Weiß die Nachwelt ihn zu würdigen?

Zum 70.Todestag von Karl Reichhelm

Der Verdienstvolle

„Zu den Männern unserer Heimatstadt, deren Verdienste erst die Nachwelt recht zu würdigen weiß, gehört der kürzlich verstorbene Dentist Karl REICHHELM… Ihm war eine tiefe Liebe zu seiner Heimat angeboren.“ Diese Worte stellte Oskar BRACHWITZ an den Beginn seines Nachrufs für den vor 70 Jahren, am 29.Juli 1940, im Alter von 72 Jahren verstorbenen Zahnarzt und Heimatforscher Karl REICHHELM.

Der Zahnkünstler

Karl REICHHELM „hatte nur die Volksschule besucht, aber er hatte sich im Laufe der Zeit ein reiches Wissen auf fast allen Gebieten angeeignet. Davon zeugt auch seine reichhaltige Bücherei. Hinzu kam, dass er durch viele Reisen in früheren Jahren seinen Blick geweitet hatte. Er war längere Zeit in Tirol gewesen, hatte sich in Schweden aufgehalten und hatte auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika aufgesucht, wo er sich den amerikanischen Doktortitel erworben hatte.“ ( Aus dem Nachruf von Oskar BRACHWITZ)

REICHHELM erarbeitete sich sein umfangreiches Wissen in der Zahnmedizin im Selbststudium. Er erwarb in Chicago den Doktortitel, der aber in Deutschland nicht anerkannt wurde. Deshalb benutzte er nicht den Begriff „Zahnarzt“, sondern nannte sich „Zahnkünstler“, als er sich 1897 in der Großstraße 10 in Treuenbrietzen niederließ, in dem Hause, das heute durch eine Filiale der Bäckerei DAHLBACK auf sich aufmerksam macht.  Doch er konnte sich gut vermarkten. So schreibt er 1910 in einer  Zeitungsannonce: „Zahnkünstler REICHHELM. In Amerika approbiert. Großstraße 10. Früher langjähriger Assistent und selbständiger Vertreter hervorragender Zahnärzte des In- und Auslands.“

1911 wird er auf Beschluss der städtischen Schuldeputation zum Schulzahnarzt ernannt und mit der Untersuchung der Zähne der hiesigen Schulkinder beauftragt. Die Untersuchung findet im Konferenzzimmer der Bürgerschule statt.

Der Fotograf

„ Als einer der ersten kaufte er einen photographischen Apparat, um damit Aufnahmen aus der Heimat anzufertigen. Er hielt alles im Bilde fest, womit die Natur unsere Heimatlandschaft bevorzugt hat, so die Riesensteine des Fläming, die alten Bäume, merkwürdige Baumgruppen oder seltene Sträucher. Aber auch die Menschen unserer Heimatdörfer lagen ihm am Herzen. Er photographierte die aussterbenden Volkstrachten, die Volksbräuche beim Hahnreiten und Kariedeln, die alten Bauernhäuser und Kirchen, die verträumten Straßen unserer Heimatstädte. Nichts entging seiner scharfen Beobachtungsgabe. Und wir danken ihm heute für alle die wertvollen Aufnahmen, die er uns hinterlassen hat, denn sie geben uns Aufschluss über Natur- und Kulturdenkmäler, die inzwischen verschwunden sind.“ (Aus dem Nachruf von Oskar BRACHWITZ)

Seine ersten Meriten hatte sich  Karl REICHHELM 1896 auf dem Gebiet der Fotografie erworben: Auf einer Internationalen Ausstellung für Amateurfotografie, die im Reichstagsgebäude zu Berlin stattfand, wird ihm für sein Bild „Gewitter am Achensee“ die höchste Auszeichnung, die Goldene Medaille, verliehen.

Die Fotografie lässt ihn nicht mehr los. Er gründet selbst einen „Verlag von Ansichtskarten, märkischen Trachten- und Landschaftsbildern nach eigenen Aufnahmen“. Im Briefkopf einer Rechnung wirbt er damit, dass seine Bilder auf den internationalen fotografischen Ausstellungen zu Berlin 1896, Reval 1897, München 1897, Petersburg 1903 und Antwerpen 1903 Auszeichnungen erhalten haben. In der Sache geht es bei der Rechnung darum, dass REICHHELM dem Treuenbrietzener Zigarrenfabrikanten HAFFNER 1,25 Mark für 50 Stück gelieferte Sabinchen- Karten in Rechnung stellt. Gleichzeitig teilt er ihm mit, dass der Grundpreis 2,50 Mark für das Hundert beträgt, gleichviel, ob bunte oder schwarze Karten. Bei Jahresabnahme von 1.000 Karten gewährt er ihm 25 % Rabatt.

