen Mitmenschen. Bei 35° ist es wohl das sehnlichste Bedürfnis, ein Bad zu nehmen. Und dem von der Hitze des Tages überlasteten Landmann soll es nicht vergönnt sein? Ich glaube, wir haben alle gleichermaßen das Recht zu leben.“ (Treuenbrietzener Zeitung, 18.07.1928)

Die Nieplitz durchfließt von ihrer Quelle bis zu ihrem Austritt aus den Bergen des Fläming eine Strecke von 5 km, bei einem Gefälle von 15 Metern (von 80 auf 65 m). Dadurch ist der rasche Lauf des Wassers bedingt. An verschiedenen Stellen im Nieplitztal wird ein Quellhorizont angeschnitten, so dass es außer der eigentlichen Quelle bei Frohnsdorf noch weitere Quellen an der Hinteren Walke, am Forellenteich und am REICHHELM-Teich gibt. Alle diese Quellen liegen 76 m hoch. Nach 40 km erreicht die Nieplitz den Blankensee, durchfließt ihn und mündet in die Nuthe. Der Name „Nieplitz“ taucht schon in ältesten Urkunden um 1300 auf. Er ist wohl wendischen Ursprungs und bedeutet „nichtschiffbarer Fluss“. Später änderte sich der Name für einzelne Abschnitte. So finden wir auf Karten aus dem18.Jhd. bei Frohnsdorf die Bezeichnung „Forellenfließ“ und vor Niebel den Begriff „Hoheholz-Fließ“. (ZFH,Nr.34/1935)

Zum ursprünglichen Quellgebiet der Nieplitz schreibt Roland PÄPKE: Die Nieplitz entspringt nicht erst dort hinter Frohnsdorf, wo Wasser zu sehen ist. Sie beginnt ursprünglich schon bei Pflügkuff, umfließt den Finkenberg und unterquert die B2 zwischen Dietersdorf und Marzahna. Hier ist der ursprüngliche Beginn des Nieplitztales, wie es sich nach der Eiszeit herausgebildet hat. Dann geht es durch die Wiesenniederung (Grund) zwischen Dietersdorf und Schwabeck hindurch. Weiter ostwärts durchläuft das Tal ein trockenes Sander-Gebiet und bildet im Bereich Lüdendorf eine bemerkenswerte Rummel, mit Steilhängen bis zu 20 Metern. Ausgangs der Rummel wendet sich das Tal nach Nordost und kreuzt den Verbindungsweg Lüdendorf – Lindow. Anschließend schwenkt das Trockental nach Nordwest und damit in jene Richtung, in der die Nieplitz den Fläming verlässt. In diesem Bereich findet man noch eine Wasserstelle und zahlreiche trockene Bachläufe. (MVS,01.03.1989,S.8)

Stadtschreiber WILLE berichtet 1748 in seiner Chronik: Nahe an der Stadtmauer geht ein Fließ vorbei, die Nieplitz genannt, die hinter dem rathäuslichen Vorwerk Frohnsdorf entspringt. Sie treibt die beim Vorwerk Frohnsdorf gelegene Walkmühle und drei weitere Mühlen in der Stadt. Sie nimmt drei kleine Fließe auf: die Sernow, das Wendewaser und das Schlalachsche Fließ und fließt dann über Beelitz und Saarmund bei Potsdam in die Havel. Von der Nieplitz gehen drei Kanäle durch die Stadt, zwei durch die Großstraße und einer durch die Breite Straße. Daraus wird das Wasser zum Brauen und für andere Notdurft entnommen.

Zu den Stadtkanälen (=Stadtbächen) gibt es eine eigene Theorie des vor einigen Jahren verstorbenen Heimatfreundes Fritz TURLEY: Die Nieplitz floß ursprünglich anders durch Treuenbrietzen: An der Schwanenteichinsel vorbei durch die Kietzstraße und die Breite Straße. Später wurde sie umgeleitet und hieß zwischen Schwimmbad und Zindelmühle Stadtgraben. Der Kahnegraben wurde angelegt, der am Leipziger Tor gestaut wurde und von dem die drei Stadtbäche abgingen: Einer durch die Breite Straße, entsprechend dem alten Lauf der Nieplitz, die beiden anderen zu beiden Seiten der Großstraße. Im Knick der Stadtmauer am Judenfriedhof gab es einen Durchlaß, durch den früher die Nieplitz floß. (Fritz TURLEY, „Wo stand die Treuenbrietzener Burg?“ in:TN,09.08.91,S.5-8)

