Der Sabinchenbrunnen in Treuenbrietzen

Am 14. Dezember 1913 wurde in Treuenbrietzen der Hohenzollernbrunnen eingeweiht. Auf dem Sockel stand eine Bronzefigur, die den Kurfürsten Friedrich I. von Hohenzollern darstellte.

Im Fläming-Echo der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 6. Juli 2006 hieß es auf Seite 16: Die Aufstellung des Kurfürsten Friedrich I. sei indes eine reine „Präsentation der Monarchie“ gewesen und habe keinerlei „direkte Verbindung zur Stadt“ gehabt.

Nun, ganz so war es dann doch nicht, wie noch zu lesen sein wird.
Um die Jahreswende 1943/44 wurde die Bronzestatue auf Veranlassung des Magistrats vom Sockel abgenommen und auf dem Ratshof eingelagert. Noch bis 1949 wurde sie dort gesehen. „Die Abnahme der Brunnenfigur stand im Zusammenhang mit der Ablieferung von Metallen „für die Rohstoffversorgung zur Durchführung des Krieges“ und fiel der so genannten „Metallspende des deutschen Volkes“ zum Opfer.

Gemäß des Befehls Nr. 30 des Alliierten Kontrollrates vom 13. Mai 1946 sollten alle militärischen Denkmale und nazistischen Museen beseitigt werden. Obwohl die Aktion in vielen Fällen zur Vernichtung unersetzlicher Zeugnisse der Kultur führte, stuften die Verantwortlichen den Treuenbrietzener Brunnen am 03. Dezember 1946 als ein Denkmal ein, dessen Erhaltung wünschenswert ist. Die Figur hätte ohne größeren Aufwand wieder auf ihrem Sockel befestigt werden können. Die Wiederaufstellung scheiterte jedoch an der zunehmend ideologisch motivierten Überprüfung der in den Städten und Dörfern vorhandenen vaterländischen Denkmale aus der Kaiserzeit in den Jahren nach 1945 in der sowjetischen Besatzungszone“.
Wo ist die Bronzestatue eigentlich geblieben? Diese Frage beschäftigte mich schon seit langem und so begann ich meine Nachforschungen. Die erste Spur führte mich auf die Burg „Hohenzollern“, den Stammsitz des gleichnamigen Adelsgeschlechtes in der Schwäbischen Alb. Ich bekam die Nachricht, dass sich „unser“ Kurfürst hier befinden würde. Diese Annahme ist so abwegig nicht, da bekannt ist, dass die Hohenzollern Gegenstände, die an sie erinnerten, aus zerstörten Kirchen oder Schlössern retteten und aufbewahrten.

Bei meiner Spurensuche auf dem „Hohenzollern“ wurde ich mit Herrn Christoph Wagner bekannt, der dort als Archivar und Burgführer arbeitet. Herrn Wagner bin ich zu großem Dank verpflichtet, denn er hat sich viel Zeit für mein Anliegen genommen. Als Ergebnis konnte festgestellt werden, es gibt zwar eine Bronzestatue von Friedrich I., aber sie ist nur 40 cm hoch und somit nicht „unser“ Kurfürst. Nach Hinweisen von Bürgern der Stadt Treuenbrietzen sollen zwei Brüder aus der Stadt den bronzenen Kurfürsten mit einem Gummiwagen vom Ratshof abtransportiert haben, um ihn am Stadtrand zu zerschneiden und als Buntmetall nach Berlin/West zu verkaufen. Somit wäre „unser“ Kurfürst für immer zerstört.

Welche Geschehnisse führten zu der Errichtung des Denkmalbrunnens in Treuenbrietzen und worin bestanden die Beziehungen der Stadt zu „ihrem“ Kurfürsten? Grundsätzlich sind die historischen und städtebaulichen Belange zu betrachten.

„Die Anfänge der Denkmalsgründung reichen bis in das Jahr 1912 zurück und fußten auf einen Vorschlag des Bürgermeisters Gustav Jahn. Am 3. April 1913 ermächtigte daraufhin der Magistrat von Treuenbrietzen den Bürgermeister, mit dem Bildhauer Eberhard Encke aus Berlin wegen der Herstellung eines Marktbrunnens mit Standbild Verhandlungen aufzunehmen.

