666 Jahre Bäckergilde Treuenbrietzen am 16.12.2008

Fortsetzung von diesem Beitrag.

Aus dem Innungsleben das Bäckerhandwerks in früheren Jahrhunderten

Nicht jeder junge Bursche konnte Bäcker werden. Mancherlei Bedingungen waren mit dem Eintritt in die Lehre bei einem zünftigen Meister verbunden. Seine eheliche Geburt und seine deutsche Abstammung musste der angehende Lehrbursch, falls es nicht ein bekannter Meistersohn war, unbedingt nachweisen. Dreimal nach Handwerksbrauch musste sich der Lehrlingsanwärter beim Gewerk melden. Auch darüber – wie über alle Innungsangelegenheiten – wurde ein Protokoll aufgenommen.

Hatte der Lehrling seine Lehre beendet oder ausgestanden, so wurde er nach den alten Zunftregeln feierlich bei Kerzenschein los- und freigesprochen. Feierlich, wie jede Handlung im Innungsleben, war auch die Lehrlingslosprechung. Dem neugebackenen Gesellen wurde dann der Lehrbrief ausgehändigt, deren "Copia“ der Innung verblieb.

Wenn der junge Geselle es nicht vorzog, beim Lehrmeister weiter zu arbeiten, so begab er sich auf Wanderschaft. Wandern war im Mittelalter und noch bis in die Zeit unserer Väter im Handwerksleben eine Hauptbedingung zur Erlangung des Meistertitels. Mit Verachtung blickte der gewanderte Geselle herab auf den, „der da gesessen stets daheim hinterm Ofen und hinter der Höll´ an der alten Weiber Stell!“ Wer gereist war, konnte etwas erzählen und zur allgemeinen Unterhaltung beitragen. Wer gedächte nicht des schönen Spruches, der am blauen Montag in den Gesellenherbergen und Gaststätten gesungen wurde:

  „Wenn Montags wir beisammen sind und unsere Reisen erzählen,
  da möchte manches Hätschelkind sich bald zu Tode quälen;
  das nur in seiner Mutterstadt
  beim Vater ausgelernt hat  
  und helfen Rüben schälen!“

Der Ausklang des Gesellenliedes ist zweifellos eine Anzapfung auf die Meistersöhne, die vom Wanderzwang befreit waren. Doch auch so manchen Meistersohn zog es in die lockende Ferne, denn mit der Wanderschaft eröffnete sich dem hinausstrebenden Gesellen eine poesiereiche Zeit in seinem sonst so nüchternen Dasein. Wer etwas gelernt hatte, den Lehrbrief als Ausweis in der Tasche und die Handwerksgebräuche im Kopfe, der kam überall durch, und sein Gewerbe bot dem ärmsten Wandergesell die Mittel zum Fortkommen. Und begegneten sich zwei wandernde Bäckergesellen auf der Landstraße, so rief der erste: „Hui Schütz!“, und der zweite antwortete: „Löwen schützt!“. Dies war eine Anspielung auf das Bäckerwappen, den doppelten Löwen.

Wenn der Bäckergeselle einige Jahre als solcher gearbeitet hatte und sich ihm Gelegenheit bot, selbstständig zu werden, meldete er sich bei der Innung an. Dreimal, so wollte es der Innungsbrauch, musste der angehende Meister vor der versammelten Innung erscheinen. War es ein Meistersohn aus der Stadt, so hatte es keine Not mit dem Meister werden; aber wehe, wenn es ein fremder und dazu unbeliebter Geselle war, er wurde nach allen Regeln der Kunst schikaniert. Und die Erwerbung des Meisterrechts wurde ihm durch hohe Gebühren, durch allerlei Ränke und Kniffe verleidet; doch waren diese Äußerungen eines krankhaften Zunftgeistes im allgemeinen nur Konkurrenzneid, also menschlich verzeihliche Auswüchse. Jede Zeit hat eben ihre Licht- und Schattenseiten.“
(Gerhard Wernicke: „Das Bäckergewerbe der Stadt Beelitz in der Mark“; 1928.)

