Der Obelisk in der sowjetischen Kriegergedenkstätte in Treuenbrietzen (1949-2002) – eine Chronik

Eine Zeitungsmeldung: „Mindestens die Hälfte der fünf Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen im Zweiten Weltkrieg ist in deutscher Gefangenschaft ums Leben gekommen. Darauf verwies die Stiftung Sächsische Gedenkstätten, die jüngst neue geschichtliche Forschungsergebnisse vorgestellt hatte.“ (MAZ,22.11.2003,S.2)

Vorgeschichte

Ortschronist Helmut VORKASTNER schrieb über das Jahr 1945: Auf dem “Berliner Dreieck” in Treuenbrietzen werden Russen beerdigt und es wird dort eine Parkanlage geschaffen. Einige Jahre später erfolgt die Umbettung zur Kriegergedenkstätte. Der Obelisk wird abgerissen, ein neuer in der Jüterboger Straße errichtet.

März 1947: Bürgermeister OTTO erklärt vor dem Gemeinderat, dass Treuenbrietzen bei den obersten Behörden und auch bei der Besatzungsmacht wenig Gehör findet, was auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass Treuenbrietzen sich nicht kampflos ergeben hat und dass hier ein russischer Oberstleutnant erschossen wurde. (Protokoll Gemeinderats- Sitzung vom 20.03.1947)

Juli 1947: Auf Anweisung der Kommandantur in Belzig sollen die in Auftrag gegebenen Denkmale für gefallene russische Soldaten schnellstens fertig gestellt werden. Dafür erhält Steinmetz Richard SCHOLZ aus Brück 25 Zentner Zement aus dem Lager bei STOLLE. (Schreiben Bürgermeister vom 07.05.1947). – Die Firma STOLLE erhält den Auftrag für die Fundamente von 28 Grabstätten der Roten Armee im Gelände der Landesanstalt und für die Erneuerung des Putzes am Denkmal in der Berliner Straße. (Brief Bürgermeister an STOLLE vom 31.05.1947). – Aus den Beständen an Zement im Lager STOLLE werden zur Verfügung gestellt: 14 Zentner für den Obelisken in der Berliner Straße; 10 Zentner für die Gräber an der Landesanstalt; 1 Zentner für die Arrestzelle im Haus SPITZNER; 22 Zentner für den Heldenhain, 60 Zentner für den Steinmetz SCHOLZ in Brück. (Hausmitteilung vom 24.07.1947)

Oktober 1947: Die Denkmalsanlage an der Berliner Straße ist auf Anordnung der sowjetischen Kommandantur erneuert worden, ohne dass der Stadt irgendwelche Kosten dafür ersetzt wurden. Gegenwärtig kann dort nicht weitergearbeitet werden, da direkt unter dem Denkmal noch Russen liegen, die eventuell umgebettet werden sollen. Die Kreiskommandantur beabsichtigt, die Gräber für die sowjetischen Kriegstoten im Kreis Zauch-Belzig auf drei Friedhöfe zu konzentrieren. Es müssen Umbettungen vorgenommen werden. Die Toten von der Landesanstalt und die Toten, die unter dem Denkmal am Berliner Dreieck liegen, sollen im Heldenhain ihre letzte Ruhe finden. Es werden dort ca. 400 Gräber hinzukommen. Die Mittel für diese Aktion sollen von der Stadt getragen werden. (Protokoll Gemeinderats- Sitzung vom 26.09.1947). – Die Gebeine der 30 in Niemegk gefallenen sowjetischen Soldaten werden ebenfalls auf den Zentralfriedhof für die Gefallenen der Roten Armee nach Treuenbrietzen überführt. (Schreiben Bürgermeister vom 24.10.1947)

Aufbau und Einweihung

Mai 1949: Die vorgesehene vollständige Einfriedung des Heldenhains durch den VEB Bauhof wird 1.350 Mark kosten. Die Mittel müssen aus dem Titel „Ausgestaltung russischer Gräber“ entnommen werden. „Nach Erstellung des Obelisk im Heldenhain soll, wenn kein anderer Durchgang bleibt, die Eingangstreppe zwischen vorderem und hinteren Teil des Heldenhains gehoben und mit einer lebenden Hecke die entstandene Lücke bepflanzt werden.“ (Protokoll Stadtrat vom 06.05.1949)

