666 Jahre Bäckergilde Treuenbrietzen am 16.12.2008

Brot ist weltweit eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Mit Brot wird ein großer Anteil der für die Ernährung des Menschen notwendigen Nährstoffe gedeckt. Das Brot hat dabei im Laufe seiner geschichtlichen Entwicklung vielfältige Formen angenommen: Fladenbrot, Ringbrot, Baguette, Kastenbrot,…usw.
Die Geschichte des Brotes begann in der jüngeren Steinzeit mit den Haubenfladen. In Europa wird seit etwa 6000 Jahren Brot gebacken.  Vielfältige Entwicklungsstufen der Backgeräte und Backöfen wurden durchlaufen, von einer Backglocke aus Keramik bis zur vollautomatisierten Backstraße.

Mit dem Beginn des Ackerbaus wurden als älteste Getreidearten Vorstufen zum Weizen (Einkorn, Emmer sowie Dinkel) und Gerste angebaut. Der Anbau von Roggen und Hafer erfolgte erst viel später, zeitlich noch nach der Hirse. Die Getreidekörner wurden damals vom Menschen roh verspeist. Die roh gegessenen Getreidekörner waren schwer verdaulich. Das handwerkliche Herstellen von Brot konnte sich erst entwickeln, seitdem ein ständiges Bereithalten von Feuer bzw. das Entfachen von Feuer gelang. Zuerst begann man die Körner zu rösten und ahmte das Braten des Fleisches nach.  Mit dem  Zerquetschen der Getreidekörner und der Zubereitung mit kochendem Wasser und weiteren Zugaben wurden die ersten Breie hergestellt. So entstand eine Speise, die Milliarden von Menschen ernährt hat und noch heute das Hauptnahrungsmittel der ostasiatischen Völker und vielen Naturvölker ist. Wahrscheinlich durch Zufall entwickelte sich aus dem Brei der Fladen. Trocknet Brei im Gefäß an oder auf einem Stein fest, so entsteht ein Fladen. Dieser Fladen ist im frischen Zustand essbar, wird allerdings schnell sehr hart.

Die erste gesicherte Überlieferung über die Herstellung von Sauerteigbroten wird in der Bibel (Moses 2, Kap. 12) belegt. Sauerteigbrot wurde zur Zeit des Auszugs der Israeliten aus Ägypten (1400 – 1200 v. Chr.) gebacken. Bis ins Mittelalter wurden fast ausschließlich Sauerteigbrote gegessen. Danach entwickelten sich unterschiedliche Herstellungsmethoden des Brotes. In dem Gebiet nördlich der Alpen  fand weiterhin die spontane Sauerteiggärung bei der Brotherstellung Anwendung. In Ägypten wurde seit dem 4. Jahrhundert v. Chr. zur Teigbereitung Bierhefe verwendet. In den ehemals von den Kelten bewohnten Gebieten Frankreichs und Spaniens, wo bereits früh der Anbau des Weines und des Weizens bekannt war, wurde zur Brotherstellung bereits um 200 v. Chr. der Schaum des Traubenmostes verwendet.

Bei Völkern, die Ackerbau betreiben, gilt das Brot als heilig. Brot und Salz werden meist als Zeichen der Gastfreundschaft und bei Hochzeiten als Symbol für Ehe und Familie überreicht.

Das älteste nachweisbare Bäckerwappen in dem die Brezel als Berufszeichen der Bäcker enthalten ist,  ist von 1111 nach Christus. Die Brezel ist somit ein Gebildebrot antiken-christlichen Ursprungs.

Das althochdeutsche „Brezitella“ weist auf das lateinische „Brachiatellium“ hin und ist im weiteren Sinne  mit „Ärmchen“ zu übersetzen. Die Brezel symbolisiert die zum Beten verschränkten Arme. Aus dem römischen Ringbrot, das im frühen Christentum für das Abendmahl verwendet wurde, entstand zunächst eine abgewandelte Form, bei der ein Arm – ähnlich einer Sechs – über den Ring hinausragte.

Das älteste Bäckerwappen bildete bereits in einfacher Form den Löwen ab. Im Jahre 1323 verlieh Kaiser Ludwig von Bayern (1314 bis 1347) für das Mitwirken und tapfere Verhalten in der Mühldorfer Schlacht (28. September 1322) das Recht, dass in Fahnen und Wappen der Deutsche Reichsadler und zwei gekreuzte Schwerter ausgewiesen werden durften. Ab 1348 durfte über der Brezel des Wappens zusätzlich die Böhmische Königskrone dargestellt werden. Karl der V. gewährte im Jahr 1529 den Wiener Bäckern für ihre Verdienste während der ersten Türkenbelagerung von Wien offiziell die beiden aufgerichteten Löwen im Wappen zu führen.
Die Türken belagerten Wien. Sie wollten nachts einen Stollen unter der Stadtmauer graben. Die Wiener Brezel – Bäcker, die stets in der Nacht arbeiteten, sollen die klopfenden Geräusche gehört haben. Es wird übermittelt, dass die Brezel – Bäcker wie die Löwen kämpften.  Seitdem sind in dem Wappen zwei aufgerichtete Löwen, die eine Brezel in der Mitte tragen. Im Jahre 1690 erteilte Kaiser Leopold zum Dank und als Anerkennung für Verdienste der Bäcker während der zweiten Türkenbelagerung die Erlaubnis, neben den Löwen auch Schwerter im Wappen verwenden zu dürfen.

