666 Jahre Bäckergilde Treuenbrietzen am 16.12.2008 – Teil 3

clip_image002[18]Bäckereien und Konditoreien in Treuenbrietzen ab 1900
In Treuenbrietzen gab es stets eine erstaunliche Anzahl von Bäckereibetrieben. Heute im Jahr 2009 existiert als einziger der Bäcker- und Konditorbetrieb Timo Sieberhein.  Es ist zum Teil sehr schwierig, genaue Angaben über die eingegangenen Bäckerhandwerksbetriebe zu ermitteln. Im Vergleich zu den in den Akten der Bäckerinnung, der Broschüre „650 Jahre Bäckerinnung in der Stadt Jüterbog“ und in den „Chroniken der Stadt Treuenbrietzen“ von Pischon (1871) sowie von Ernst-Peter Rabenhorst (2009) erfassten Handwerksbetriebe konnten hinsichtlich der Standorte in Treuenbrietzen insbesondere die in der Zeit ab etwa 1900 vorhandenen Bäckereien erfasst und nachfolgend benannt werden:

Beerbaum, Fritz, Großstraße 88
Eine bekannte Bäckerei und Konditorei.  Vorbesitzer waren Unger, dann Tempel. Die Bäckerei wurde 1927 von Fritz Beerbaum übernommen. Von ihm wurden als Konfekt die bekannten „Sabinchentränen“ kreiert. 1953 wurde der Betrieb von ihm aufgegeben. Die Einrichtung  wurde später als HO-Gaststätte „Sonneneck“ genutzt. Fritz Beerbaum war von 1936—1945 Obermeister vom Kreis Zauch-Belzig

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Bäckerei Hermann Tempel, Großstraße 88, vor 1910

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Bäckerei Fritz Beerbaum, Großstraße 88, vor 1940

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Gebäude der ehemaligen Bäckerei um 1960

Brauer, Hans, Großstraße 21
A. Brauer übernahm 1864 die Bäckerei vom Bäckermeister Fr. Schmidt auf der Großstraße 21. Es handelt sich hier um eine sehr alte Backstelle. Ab 1924 betreibt Hans Brauer in dem Gebäude eine Dampfbäckerei und Conditorei. Feine Kuchenwaren, Torten, Bonbons, Schokolade und Pralinen wurden zum Verkauf angeboten. Bäcker Brauer starb während des 2. Weltkrieges. Die Bäckerei arbeitete nach Kriegsende für eine sowjetische Militäreinheit. Seine Witwe führte die Bäckerei bis 1953 weiter.

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Ehemalige Bäckerei Hans Brauer, Großstraße 21

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinze, Karl, Großstraße 69,
Eine alte Backstelle, welche um 1910 eingegangen ist. Hier befindet sich jetzt eine Backwarenverkaufsstelle der Landbäckerei Schwarz aus Zülichendorf.

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Ehemalige Bäckerei Karl Hinze, Großstraße 69

Knape, Fritz, Breite Straße 52
Die Bäckerei wurde in diesem Haus 1894 von Gottfried Knape ge¬gründet. Gottfried Knape übernimmt 1894 das bisher dem Bäckermeister Fritz Mohnkopf gehörige Bäckereigeschäft und setzt es in seinem Hause in der Breiten Straße Nr. 52 fort. Zuvor hatte Stellmachermeister Helm dort seinen Betrieb. Gottfried Knape wird 1908 zum Beauftragten der Handwerkskammer Berlin für das Bäcker- und Konditor- Handwerk in Treuenbrietzen und den zu dem Bezirk der Innung gehörenden Ortschaften ernannt. In Treuenbrietzen war er bis 1926 Obermeister. Sein Sohn Fritz Knape übernahm 1932 den Betrieb. Von 1958 führte dessen Sohn Fritz Knape jun. den Betrieb weiter. Fritz Knape jun. gab die Bäckerei am 17.06.1960 auf. Seitdem ist die Bäckerei erloschen.