 

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Backmodeln Heimatmuseum Treuenbrietzen

„Der Brotscharren der Bäcker in Treuenbrietzen

Im Mittelalter hatten die Fleischer und Bäcker in jeder Stadt ihre Verkaufsstände in der Nähe des Rathauses. Diese Stände nannte man allgemein Scharren. Im Jahre 1359 wurden die Bäcker vom Rat angewiesen, täglich frühmorgens Brot auf die Stadtbank zum Verkauf zu schicken. Es erhebt sich nun die Frage, wo sich die Stadtbank befand. Man ist zunächst geneigt, anzunehmen, dass die Stadtbank, die Verkaufsstände für Fleischer und Bäcker umfasste, sich in den Hakenbuden befunden habe. Nun steht aber urkundlich fest, dass schon 1301 ein Teil der Hakenbuden als Häuser erbaut war. Auch die Bauopferfunde, die vor mehreren Jahren beim Neubau des Nachbarhauses vom Karstädtschen Grundstück gemacht wurden, beweisen es. Hier kamen zwei „Bombentöpfe“ zum Vorschein, die aus der Zeit um 1300 stammen. Da nun die Scharren bis zur Zeit Friedrich des Großen bestanden, zu einer Zeit also, als die Eckhäuser von Karstädt und Rehfeld in den Hakenbuden schon längst erbaut waren, müssen mindestens im späten Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein Scharren woanders gestanden haben. Ich [Oskar Brachwitz] nehme als den geeignetsten Platz dafür den Ort vor dem Rathaus an, wo sich heute der Säulenvorbau befindet. Es sind aber durchaus keine Anhaltspunkte dafür vorläufig gegeben.

Im Jahre 1743 wurden die Fleisch- und Brotscharren neu gebaut. Anhand der Ausgaben können wir uns ein Bild von dem Aussehen der Scharren machen. Es wurden zunächst Wände errichtet, und zwar Fachwerk. Das Fachwerk wurde mit Lehm, der mit Stroh vermischt war, ausgefüllt. Der Scharren erhielt auch ein Dach aus Ziegeln, hatte also viel Ähnlichkeit mit einem niedrigen Haus. Im Inneren waren die Wände geweißt, der Fußboden wurde von dem Maurer gepflastert. Der Tischler lieferte acht neue Türen, acht doppelte Läden und einen Brotkasten, und der Schlosser fertigte die Hesphaken und Vorlegekrammen für die Türen und „Cadens“ an, ferner ein Schloss für den Brotscharren. Da 1743 im Ganzen sieben Fleischer Scharrenzins bezahlten, so hatte jeder Fleischer hier seinen Verkaufsstand. Der achte Scharren diente den Bäckern. Da es damals über 20 Bäcker in Treuenbrietzen gab, müssen die Bäcker bei der Benutzung des Scharrens gewechselt haben.

Der Scharren war Eigentum der Stadt. Bei dem Neubau 1743 hatte die Stadt rund 100 Taler Unkosten gehabt. 1765 wurde sogar noch eine Decke aus Brettern angebracht. Aber schon ein Jahr später, nämlich 1766, wurde der Scharren abgebrochen. Damit wurde der jahrhundertealte Brauch der Bäcker, Brot und andere Backwaren täglich auf dem Marktplatz zu verkaufen, aufgegeben.
Br.“

 2 Heimatmuseum Treuenbrietzen

„Von den Meistern des Bäckerhandwerks in früherer Zeit

Es ist auffallend, dass die Zahl der Bäckermeister in Treuenbrietzen sich in der Zeit von 1726 bis 1867 verringert hat. Es waren im Jahre 1726 22 Meister tätig, 1801 sogar 24. Aber nach den Befreiungskriegen war die Zahl gesunken. 1822 waren nur noch 19, 1855 und 1867 15 Bäcker in der Stadt vorhanden.

In den rund 100 Jahren von 1763 bis 1867 sind 86 Meister in die Innung eingetreten, also durchschnittlich im Jahre einer. Die meisten von ihnen waren gebürtig in Treuenbrietzen. Einige kamen auch aus den Nachbarstädten Niemegk, Beelitz, Werder, Jüterbog, Wittenberg, Seyda, Luckenwalde, Brandenburg. Daneben werden auch als Geburtsort genannt: Blankenburg, Bernburg, Groß-Oerner, Burgersdorf.