Der Magistrat begrüßte am 17. April die Verhandlungsergebnisse des Bürgermeisters und aus einer Notiz von Gustav Jahn geht hervor, dass das Standbild- und Brunnenmodell sowie die Kostenvorstellungen des Künstlers am 25. April in der Stadt vorlagen. Weiter hieß es darin, das Standbild stellt den Kurfürsten Friedrich I., den ersten Hohenzollernschen Markgrafen dar.

Aus diesen Zusammenhängen wird ersichtlich, dass die ursprüngliche Absicht des Bürgermeisters lediglich darin bestand, in Treuenbrietzen – ähnlich wie in Arnswalde – einen Zierbrunnen zu errichten. Erst im Verlaufe seines Gesprächs mit Eberhard Encke scheint sich diese Vorstellung gewandelt zu haben, denn erstmalig ist in dem besagten Vermerk vom 25. April davon die Rede, der Denkmalsgründung einen patriotischen Sinn zu verleihen. Möglicherweise lässt sich dieser Wandel auch auf die Intentionen des Künstlers zurückführen, obgleich es dafür keinen Beleg gibt.

Die Veränderte Konzeption erklärt auch, warum sich der Bürgermeister hinsichtlich der Errichtung eines Brunnens anfangs nach Arnswalde wandte und nicht an die Stadt Brandenburg (Havel), die bekanntlich im Jahr 1912 ein Brunnendenkmal mit dem Reiterstandbild des Kurfürsten Friedrich I. in Anwesenheit Kaiser Wilhelm II. eingeweiht hatte. Das Denkmal in Arnswalde hingegen trug gleichfalls unpolitische Züge, entsprach also der ursprünglichen Idee des Stadtoberhauptes.

Am 26. April 1913 fasste der Magistrat den Beschluss zur Errichtung eines Hohenzollernbrunnens. Als Termin der Grundsteinlegung war der 16. Juni – der Tag der offiziellen Jubiläumsfeier für Kaiser Wilhelm II. – vorgesehen, die Enthüllung sollte an einem später noch zu bestimmenden Tage im Oktober desselben Jahres erfolgen.

Der Magistrat betonte in seinem Beschluss ganz besonders das Wirken der Hohenzollern, die in rastlosem, kampferfülltem, weisem und zielbewusstem, von Gott gesegnetem Wirken und Schaffen (…) aus der Mark heraus und durch die Märker Preußen und Deutschland groß und mächtig gemacht. Diesen Anlässen für die Denkmalsgründung lassen sich andere ebenso wichtige an die Seite stellen, deren Ursachen jedoch eher in den innerstädtischen Entwicklungen begründet lagen. Aus dem Beschluss des Magistrats ging nämlich gleichzeitig hervor, dass die Errichtung des Denkmalbrunnens auf dem Marktplatz als Bestandteil der Neuregulierung der Großstraße gedacht war. Er sollte einen würdigen Abschluss der von der Stadt in den letzten Jahren geschaffenen, für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Gemeinwesens wie für die Volksgesundheit hochbedeutsamen kommunalen Werke: Elektrizitätswerk, Wasserwerk und Kanalisation bilden. Die „Treuenbrietzener Zeitung“ hob in ihrem Artikel vom 17. Mai dazu hervor, dass sich die Großstraße nach ihrer Fertigstellung als eine Prachtstraße präsentieren wird, wie wir sie wohl selten in einer Stadt unserer Umgebung finden. Dazu gehörte neben dem Anpflanzen von Linden und der Anlegung von Rasenflächen eben auch die Aufstellung des Denkmals als ein Prunkstück der Stadt. Die angesprochene Umgestaltung der Straße erforderte die im Zuge der Baumaßnahmen notwendig gewordene Neuanpflanzung der vom örtlichen Verschönerungsverein in den 60er Jahren des 19. Jhr. gesetzten doppelten Reihe von Laubgehölzen.

Die Realisierung der Gesamtheit all dieser Unternehmungen bildete den Abschluss der kommunalen Großprojekte, die erhebliche Geldmengen erfordert hatten und denen über mehrere Jahre hinweg langwierige, heiße Diskussionen vorausgingen.