Der Treuenbrietzener Zahnarzt REICHHELM gab auch den Anstoß für die Heimatforschung in Beelitz. 1920 fand Bernhard ELSLER in Reichhelms Zahnarzt- Wartezimmer vier Alben mit Fotografien von bäuerlichen Trachten, Landschaften, Kirchen und Bodenfunden aus der Zauche. Die Fotografien von Reichhelm inspirierten ELSLER, sich intensiv mit Sitten und Gebräuchen seiner Heimat zu beschäftigen. Er begann Fundstücke zu sammeln, um ein eigenes Heimatmuseum einzurichten. Das gelang ihm 1934 mit der Eröffnung des „Heimatmuseums für den Zauchebezirk“ in Beelitz. Es befand sich bis zu seiner Auflösung 1945 im Wasserturm. (Holger SCHENK, „Der Weg zur Heimatforschung“, in: Potsdamer Neueste Nachrichten, 16.02.1994)

An die fotografische Tradition von REICHELM knüpfte auch der 1996 kurz vor Vollendung seines 76.Lebensjahres verstorbene Schneidermeister Gerhard WITT an. Der Hobby- Fotograf war aktives Mitglied im Heimatverein und nach Karl REICHHELM wohl der bedeutendste Fotograf aus Treuenbrietzen. Seine Fotografien wurden auf mehreren Ausstellungen gezeigt, sie trugen auch zur Ausgestaltung einiger Bücher von Arthur JAENICKE bei.

Anlässlich seines 130.Geburtstages wurde 1998 im Heimatmuseum eine Ausstellung mit Fotografien von Karl REICHHELM gezeigt. Zur Eröffnung gibt es einen Vortrag über Leben und Wirken des bekannten Treuenbrietzener Heimatforschers.

Der Radsportler

Weniger bekannt ist, dass Karl REICHHELM zunächst als Radfahrer auf sich aufmerksam machte. Der 1894 gegründete Treuenbrietzener Radfahrer-Verein tritt drei Jahre später zum ersten Mal mit einer größeren Festlichkeit an die Öffentlichkeit. Darüber berichtet die Lokalzeitung:  „Es war ein prächtiger Anblick, als die 28 Mitglieder in ihrer schmucken Vereinstracht in geordnetem Zuge, immer zwei nebeneinander, in langsamem Tempo auf ihren mit Sträußen geschmückten blitzblanken Rädern vom Berliner Tor durch die Stadt bis zum Vereinslokale in Rietz fuhren. Auch sehr viele, nicht zum Verein gehörende Radler hatten sich dem Zuge angeschlossen.“ Dann folgen zwei Wettfahrten auf der Straße,  und beide Male beendet Karl REICHHELM das Rennen als Sieger.

1898 kann REICHHELM an seine Erfolge anknüpfen. In diesem Jahr beginnt der Radfahrerverein Treuenbrietzen sein 4.Stiftungsfest mit einem öffentlichen Frühschoppen-Konzert im „Gasthaus zur Eisenbahn“. Am Nachmittag fahren der Verein und seine Gäste vom Schützenhaus durch die Stadt zum Gasthaus an der Rietzer Grenze. Dort gibt es Wettfahrten und ein Garten-Konzert mit Feuerwerk und Tanz. Aus dem ersten Rennen über 2.000 Meter geht der Zahnkünstler als Sieger hervor, über 15.000 Meter belegt er den zweiten Platz.

Der Wanderführer

Der Verein „Brandenburgia, Gesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin“ unter Leitung seines Vorsitzenden, des Geheimen Regierungsrates FRIEDEL, unternimmt 1902 eine Wanderfahrt nach Treuenbrietzen. Die Gäste werden in Frohnsdorf von Zahnkünstler REICHHELM sowie den Treuenbrietzener Vereinsmitgliedern Postrat STEINHARDT und Tierarzt MAASS empfangen. Im TORNER’schen Saal in der „Alten Eiche“ hält Postrat STEINHARDT einen Vortrag zum Thema „Die Geschichte unserer Vaterstadt von ihren Anfängen bis zur Neuzeit“. Dann wandert man von den Nieplitzquellen über die Walke und den Forellenteich durch den Böllrich zum Leipziger Tor. In den Anlagen geht es am HIMMEL- und am Krieger-Denkmal vorbei zum Schützenhaus. „Über unsere Anlagen hörte man nur Worte des Lobes. Die Anerkennung war umso größer, als man erfuhr, dass die Schaffung und Instandhaltung der Anlagen nicht durch einen sog. Verschönerungs- Verein, sondern durch die Stadtverwaltung erfolge“, schreibt die Lokalzeitung. Nach einem Mittagessen im Schützenhaus führt ein Gang durch die Stadt zur „Heilig- Geist-Ruine“ und durch die Anlagen am Pulverturm vorbei zur Lutherlinde, zur Marienkirche und schließlich zur Gaststätte PFEFFERKORN. Nach dem Kaffee lädt Postrat STEINHARDT zur Besichtigung des Burgwalls ein und spricht über die Burg, die dort gestanden hat.

