Pfarrer und Küster in Zeuden

eine Beschreibung von Wilhelm Leps

Wir wollen den Weg von Niemegk zur Kreisgrenze in Richtung Wittenberg fortsetzen und kommen hinter Hohenwerbig in das Dorf Zeuden. Ein schönes Dorf, in dem es manches zu entdecken gibt. Am Teich sollte man anhalten und etwas verweilen. Dann sollte der Weg zur Kirche von Zeuden führen. Die alte Feldsteinkirche mag anlässlich der Visitation wohl 1530 schon Luther, auf alle Fälle seine Boten beeindruckt haben. Ob hier die Zinnaer Mönche die Bauanleitung gaben?

Die Wehrfenster, schmal und für Eindringlinge nicht so leicht zu erklimmen, mögen einen Schutz für die Dorf Bewohner bedeutet haben, die sich in gefährlichen Zeiten in ihrer Kirche versteckt hielten. Die älteste Erwähnung 1321 oder 1331 ist nicht ganz eindeutig und betraf einen Nicolaus de Tsuden in den Urkunden des Klosters Zinna. Also doch eine enge Verbindung zu den Zisterziensern.

Aber nicht lange. Am 13. Dezember 1385 verlieh der Herzog Wenzeslaus dem Probst der Alleinheiligenkapelle zu Wittenberg, Johannes von Brandenburg das Patronatsrecht über „Czuden“. Der Probst, gleichzeitig Kanzler, war nun also der Bestimmer im Dorf. In der darüber ausgestellten Urkunde wurde ausdrücklich vermerkt, dass die Dorfbewohner in weltlichen Dingen nicht vor das geistliche Gericht gezogen werden, sondern vor dem Landesherrn bzw. den Amtleuten Recht suchen. Oskar Brachwitz schrieb in der Zauche-Fläming-Heimat über Zeuden: Aus der Urkunde ist auch ersichtlich, warum der Propst das Patronatsrecht über Zeuden von dem Herzog von Sachsen erhielt. Der Propst, Johannes von Brandenburg mit Namen, war nämlich der Kanzler des Herzogs. Als solcher suchte er für die ihm unterstellte Geistlichkeit der Allerheiligenkapelle möglichst viele Vorteile herauszuholen.

Im Jahre 1540, als die erste Kirchenvisitation hier stattfand, hat der Kurfürst wieder die Besetzung der Pfarrstelle, der aber dieses Recht 1569 an die Universität Wittenberg übertrug. Die Pfarrer hatten nur geringes Einkommen und nicht viel besser war es übrigens mit Lobbese und Pflügkuff.  So wurde eine allmähliche Vereinigung der Pfarrstellen ins Auge gefasst. Weil der bisherige Pfarrer von Pflügkuff ein alter „unvermögender“ Mann ist, so wurden Lobbese und Pflügkuff zusammengeschlagen, und zwar dergestalt, dass der Pfarrer zu Lobbese die Pfarrdienste für Pflügkuff mit übernimmt, aber den dritten Teil aller Früchte und des Einkommens dem bisherigen Pfarrer verabfolgt, solange dieser lebt. Auch für Zeuden wurde ein Ausweg gefunden: der Pfarrer von Lobbese, Andreas Wolm (auch Holm genannt), musste nach Zeuden ziehen und dem alten Pfarrer dort den dritten Teil aller Einkünfte abgeben. So blieb also von allen drei Ortschaffen nur in Zeuden eine selbständige Pfarre, die der bisherige Pfarrer von Lobbese innehaben sollte; Lobbese und Pflügkuff waren als Filialen vorgesehen.

Der Pfarrer, der nun die Zeudener Stelle besetzt hatte, hieß Andreas Wolm (Holm). Von ihm heißt es 1534: „Jetzt ist der Lehr geschickt.“ Er war ein ehemaliger Mönch aus dem Kloster Zinna, dort war er 15 Jahre gewesen und war hier sogar zum Priester geweiht worden. Dann hat er das Kloster verlassen und sich zum Luthertum bekannt. Auf der Pfarrstelle in Lobbese hatte er sich verheiratet. In Zeuden treffen wir ihn von 1534 bis 1540. Von dort siedelte er nach Mörz über, wo 1555 einer seiner Söhne (er hatte 4 Kinder) sein Predigtgehilfe wird, „dieweil er alt und schwach ist“.

