Treuenbrietzen vor 85 Jahren

Aus Der Chronik der Stadt Treuenbrietzen, Teil II von Ortschronist Ernst-Peter Rabenhorst

Schulwesen
Die Stadtverordnetenversammlung genehmigt den Bau eines neuen Stallgebäudes auf dem Schulgelände. Der alte Stall war reparaturbedürftig und wird abgerissen. Damit vergrößert sich der Schulhof. Der neue Stall entsteht neben dem Abortgebäude. (TZ,03.04.1925)

Veränderungen bei den Lehrern
Durch Verfügung der Regierung wird Lehrer BREDERLOW zum Konrektor der hiesigen Gemeindeschule ernannt. (TZ,19.09.1925)
Mittelschullehrer EWERT scheidet aus dem Dienst an der Volksschule aus und wird an die hiesige Mittelschule versetzt. Frl. Anneliese CAESAR, bisher am Privatlyzeum der Kaiserin- Augusta- Stiftung tätig, erhält eine Lehrerinnenstelle an der Treuenbrietzener Volksschule. (TZ,21.04.25). Lehrer UNGER wird für drei Monate beurlaubt, um an der Akademie für Kirchen- und Schulmusik zu hospitieren. Seine Vertretung übernimmt Schulamtsbewerber Karl WEISSENBORN aus Berlin. (TZ,27.04.1925)
Lehrer LICHTE wird als Konrektor, erster Organist und Kantor nach Niemegk versetzt. Für ihn kommt Lehrer SEEGER aus Niemegk an die Schule nach Treuenbrietzen. Lehrer LICHTE hatte 11 Jahre in Treuenbrietzen gearbeitet. Mit ihm verliert auch der Gesangverein Liederkranz- Concordia seinen Dirigenten. Deshalb nimmt Lehrer WACHE den Dirigentenstab noch einmal in die Hand. (TZ,14.10.1925)

Kirche
Versuch einer Umpfarrung
Niebel und Niebelhorst sollen auf Grund einer Verfügung des Konsistoriums vom Pfarramt Treuenbrietzen losgelöst und nach Buchholz umgepfarrt werden. „Die Gemeinden erklären sich mit der Umpfarrung nicht einverstanden…Niebel und Niebelhorst gehören schon seit 300 Jahren zum Pfarramt Treuenbrietzen und sind auch mit Treuenbrietzen durch geschäftliche Beziehungen eng verknüpft.“ (TZ,02.01.1925)

DIBELIUS in Treuenbrietzen
Der oberste Geistliche der Kurmark, Generalsuperintendent Dr. DIBELIUS, stattet nach Übernahme seines hohen Amtes auch der Gemeinde Treuenbrietzen einen Besuch ab. Er wird von Superintendent Dr. BUCHHOLZ willkommen geheißen. Die Schulgemeinde hatte die Marienkirche festlich geschmückt. Ein feierlicher Gesang des Kinderchors unter der Leitung von Lehrer LICHTE bildet den Auftakt. Rektor STEINDORFF weist auf das freundschaftliche Verhältnis zwischen Kirche und Schule hin. (TZ,07.05.1925)

Gesundheitswesen
Einrichtung von Fleischbeschaubezirken
Die Stadt Treuenbrietzen wird ab jetzt in drei Fleischbeschaubezirke eingeteilt. Den Bezirk I übernimmt Tierarzt MAASS. Zu dem Bezirk gehören die Fleischermeister BAADE, Neue Marktstraße; BEYER, Großstraße; Albert WUCKE, Großstraße; Hermann HOLZAPFEL, Leipziger Straße; WAGENKNECHT und FRIEDRICH, Leipziger Straße; Traugott RICHTER, Großstraße; HÄNDEL, Vogelgesangstraße sowie Rossschlächter HÖHNE, Ringstraße 14. Den Fleischbeschaubezirk II übernimmt Fleischbeschauer ZERLING, ihm unterstehen die Fleischermeister Oskar RICHTER, Großstraße; Ernst MANSFELD, Großstraße; WOLF, Grünstraße; WENZEL, Bäckerstraße; BRÜCKMANN, Großstraße; HANISCH, Töpferstraße; HEYER, Töpferstraße sowie sämtliche Schlachtungen in Haushalten, Schankstätten und Gastwirtschaften. Den Bezirk III übernimmt Dr. WINTER. Dazu gehören die Fleischermeister Reinhold HOLZAPFEL, Böllrichstraße; Hermann RÖSLER, Großstraße; GALLIN, Vogelgesangstraße; HENKEL, Vogelgesangstraße; JACOB, Berliner Straße sowie Hermann WUCKE, Bäckerstraße. (TZ,01.08.1925)

Dentist MÜHLHOFF
Der Dentist R. MÜHLHOFF aus der Berliner Straße 6 bietet künstliche Zähne, Kronen und Brücken an. Er ist zur Behandlung der Kassenmitglieder zugelassen. (TZ,10.01.1925). Später verlegt er seine Zahnpraxis nach der Großstraße 37, bei Tischlermeister GÖTZE, und 1930 zieht er in das Haus von Brauereibesitzer SCHULZE in die Großstraße 39. (TZ,13.08.1930)

Soziales: Streik und Arbeitslosigkeit
Wegen Lohnstreitigkeiten tritt das Personal der Firma GEHRE- Dampfmesser- Gesellschaft in den Ausstand. (TZ,18.02.1925). Der Streik bleibt ergebnislos, da der Betrieb auf den Tarifabschluss zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber hinweist.
Die Arbeitslosigkeit wächst in der Stadt. Bürgermeister JENNER bittet deshalb nochmals alle Bürger der Stadt, „jede Arbeitsgelegenheit dem städtischen Arbeitsnachweis im Magistratsbüro anzuzeigen und dort Arbeitskräfte aus dem Bestande der Erwerbslosen anzufordern.“ (TZ,09.12.1925)

Sport
Noch eine Schwimmabteilung
Der Arbeiter- Turn- und Sportbund ruft in Treuenbrietzen eine Schwimmabteilung der Freien Turnerschaft „Hoffnung“ ins Leben. Die Versammlung findet im Lokal von HEESE statt. Vorgesehen sind Männer-, Frauen-, Jugend- und Kinderabteilungen. Anfragen zur Mitgliedschaft sind an Otto LINKE, Vogelgesangstraße 15, zu richten. (TZ,15.05.1925)

Einweihung einer Kegelbahn
Das Restaurant und Café W. WACKERMANN in der Leipziger Straße 202 weiht eine neue Verbands- Parkett- Kegelbahn ein. Zur Eröffnung findet ein großes öffentliches Preiskegeln statt. Den ersten Preis, ein Herrenfahrrad, gewinnt Otto MEHLIS mit 42 Holz. (TZ,07.07.1925)

Start zum „Hermannslauf“
16 Vereine mit über 300 Turnerinnen und Turnern nehmen am Probelauf für den Hermannslauf teil. Er führt vom Borussia- Denkmal bei Hagelberg über Klein- Glien, Belzig, Niemegk und Treuenbrietzen nach Potsdam. Warenhausbesitzer SLOTOWSKI stellt der Gauleitung sein Auto zur Verfügung, so dass sie den Lauf vom Auto aus begleiten kann. Der Eilbotenlauf zum Hermanns- Denkmal ist für den 14.August geplant. (TZ,28.07.1925)

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