Der MTV-Vorsitzende

Der MTV 1861 Treuenbrietzen führt 1905 seine Hauptversammlung im Schützenhaus durch. Den Bericht erstattet der stellvertretende Vorsitzende Karl REICHHELM. Die Mitgliederzahl des Vereins stieg von 183 auf 190. Sie verteilt sich auf 22 Zöglinge, 162 Beitrag zahlende und sechs Ehrenmitglieder. Außerdem ist die im November 1904 neu gegründete Damenabteilung mit 17 Turnerinnen hinzugetreten. Zahnarzt REICHHELM wird zum neuen Vorsitzenden gewählt. Er tritt die Nachfolge von Otto WELSCH an, der nach 25-jähriger Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wird.

Der Stadtverordnete

Am 26.November 1907 finden Wahlen zur Stadtverordnetenversammlung statt. Zu den neu gewählten Stadtverordneten gehört auch der Zahnkünstler Karl REICHHELM.  Er wird Mitglied einer Kommission, die die schwebende Entwässerungsfrage klären soll. REICHHELM schlägt vor, dass nach Fertigstellung der Kanalisation an der Stelle der zugeschütteten Stadtbäche Rasenflächen und gärtnerische Anlagen entstehen sollten. Doch dieser Vorschlag findet bei den Stadtverordneten ebenso wenig Unterstützung wie sein Antrag auf Einrichtung eines Märkischen Museums in der Landwirtschaftlichen Winterschule zu Treuenbrietzen. Stattdessen wird ihm eine Strafe von 25 Pfennig auferlegt, weil er ein Mal zu spät zur Versammlung der Stadtverordneten kam.

Der Altertumsforscher

„Auch die heimische Vorgeschichte verdankt ihm unendlich viel.  Er sammelte die vorgeschichtlichen Funde unserer Heimat zu einer Zeit, als man dafür noch wenig Interesse in weiten Kreisen unseres Volkes zeigte. Gerade auf dem Gebiet der Vorgeschichte eignete er sich durch Selbststudium ein umfangreiches Wissen an, besuchte er regelmäßig in früheren Jahren die Tagungen der Deutschen Gesellschaft für Vorgeschichte. Das Heimatmuseum in Treuenbrietzen hat bereits vor mehreren Jahren die vorgeschichtlichen Gegenstände seiner reichhaltigen Sammlung, soweit sie aus unserem Kreis stammen, erworben.“ (Aus dem Nachruf von Oskar BRACHWITZ)

Der Häusler MATTHIES aus Schmögelsdorf macht 1912 beim Steinegraben auf dem RICHTER’schen Holzschlag bei Marzahna einen größeren Urnenfund. „Die Urnen hatten teils die Form eines Topfes, teils die einer Schüssel, teils die eines Kruges. Einige konnten unversehrt geborgen werden. In den Urnen befanden sich Asche, Knochen, bronzene Ringe und Nadeln. Der größte Teil des Fundes ging in den Besitz des Herrn Zahnkünstlers REICHHELM von hier über, der ein begeisterter Altertumsforscher und Kenner der vorgeschichtlichen Funde des Flämings ist.“ (TZ,26.06.1912). Auch die Berliner Anthropologische Gesellschaft weiß die Forschungen REICHHELMS zu würdigen. Während eines Sommerausflugs nach Treuenbrietzen und Umgebung widmet sie den Nachmittag der Besichtigung der Stadt, des Burgwalls und der umfangreichen vorgeschichtlichen Sammlungen von REICHHELM, „die im Laufe weniger Jahre zu einer der bedeutendsten Privatsammlungen der Provinz angewachsen ist.“ (TZ,12.06.1915)

Die Stadtverordnetenversammlung stimmt 1929 dem Ankauf der REICHHELM’ schen Sammlung zu, die aus wertvollen Funden besteht und 2.000 Mark kosten soll. Die Sammlung wird zunächst in der Mittelschule untergebracht und dient später als Grundstock für das neu geschaffene Heimatmuseum.

