Die letzten Förster in Zeuden und Lobbese

Aufgeschrieben von Wilhelm Leps

Durch die in den 1870er Jahren einsetzende Bautätigkeit wurden viele Ziegeleien gegründet und dadurch den Arbeitern auf dem Lande Arbeitsgelegenheit gegeben, so dass sich ihr Wohlstand sichtlich hob. Sie konnten sich ihr Brennholz nun kaufen.

Früher hatten sie wegen Arbeitsmangel oft Not gehabt, das tägliche Brot für sich und ihre Familie herbeizuschaffen, an Holzkaufen zur Feuerung war wegen der Armut nicht zu denken, das mussten sie sich in den Forsten mühsam zusammensuchen. Nun war ja das Holen von Trockenreisig so stillschweigend erlaubt. Aber wohl durch die Not geboren kamen oft Übergriffe vor. Um diese zu beschränken, stellten die Gemeinden Förster an, manche auch nur Heideläufer. Die Förster übernahmen auch die Jagdaufsicht und die Wildpflege und verbesserten dadurch ihr sonst nicht hohes Einkommen, indem sie auch den Raubzeugfang ausüben konnten. Sie fingen nicht nur Füchse, Marder und Iltisse im Revier, die es früher mehr gab als heute, weil früher die Gebäude noch von Lehmfachwerk und mit Stroh gedeckt waren und den Tieren überall Durchschlüpfmöglichkeiten gegeben waren, was heute bei den massiven und hartgedeckten Gebäuden nicht mehr der Fall ist, daher die Abnahme. Ich kann mich noch entsinnen, dass ich als junger Mann, da ich die Jagdaufsicht für den Freund meines Vaters, den verstorbenen Oswald Tüllmann aus Niemegk hatte, in einem Jahr sechs Marder und neun Iltisse fing. Das gab eine ganz hübsche Nebeneinnahme, so auch für die Förster.

Wie schon gesagt, hatten es die kleinen Leute durch bessere Arbeitsmöglichkeit nicht mehr nötig Holz zu stehlen, und die Förster wurden als überflüssig von den Gemeinden abgebaut, so auch der letzte Förster in Zeuden und Lobbese, mit Namen Jäger.

Mit diesem Förster Jäger habe ich einmal ein Erlebnis gehabt, über das wir recht tüchtig lachen mussten. Wir waren bei einer Lobbeser Jagd alle beim Frühstück versammelt, da traten die Treiber an den Förster heran und sagten: „Wir haben gehört, Sie sind auch von den Bauern als Förster gekündigt.“ „Ja“, sagte er, „das stimmt, aber daran seid ihr schuld.“ Antwort der Treiber: „Warum denn wir?“ – „Ja, Ihr verfluchte Bande stehlt nicht mehr, nun brauchen sie mich nicht mehr und sparen das Geld für mein Gehalt.“ Er gab dann die Stellung als Jagdaufseher auch auf, weil es sich nicht mehr lohnte, und zog wieder nach Niemegk. Dort ging er dann wieder seinem Gewerbe als Korbmacher nach.

(ZFH, Nr. 20, 4. Dezember 1943)

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