Treuenbrietzen – 700 Jahre, 800 Jahre oder 1000 Jahre? Ein Streifzug durch die ältere Geschichte

Zusammengestellt  von Ernst- Peter Rabenhorst

Am 20.März 2008 hielt Dr. Lutz PARTENHEIMER im Heimatmuseum zu Treuenbrietzen einen Vortrag zum Thema „851 Jahre Mark Brandenburg und 800 Jahre Treuenbrietzen“. Der Vortrag ordnete sich ein in die Feierlichkeiten zum 800. Jahrestag der Ersterwähnung der Stadt. War es doch Dr. PARTENHEIMER, der mit wissenschaftlicher Akribie bestätigt hatte, dass Treuenbrietzen in diesem Jahr zu Recht sein mindestens 800-jähriges Bestehen feiern kann. Die offizielle Bestätigung kam dann kurz darauf vom Landeshauptarchiv in Potsdam.

Dr. PARTENHEIMER stützte sich in seinen Darlegungen auf sein 2007 veröffentlichtes Buch „Die Entstehung der Mark Brandenburg“.  Diese Publikation soll auch hier als Leitfaden dienen, um die überlieferten Daten zur Geschichte Treuenbrietzens in die Geschichte der Mark Brandenburg einzuordnen.

 

Vorgeschichte im Dunkeln
„Die Vorgeschichte der Entstehung der Mark Brandenburg begann damit, dass die verschiedenen germanischen Stämme, die das Gebiet zwischen Elbe/Saale und Oder/Neiße besiedelt hatten, es im Zuge der Völkerwanderung vom 4. bis zum 6. Jahrhundert größtenteils verließen. Die Germanen gehören mit Kelten, Slawen, Romanen, Indern und weiteren Völkern zur sog. Indogermanischen bzw. indoeuropäischen Sprachfamilie. In den ostelbischen Raum kamen dann im 7./8. Jahrhundert in mehreren Wellen Slawen aus den später polnischen bzw. böhmischen Gebieten. Mit der Zeit bildeten die Einwanderer Stammesverbände, vor allem Obodriten, Wilzen und Sorben.“ (PARTENHEIMER, S.17)

Über die Geschichte der Treuenbrietzener Gegend bis zum Jahre 900 ist wenig bekannt. Erst um 1880 begann die wissenschaftliche Auswertung der im heimischen Boden entdeckten Altertumsfunde. Aber schon seit Jahrhunderten waren vorgeschichtliche Funde auf unserem Boden gehoben und meist zerstört worden. Gültig ist noch immer eine vor 80 Jahren von MASCHALLEK getroffene Einschätzung: „Wir verstehen…unter Geschichte nur die Zeit, die uns aus schriftlichen Quellen überliefert ist. Diese geschichtliche Zeit ist in unserer Heimat nur sehr kurz. Erst seit dem Auftreten ALBRECHTS des Bären sind wir ganz genau über den geschichtlichen Verlauf der Mark Brandenburg unterrichtet. Alles, was davor liegt, ist uns aus wenigen und oft unsicheren Quellen bekannt, die umso lückenhafter werden, je weiter wir zeitlich rückwärts gehen. Um Christi Geburt schwinden auch die letzten spärlichen Nachrichten über die Bewohner unserer Mark… Aus der ganzen vorchristlichen Zeit der Besiedlung unserer Heimat, die etwa 15.000 Jahre umfasst, ist keine Spur von schriftlichen Überlieferungen bekannt. Wir sind hier auf die Erkenntnis unserer heimischen Bodenfunde angewiesen. Allein die ‚Wissenschaft des Spatens‘, wie die vorgeschichtliche Forschung so treffend bezeichnet wird, kann uns hier Aufklärung schaffen.“ (Karl Heinrich MARSCHALLECK, „Welchen Wert haben unsere vorgeschichtlichen Funde?“, in: Heimatkalender Zauch- Belzig 1928, S.61)

Deutsche und Slawen
„Nachdem HEINRICH König des Ostfrankenreiches geworden war, focht er 921 gegen Slawen…Um 925 gelang es dem Herrscher, für neun Jahre einen Waffenstillstand mit den Ungarn zu vereinbaren…Die gewonnene Zeit nutzte HEINRICH I., indem er Burgen anlegen ließ und sein Heer schlagkräftiger machte, um es vorerst bei Streifzügen gegen die Slawen einzusetzen.
Jetzt gerieten nach WIDUKIND auch die Heveller ins Visier des ostfränkischen Königs. Die von den Sachsen so bezeichneten Slawen, die sich selbst ‚Stodoranen’ nannten, gehörten zu den Havel- Spree- Stämmen…Das Stodoranenreich erstreckte sich ungefähr auf das Havelland und die südlich von ihm liegende Zauche…Mit der Einnahme der Brandenburg durch den ostfränkischen König (wahrscheinlich) im Winter 928/929 begann zwischen Slawen und Sachsen das erst 1157 beendete Ringen um die Havelfeste.“ (PARTENHEIMER, S.18/19)