Der Parteipolitiker

Auch parteipolitisch engagiert sich REICHHELM gegen Ende des Ersten Weltkrieges. So ist er Mitglied des Gründungsausschusses einer Ortsgruppe der „Deutschen Vaterlandspartei“ für Treuenbrietzen und Umgegend, die 1917 einen Aufruf an die deutschen Männer und Frauen veröffentlicht und sie aufgefordert, der Deutschen Vaterlandspartei beizutreten, um Deutschland zu retten. (TZ,02.12.1917).

1919 gehört er gemeinsam mit RÜGER, STOLLE, THÜRMANN und VORBERG einem „Vorläufigen Ausschuss“ der „Deutschnationalen Volkspartei“  an, der im Schützenhaus eine öffentliche Versammlung durchführt. Zutritt haben alle wahlberechtigten Männer und Frauen der bürgerlichen Parteien. (TZ,09.01.1919)

Der Notgeldexperte

Vom Magistrat der Stadt Treuenbrietzen wird 1921 Notgeld herausgegeben. „Im Magistratskollegium ist der Wunsch betont worden, das Notgeld geschmackvoll auszugestalten und damit als lokalhistorische Begebenheit die Abweisung des falschen WALDEMARS durch unsere Stadt zu verknüpfen.“ Karl REICHHELM beteiligt sich an der Erarbeitung der Entwürfe. (TZ,24.04.1921)

Der Heimatfreund

1929 unterstützt Zahnkünstler REICHHELM gemeinsam mit Konrektor BRACHWITZ einen Arbeitsausschuss, der von K. LEHMANN- Hellberg geleitet wird. „Der Zweck des Ausschusses besteht darin, Heimatsinn zu pflegen und den Verkehr in und nach Treuenbrietzen zu beleben.“ Geplant sind zunächst die Herausgabe eines Stadtführers, die Gründung eines Heimatmuseums mit der Sammlung REICHHELM als Grundlage, die alljährliche Abhaltung eines Heimattages am 2.Pfingsttag, gelegentliche Sonntagsausflüge in die nähere und weitere Umgebung, die Hebung des Fremdenverkehrs sowie die Erhaltung und Pflege städtischer Sehenswürdigkeiten und Altertümer. Die einzelnen Abschnitte werden erarbeitet von: Einleitung, Lage, Verkehr, Hygiene (LEHMANN); Wanderung durch die Stadt (LEHMANN); Schulwesen (BRACHWITZ); Wanderung durch die Umgebung (REICHHELM); Kriegergedenkstätte (Bürgermeister JENNER); Landwirtschaft, Handel, Gewerbe, Industrie (LEHMANN); Landesanstalt (RIEMANN); Literatur (BRACHWITZ); Vorgeschichtliches (REICHHELM); Vereine (LEHMANN); Geschäftliche Anzeigen (LEHMANN). Der Führer enthält weiter einen Stadtplan, eine Umgebungskarte sowie Photographien von den Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Format soll 12,5 x 18 cm betragen, der Preis nicht über 75 Pf liegen und die Auflage soll sich auf 1.000 Stück belaufen. Bürgermeister JENNER hat das Protektorat für das Projekt übernommen. (TZ,25.11.1929)

Der Vorsitzende des Heimatvereins

In Treuenbrietzen wird 1930 ein Heimatverein gegründet. Zum Vorsitzenden wird Karl REICHHELM gewählt. Dem Vorstand gehören die Herren LEHMANN, MAASS, BÖLLNITZ und BRACHWITZ an. Als erste Maßnahme soll der Führer durch Treuenbrietzen herausgegeben werden. Der Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich 2 Mark. Der Verein zählt anfangs 30 Mitglieder. Er plant die Einrichtung einer heimatkundlichen Bücherei. (TZ,31.01.1930)

Auf der Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Anfang 1933 gibt Oskar BRACHWITZ einen Überblick über die Geschichte des untergegangenen Dorfes Frohnsdorf. Karl REICHHELM berichtet über die ersten wissenschaftlichen Ausgrabungen in Deutschland, die 1587 bei Wergzahna  stattfanden. Herr BÖLLNITZ liest eine Sage in heimischer Mundart vor. (TZ,21.02.1933)

Aber schon 1935 ist das Schicksal des Heimatvereins besiegelt. Syndikus Dr. Willy WOLF, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Zauch-Belzig, wird im Rahmen der „Gleichschaltung“ zum Vorsitzenden der „Nationalsozialistischen Kulturgemeinde (NSKG)“ Treuenbrietzen bestellt. Er erklärt sofort: „Als dringende Aufgabe haben wir uns gestellt, eine NSKG zu schaffen, die alle am Kulturleben der Stadt interessierten Kreise erfassen soll. Wir sind daher auch an den Vors. des Heimatvereins, Herrn REICHHELM, herangetreten mit der Bitte, sich mit seinem Verein uns anzuschließen. Denn es ist zwecklos, zwei Vereine mit gleichen Zielen nebeneinander herlaufen zu lassen.“ (Streiter,30.01.1935)