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Bäckerei Gottfried Knape, Breite Straße 52, um 1900

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Bäckerei Fritz Knape, Breite Straße 52, um 1941

 

 

 

 

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Ehemalige Bäckerei Fritz Knape, Breite Straße 52

M a ß w i g, Wilhelm, Bäckerstraße 9
Eine alte Backstelle, die im 17. Jahrhundert gegründet wurde. Vorbesitzer sind unbekannt. 1850 übergab ein Bäcker Lehmann die Bäckerei an Fritz Ebel. Dieser Betrieb wurde 1897 von Wilhelm Maßwig sen. übernommen, der diesen 1935 an Wilhelm Maßwig jun. übergab. Von 1954 – 1959 war die Bäckerei an Karl Scholz verpachtet. Karl Scholz zog danach nach Baruth und 1963 weiter nach Luckenwalde, wo er jeweils eine Bäckerei pachtweise innehatte. Die Bäckerei Maßwig erlosch 1959. Nachdem die Bäckerei eingegangen war, wurden der Aufgang und die Tür zum Laden zugemauert.

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Ehemalige Bäckerei Wilhelm Maßwig, Bäckerstraße 8

Protz, Ernst, Großstraße 66
Eine alte Backstelle, die später als Konditorei und Kaffee genutzt wurde. Bäckermeister August Protz eröffnet 1884 zum Weihnachtsfest seine Honigkuchen-Bäckerei in der Großstraße Nr. 66 mit einem breiten Honigkuchen-Sortiment. 1902 übernimmt  Ernst Protz die Bäckerei und Konditorei seines Vaters. 1910 erweitert er seine Bäckerei und Konditorei um ein Café. Ausgeschenkt wurden dort nur alkoholfreie Getränke. Nach Protz übernahm Bäckermeister Bernhard Fincke von 1923 bis 1925 den Betrieb. 1925 brannte die Bäckerei ab. Nach dem Wiederaufbau übernahm Fritz Schuster den Bäckerbetrieb. Er war Ober¬meister von 1934 – 1936. Ab 1938 hatte Hans Eilers den Betrieb inne. Die Bäckerei ist 1944 eingegangen. Nach 1945 wurden die Räumlichkeiten als HO-Kaffee „Sabinchenklause“ genutzt.
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Ehemalige Bäckerei Ernst Protz, Großstraße 66

T r i n k l e r, Hans, Vogelgesangstraße 79
Die Backstelle soll um 1809 gegründet worden sein. 1884 strebte Hans Trinkler eine Verpachtung oder den Verkauf der Bäckerei an. Bäckermeister Wilhelm Senst aus der Zeughausstraße übernimmt erst 1889 zunächst pachtweise die Bäckerei von Hans Trinkler. Später kauft die Bäckerei der Bäckermeister A. Blumenau. Das Gewerbe ist um 1900 erloschen.
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Ehemalige Bäckerei Hans Trinkler, Vogelgesangstraße 79

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unger,  Paul,  Breite  Straße 65
1862 wird das den Erben des verstorbenen Bäckermeister Gottfried Wilhelm Schmidt gehörige Wohn- und Brauhaus in der hiesigen Gerichtsstelle verkauft. F. W. Unger übernimmt 1867 selbst die bisher verpachtete Bäckerei. 1887 bietet der Konditor Hermann Unger dort unter anderem gebackenen Baumbehang zum Weihnachtsfest an. Später übernimmt der Sohn Max Unger die alte Backstelle. 1910 erlischt das Gewerbe. clip_image002[16]

Gebäude auf dem Grundstück der ehemaligen Bäckerei Paul Unger, Breite Straße 65

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wolter,  Gustav,  Grünstraße   11
In der Zeitung erfolgt 1862 die erste Mitteilung über die Bäckerei. Wegen hohen Alters will der Bäckermeister Friedrich seine Bäckerei ab 1.Oktober 1862 verpachten. Bis 1876 wird ein Bäckermeister A. Henning erwähnt. Ebenfalls in der Zeitung empfiehlt 1908 der Bäckermeister Otto Baade Honigkuchen und Baumbehang aus eigener Produktion. 1910 übernimmt Gustav Wolter die Bäckerei von Bäckermeister Baade. Die Familie Wolter betreibt die Bäckerei bis 1955. Die Bäckerei war ein sehr kleiner Betrieb. Das Brot wurde in der Stube verkauft. Gebacken wurden nur Brot und Brötchen. 1955 ist die Bäckerei eingegangen.
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Ehemalige Bäckerei Gustav Wolter, Grünstraße 11

Fortsetzung folgt.
Geschrieben von Eberhard Brendel, Mitglied im Heimatverein Treuenbrietzen

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