Nach dem Tode HEINRICH’ s  trat der spätere Kaiser OTTO I. im Jahre 936 dessen Nachfolge an. „Neben der Bildung von Marken und Bistümern ist als dritte Maßnahme OTTOS I. zur Stärkung der Herrschaft des Reiches in den Slawengebieten die Schaffung der Burgwarde genannt worden, von denen die Quellen erstmals zum Jahre 961 berichten. Diese Form der örtlichen Verwaltung knüpfte vielleicht an eine slawische Einrichtung an. Als Burgwarde bezeichnete man Gebiete von etwa fünf bis 20 Dörfern, die einer im Zentrum gelegenen Feste zugeordnet waren.“  (PARTENHEIMER, S.31)

1000-jähriges Treuenbrietzen?
Unter OTTO II., dem Sohn und Nachfolger von Kaiser OTTO, taucht ein als „brietzen“ deutbarer Ortsname erstmals in einem kaiserlichen Dokument auf. PARTENHEIMER bemerkt dazu: „Im Jahre 979 schenkte der Herrscher dem Kloster Memleben die immer noch nicht zuverlässig identifizierten Burgwarde Niienburg, Dubie und Briechouua im Havelgau in der Grafschaft des Markgrafen DIETRICH nahe der Havel.“ (S.35). PARTENHEIMER formuliert hier bewusst vorsichtig, er lässt offen, mit welchem heutigen Ort das hier erwähnte „Briechouua“ identisch sein könnte. Sehr viel eindeutiger positionierte sich in dieser Frage aber bereits 1928 der damalige Reichsarchivrat Dr. Karlheinrich SCHÄFER. Für ihn stand außer Frage, dass es sich hier nur um das heutige Treuenbrietzen handeln konnte und er ermunterte die Stadt dazu, im Jahre 1979 ihr 1000-jähriges Jubiläum zu feiern. Auf Einladung des Magistrats kommt SCHÄFER am 15.Januar 1928 nach Treuenbrietzen und hält dort im Saal des Schützenhauses einen Vortrag, der wenig später unter dem Titel “Treuenbrietzens 1000jährige Deutsch- Christliche Kultur” als Broschüre gedruckt wird. Sein eifrigster Unterstützer in Treuenbrietzen war der Zahnkünstler und Heimatforscher Karl REICHHELM, der bis zu seinem Tode im Jahre 1942 diese These verteidigte, einen Fakt, den Oskar BRACHWITZ  im Nachruf ausdrücklich erwähnte. Von REICHHELM erhielt SCHÄFER auch die in seiner Broschüre veröffentlichten Fotografien.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                 
Aber die Mehrzahl der Wissenschaftler und Experten folgte den Überlegungen von SCHÄFER nicht, und so gerieten er und sein Buch bald in Vergessenheit, konnte das Jahr 1979 vorübergehen, ohne dass jemand daran dachte, in Treuenbrietzen ein tausendjähriges Jubiläum zu feiern.

Aufstand der Slawen
Doch selbst wenn es 979  einen Burgward Brietzen gegeben haben sollte, den der Kaiser verschenken konnte,  so hatte er nicht lange Bestand. Bereits 983 kam es zu einem Aufstand der Slawen, der in ihrem geistigen Zentrum in Rhetra begann, einem Ort, den man bis heute noch nicht genau lokalisieren konnte. Der Aufstand richtet sich gegen die Bistümer Brandenburg und Havelberg. Die Deutschen müssen sich zurückziehen. „Damit wurden die ostelbischen Gebiete zunächst wieder von den einheimischen Völkern beherrscht.“ (PARTENHEIMER, S.35).