Der Herr der Steine

„Karl REICHHELM war ferner der beste Kenner der Riesensteine im Fläming. Er hat sie alle aufgesucht, photographiert und sie beschrieben. Jahrzehnte hat er dazu gebraucht, um in mühsamen Wanderungen die Lage der Riesensteine zu bestimmen. Ihm kam es vor allem darauf an, für die Erhaltung dieser einzigartigen Naturdenkmäler zu sorgen…Mit der Beschäftigung über die Riesensteine hängt wohl auch seine große Liebe zur Brandtsheide zusammen. Dort, wo die meisten Riesenblöcke unserer Heimat sich finden und wo auch ein Stein am Schwarzen Berg seinen Namen trägt, weilte er am liebsten. Ihm waren in den großen Waldungen der Brandtsheide Weg und Steg vertraut. Viele Treuenbrietzener haben unter seiner Führung die Brandtsheide erst kennen gelernt.“ (Aus dem Nachruf von Oskar BRACHWITZ)

Auch Professor SOLGER würdigt im Jahre 1942 die Arbeit von REICHHELM: REICHHELM registrierte die Riesensteine zwischen Medewitz und Setzsteig. „…und bei dieser Sammelarbeit hat er auch sorgfältig immer Namen zu finden gesucht für jeden der Steine.“ Am liebsten übernahm er Namen, die im Volksmund schon vorhanden waren. „Denn dadurch wurde bezeugt, dass das Volk selbst den Stein zu seinem Besitztum gerechnet hatte.“ Bei unbekannten Steinen „strebte REICHHELM dahin, dass jeder der Steine einen besonderen, nur ihm eigentümlichen Namen hätte. Er wählte schließlich das Mittel, das wir auch bei den Straßennamen anwenden, die Benennung nach Persönlichkeiten, besonders nach solchen, die mit der Heimatforschung verknüpft sind. So nannte er einen Stein unweit des Bischofssteins den SCHÖNICHEN-Stein…“

Später gaben Freunde einem Stein bei Setzsteig den Namen „REICHHELM-Stein“. „Es ist einer der kleineren Steine. Bescheiden wie der, dessen Namen er trägt, liegt er zwischen den Bäumen der Forst; man muss ihn aufsuchen. Er drängt sich dem Blick nicht auf. So war es auch mit REICHHELMS Arbeit, die wenigen bekannt geworden sein wird. Auch das hat seine Arbeit mit dem Stein gemeinsam, dass sie gepflegt sein will, wenn sie erhalten bleiben soll.“

Der Mutige

„Wenn Karl REICHHELM sich eine Meinung gebildet hatte über irgendein Problem, so hielt er starr daran fest. So änderte er seine Ansicht über das tausendjährige Treuenbrietzen nicht, obwohl die SCHÄFERsche Schrift überall in der Wissenschaft abgelehnt wurde.“ (Aus Nachruf BRACHWITZ)

Auch zur geplanten Umbenennung der Großstraße in Adolf- HITLER- Straße hatte Karl REICHHELM seine eigene Meinung, die er unbeirrt vertrat. So schreibt er im  April 1933: Gegen die Benennung einer neu entstandenen Straße mit dem Namen HITLER’ s ließe sich nichts einwenden. „Nur in dieser Form hat man in Treuenbrietzen Straßenbenennungen bisher vollzogen, die alten Namen aber unangetastet gelassen. Ein Beispiel hierfür bietet die BISMARCK-Straße, die erst lange nach dem Tode BISMARCK’ s so benannt wurde und vorher namenlos war. Etwas anderes ist es mit der Großstraße. Dass sie als älteste und größte Straße der Stadt ihren bezeichnenden Namen führt, ist kein Zufall und nunmehr ihr gutes Recht seit Jahrhunderten.“ „Die Großstraße ist eine geschichtlich bedeutsame Straße. Durch sie zog LUTHER zur Marienkirche, um dann unter der daneben stehenden Linde zu predigen. Durch die Großstraße zogen die schwedischen Reiter des 30-jährigen Krieges und die Grenadiere des großen FRIEDRICH zur Besetzung Sachsens. Durch die Großstraße zog Kaiser NAPOLEON mit seinen Garden nach der Schlacht von Jena… Durch die Großstraße zogen alljährlich die Kinderscharen zum Kinderfest und marschierte stolz die Schützengilde zu ihrem alten Volksfest. Die Großstraße hat ein Recht auf ihren alten Namen und es darf die Erwartung ausgesprochen werden, dass von ihrer Umbenennung Abstand genommen wird.“ (TZ,18.04.1933). Aber er stand allein da mit seiner Meinung. Stadtverordnetenversammlung und Magistrat stimmten im Eilverfahren für die Umbenennung und schon wenige Stunden später hingen die Schilder mit dem neuen Straßennamen an allen Ecken der Großstraße.