Im Trauzimmer (ehemals Sitzungssaal) des Treuenbrietzener Rathauses ist in der Deckentäfelung ein anderes Wappen dargestellt. Ursprung und Erläuterung hierzu sind nicht bekannt.


Bereits vor Jahren wurden einige Abhandlungen über die Entstehung und die Entwicklung des Bäckerhandwerkes in Treuenbrietzen veröffentlicht. Dabei wurde das Bäckerhandwerk aus der Sicht der jeweiligen Epoche auf der Grundlage der vorhandenen bzw. genutzten Quellen und Hinweise analysiert und dargelegt. Bei den nachfolgenden Darlegungen handelt es sich insbesondere um Veröffentlichungen des Lehrers und Heimatforschers Oskar Brachwitz (unterzeichnet mit „Br.“), hierbei insbesondere um die Veröffentlichung aus dem Jahre 1942 zum 600-jährigen Bestehen der Bäckerinnung Treuenbrietzen. Die Beschreibungen und Zusammenfassungen basieren auf Chroniken (Pischon, Wille u. a.), Angaben von Zeitzeugen und Schriftstücken der Stadtverwaltung. Diese Veröffentlichungen werden vollständig oder auch in Auszügen wiedergegeben. Es erfolgte zum Teil eine redaktionelle Überarbeitung und eine Anpassung an die aktuell geltende deutsche Rechtschreibung. Bei Zitaten wird die frühere Schreibweise wiedergegeben.

Insbesondere bei der Beschreibung der Heimatgeschichte kann durch das Fehlen von dokumentierten Quellen und glaubwürdigen Aussagen von Zeitzeugen selten eine vollständige Darstellung des Sachverhaltes erreicht werden. Meist sind es Bruchstücke, die gefunden wurden und dann subjektiv von den Verfassern zusammengefügt und wiedergegeben werden. Es können nicht in jedem Fall vollständige bzw. umfassende Antworten und Erklärungen zur Heimatgeschichte Treuenbrietzen gegeben werden. Ziel ist, das Interesse für die komplizierten Prozesse der Heimatgeschichte zu wecken. Das Nachdenken und Nachlesen soll angeregt werden. Wenn jeder weiß, woher er kommt und was seine Vorfahren erlebt haben, kann jeder erahnen, wohin er bewusst gehen könnte.

„Zur Geschichte der Bäcker-Innung in Treuenbrietzen im Mittelalter

Die Gründung der Bäcker-Innung erfolgte im Jahre 1342. Am 16. Dezember desselben Jahres stellte der Rat der Stadt eine lateinisch geschriebene Urkunde über Pflichten und Rechte der Bäckerzunft aus. Das Original dieser wichtigen Urkunde ist zwar nicht erhalten, aber sie findet sich gedruckt in dem großen brandenburgischen Urkundenwerk von Riedel, Band IX.

Zunächst sind die Abgaben, die jedes Mitglied der Gilde an die Stadt zu zahlen hat, genau festgelegt. Dann sollen die Bäcker dafür Sorge tragen, dass es niemals in der Stadt an Brot fehlt. Sie sollen ein halbes Schock gemeiner Groschen bezahlen, wenn sie es dennoch durch eigene Schuld daran mangeln ließen. Man sieht, das Gewerk übernimmt eine Verpflichtung der Allgemeinheit gegenüber.

Die Erfüllung dieser Aufgabe mag bei schlechten Ernten und dadurch hervorgerufener Mehlknappheit oft nicht leicht gewesen sein. Wer in die Bäckergilde eintritt, soll einen halben Ferto, d. h. 1/8 Mark Silber, bezahlen. Die Entrichtung einer Aufnahmegebühr war eine Einnahmequelle für die Innung, auf die man immer größeren Wert gelegt hat. Die Gildenmeister werden verpflichtet, sich jährlich vor dem Rat der Stadt zur Erneuerung und Bestätigung ihrer Gerechtigkeiten zu stellen. Man sieht, wie die Stadtverwaltung sich eine dauernde Aufsicht über die Innung sichert. Für das Recht der Ausübung des Handwerks verlangte die Stadt eine Abgabe, nämlich von den Mitgliedern, die wirklich backen, jährlich vier Groschen, von den Mitgliedern, die nicht backen, nur die Hälfte. Also gab es damals schon eine Gewerbesteuer.

