Einsatz der Bundeswehr im Heldenhain

reservisten1 Hans- Joachim SEVECKE ist Zweiter Vorsitzender der etwa 90 Mitglieder zählenden Reservistenkameradschaft SAN im Hamburger Raum. In Zusammenarbeit mit dem Landesbeauftragen für Hamburg und Schleswig- Holstein war er die treibende Kraft bei der Suche nach Einsatzmöglichkeiten in der Kriegsgräberpflege. Mit der Kriegsgräberfürsorge, die eine Vereinbarung mit der Bundeswehr über die Pflege von Kriegsgräbern geschlossen hat, einigte man sich auf Treuenbrietzen.
Jetzt weilt Hans-Joachim SEVECKE mit seinen acht bis zehn Reservisten der Bundeswehr bereits zum vierten Mal in Treuenbrietzen. Er hat inzwischen viele Freunde und Bekannte in der Stadtverwaltung und unter den Bewohnern der Stadt. Sogar am diesjährigen historischen Festumzug „800 Jahre Treuenbrietzen“ nahm er mit seinen Kameraden teil, schritt er in historischem Gewande durch die Straßen der Stadt. Aber seine Hauptaufgabe war natürlich die Fortführung der Umgestaltungsarbeiten im Heldenhain.

Wir treffen uns im Café SIEBERHEIN und er beginnt mit seinen Erinnerungen. Während ihres ersten Einsatzes im Jahre 2005 waren sie mit der Rodung der übergroß gewordenen Sträucher im Innenraum, rund um den flandrischen Löwen, beschäftigt. Im folgenden Jahr trug man den Rasen im russischen Teil der Anlage ab, dort sind inzwischen neue Rabatten angelegt worden. Besonders schwierig gestalteten sich die Arbeiten  im Jahre 2006. reservisten2 Damals mussten die Kantensteine in den Rabatten rund um den Löwen herausgenommen, gesäubert und wieder eingesetzt werden. Und das alles bei 30 Grad im Schatten und „in Handarbeit wie bei den alten Römern“, wie er rückblickend feststellt. Maschinen standen nicht zur Verfügung, nicht einmal ein Radlader. Alles musste mit den Händen transportiert werden. Die Reservisten waren danach oft kaum noch fähig, ein Bier zu trinken, erinnert sich Hans-Joachim SEVECKE. Sie waren ja nicht mehr die Jüngsten, hatten alle längst das Rentenalter erreicht. Aber sie waren trotzdem mit Freude dabei, niemand murrte, jeder freute sich über die Fortschritte bei der Neugestaltung der Anlage.

Und so war es auch in diesem Jahr wieder. Zehn Tage lang befassten sich die Hamburger Kameraden mit der Entfernung und Wiedereinsetzung der Kantensteine an der äußeren Begrenzung der Gedenkstätte für die Toten des Ersten Weltkrieges. Die Sonne brannte wieder, es hatte wochenlang nicht geregnet und die Erde war wie hart gefroren. Die Steine ließen sich nur schwer herauslösen, zumal man erneut mit einfachsten Gerätschaften arbeiten musste. Etwa 200 Tonnen Kantensteine wurden bewegt.

reservisten3 Hans-Joachim SEVECKE unterstreicht noch einmal, dass der Einsatz auf eine Initiative der Hamburger Reservistenkameradschaft zurückgeht und dass alle freiwillig hier sind. Die Kameraden erhalten lediglich ein tägliches Handgeld von 3,50 Euro. Die An- und Abreise erfolgt in Fahrzeugen der Bundeswehr, die Stadt stellt die Arbeitsmittel. Untergebracht sind die Kameraden in einer Bundeswehrkaserne in Beelitz. In den Familien der Reservisten besteht großes Verständnis für den Einsatz in Treuenbrietzen, oft machen die Frauen ihren Ehemännern sogar Mut, das begonnene Werk fortzusetzen. Hervorgehoben wird vom Leiter der Gruppe auch der gute Kontakt zur Bevölkerung. Oft wird er angesprochen, wenn er durch die Straßen der Stadt geht, und erhält lobende Worte für die von ihnen vollbrachten Leistungen. Partnerschaftliche Beziehungen bestehen zu den Kindern und Erziehern der „Villa Sonnenschein“, die sie mehrfach an ihren Arbeitsplätzen besuchten. Freundschaftliche Kontakte gibt es auch zur Schützengilde, zum Keglerverein und zur Feuerwehr. Bei einer von ihm durchgeführten Straßensammlung im vergangenen Jahr spendeten die Treuenbrietzener 131 Euro für die Kriegsgräberfürsorge, sagt Hans-Joachim SEVECKE zum Abschluss. Dann zieht es ihn an seinen Arbeitsplatz in den Heldenhain zurück.
Das Wirken der Hamburger Reservistenkameradschaft im Heldenhain war nicht der erste Einsatz der Bundeswehr in der Gedenkstätte. Nachdem  2004 von der Landesregierung die notwendigen Fördergelder bewilligt wurden, um die Umgestaltungen im vorderen Teil des Ehrenhaines abschließen zu können,  rückten bereits im September 2004 zunächst Reservisten aus Offenbach und danach aus Fritzlar an, um nach der Entfernung des baufälligen Obelisken mit ihrer Technik den vorderen Teil der Anlage, die Kriegsgräberstätte für die am Ende des Zweiten Weltkrieges in und um Treuenbrietzen gefallenen sowjetischen Soldaten, neu herzurichten. Die Materialkosten für die Neugestaltung dieses Abschnitts konnte die Stadt Treuenbrietzen aus Fördergeldern abdecken. Die Reservisten der Bundeswehr arbeiteten unter der fachlichen Aufsicht des Landschaftsarchitekten Gunnar LANGE aus Belzig drei Wochen lang im Treuenbrietzener Heldenhain.

Im Jahr darauf weilten die Bundeswehrreservisten aus Offenbach erneut in Treuenbrietzen, um die Arbeiten zur Umgestaltung im sowjetischen Teil der Kriegsgräberanlage fortzuführen. Sie bereiteten die Fundamente für das neu gestaltete Denkmal vor und begannen mit der Neuausrichtung der Grabsteine.
Nach Abschluss der Arbeiten im ersten Teil der Anlage mit den sowjetischen Kriegsgräbern sicherte die Bundeswehr auch ihre Unterstützung bei der Sanierung der anderen beiden Teile der Gedenkstätte zu. Und diese Aufgabe übernahmen, wie oben dargelegt, die Hamburger Reservisten.

Text: Ernst- Peter Rabenhorst  -   Fotos: Jürgen KÜSTER

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