September 1949: Bürgermeister Dietrich JENNER übernimmt den Friedhof der Roten Armee in Treuenbrietzen vom Vertreter der sowjetischen Militärkommandantur des Kreises Zauch-Belzig, Kapitän MAXIMOW. Der Friedhof liegt an der Jüterboger Chaussee, dort sind 240 Mann in Einzelgräbern begraben. Auf jedem Grab steht ein Gedenkstein. Das Denkmal ist 1,65 m lang, 0,57 m breit und 0,06 bis 0,20 m dick. Außerdem befindet sich auf dem Friedhof ein großes Denkmal aus Ziegeln und Bekleidungsplatten aus rohem Kalk und Beton. Es hat eine Grundfläche von 5,00 x 5,50 m und ist 10,80 m hoch. Die Stadt hat die nötigen Mittel zum Erhalt des Denkmals bereit zu stellen. (Aktenvermerk).

September 1949: Der Chef der Sowjetischen Militäradministration (SMA) des Landes Brandenburg ordnet an, „dass mit Fertigstellung der russischen Gedenkstätte im Heldenhain der Obelisk, Berliner Str., gemäß ergangener Anweisung zu entfernen ist. Vom Rat der Stadt soll geprüft werden, ob der O. total abgerissen werden muss.“ Es wird vorgeschlagen und beschlossen, die Baukommission mit der endgültigen Lösung der Angelegenheit zu beauftragen. (Protokoll Stadtrat vom 15.09.1949). – Aus dem Protokoll der Baukommission vom 27.09.1949: Der Obelisk Berliner Straße ist bis unter den Sockel abgerissen worden. Er soll zu einem OdF- Denkmal umgestaltet werden. Der Rat stimmt zu, eine Vorlage in der Stadtverordnetenversammlung ist nicht notwendig. (Protokoll Stadtrat vom 29.09.1949).

Dezember 1949: Dem Kommunalen Wirtschaftunternehmen (KWU) wird die Pflege und Betreuung für die Gräber der Roten Armee übertragen. (Protokoll Stadtverordnetenversammlung vom 10.12.1949)

Verfall und Meinungsstreit

April 1976: „Die Instandsetzung des Obelisk ist im Perspektivplan mit aufzunehmen. Die Ehrentafeln müssen vollkommen erneuert werden.“ (Protokoll Ratssitzung vom 21.04.1976)

November 1987: “Zur Kranzniederlegung am 07.11. war eine gute Beteiligung zu verzeichnen. Etwa 2.500 Besucher aus Treuenbrietzen sowie dem Kreis Belzig waren vertreten… Aufgrund der Vorfälle auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof ist dem Rat de Kreises bis zum 20.11. ein Vorschlag zu unterbreiten, um derartige Fälle in Zukunft zu vermeiden…Der Obelisk auf dem sowjetischen Ehrenfriedhof ist im Frühjahr zu rekonstruieren.”(Protokoll Ratssitzung vom 11.11.1987)

Dezember 1988: “Der Obelisk am sowjetischen Ehrenfriedhof muss erneuert werden.” (Protokoll Ratssitzung vom 26.10.1988)

Januar 1990: “Der Rat wurde über ein Schreiben des Instituts für Denkmalspflege Berlin informiert, wonach einer Umgestaltung des sowjetischen Ehrenfriedhofes aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen für geschützte Denkmale nicht zugestimmt wird…Der Rat beschließt, einen Antrag an den Rat des Kreises, Abt. Kultur, zu stellen, um den sowjetischen Ehrenfriedhof aus der Kreisdenkmalsliste zu streichen. Der Rat der Stadt ist nicht in der Lage, diesen Ehrenfriedhof ohne generelle Umgestaltung in den nächsten Jahren zu erhalten.” (Protokoll Ratssitzung vom 20.12.1989). – Der Kreisdenkmalspfleger ist nicht damit einverstanden, den sowjetischen Ehrenfriedhof in Treuenbrietzen aus der Kreisdenkmalsliste zu streichen. (Protokoll Ratssitzung vom 10.01.1990)

1994: Ortschronist Helmut VORKASTNER fordert in einer Eingabe im Auftrag des Heimatvereins die Beseitigung des Obelisken im vorderen Teil des Heldenhains. Der Obelisk soll durch zwei Gedenktafeln zu beiden Seiten des Eingangsweges ersetzt werden, die sowohl an die sowjetischen, als auch an die deutschen Gefallenen des Zweiten Weltkriegs erinnern. (FE,18.05.1994)

1998: Die GRUNDTVIG-Stiftung und die Konrad-ADENAUER-Stiftung sind Gastgeber eines eintägigen Forums über das weitere Schicksal des sowjetischen Obelisken in Treuenbrietzen. (TN,09.04.1998).