Vor Niebel unterquert die Nieplitz die Bundestrasse 2. Dort stand früher die Bäkenbrücke, auf der die alte Heer- und Handelsstraße über die Nieplitz ging. Hinter Buchholz unterquert die Nieplitz erneut die Bundesstraße 2, diesmal an der alten Wartenbrücke. Sie wird 1342 zum ersten Mal erwähnt, als Markgraf LUDWIG der Stadt Brietzen die Heide verkaufte. Dazu Hubertus MOMMERT: Von dem Wort „Warte“ kann man ableiten, dass es sich um eine Befestigung, eventuell um eine Burg handelte. Noch heute gibt es in der Nähe der Brücke ein Flurstück mit Namen „Burgwall“. Die Brücke bestand bis zum Ausbau der Bundestrasse 2 aus Holz. In der Nähe der Wartenbrücke befand sich die ehemalige Buchholzer Mühle, die 1707 als Wassermühle erbaut wurde. 1761 wurden das Wehr und die Wassermühle durch große Wassermassen weggerissen. (JÜ,02.11.2001,S.19)

Bei Treuenbrietzen gibt es mehrere Bäche, die in die Nieplitz fließen:

  • Der Stadtgraben verläuft beiderseits der Gertraudstraße und der Bismarkstraße in Richtung Altes Klärwerk. Er fließt an der ehemaligen Papierfabrik vorbei und vereinigt sich kurz vor der Schlalacher Straße wieder mit der Nieplitz.
  • Der Schanzgraben geht vom Kahnegraben über die Bundestrasse 2 hinter der Stadtmauer entlang bis zur Schanzgrabenbrücke und fließt dort in die Nieplitz.
    Der Rietzer Bach kommt aus dem Baggersee, fließt an der Belziger Straße entlang, unter der Bundesstraße 2 hindurch und am Wasserwerk vorbei. Er endet zwischen Steinmühle und Bundesstraße 102 in die Nieplitz.
  • Der Triftgraben verläuft von der ehemaligen Hühnerfarm am Dr. Paul- MOELLER- Weg entlang bis zur Jüterboger Straße. Kurz vor dem ehemaligen Schützenhaus wendet er sich nach Osten und fließt parallel zur Nieplitz zwischen Schützenhaus und Gärtnerei ALTMANN hindurch. Am Burgwall vorbei, über die Burgwallstraße und die Berliner Straße hinweg erreicht er die Nieplitz.
  • Das Sernowfließ kommt hinter den Teichen aus der alten Feldmark Sernow, fließt in Richtung Hellberg und dann ein Stück stadteinwärts an der Sernowstraße entlang. Danach quert es die Sernowstraße in Richtung der ehemaligen Fabrik von Sauerkraut- LEHMANN, geht durch das Betriebsgelände hindurch und fließt  parallel zur Jahnstraße in Richtung Niebel.
  • Der Kuhdammgraben verläuft vom Graben am Anger beiderseits der Sernowstraße bis zur Einmündung ins Sernowfließ kurz vor dem Hellberg.
  • Der Kümdewiesengraben geht von der Jüterboger Straße in Höhe Eisenbahnbrücke in Richtung Kuhdammgraben, in den er etwa 100 Meter hinter dem Anger einmündet.Der Graben am Anger geht um den Anger herum und fließt an der Sernowstraße in den Kuhdammgraben.
  • Es gibt insgesamt vier Birkenweggräben, von denen sich jeweils zwei vereinen, bevor sie ins Sernowfließ einmünden. (Nach einer Karte von ca. 1930)

Und noch einige neuzeitliche Informationen zur Nieplitz:

April 1907: Zur Verbesserung der Bachläufe wird der Kahnegraben am 22.Mai gesäubert. Mit den Mühlenbesitzern DANNENBERG und GERICKE wird die Höhenlage des Fachbaums am sog. Rutschholz der Nieplitz überprüft. (Protokoll SV,30.04.1907)

September 1908: „Der Kahnegraben übte heute Nachmittag große Anziehungskraft auf unsere Schuljugend aus. Infolge Reinigung des Mühlenfliesses ist der Graben abgelassen, so dass ein recht niedriger Wasserstand eingetreten war. Diesen glücklichen Umstand benutzten die aus der Schule kommenden Kinder, um Jagd auf Forellen zu machen.“ (ZBZ,27.09.1908)