Der Naturschützer

„Auf dem Gebiet der Pflanzenkunde war Karl REICHHELM Spezialist. Er kannte alle seltenen Pflanzen unserer Heimat und ihre Standorte. Viele Pflanzen, die dem Untergang geweiht waren, suchte er dadurch zu retten, dass er sie in seinen Naturpark verpflanzte… Dort schützte er Bäume, Sträucher, Pflanzen und Vögel. Hier weilte er jeden Vormittag, des Sonntags sah er gern Gäste. Und jedem, der dort vor dem Blockhaus unter der alten Eiche in froher Gesellschaft mit ihm Kaffee trinken durfte, werden die Stunden unvergesslich sein…“ (Aus dem Nachruf von Oskar BRACHWITZ)

Viele interessieren sich für diese Oase des Naturschutzes. So besucht beispielsweise der Flämingverein Rosslau 1937 Treuenbrietzen und seine Umgebung. Unter sachkundiger Führung besichtigt man den Naturpark des Herrn REICHHELM und Teile des Nieplitztales. Danach erfolgt eine Führung durch die Stadt, die Anlagen und den Heldenhain.

Aber es gibt auch negative Interessenten. So brechen 1938 Unbekannte in die im Naturschutzgebiet des Dentisten REICHHELM gelegene Laube ein. Sie verzehren die dort gelagerten Lebensmittel und verlassen die Laube, ohne jedoch größeren Schaden anzurichten.

REICHHELMS Grab

Die Grabstätte Karl REICHHELM’ s ist heute verschwunden, nichts erinnert auf dem Friedhof mehr an den verdienstvollen Heimatforscher. Noch am 16.Juni 1949 heißt es in einem Protokoll des Stadtrates: „Herr Stadtrat SKALSKI hält Anfrage, wer für die Pflege der Grabstelle REICHHELM verantwortlich ist und bittet, in dem Kaufvertrag REICHHELM/Stadt einmal nachzusehen, ob die Stadt für die Pflege verantwortlich gemacht werden kann.“ Aber Karl REICHHELM war wohl zu bescheiden, um solches von der Stadt zu fordern. Denn: „Aus dem Vertrag REICHHELM/Stadtgemeinde geht eindeutig hervor, dass die Stadt den geforderten Preis voll ausgezahlt und keinerlei Verpflichtungen übernommen hat…Herr HENSSEL wird versuchen, in Zusammenarbeit mit alten Bekannten des Heimatforschers REICHHELM die Pflege des Grabes zu übernehmen.“ (Protokoll Stadtrat vom 07.07.1949)

Im August 1949 schlägt Bürgermeister Dietrich JENNER vor, die Grabstätte von Carl REICHHELM in Ordnung zu bringen und dort eine Marmortafel anzubringen mit der Inschrift: „Dem bahnbrechenden Volks- und Heimatkundler Carl REICHHELM – Die dankbare Stadt“. In dem betreffenden Aktenvermerk heißt es, dass die Grabstätte gegenwärtig „völlig verwahrlost“ ist. Am 31. Mai 1950 heißt es im  Protokoll der Ratssitzung, das der Kulturbund sich bereit erklärt hat, die Grabstelle REICHHELM ordnungsgemäß herzustellen. Der Rat der Stadt will an das Kommunale Wirtschaftsunternehmen (KWU) herantreten, damit es die Pflege dieses Grabes der Stadtgärtnerei überträgt. – Danach schweigen die Akten.

REICHHELMS Teich

Für die meisten Treuenbrietzener und ihre Gäste ist der Name REICHHELM heute mit dem Begriff „REICHELM’ s Teich“ verbunden, der ein beliebtes Ausflugsziel geblieben ist. Dort sind nach REICHHELM’ s Tod verschiedene Umgestaltungen vorgenommen worden.

