666 Jahre Bäckergilde Treuenbrietzen am 16.12.2008

Fortsetzung von diesem Beitrag.

„Die Satzungen der Bäcker-Innung zu Treuenbrietzen vom Jahre 1706

Für das Innungsleben von größter Wichtigkeit sind die Satzungen aus dem Jahr 1706. Sie sind auf Pergament geschrieben, tragen die Unterschrift des Königs Friedrich I., ebenso sein großes Siegel in der Kapsel. Ausgestellt sind sie am 26. Februar. Wir sehen, dass der Rat der Stadt mit seinem einst so wichtigen Aufsichtsrecht ausgeschaltet worden ist, dass der Landesherr dieses Recht für sich beansprucht. Wohl hat der Rat der Stadt die neuen Satzungen, die dem König eingereicht werden, gebührend durchgesehen, wie ausdrücklich in der Einleitung erwähnt wird.

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Ausstellungsvitrine Bäckerhandwerk im Heimatmuseum Treuenbrietzen

 

1. Wahl der Innung.

Wollen sind sämtliche Meister der Bäckergilde auf den Fastnachtsonntag, wie fürs Alter des geschehen, zusammenkommen, und zwei neue Gilde-Meister erwählen, welches auf die Reihe herumgehen und keiner verschont werden soll, alsdann auf die bestimmte Zeit sich nicht einfinden würde, soll sechs Groschen Strafe geben.

2. Unter-Gildemeister

Soll neben denselben allzeit derjenige, so das Jahr von der Schencken kömpt, zum Unter-Gildemeister erkoren werden, und dasselbe Jahr die Backknechte herbergen, also, dass die Backknechte alle Mal dar wieder einziehen, wo die Meister ausgezogen.

3. Morgensprache

Wollen sie sämtliche Meister aller Jahr zweimal, als den Fastnachtmontag, und den dritten Pfingsttag ihrer Morgensprache halten, jedoch dass der Gildemeister des Tages zuvor E. E. Rat darum besprechen soll, ob sie jemanden ihres Mittels dabei haben wollen; und wann ihnen solches erlaubt, soll der Gildemeister Umfrage tun, ob jemand etwas zu klagen habe? Wann sich nun einer angibt, soll derselbe seine Klage der Gilde fürbringen, jedoch mit aller Bescheidenheit und nicht mit ungestümen und störrigen Worten, wie bei dergleichen Zusammenkünfte zu geschehen pfleget, dann sollen auch die Gildemeister die Klage bescheidentlich anhören und die Sache ohne alle Affekten abtun, demjenigen, so Ursache zu klagen hat, zu seinem Recht verhelfen, und die Übertreter gebührend abstrafen. Wer sich aber hierbei ungebührlich hielte, und seine Sache mit Schimpf- und Schandworten vorbrächte, soll von den sämtlichen Meistern nach der Sache Erkenntnis angesehen und gestraft werden.

4. Meisterrecht

Sollte sich einer angeben, Meister zu werden, soll derselbe vor offener Lade gefordert werden, da er seinen Geburts- und Lehrbrief der Gilde vorlegen, und wenn solche richtig, und er in einer Stadt bei einem ehrlichen Meister drei Jahren gelernt hat, der Gilde sechs Groschen zum Mutgroschen (Gebühr; – um das Meisterrecht anhalten) geben, und ihm hierbei angedeutet werden soll, auf die anderen Morgensprache, so den dritten Pfingsttag gehalten wird, sich wieder anzugeben. Würde er nun auf sein als Führnehmen verharren, soll er auf der anderen Morgensprache den anderen Mutgroschen  -  sind sechs Groschen  -  erlegen, und bis auf die dritte Morgensprache auswarten. Wenn solche drei Morgensprache gemutet werden, welches ein Jahr ist, soll derselbe seinen Geburts- und Lehrbrief auch daneben einen richtigen Kaufbrief, dass er ein eigen Haus habe, und von E. E. Rat ein Zeugnis, dass er unserm allergnädigsten in Könige, Kurfürsten und Herrn mit Eides-Pflichten verwandt und Bürger worden, der Gilde vorlegen. Wenn als denn aus seinem Lehrbriefe genugsam wird zu ersehen sein, dass er sieben ganze Jahrelang mit den drei Lehrjahren auf dem Handwerk gewesen, soll er bei einem Meister, wo ihn ein löbl. Handwerk hingewiesen wird, einem Meister-Schoss von zwei Scheffel Weizen und zwei Scheffel Roggen backen. Würde er mit demselben bestehen, soll er der Gilde fünf Taler an barem Gelde zum Meisterrecht und einem Gilden-Wachsgeld geben (welches zum Ankauf geweihter Wachskerzen bestimmt ist), und sodann zu Meister angenommen werden. Sollte er aber mit dem Meister-Schoss nicht bestehen, muss er aufs neue wiederum muten und noch ein Jahr warten, auch alsdann wieder einen anderen Meister-Schoss backen, damit er für einen Meister bestehen kann.