ALBRECHT der Bär
ALBRECHT der Bär brachte der Nordmark die Dynastie der Askanier. Der Name leitet sich von seinem Stammschloss Aschersleben (ASCARIA, ASCANIA) ab. Dort hatte ALBRECHT die Güter der Ballenstedts übernommen. Die Bezeichnung „BÄR“ erhielt ALBRECHT nach seinem Geburtsort Bärenburg (Bernburg). 1125 hatte der Kaiser ihn mit der Niederlausitz belehnt. Um ihn für seine Treue zu belohnen, überließ er ihm die Nordmark, einen schmalen Landstreifen zwischen Ohre und Aland, am linken Ufer der Elbe (Altmark). 1136 nahm er Havelberg, im Jahr darauf eroberte er die Prignitz. Geschmeidig und diplomatisch ging ALBRECHT vor und es gelang ihm, seine Gebiete abzurunden. „Er suchte freundschaftliche Verbindungen zu PRIBISLAW, dem Fürsten der Heveller, der sich nach seinem Übertritt zum Christentum HEINRICH nannte. Anlässlich seiner Taufe schenkte er ALBRECHT Land im Süden der Havel, und da er keine Nachkommen hatte, überließ er ihm später sogar sein gesamtes brandenburgisches Erbe.“ (Charles HIGOUNET, „Die deutsche Ostsiedlung im Mittelalter“. Siedler Verlag. Berlin 1986,S.76).

So bleibt es bis 1157. In diesem Jahr zieht ALBRECHT der Bär wieder feierlich in die Brandenburg ein und bezeichnet sich in einer Urkunde vom 3.Oktober 1157 erstmals als „Markgraf in Brandenburg“.  „Die Rückgewinnung der von ALBRECHT 1150 geerbten Stodoranenresidenz am 11.Juni 1157 gilt demnach als Geburtstag der Mark Brandenburg, weil die seit 928/929 umkämpfte Havelfeste nun endgültig in deutscher Hand war und sich der Askanier noch im selben Jahr ‚Markgraf von Brandenburg’ zu nennen begann.“ (PARTENHEIMER, S.76).
Mit diesem Jahr tritt auch Brietzen in den Bereich der schriftlich überlieferten Geschichte ein. Der Ort muss aber noch ein halbes Jahrhundert warten, ehe sein Name in einem offiziellen, uns erhalten gebliebenem Dokument Erwähnung findet.
„Die neue Mark des Askaniers bestand zunächst nur aus altmärkischen Gebieten, der Region um Havelberg, der Zauche, dem Brandenburger Raum und vermutlich dem Retschanenland an der oberen Havel…Der Erzbischof von Magdeburg gründete für Siedler aus Flandern in…Wusterwitz (westlich von Brandenburg) 1159 ein Dorf…Auch der Jüterboger Raum gehörte WICHMANN, der 1170/1171 in der Nähe das Kloster Zinna stiftete und Jüterbog 1174 zur Stadt erhob. Der Erzbischof hat selbst erklärt, dass er Jüterbog dem Christentum gewonnen habe.“ (PARTENHEIMER, S.77)
1170 stirbt der erste Markgraf von Brandenburg und wird wahrscheinlich bei seinen Vorfahren im Kloster Ballenstedt im Harz bestattet. Sein Sohn und Nachfolger OTTO I. gründet die Klöster Lehnin in der Zauche (1180)  und Arendsee in der Altmark (1183). „Die brandenburgischen Markgrafen dehnten ihre Herrschaft hauptsächlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Havelland, in der Zauche sowie in der Prignitz aus und brachten die Lande Teltow, Barnim, Stargard, Uckermark und Lebus an die Mark.“ (PARTENHEIMER, S.79)

Anwerbung von Siedlern
Im Zuge der deutschen Osterweiterung begann nach 1157 zunächst die bäuerliche Einwanderung. Wesentlich später, nachdem sich die bäuerlichen Siedlungen gefestigt und aufnahmefähige Märkte herausgebildet hatten, kamen Handwerker und Krämer und schließlich auch die Kaufleute.
„Eine der vordringlichsten Aufgaben dieser Askanierdynastie bestand darin, Befestigungen anzulegen und Ritter dort einzusetzen, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Seit etwa 1150 schien den Askaniern…die Anwerbung von Siedlern der geeignete Weg zu sein, einen soliden Territorialstaat zu errichten.“
Der Markgraf schickte „Boten an den Rhein und bis nach Holland und Flandern (damals zum deutschen Königreich gehörenden Gebieten), wo die Menschen unter schweren Sturmfluten (z. B. 1164) zu leiden hatten…Andere, die ins Ostelbische zogen, kamen aus der Altmark, aus den askanischen Stammbesitzungen zwischen Harz und Mulde, aus Niedersachsen, Franken und Thüringen.“ (PARTENHEIMER, S.78)
„Die Slawen haben, bis zu einem gewissen Grad, die deutschen Siedler auf ihren wenig besetzten und bewirtschafteten Territorien willkommen geheißen, und die Deutschen ließen sich an ihrer Seite nieder. Der Drang nach Osten, das war der kriegerische , eroberungslüsterne Drang der Fürsten; daneben erfolgte der Zug nach Osten der Bauern und Handwerker. Das langsame Einsickern Tausender friedlicher kleiner Gruppen hat, als Ganzes betrachtet, auf Jahrhunderte die ethnische Zusammensetzung und die Landschaft Ostmitteleuropas von der Ostsee bis zu den Karpaten und zur Drau tief greifend verändert.“ (HIGOUNET, S.86)