Als erster begann Revierförster Hans BEHLHARDT 1982 damit, das Erholungsgebiet am REICHHELM-Teich umzugestalten. Er nahm Neuanpflanzungen vor, stellte Schrifttafeln auf und ließ Nistkästen anbringen. Unterstützt wurde er dabei von Schülern der POS „Geschwister Scholl“, einer Rentnerbrigade und der Station Junger Techniker. (MVS,05.06.1982). Im gleichen Jahr wird ein neuer Wanderweg angelegt, der den REICHHELM-Teich mit dem Forellenteich verbindet. Er verläuft durch eine Lärchenschonung sowie durch Birken- und Kiefernwald. (MVS,05.06.1982)

Dann berichtet Helmut PÄPKE 1985 über die Anlage eines Geologischen Lehrpfades am Rande der REICHHELM-Rummel in der Nähe des REICHHELM-Teiches. Etwa 50 Steine aus der eiszeitlichen Vergletscherung des Fläming wurden dort zusammengetragen. Am Eingang befindet sich ein mächtiger Findling, der aus der Kiesgrube am Krähenberg stammt. (MVS,18.09.1985)

Und schließlich führen 2005 zwei Waldarbeiter des städtischen Forstbetriebes Aufräumarbeiten am REICHHELM-Teich durch. Sie überarbeiten demolierte Bänke, legen Sichtachsen frei und streichen die Schutzhütte neu. (FE,16.07.2005). Und im Jahre 2008 wird der Naturlehrpfad rund um den REICHHELM-Teich neu gestaltet. Stadtförster Dietrich HENKE und die Waldarbeiter des städtischen Forstbetriebes haben aus Eichenholz sechs neue Schautafeln hergestellt und sechs alte Metallgestelle überarbeitet. Die Schautafeln geben Auskunft über Flora, Fauna und Geologie im Landschaftsschutzgebiet „Oberes Nieplitztal“. Die Informationsstrecke soll mit weiteren acht Informationstafeln im Landesforst in Richtung Forellenteich fortgesetzt werden. (FE,24.06.2008)

REICHHELM’ s Park – eine Spurensuche 1942

Ausführlich beschrieben wird REICHHELMS Park zwei Jahre nach dem Tode seines Schöpfers durch Amtsgerichtsrat MÜLLER, als er im Jahre 1942  „Auf Karl REICHHELMS Spuren“ wandelte. Er schreibt über ihn und sein Werk:

„Er war zweifellos ein Sonderling. Aber doch eine interessante Persönlichkeit von großem persönlichen Entgegenkommen. Und einer großen Liebe zur Natur und zu seiner Heimat. Das letztere hat ihn über die Mauern seiner Heimatstadt bekannt gemacht, obwohl er von sich selbst nicht viel Wesens machte. Unverheiratet, man sagt, er hätte eine Jugendliebe nimmer vergessen können, galt seine ganze Liebe der Natur und seiner Heimat. Besonders interessierten ihn die Findlinge, welche zahlreich auf dem Fläming liegen, die er fotografierte und kartografisch festlegte…Wenn irgendwo auf dem Feld ein großer Stein ausgegraben wurde, kaufte REICHHELM ihn und ließ ihn mit großer Mühe zu seinem Besitztum schaffen. Denn er hatte sich im Nieplitztal, südlich von Treuenbrietzen, ein Waldgelände gekauft, welches er zu seinem Naturschutzpark gestaltete…Auch sonst war REICHHELM recht vielseitig. Er besaß eine beachtliche vorgeschichtliche Sammlung an Urnen und Werkzeugen. Später verkaufte er sie zum großen Teil an das Zauchemuseum in Beelitz, und auch der Grundstock des Treuenbrietzener Heimatmuseums stammt aus der REICHHELM’ schen Sammlung…Und in seinem Nachlass wurde u. a. eine große Eiersammlung aufgefunden. Im Gedächtnis werden mir immer lebendig bleiben die Fahrten in die weitere Umgebung von Treuenbrietzen, die er vorbereitete und führte, in die Brandtsheide und zum Hohen Golm. Und wenn von maßgeblichen Stellen in Berlin eine Exkursion in den Fläming unternommen wurde, wandte man sich deswegen an REICHHELM. Vor etwa zwölf Jahren gründete er den Heimatverein, dessen Leiter er bis zu seinem Lebensende war. Viel boten die Vortragsabende, die REICHHELM im Heimatverein in die Wege leitete, und bei denen immer maßgebliche Leute des Naturschutzes und der Naturwissenschaft aus dem Bekanntenkreise REICHHELMS die Redner des Abends waren. Mit dem Tode REICHHELMS endete auch der Heimatverein, der eben ganz mit der Person seines Gründers verknüpft war. – Von Beruf war REICHHELM Dentist, wenn man als Beruf die Gelderwerbsquelle ansieht; seine eigentliche Berufung lag allein in seiner Liebe zur Heimat und Natur. Er starb im Sommer 1940, etwa 72-jährig.