Ausgestorbenen ist die alte Bäckerfamilie Kranepfuhl, die im 18. Jahrhundert mit drei Meistern vertreten ist. Die älteste der Bäckerfamilie ist Mohnkopf. Als erster ist aus den Innungsakten Johann Gotfried Mohnkopf 1788 nachweisbar. Er war damals 25 Jahre alt. Als nächster ebenfalls Johann Gotfried Mohnkopf 1824 (1833 verstorben), dann 1851 Johann Friedrich Mohnkopf.

Im Jahre 1851 wird Louis Schüler, gebürtig in Niemegk, Meister, 1864 Andreas Brauer von auswärts (Geburtsort unleserlich), 1848 Friedrich Knape und 1867 Albert Ebel, beide aus Treuenbrietzen.

1786 war der Meister Christian Kranepfuhl sieben Tage zu Huldigung des neuen Königs als Vertreter des Bäckergewerks in Berlin gewesen. Er verlangte dafür als Diäten täglich 16 Groschen, die ihm die Innung auch ersetzte.
Br.“

„Die Akten der Bäckerinnung als Quelle zur Ahnenforschung

Als wichtigste Quelle kommt das Protokollbuch der Innung in Frage. Es erhält Eintragungen aus den Jahren 1762 bis 1844 über die Quartalssitzungen. Ferner bringt es ein Verzeichnis der Lehrlinge von 1762 bis 1836, die Gesellen von 1764 bis 1838, der Meister von 1763 bis 1767.

Daneben sind noch eine ganze Reihe von Geburtsbriefen vorhanden, die von der Stadt ausgestellt wurden, nämlich für Christian Friedrich Wiemann 1775, Christian Friedrich Lebr. Zahn 1778, Johann Gotfried Mohnkopf 1778, Johann Gottlob im Grundt 1781, Johann Christian Gericke 1783, Gottlieb Aftering 1785. In den folgenden Geburtsbriefen ist der Geburtstag mit angegeben: Johann Christian Felgentreu, geboren 8.9.1776; Johann Gottlob Caritta, 23.3.1779; Karel Gottfried Lange, 1.4.1778; Carl Ludwig Lehmann, 19.7.1780 zu Beelitz; Carl Heinrich Hoch, 12.7.1782; Johann Friedrich Gottlob Hoffmann, 20 10. 1782; Johann Friedrich Müller, 23.5.1788; Johann Christian Friedrich Schultze, 23.5.1789; Daniel Ludwig Kraatz, 14.5.1789; Gottlieb Wilhelm Richter, 11.6.1792.

Familiengeschichtlich wertvoll sind auch die schönen, gut erhaltenen 22 Lehrbriefe. Sie geben an, bei welchem Meister der Lehrling das Handwerk erlernt hat und wie lange seine Lehrzeit gedauert hat. Es sind für folgende Lehrlinge Lehr- bzw. Gesellenbriefe vorhanden: Johann Christian Maaß, 1772 (geboren in Potsdam); Johann Friedrich Schleyer, 1775; Christian Fr. Lebrecht Zahn, 1778; Johann Friedrich Wiemann, 1778; Johann Gottlob Grundt, 1781; Johann Gottfried Mohnkopf, 1782; Christian Gericke, 1783; Gottlieb Aftring, 1785; Johann Friedrich Hummel, ein Zolleinnehmerssohn aus Neuenkrug bei Neuendorf, 1789; Johann Christoph Rabbold, geboren in Brandenburg, 1792 (von der Bäckerinnung in Brandenburg ausgestellt); Johann Christian Felgentreu, 1794; Johann Friedrich Kersten, 1798; Carl Ludwig Lehmann, geboren in Beelitz, 1799; Carl Gottfried Lange, geboren in Ahlsdorf in Sachsen, 1799; Johann Gottlob Caritta, 1799; Carl Heinrich Hoch, 1799; Johann Friedrich Gottlieb Hoffmann, 1802; Christian Gottfried Günther, 1804; Johann Friedrich Müller, 1805; Daniel Ludwig Kraatz, 1807; Johann Christian Schultze, 1808; Gottfried Hoch, 1812.“
Quelle: Zauche- und Fläming-Heimat vom 5.12.1942, Nr. 23

Fortsetzung folgt.

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