Juli 1937: Der unaufhörliche Regen, der seit zwei Tagen über Treuenbrietzen niedergeht, hat nicht nur den Ablauf des Schützenfestes gestört. Er verursachte auch ein Hochwasser, wie es Treuenbrietzen seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Das Wasser des Kahnegrabens überschwemmte die Grundstücke und Gärten zwischen Kietzstraße und Neue Marktstraße. Sehr schlimm traf es das Gebäude der Vereinigten Tischler. Die Nieplitz ergoss ihre Wasser über die Wiesen an der Parkstraße bis zum Dietrich- ECKART- Haus (= damals Sitz der Kreisleitung der NSDAP, heute Haus für altersgerechtes Wohnen mit Sozialstation), wo es in die unteren Räumlichkeiten eindrang. Bei Maschinen-RICHTER stand das Wasser in den Büro- und Arbeitsräumen. Als Schlußfolgerung aus der Katastrophe legte Bürgermeister TITTMANN nach einem Ortstermin fest, daß das Bett der Nieplitz sobald als möglich tiefer gelegt wird. (Streiter,12.07.1937)

Januar 1948: Herr ZEIDLER beschwert sich, daß er 60 qbm Wasser in seinem Keller habe, weil das Wehr der Nieplitz nicht ordnungsgemäß gezogen wurde. Angeblich soll Gärtner PAHLOW das Rad am Wehr abgemacht haben. Das Hochwasser kommt zum Teil daher, daß die Nieplitz von der Schlalacher Brücke bis zum Wehr nicht geräumt wurde. (Protokoll Gemeinderats- Sitzung vom 16.01.1948)

März 1954: Der Rat der Stadt gibt der Umverlegung der Nieplitz im Bereich der Papierfabrik seine Zustimmung. (Protokoll Ratssitzung vom 04.03.1954)

Februar 2004: Entlang der Nieplitz müssen im Bereich der Steinmühlenstraße 60 Bäume gefällt werden, von denen eine Gefahr ausgeht. Das hat eine Begehung des Ufers ergeben. Anwohner fürchteten Schäden an ihren Wohnhäusern, „weil es immer häufiger zu Durchbrüchen an den Dämmen der zur einstigen Steinmühle hin gestauten Nieplitz gekommen sei.“ Jetzt wurde der Uferstreifen zu „Wald“ umgewidmet. Dadurch wird es erleichtert, einzelne Bäume zu fällen. (FE,02.02.1904,S.15)

März 2006: In Planung befindet sich die Sanierung des Wiesengebietes im Böllrich. Sie soll mit einer Umverlegung der Nieplitz im Bereich der Steinmühle einhergehen. Das kündigte Bauamtsleiter Christoph HÖHNE an. Anlieger der Nieplitz befürchten, daß es dadurch zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels und zu Nässeschäden an den Wohnhäusern kommt. Auch fürchten sie um den Bestand der stattlichen alten Bäume auf dem Nieplitzdamm. (FE,10.03.2006,S.15)

Juli 2007: Der Gewässerunterhaltungsverband lädt zu einer Anliegerverssammlung über die Zukunft des Nieplitzdammes in das Vereinsheim des Treuenbrietzener Tennisclub Blau- Weiß 91 in der Steinmühlenstraße 143. Es geht dabei um das Projekt der Umverlegung der Nieplitz in die Böllrichwiesen. (WS,11.07.2007,S.9)

Juni 2008: Das Landesumweltamt hat das Planfeststellungsverfahren für die vom Gewässerunterhaltungsverband  „Nieplitz“ (GUV) erwogene Umverlegung der Nieplitz im Bereich der südlichen Steinmühlenstraße eröffnet. Die Stadtverwaltung befürwortet eine Umverlegung, weil von dem maroden Damm eine Gefahr für die Anlieger ausgehe. (FE,06.06.2008,S.14)

Quellen:

   1. „Die Nieplitz als Fluß“, in:ZFH,34/1935
   2. WILLE (Stadtschreiber Treuenbrietzen um 1748): Chronik von Treuenbrietzen aus dem Jahre 1748. Kopierte Abschrift vom 06.03.1988, ausgeführt von Lieselotte und Wilhelm JACOB.
   3. Hubertus MOMMERT: „Wanderung entlang der Nieplitz“. In: JÜ,02.11.01,S.19.
   4. Fritz TURLEY; „Heimatgeschichte. Wo stand die Treuenbrietzener Burg?“. Mit Theorien über den ursprünglichen Verlauf der Nieplitz innerhalb in:TN,09.08.91,S.5-8
   5. Roland PÄPKE, „Das Nieplitztal“, in: MVS,01.03.89,S.8

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