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Innungslade des Bäckerhandwerkes im Heimatmuseum Treuenbrietzen

 

5. Erwerbung des Meisterrechts durch einen Meistersohn

Wann auch ein Meisters Sohn Meister werden wollte, soll derselbe auf die erste Morgensprache einen Mutgroschen erlegen und erweisen, dass er einigen Jahren gewandert, hernach einen richtigen Kaufbrief, dass er ein eigenes Haus habe, auch E. E. Rats Kundschaft; dass er Bürger worden, der Gilde fürlegen; wann solches alles richtig, so er der Gilde zwei Taler an barem Gelde zum Meisterrecht, einem gültigen Wachsgeld, und sein Meister-Schoss backen, würde er aber eines Meisters Tochter, oder eine Witt-Frau nehmen, soll er der Gilde auch zwei Taler, einen Gülden Wachsgeld, und einen Mut-Groschen erlegen, und da neben das Meister-Schoss, wie ein anderer backen.

6. Aufnahme der Meisterin

Wann ein Meister heiratet, und seine Frau in die Gilde bringen wollte, derselbe aber wäre in der Bäcker-Gilde, oder sonsten in den vier Gewerken nicht geboren, soll dieselbe gleichfalls einen ehrlichen Geburtsbrief der Gilde vorlegen und sich mit anderthalb Gulden in die Gilde einkaufen; ehe solches geschieht, soll derselben nicht vergönnt werden auf dem Markt zu sitzen und feil zu haben.

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Innungskrug des Bäckerhandwerks im Heimatmuseum Treuenbrietzen

 

7. Lehrlinge

Soll auch kein Meister einen Lehrjungen annehmen, er habe denn zuvor bei dem löblichen Handwerk sich angegeben, und daselbst seinen ehrlichen Geburtsbrief vorgelegt; wann derselbe richtig, soll er denen Meistern zwei Taler und einen Gulden Wachsgeld geben, so soll auch kein Meister einen fremden Jungen unter drei Jahren annehmen, und wo ein Lehrjunge davon laufen würde, soll derselbe Meister, bei welchem er gelernt, keinen anderen zu lernen annehmen, bis solche Lehrjahre um sein. Der Junge gibt dem Meister sechs Taler zum Lehrgelde; es wäre dann, dass sich der Meister mit ihm auf andere Art vergleichen könnte.

8. Andere Zusammenkünfte

Wann die Gilde beisammen etwas zu tun hätte und der Gildemeister ließe dieserwege verboten oder fordern, soll solches einen Tag vorher geschehen und von dem Jungmeister selbst bestellt werden. Würde alsdann jemand außen bleiben und nicht erscheinen oder zu langsam kommen, wann der Seiger schon geschlagen, derselbe soll zwei Groschen zur Strafe erledigen. Wo aber der Jungmeister solches versäumete, muss er doppelte Strafe geben. Wenn aber einer bei einer ordentlichen Morgensprache ausbleibet, soll packt Knecht vier Groschen Strafe verfallen sein.

9. Schelt- und Schmähwort

Wann ein Meister oder Meisterin oder ein Backknecht einer den anderen mit ehrenrührigen Schelt- und Schmähworten angreifen würde, soll ein Meister oder Backknecht, so oft es geschieht, 12 Groschen zur Strafe geben, und wo der andere wieder schelten würde, in gleicher Strafe sein. So aber solches von Weibern geschehen sollte, dieselben sollen auch 12 Groschen geben. Würden Sie sich aber gar schlagen, sollen sie dem Handwerk ein Taler Strafe geben und noch über dem in des Rats Strafe verfallen sei.

10. die Verkaufsstände auf dem Markt

Wollen die Meister alle Jahre in der Fastnacht Morgensprache um die Stände auf dem Markte kakeln (das heißt losen), da dann ein jeder auf seinen gefallenen Stand sitzen, keinen von den Seinen vordringen, demselben auch keinen Kaufmann vom Stande weg rufen soll, bei 12 Groschen Strafe, sooft es geschieht. So soll auch keiner an zweien Ende zugleich feil haben, bei gedachter Strafe.