Der Rat wachte auch über die hergestellten Backwaren. Zu kleines und geringes Brot soll von den Verkaufstischen weggenommen werden und der Verkäufer fünf Groschen Strafe bezahlen. Das zum Verkauf auf die Dörfer getragene Brot soll, wenn es zur Stadt unverkauft zurückkommt, hier nicht mehr öffentlich feilgeboten werden. Die Angabe, dass schon zu jener Zeit auf den Dörfern Brot verkauft wurde, ist immerhin interessant. Wer die so genannte Bolle (wahrscheinlich eine gröbere Backware) für Semmeln verkauft, soll dafür fünf Groschen bezahlen. Wenn Klagen über zu kleines Brot in der Bürgerschaft laut werden, soll man die Brote den Bürgermeistern bringen, und dieselben sollen dafür sorgen, dass die Bäcker das Brot ihrem Gelöbnis gemäß und so verkaufen, wie es den Bürgern recht und billig erscheint.

Vom 22. Juni 1359 stammt noch ein Nachtrag zum Privileg der Bäcker-Innung, „nicht zu ihrer Erschwerung, sondern zur Erhebung und Besserung der genannten Gilden und zum allgemeinen Nutzen“. Bedrohlich wurden die Bäcker angewiesen, täglich zur Zeit der Frühmesse Brot zum Verkauf auf die Stadtbank zu schicken. Daraus geht hervor, dass der Verkauf nicht im Hause der Bäcker erfolgte, sondern in dem „Kophus“, dem heutigen Rathaus, oder in den Hakenbuden. Auch die Fleischer hatten hier ihre Verkaufsstände, die so genannten Scharren.  –  An Geld für einen Scheffel Roggen sollen zwei Pfennig bezahlt werden, „solange ein Schilling Pfennige soviel gilt wie ein gewöhnlicher Groschen“. Bei diesen Münzangaben ist zu bedenken, dass das Geld damals einen ganz anderen Wert darstellte wie heute. …

Siegel. –  es ist sicher, dass die Innung schon in der ersten Zeit ihres Bestehens ein Siegel besaß, von dem wir leider keinen Abdruck haben. Die Lehrbriefe aus späterer Zeit zeigen ein Siegel mit dem allgemeinen Symbol: Brezeln und darüber eine Krone. Außerdem thront eine Frauen-Figur auf einem Bogen. Die Figur ist mit zwei Flügeln versehen. Die Umschrift lautet:

S.DAS.BECKERHANDWERK.ZU.TREWENBRITZEN.

Wir hören in den nächsten Jahrhunderten nichts von der Innung. Erst 1596 werden die Bäcker wieder erwähnt, als eine „Preisüberwachungs-Kommission“ von Seiten des Rates für Fleischer und Bäcker eingesetzt wird. Diese Kommission sollte dafür Sorge tragen, das Brot und Semmeln das vorgeschriebene Gewicht hätten und nach der vom Rat festgesetzten Taxe verkauft würden. Die Taxe ist nicht erhalten geblieben. Die zu leicht befundener Backwaren sollten beschlagnahmt und den Armen im Hospital gegeben werden. Außerdem sollten die schuldig befundenen Bäcker „nach Gelegenheit der Verbrechungen vom Rate bestraft werden auszustellen“.

So kamen auch innerhalb der Innung oft recht widerwärtige Streitigkeiten vor. Der Rat strafte um 1670 die Gilde mit fünf Taler wegen des unchristlichen, unverantwortlichen Verhaltens, dass sie die tote Frau und das tote Kind des Bäckermeisters Hans Thiele nicht hatten zu Grabe tragen wollen, bevor Thiele nicht eine rückständige Bierschuld bezahlt hätte. Als die Bäckergilde sich beklagt, Martin Krüger habe die Nahrung allein, beschließt der Rat, eine Woche solle Martin Krüger allein backen, die zweite die Clemens Gericke mit ihrem Sohn, die dritte Hans Thiele und Martin Polzien, in der vierten solle die Reihe des Backens wieder bei Martin Krüger beginnen. Hiernach scheinen damals nur vier Bäckermeister oder höchstens fünf in der Stadt gewesen zu sein.

Das Bäckergewerk gehörte zu den angesehensten der Stadt, weil die Gilde ein so hohes Alter hatte. Darum beteiligte sie sich auch an der Mitregierung. Sie stellte aus ihren Reihen einen Gemeindevertreter (Stadtverordneten). Diese Mitregierung haben sich die Gewerke erst erkämpfen müssen, zum Teil in blutigen Aufständen. Auch in Treuenbrietzen war es im Jahre 1423 zu Unruhen gekommen, weil der Rat die Forderungen der Innungen nicht erfüllen wollte, sondern an den alten Herkommen festhielt, dass die Ratsmitglieder immer wieder aus den angesehensten Geschlechtern genommen werden sollten.

Fortsetzung folgt.

Eberhard Brendel, Mitglied des Heimatvereins Treuenbrietzen e. V.

2 Kommentare

Brezen in Wien | sgroh.netFreitag, 27. Februar 2009 um 10:08

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