Sein Nachfolger in Zeuden war 1540 Simon Leniken (Lembkhe, Lemken, Lemmichen) aus Landsberg in der Mark bzw. Küstrin, dessen Name dem Wittenberger Hochschulverzeichnis am 14. Juni 1540 einverleibt wurde. Die Ordination zum Pfarramt in Zeuden erlangte er durch Luther am 12. September .

1540. Früher war er Schulmeister zu Neustadt in Franken. Noch 1555 war er in Zeuden im Amt. Er muss im Schmalkaldischen Krieg von den spanischen Soldaten gebrandschatzt worden sein, denn „zur Zeit der Husern“ war ihm sein Berufungszeugnis verloren gegangen. Auch die Kirchenvisitation fand ihn noch in Zeuden: „Hat Weib und Kind .“

Das Küsteramt in Zeuden verwaltete bis 1542 Nikolaus Pusch aus Nürnberg, ein früherer Tischler, der in diesem Jahre Pfarrer in Kropstädt wurde. Von ihm heißt es dort 1555: „Kann kein Latein, ist sunst ziemlich geschickt in der lehr befunden, hat 8 lebendige Kinder, in die 55 Jahre alt.“

Sein Nachfolger in Zeuden wurde Johannes Eckert von Belzig, der aber schon am 26. September 1543, also nach einem Jahr, Zeuden verließ, um das Pfarramt in Feldheim anzutreten. Auch von ihm erfahren wir 1555 in Feldheim Näheres: „Ein wohlbetagter Mann, der seiner frombkeit halben bei seinen pfarrkindern ein gut gezeugnis hat, ist aber vermanet worden, vleißiger zu studiren, hat 8 lebendige Kinder, leidet not, hat ein eigen Heuslein zu Niemegk gehabt und für 66 Gulden verkauft und uf dieser pfarr eingebüst.“ Im Jahre 1555 war Küster in Zeuden Jakob Schotte von Zahna, ein Leineweber

Im Jahre 1530 ergab sich nun, dass das Pfarrhaus in Zeuden außerordentlich baufällig war. Darum wurde sämtlichen Bauern der Dörfer Zeuden und Pflügkuff befohlen, im kommenden Sommer ein neues Pfarrhaus mit Ställen und Scheunen zu erbauen. Dazu soll der Amtmann zu Belzig ein silbernes Kreuz oder aber die Monstranz (Schaubehältnis für die geweihte Hostie in katholischer Zeit), die ins Amt geliefert werden musste, verkaufen, damit den Gemeinden mit 1 Gulden oder 15 oder 20 geholfen werden. Das andere sollen die Bauern beider Ortschaften vorstrecken und mit Fuhren und Handarbeit dazu helfen, so dass der Pfarrer zum Winter einziehen kann. Das Pfarrhaus wurde zwar erbaut, aber der Amtmann von Belzig lieferte den Beitrag für den Verkauf des silbernen Kreuzes oder der Monstranz nicht, wie vier Jahre später festgestellt wurde. Darum beklagte sich der Pfarrer, dass er an „20 alte Schock Groschen verbauet“. Von den Visitatoren wurde befohlen, dass jede Pfarrkirche 30 Groschen und das Filial 20 Groschen geben sollten, also dass er damit vier alte Schock erhalten mag. Das sind im ganzen 80 Groschen. Daraus geht hervor, dass die alten Schock mit 20 Groschen berechnet wurden. (Der Gulden hatte 21 Groschen.) Solches sollte dem Amtmann zu Belzig angezeigt werden. Sobald der Pfarrer die Pfarrgebäude bezogen hatte, war er verpflichtet, das Flickwerk an Dachung, Wänden, Öfen, Fenstern, Türen und dergleichen selbst in baulichem Wesen zu erhalten. Das Einkommen des Pfarrers in Zeuden betrug ungefähr 20 Gulden. Es bestand zumeist in Naturalabgaben oder Erträgnissen der Pfarrhufen, zu geringstem Teil in barem Geld. Dieses war das so genannte Opfergeld, das ungefähr 10 Groschen ausmachte. Jedes Gemeindemitglied, das über 12 Jahre alt war und somit zum Abendmahl ging, musste vierteljährlich 1 Pfennig geben. Die Ablieferung geschah durch den Hauswirt, der für sich, seine Kinder und das Gesinde das Geld dem Pfarrer bringen musste. Außerdem stand dem Pfarrer der Getreidezehnt zu, d.h. vor dem Einbringen der Ernte holte sich der Pfarrer jede zehnte Garbe. Dadurch hatte er eine Einnahme von 68 Scheffeln Roggen, 40 Scheffeln Gerste und 12 Scheffeln Hafer. Auch den Fleisch- oder Viehzehnt mussten die Bauern geben. Außerdem gehörten zur Pfarrstelle noch 2 Hufen Land, die der Pfarrer meist selbst bewirtschaftete und deren Reinertrag auf 10 Scheffel Korn und 4 Scheffel Hafer geschätzt wurde. Außer den beiden Hufen benutzte der Pfarrer noch einen Obstgarten, der ungefähr mit 1 Scheffel Korn besät werden konnte. Woher die 4 Scheffel Kornzins kommen, ist aus den Angaben nicht ersichtlich. Aus dem allen geht hervor, dass der Pfarrer auch die Landwirtschaft betreiben musste. Er hielt deshalb auch zwei Rinder und zwei Schweine.

