Sabinchen und der Schuhmacher – ein geheimnisvolles Paar

Was auch immer in letzter Zeit für Beiträge in den Zeitungen dem Leser als „Kost“ verabreicht wurde, gerade der Aufmacher der MAZ  „Sabinchen wird zerlegt“, das war als Schlagzeile, doch echt fragwürdig. Ob man mit dem Brunnenthema so umgehen sollte, muss jeder mit sich selbst vereinbaren. Deshalb zum besseren Verständnis für den Leser hier etwas aus der Geschichte der Moritat.

Zum Ursprung des Liedes

Das früheste uns bekannte Auftauchen der Moritat liegt um 1790 in Sachsen! Das ließe schon mal einen leisen ersten Verdacht zu, warum sollte da nicht vielleicht auch gerade ein brandenburgischer Ort in den Text geraten oder der unbekannte Verfasser gar aus dem brandenburgischen Treuenbrietzen stammen? Auf jeden Fall war es eine atemberaubende Zeit großer geistiger Umbrüche. Die Sicht auf die Dinge änderte sich erheblich. Man klärte auf, veränderte und wurde liberal, das heißt freiheitlich und vorurteilsfrei. Weitere Fakten: Das gedruckte Original der Moritat von 1849 erschien in “Musenklänge aus Deutschlands Leierkasten“. Das war ein Jahr nach der Bürgerlichen Revolution und der Gründung der ersten Nationalversammlung und einem ersten Bundestag. Die Zeitungszensur wurde aufgehoben. Ob es einen Zusammenhang gibt, lässt sich nur vermuten. Auf jeden Fall war die Moritat so beliebt und wertvoll, dass sie in dieses Buch aufgenommen wurde. Damit erschien sie als allgemeines Kulturgut in gedruckter Form und wurde weiter verbreitet.

Der Tatzeitpunkt

Was übermittelt uns die Moritat dazu? Im Detail: Tag, Monat und eine Jahresnennung. Das Tagesdatum, das verwandt wird, gibt es jedoch für den besagten Monat bisher nicht. Kalendarisch betrachtet, würde es bei Astronomen auch ein Stirnrunzeln hervorrufen. Als Jahr ist schlicht das „vorige Jahr“ angegeben. Es entsteht der beabsichtigte Eindruck, der Vorfall hat sich gerade erst ereignet. Das sei brennend aktuell.

Die höchst schauderhafte Begebenheit

Welches menschliche Fehlverhalten führte zu den Taten? Beschrieben werden

  • missverstandene Beziehungsansätze,
  • Missbrauchen von Vertrauen und verletzen von Pflichten,
  • Finanzielles Desaster, weil man mit seinen Mitteln nicht haushalten konnte
  • Sucht
  • Diebstahl und sogar Mord.

Was war die gängige Strafe dieser Zeit für die zuletzt genannte grausame Tat? Das Strafmaß war, erhängen am Galgen.

Wer war „Sabinchen“?

Auch hier finden sich nähere Angaben zu ihren Personalien. Name: Sabine, Geschlecht: Frauenzimmer, Soziale Verhältnisse: – angestellt bei ihrer Herrschaft, die vor dem Ereignis mit ihr zufrieden war, – Beziehung zu einem Schuhmacher. Weitere Angaben wie Adresse und Hausnummer Fehlanzeige. Ihre Herkunft bleibt im Dunkeln. Das lässt vermuten, dass man bezweckt, für den Zuhörer oder die Zuhörerin den Ort des Schreckens beliebig werden zu lassen und ihn damit näher zu rücken. Es wird der Eindruck erweckt, das Geschehen könnte „nebenan“ vorgefallen sein. Das berührt doch emotional. Die erste Karikatur von Sabine, stellt sie abgehärmt und nicht so ganz jung dar. Eine Freiheit, die sich meiner Meinung nach, der Künstler hier genommen hat.

Wer war der Schuhmacher?

Bezüglich seiner Personalien wird uns im Text nur angegeben, dass er aus Treuenbrietzen käme und jung gewesen sei. Somit kann man weder nach Name und Adresse im Ort forschen. Das Lied macht ihn zum Treuenbrietzener, deshalb muss er noch kein in Treuenbrietzen ansässiger Handwerker gewesen sein. Der andere Ansatz wäre die Straftat. Über einen zutreffenden Mord als solches, ist uns aus der Aktenlage bisher nichts bekannt geworden. Ebenso bleibt zu vermuten, dass der Krimi sich genauso gut an einem ganz anderen Ort zugetragen haben könnte. Auch dazu gibt es bis dato keine Beweise. Und dennoch an der Stelle ein großes Aber! Treuenbrietzen wird einprägsam für den Leser viermal genannt.

Moral und Schlussfolgerung

Es ist also anzunehmen, dass es sich um eine fiktive Geschichte handelt, die an einen wahren Vorfall angelehnt ist. Das wiederum passt sehr gut zur Theorie, mit diesem Liedgut gleich mehrere Lehren an jugendliche Erwachsene, die ins beziehungsfähige Alter kommen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen werden, transportieren zu wollen. Denn die Moral im Originaltext sagt:

„… Der Diebstahl, der bringt große Schmerzen

Und nie kein’ Segen nicht.

…Drum soll man keine Kehl’ abschneiden –

Es thut nie gut ja nicht. –

Der Krug, der geht so lang zum Wasser,

Bis ihm der Henkel bricht.“.

Aus unserem heutigen Wissen heraus lässt sich schlussfolgern, dass die im Lied benannte Sabine und der Schuhmacher keine wahren historischen Personen sind. Sie sind Kunstfiguren. Aufgrund der in der Moritat beschriebenen Lebensuntauglichkeit ihrer Beziehung, würde man für beide den Zusatz „Persönlichkeit“ nicht vergeben. Das trifft aber keinesfalls auf die Sabinchenpaare unserer Zeit zu. Die Beiden werden jährlich gewählt, um als Persönlichkeiten Botschafter der Treuenbrietzener Lebensfreude zu sein. Sie zeigen, dass das Leben ein Geschenk ist und dass man lernen kann, friedlich damit umzugehen und es zu meistern. Genau das ist eine Form von Glück. Na, wenn das kein Grund ist, bei den

Sabinchen-Festspielen mitzufeiern.

Die Sabinchen-Moritat – ein moralisches Gedenken

Das berühmte Lehrstück ist es wert, für sich in seiner Bedeutung gelobt zu werden. Dazu gehört aus meiner Sicht endlich der geeignete Ort für die von Lothar Sell geschaffene Sabine und den Schuhmacher. Als Hauptdarsteller des Stückes sollte ihr Platz nicht der Hohenzollernbrunnen sein. Denn hier geschieht seit Jahren ein vermischen zweier Denkmale. Es sollte ein Standort sein, der Gäste und Treuenbrietzener zugleich zum verweilen, plaudern, sinnieren, philosophieren und fotografieren reizt. Was ist da besser geeignet, als eine stark frequentierte Fläche wie die Stelle vor einer Gaststätte. Und Lothar Sell, so denke ich mir das jetzt einfach mal, schaut schmunzelnd von „seiner Wolke“ runter und wäre begeistert, wie sein Werk ankommt. Besser kann man ihn und sein Werk in seinem Heimatort kaum würdigen.

Kerstin Franz, Heimatverein

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