1999: Es werden neue Gestaltungsvorschläge beschlossen, die auf diplomatischem Wege über das Auswärtige Amt der russischen Seite zugeleitet werden sollen. Kernpunkt der Vorschläge ist es, den baufälligen Obelisken durch zwei Gedenktafeln zu ersetzen.

Abriß und Neugestaltung

4. April 2002: Bürgermeister KNAPE teilt mit, dass der Obelisk im Heldenhain heute abgerissen wird. Darüber habe er die Stadtverordneten gestern informiert. (FE,04.04.2002). Die russische Seite hatte mit Schreiben vom 28.Februar 2002 zugestimmt, den nicht wieder herzustellenden Obelisken durch zwei Gedenkplatten zu ersetzen. Ein entsprechendes Projekt war im März 1998 vom Belziger Landschaftsarchitekten Gunnar LANGE vorgestellt und von den Stadtverordneten befürwortet worden. An ihre Zustimmung knüpfte die russische Seite die Bedingung, dass im vorderen Teil der Anlage nur die sowjetischen Toten des Zweiten Weltkrieges geehrt werden. (FE,05.04.2002).

2003: Die Stadt Treuenbrietzen erhält die Fördergeldzusage für die geplante Neugestaltung des Ehrenhains. Aus diesen Mitteln können die Materialkosten für die Gestaltung des ersten Abschnitts gedeckt werden. Im September sollen dort auch Reservisten der Bundeswehr zum Einsatz kommen, teilt Bürgermeister KNAPE mit. (FE,30.05.2003). – 33 Vereine erhalten von der Sparkasse einen Spendenscheck für kulturelle, soziale oder sportliche Projekte. Zu ihnen gehört auch der Heimatverein Treuenbrietzen, der das Geld für die Umgestaltung des Heldenhains bekam. (FE,25.06.2003). – Für die Neugestaltung der Kriegergedenkstätte in der Jüterboger Straße werden die Aufträge für das Gewerk Garten- und Landschaftsbauarbeiten vergeben. Dazu gehören ein Kleinbagger mit Bedienung und die Sonderanfertigung von Betonplatten für Kantensteine. (TN,12.09.2003). – Etwa 20 Bürger der Stadt Treuenbrietzen folgen dem Aufruf des Heimatvereins und beteiligen sich an den Arbeiten zur Neugestaltung des Heldenhains. Die Gedenksteine für die Ende des Zweiten Weltkrieges in und um Treuenbrietzen gefallenen sowjetischen Soldaten werden in ihre neuen Halterungen gelegt. (FE,24.10.2003)

Oktober 2004: Von der Landesregierung werden weitere Fördergelder bewilligt, um die Umgestaltungen im vorderen Teil des Ehrenhaines noch in diesem Jahr abschließen zu können. (FE,30.10.2004,S.13). – Anfang Dezember werden

zwei jeweils 10 t schwere Granitblöcke in den Ehrenhain eingeschwebt. Sie treten an die Stelle des 2002 abgerissenen sowjetischen Obelisken. Vor dem Gedenkstein werden noch Stelen errichtet, die die Namen der sowjetischen Gefallenen aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges tragen. (FE,02.12.2004)

24. April 2005: Im Heldenhain wird der neu gestaltete erste Teil, die sowjetische Kriegsgräberstätte, eingeweiht. An der Zeremonie nehmen der italienische Botschafter, ein russischer Botschaftsrat und der brandenburgische Innenminister SCHÖNBOHM teil. Zuvor hatten die Teilnehmer der Veranstaltung am Gedenkstein für die 1945 erschossenen Italiener in Nichel und in der Gedenkstätte für die 1945 getöteten deutschen Zivilisten auf dem Triftfriedhof Kränze niedergelegt. (WS,27.04.2005)

Zusammengestellt von Ernst- Peter Rabenhorst

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