Nach der Zusammenlegung der Pfarrstellen stieg das Einkommen bedeutend. Nun wurde es auf jährlich 35 Gulden geschätzt, erreichte also bald die doppelte Summe. Auch konnte der Pfarrer sich jetzt sechs Rinder, acht Schweine und 12 Schafe halten.

Ein Teil der Wirtschafts- und Gebrauchsgegenstände sowie ein gewisser Viehbestand gehörten zum Inventar der Pfarre, das dem Nachfolger übergeben werden musste. Im Jahre 1534 musste das ganze Kirchspiel neu beschaffen: „zwei Kühe, ein verschlossen Tisch, ein schlechten (schlichten, einfachen) Tisch, zwei Spannbetten“.

Ferner wurde dem Kirchspiel aufgetragen, auf dem alten Küsterhof dem Küster wieder eine Wohnung zu bauen. Der Amtmann von Belzig soll einen Teil des Holzes liefern. Der Bau soll schon zu Fastnachten begonnen werden. Das Einkommen des Küsters wurde mit vier Gulden veranschlagt, nämlich 25 Scheffel Roggen und 24 Brote. Auch hat er einen Garten zur Benutzung. Der Küster war zur Unterstützung des Pfarrers bei den kirchlichen Handlungen da. Daneben musste er die Dorfjugend einmal in der Woche zu sich fordern, um sie das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis, die 10 Gebote und die andern Stücke des Katechismus zu lehren, ferner die ersten Anfänge des Unterrichts. Die Wahl des Küsters hatten Pfarrer und Gemeinde gemeinsam, der Superintendent musste indessen seine Zustimmung geben.

So hat die Visitation 1530 gebracht, was unbedingt für den Ort Notwendig war: eine Festlegung der Einkommensverhältnisse des Pfarrers und des Küsters, eine genaue Abgrenzung der Rechte und Pflichten der Bauern in Bezug auf die kirchlichen Verhältnisse. Durch die Reformation war gerade hinsichtlich der Abgaben eine große Unsicherheit eingetreten. Den ewigen Streitereien war nun ein Ende gemacht, ein gut Teil wichtiger Aufbauarbeit im kirchlichen Leben des Dorfes Zeuden war geleistet worden.

(ZFH, Nr. 38, 7. Dezember 1935)

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