Fläminge
Viele Fakten deuten darauf hin, dass flämische Einwanderer in unsere Region kamen. Dazu gehören das märkische Dielenhaus mit dem tiefer gelegenen Stall sowie die auf „dung“ (=Zunge) endenden Ortsnamen. Es handelt sich dabei um Landspitzen, die von Bachläufen oder Gräben begrenzt sind. Sie liegen meist in den breiten Sümpfen der Havel und der Plane. Hinzu kommen die Namen auf „fort“ oder „furt“, beispielsweise die „flache Fort“ bei Treuenbrietzen.
Die Bezeichnung „Fläming“ leitet sich dennoch nicht von den flämischen Einwanderern ab, denn die Einwanderer kamen aus unterschiedlichen Regionen. Die „Fläminge“ wurden vielmehr nach flämischem Recht behandelt. Die Zuziehenden fanden zumeist in den Waldgebieten und nicht in den in den Flusstälern gelegenen ehemals wendischen Dörfern ihre neue Heimat. „Sie mussten den Wald ausroden, sich erst Ackerland schaffen. Diese Siedler wurden den ersteren dadurch bevorzugt, dass die Bauernstelle hier mit mehreren Hufen ausgestattet wurde und die Bewohner das flämische Recht (jus flamingorum) erhielten. Solche Neusiedlungen im Waldgebiet bezeichnete man darum mit dem Namen Fläming. Es gab solche auch in der Niederung. Die neuen Orte im Gebiet des südlichen Landrückens lagen verhältnismäßig hoch, und so wurden sie „hohe Fläminge“ genannt…Die Bezeichnung ‚Fläming‘ stammt also wenig oder gar nicht von der Herkunft der Siedler, sondern von der Rechtsform, die den Neugründungen gegeben wurde.“ (W. KUHLMEY, „Zur Besiedlungsgeschichte unseres Kreises und seiner Grenzgebiete im 12. Jahrhundert“, in: Heimatkalender 1928)

Gründung von Dörfern und Städten
„ALBRECHT förderte auch die Entwicklung von Siedlungen zu Städten, z. B. durch die Gründung eines Marktes in Stendal – vermutlich um 1160 – wobei er Brandenburg, Havelberg, Werben (Elbe), Arneburg, Tangermünde, Osterburg und Salzwedel als Burgen seiner Mark bezeichnete…
Zur Ausdehnung und Festigung ihrer Herrschaft sowie zur Steigerung der Einkünfte ließen die Markgrafen in mehreren Phasen Burgen, Dörfer und Städte gründen bzw. erweitern. Die slawische Bevölkerung wurde dabei gelegentlich verdrängt, meist aber unter deutscher Führung in den Landesausbau einbezogen. Die Leitung solcher Prozesse oblag vielfach sogenannten Ministerialen, ursprünglich unfreien Dienstmännern der Askanier – häufig aus der Altmark – von denen nicht wenige im 13. Jahrhundert durch die erfolgreiche Wahrnahme der genannten Aufgaben als Ritter in die unterste Adelsschicht aufsteigen konnten. Zu ihren in oder neben den Dörfern angelegten Höfen gehörten etwa vier bis sechs Hufen abgabenfreies Ackerland.
Der Markgraf stützte sich auf das Aufgebot der adligen Vasallen sowie der Ministerialen und setzte meist aus der Menge der Dienstmannen stammende Vögte zur Landesverwaltung ein. In den Siedlungen standen Schulzen an der Spitze, die in der Regel im Fall der Städte aus der Bürgerschaft, bei den Dörfern aus der Gemeinde der Bauern kamen. Nach der Mitte des 13. Jahrhunderts…erscheinende Räte als Gremien der Stadtverwaltung begannen die Rechte der Vögte und Schulzen in den Städten einzuschränken.
Die deutschen Bauern waren in der Regel persönlich frei. Sie hatten nur geringe, häufig gar keine Arbeitsdienste für ihre Grundherren zu leisten. Das war der Markgraf oder ein Ritter, der das Dorf ganz bzw. teilweise von den Askaniern zu Lehen trug. Auch Bischöfe, Domkapitel und Klöster gehörten zu den Grundherren. Diese erhielten von ihren Bauern Abgaben. Das war in erster Linie der Grundzins. Außerdem mussten die Bauern den Zehnten an die Kirche entrichten. Davon bekam der Bischof zwei, der Dorfpfarrer ein Drittel…
Zu Zins und Zehnt trat noch die Bede, eine von den Markgrafen bei besonderem Geldbedarf ‚erbetene’ Steuer. Meist besaßen die deutschen Bauern ihre Höfe mit einer Hufe oder zwei Hufen nach Erbrecht. Die vielfach rechtlich schlechter gestellten Slawen lebten häufig in ‚Kietzen’ genannten Dienstsiedlungen bei den Burgen oder als sog. ‚Kossäten’ mit etwas Gartenland ohne eigene Hufen in den Dörfern, wo sie vielleicht zusätzlich als Tagelöhner bei Adel oder Bauern arbeiteten.“ (PARTENHEIMER, S.79-81)