11. Begräbnis

Würde auch nach dem willen Gottes ein Meister oder Meisterin sterben, soll des Tags zuvor die Gilde zum Begräbnis beschieden werden, und die sechs jüngsten Meister, wann es von ihnen begehret wird, sollen die Leiche tragen. Sooft sie solches nicht bestellen werden oder durch andere bestellen lassen, sollen sie den Gilde jeder 12 Groschen Strafe geben. Die anderen Meister und Meisterinnen aber sollen der Leiche nachfolgenden bei vier Groschen Strafe. Würde aber einem Meister ein Kind oder sonsten ein Dienstbote aus seinem Hause sterben, sollen die jüngsten in gleichergestalt, wann es von ihnen verlangt wird, die Leiche hintragen oder ein jeder der Gilde sechs Groschen Strafe dies falls erlegen, auch denen Meistern und Meisterinnen nachgelassen seien, dass eines von ihnen bei obdachter Strafe folgen müsste. Wann aber Pestzeiten einfielen, sollen die Gilde-Verwandten hieran so hart nicht verbunden sein, damit das Übel nicht dadurch gefördert oder größer gemacht werde, sondern auf solchen Fall soll der Rat gebührende Ordnung machen und die Gilde sich derselben gemäß zu verhalten schuldig sein.

12. Strafgelder

Die einkommenden Meister-, Straf- und andere Gelder, so zur Lade gehören, sollen nicht unnützlich, viel weniger zu fressen und saufen, sondern zu Hilfeleistungen der Notleidenden, Verralteten, Kranken und anderen nötigen Gebrauch des Handwerks angewandt werden.

13. Backen und Verkauf

Weil auch die Gilde sich ziemlich vermehret, hier aber schlechte Abnahme und Nahrung ist, sonderlich da man an der Grenze liegt, bisher auch einer den anderen verdorben, indem sie bisweilen alle miteinander auf einmal gebacken und die meisten ihre Brot und Semmeln behalten und dadurch Schaden erlitten, nach mahls aber einer vor dem anderen sich gefürchtet und nicht backen wollen, weil packt Woche gemeinet, dass es ihm wie zuvor ergehen und Schaden leiden möchte, wann die anderen alle wiederum backen sollten, dadurch zu unterschiedlichen Mahlen Mangel an Brot und Semmeln gespüret und kein Durchreisender oder andere fremde Leute was bekommen können.
So ist es endlich also beschlossen und beliebig worden, dass die Backwoche gehalten werden, und in jeder Woche drei von den Meistern und zwar auf der Breiten Straße allemal einer, wann es sich tun lässt, auf der großen Straße, aber bisweilen einer oder zwei, doch nicht nebeneinander und dabei gut Brot und Semmeln nach dem Gewicht backen sollen, damit allemal frisch Brot und Semmeln vorhanden und zu bekommen sei, widrigenfalls der Rat bei ereignenden Mangel diejenigen, so die Backwoche gehabt, zur scharfen Strafe ziehen will.
Damit auch keiner sich über das Gewicht zu beschweren hat, so soll wöchentlich von den hierzu deportierten Brot und Semmeln gewogen, und, so es mit der vorgeschriebenen Taxe und Gewicht nicht überein käme, sofort weggenommen, und der zugleich gebacken, über das vom Rat gebührend dafür angesehen werden. Die aber zu groß und den anderen zum Schaden backen, sollen der Gilde 12 Groschen Strafe geben. Wie dann die Meister dahin sehen wollen und sollen, dass Brot und Semmeln von einem weißen und nicht vom groben Mehl gebacken werde, so soll es auch mit dem Brezel backen in der Fastenzeit also gehalten werden, dass die Meister die erste Woche alle miteinander, die folgenden Wochen aber allemal wöchentlich ihrer zwei, und die letzte Woche wiederum alle miteinander gut gesottene feine Brezeln backen sollen. Außer der Fastenzeit aber soll wöchentlich einer Brezel backen und selbige aufm Markt auf ihren gewöhnlichen Ständen feil haben.

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Backmodel um 1850 im Heimatmuseum Treuenbrietzen

 

Diese Satzungen wurden geändert durch ein General-Privilegium und den Gildebrief von 1735 und dann wieder 120 Jahre später durch das Statut für die Bäcker-, Konditoren- und Pfefferküchler-Innung zu Treuenbrietzen 1855.

wird fortgesetzt

Eberhard Brendel,
Mitglied des Heimatvereins Treuenbrietzen e. V.

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