Da man sich in Treuenbrietzen für den Begründer der Hohenzollerndynastie in Brandenburg als Brunnenfigur entschied, reflektierten die Stadtväter damit zudem die bis in das Mittelalter zurückreichende Herrschaft der Hohenzollern in Brandenburg.

Die Anlässe für solche vaterländischen Denkmalssetzungen zu Ehren des 500. Jahrestages der Herrschaft der Hohenzollern wurden zumeist mit lokalen Ereignissen verbunden, die einen Bezug zu Begebenheiten im Zusammenhang mit dem ersten hohenzollernschen Herrscher in Brandenburg hatten. Daher variierten auch die Daten der Einweihungen der jeweiligen Denkmale, denn die offiziellen staatlichen Feierlichkeiten fanden erst im Jahre 1915 statt und bezogen sich auf die Verleihung der Kurwürde, vorbehaltlich des Rechtes auf ihre Wiedereinlösung, an den damaligen Burggrafen Friedrich VI. von Nürnberg am 30. April 1415. Die Enthüllung des Hohenzollernsteines in Kremmen hingegen erfolgte beispielsweise aus Anlass des Jahrestages der Schlacht am Kremmener Damm am 24. Oktober 1412 und die Einweihung des Denkmals in Havelberg fand am Jahrestag der Huldigung des Burggrafen durch die Stadtobrigkeiten am 5. Oktober 1412 statt.

In seinem Beschluss vom 26. April 1913 verwies der Magistrat auf folgende politisch bedeutsame Jubiläen als ausschlaggebend für die Errichtung des Denkmals im Jahre 1913:
1. das 25jährige Thronjubiläum Kaiser Wilhelm II. (15. Juni 1888)
2. den 100. Jahrestag der Erhebung gegen die Napoleonische Fremdherrschaft (17. März 1813)
3. den 500. Jahrestag der Hohenzollernherrschaft in der Mark Brandenburg
4. die erfolgreiche Entwicklung des Preußischen Staates unter der 500jährigen Herrschaft der Hohenzollern.

Diese vielfältigen Bezüge spiegelten den Patriotismus und die Verbundenheit der Denkmalsstifter mit der Hohenzollern-Dynastie wider. Ihre bewusste Hervorhebung half den Initiatoren der Denkmalsgründung, mittels der Würdigung erfolgreicher hohenzollernscher Politik eine Brücke aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu schlagen und daraus deren Fortsetzung für die fernere Zukunft abzuleiten. Der Jahrestag der Begründung der Hohenzollern-Herrschaft in der Mark Brandenburg erscheint hierbei jedoch nur als ein gleichberechtigter Grund neben mehreren anderen.

Zweifellos gab es jedoch mehrere stadtgeschichtliche Ereignisse, die solche Beziehungen zum damaligen Landesherrscher belegen, die eine Denkmalssetzung gerechtfertigt hätten:
Am 13. Juli 1412 huldigte die Stadt dem Burggrafen Friedrich VI. und beteiligte sich im Jahre 1414 – im Zusammenhang mit der Niederschlagung des Widerstandes von Teilen des Adels unter Führung von Kaspar Gans zu Putlitz sowie der Brüder Dietrich und Johann von Quitzow – auf Seiten Friedrichs an der Belagerung und der Einnahme des Schlosses Beuthen. In Vorbereitung hierzu kam es am 11. Dezember 1413 sogar zu einer Begegnung der mit Friedrich verbündeten Fürsten in der Stadt, bei der die Einzelheiten des bevorstehenden Feldzuges besprochen wurden.

Darüber hinaus feierte der Kurfürst im Mai 1416 in Treuenbrietzen die Vermählung seines ältesten Sohnes Johann mit Barbara, der Tochter des Herzogs Rudolf von Sachsen. Die Trauung fand in der St. Marienkirche statt. Die Stadt wurde aus diesem Anlass – unter der Bedingung, dass der Ort nicht von Brandenburg getrennt werden sollte – der Braut am 18. Mai 1416 als Leibgedinge verschrieben. Die Huldigung gegenüber der Fürstin erfolgte fast unmittelbar darauf am 28. Mai.