BURCHARD von Brietzen
Aus dieser Zeit der Gründung von Städten und der Einsetzung von Ministerialen ist uns die zweite schriftliche Erwähnung des Ortes Brietzen überliefert (vorausgesetzt, man folgt der Deutung SCHÄFERS für den Ortsnamen Briechouua). Dieses Mal ist die Bezeichnung aber eindeutiger. Ein BURCHARDUS di Brizcene, also ein BURCHARD aus Brietzen, hinterlässt seinen Namen und sein Siegel auf drei herrschaftlichen Urkunden aus dem Jahre 1208 und schuf damit für die Stadt Treuenbrietzen die Voraussetzungen dafür, dass sie im Jahre 2008 den 800. Jahrestag ihrer Ersterwähnung begehen konnte. Aber, wie gesagt nicht die Stadt wird dort genannt, sondern ein BURCHARD, der aus diesem Ort kommt.
Wer war dieser BURCHARD? Nur wenig ist über ihn bekannt. Er gehörte zu den vielen einfachen Leuten, die damals ein kleines Lehen bekamen. Dafür musste er eine militärische Eskorte stellen und militärische Dienste leisten. Nach PARTENHEIMER war er ein Ministeriale und Vasall des Erzbischofs von Magdeburg. Daraus ergibt sich die Frage, ob die Erzbischöfe von Magdeburg die ersten Herren von Brietzen waren. Auf jeden Fall mussten die Magdeburger durch Brietzen, wenn sie zu ihren Besitzungen in Jüterbog gelangen wollten. Das magdeburgische Lehen in Brietzen könnte dann unter Erzbischof ERICH, einem Askanier, an die Mark Brandenburg gefallen sein.
Andererseits waren die Burgwarde Reichsbesitz. Deshalb bleibt die Frage offen: War BURCHARD Reichsministeriale? Hat er vom König seine Anstellung in Brietzen erhalten? Und hat er sich freiwillig dem Erzbischof von Magdeburg unterstellt, weil der König selten im Lande war? Sicher ist nur, und hier kommt eine weitere Jahreszahl ins Spiel, dass um das Jahr 1217 in Brietzen sowohl eine Burg als auch eine Pfarre vorhanden waren. Das geht aus einem Erlass des Bischofs von Brandenburg vom 28.Dezember 1217 hervor, in dem er unter anderen Territorien und Städten auch Bricene dem Archidiakonat des Domstifts von Brandenburg hinsichtlich der geistlichen Gerichtsbarkeit unterordnet. (PISCHON, S.6/7). Auch wenn viele Fragen offen bleiben müssen, die 800- Jahrfeier der Stadt Brietzen, die heute Treuenbrietzen heißt, blieb davon unbeeinflusst.

Die Stadt Brietzen
Und eine letzte Jahreszahl soll noch genannt werden, weil sie auch schon Anlass eines Jubiläums war, nämlich der 700- Jahrfeier im Jahre 1990; denn aus dem Jahre 1290 stammt die älteste Urkunde, die Brietzen als Stadt (civitas Bricene) bezeichnet. Mit der Urkunde vom 12.November 1290 legen die Markgrafen OTTO IV. mit dem Pfeil und KONRAD der Stadt Brietzen die 34 Hufen zur Bebauung des Ackers zu, die die Heidehufen (Heide- Hoven) genannt werden. (PISCHON, S.9/10)

Aus dem Treuenbrietzener Heimatblatt 10/2008

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