Im Jahre 1423 schlichtete der Kurfürst Streitigkeiten zwischen dem Magistrat und den ortsansässigen Gilden und Zünften.

Ein weiterer Hinweis auf die Verbundenheit mit dem Kurfürsten Friedrich I. ist die Umbenennung des Ortes „Brietzen“ in „Treuenbrietzen“ während seiner Herrschaft. Der Namenswandel reicht in die Wirren um den so genannten Falschen Waldemar (1348) zurück, als die Stadt in den kriegerischen Auseinandersetzungen die Partei ihres angestammten Landesherrn – Markgraf Ludwig – ergriff. Zwar ist schon aus dem Jahre 1409 die Bezeichnung von der getrewen Britzen bekannt, doch bei der ersten Urkunde, die den Namen truwenbriessen übernahm, handelte es sich um eine Vereinbarung zur Sicherung des Landfriedens zwischen Albrecht, Herzog zu Sachsen, Friedrich, Markgraf zu Brandenburg und Friedrich dem Älteren, Markgraf zu Thüringen vom 3. Dezember 1420. Diese neue Schreibweise bürgerte sich unter der Herrschaft der Hohenzollern zunehmend ein, denn auch bei der Stiftungsurkunde des St. Gertrauden-Hospitals vom 23. Februar 1421 fand die neue Namensform – Trewenbrithßen – Anwendung.

Auch für die seitens der Stadtväter wiederholt ausgesprochene Behauptung, die Hohenzollern hätten die Rechte der Stadt erweitert und ihr Ländereien verschrieben,
gibt es nur spärliche Hinweise. Dieses traf mehr oder minder auf alle hohenzollernschen Kurfürsten zu, sie stellen mithin also keine Besonderheit dar. Bezogen auf Friedrich I. weist sie wohl darauf hin, dass er bei der Huldigung der Stadt deren eigenständige Gerichtsbarkeit anerkannte und die Rechte des St. Gertrauden-Hospitales erweiterte, was durchaus positive Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zur Folge hatte.

Doch trotz dieser Einschränkungen gab es mehrere Berührungspunkte zwischen der Stadt und ihrem Landesherren, wenngleich nur das Treffen der verbündeten Fürsten im Dezember 1413 in direkter Beziehung zur Konsolidierung der Herrschaft der Hohenzollern in Brandenburg stand. Fraglich bleibt indes, warum stattdessen ein eher bedeutungsloses Familienereignis als eine der Begründungen aufgeführt wurde. Das kann seine Ursache nur in der Unkenntnis des bedeutenderen Vorganges haben“.

Knapp 100 Jahre nach der Einweihung des Brunnens 1913 steht die Stadt vor dem Problem der Brunnensanierung. Wie Bürgermeister Michael Knape sagte, sind die Haushaltsmittel begrenzt. Eine Entscheidung über das Aussehen und die Sanierung soll 2009 fallen.
Der Heimatverein macht daher folgenden Vorschlag: Der Brunnen sollte in seiner Gänze erhalten bleiben. und mit 2 Fontänen versehen werden, wie sie schon 1913 bestanden haben. .

Nach Auffassung des Vereins wäre es wichtig, dass in der Historischen Altstadt der Brunnen in seiner ursprünglichen Form erhalten bleibt.

Die Kosten für eine Untersuchung zur Historie des Brunnens könnten eingespart werden, denn der Heimatverein hat anlässlich des 90jährigen Jubiläums der Einweihung des Hohenzollernbrunnens eine Festschrift herausgegeben. In Zusammenarbeit zwischen dem Heimatmuseum und Herrn Udo Gentzen vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam wurde eine Arbeit vorgelegt, die die historischen Belange von der ersten Idee der Brunnenerrichtung bis zur Umgestaltung zum Sabinchenbrunnen darstellt.

Zitate aus der Festschrift wurden für diesen Aufsatz verwendet. Die Schrift kann zum Preis von 5,00 Euro im Heimatmuseum, in der Buchhandlung und in der Stadtinformation käuflich erworben werden.

Wolfgang Ucksche

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