Wir hatten nicht von vornherein die Absicht, das REICHHELM’ sche Gelände zu besuchen, als wir heute Morgen vom Bahnhof aus einen Spaziergang antraten, sondern wollten nur in die Gegend hinaus. Also nur munter fort, die Chaussee nach Wittenberg entlang. Die Häuserzeilen am Rande der Stadt sind bereits aufgelockert. Viele Neubauten sind darunter, die erst in den letzten Jahren entstanden sind. Rechter Hand ist bald ein freies Brachfeld zu erblicken, wo in den letzten Jahren vor dem Kriege immer die Sonnenwendfeiern stattfanden. Und dann taucht auch bald die Siedlung an der Leipziger Straße auf, die mit ihren roten Dächern einen freundlichen und heiteren Eindruck macht. Vor uns macht die Chaussee eine Kurve. Dort liegt das Kaffee Rietz. Und halb links leuchtet aus dem Kiefernwald ein hoher Neubau. Eine sauber gepflasterte Straße führt schnurgerade dorthin. Wir benutzen sie ein Stück, um dann am Waldesrand nach links auf einen Feldweg abzubiegen. Ein reizvoller Weg ist es, der manchen schönen Blick bietet. Vor uns schauen in weiter Ferne die Dächer der Landesanstalt aus den Baumkronen. Und zur Linken bieten die Türme von Treuenbrietzen Ruhepunkte für das Auge. Dazwischen liegen Wiesen und Felder, durchbrochen von Laubbaumgruppen und Gebüsch. Es ist die Gegend des Böllrich. Ganz einsam ist es hier. Nur ein paar Pilzsucher nähern sich uns aus dem Walde. Sie haben eine ganz stattliche Ernte an Steinpilzen. Alte Birken befinden sich vereinzelt am Wege. Und dann kommt ein Spargelfeld, das jetzt mit grünem Kraut bestanden ist. Eine Holzbude liegt halb versteckt darin. Hier geht rechts ein Weg ab, der am Nieplitztal entlangführt. Er ist einer der reizvollsten Wege der näheren Umgebung. Noch geht er durch Felder. Ziemlich feucht ist es hier, denn es hat vor kurzem geregnet. Und schon wieder hat sich der Himmel mit Wolken bezogen. Vor uns liegt ein mit einem hohen Zaun umgebenes Gelände, in welchem ein kleiner, künstlicher Teich zu erblicken ist. Er ist erst vor wenigen Jahren angelegt worden. Und Zaun und Erdarbeiten passen nicht recht in den Charakter der Gegend. An großen Flecken mit blühendem Heidekraut geht es vorbei, die von Kiefernwald umrahmt sind. Und dann geht der Weg ein Stück durch Wald. Drüben im Nieplitztal taucht das Forsthaus Neue Hufen auf. Jetzt ist es auch nicht mehr weit bis zum REICHHELM’ schen Gelände, und wir beschließen, dort einzudringen. Es ist tatsächlich ein Eindringen, denn das Besitztum gehört jetzt der Stadt, und ringsum befinden sich Tafeln an den Bäumen, die das Betreten des Geländes verbieten. Aber harmlose Wanderer werden sich doch wohl das Recht nehmen können, dort einige Zeit der Erinnerung zu verbringen.

Der Zaun, der den Naturpark umgibt, ist an vielen Stellen zerrissen und niedergetreten, so dass man ungehindert in die Umfriedung hineingelangen kann. Quer durch den Wald streifen wir und sind in einigen Minuten am Ufer des kleinen Teiches, welcher mitten im Gelände künstlich angelegt ist. Der Fußpfad, der dort entlangführt, ist ganz verwachsen, und an den hohen Gräsern, deren Samen reif ist, hängt der Regen…Von der Wasserfläche ist kaum etwas zu sehen, denn eine üppige Vegetation hat sich dort angesiedelt. Kolbenrohr wächst am Ufer mit seinen malerischen, dunkelbraunen Kolben. Und auf einem kleinen Fleck der Wasserfläche schwimmen die Blätter der weißen Seerose. Ob auch die Pflanzenseltenheiten, die REICHHELM hier angesiedelt hat, noch vorhanden sind? Die Glockenheide, Sumpfcalla und sibirische Iris? Gerade diese drei waren ehemals eine ganz besondere Schönheit des Parks.

Wir gehen, wie wir es damals unter REICHHELMS  Führung so oft taten, am Ufer entlang, an blühenden Stauden der Rudbeckäa vorbei, und kommen zu dem Holzhaus am Rande des Teiches. Eine große Eiche beschattet dieses. Das Haus steht offen und ist im Innern öde und leer. Der Platz vor dem Hause, wo früher immer die Kaffeetafel aufgestellt und auch mancher Flasche, bachgekühlt in dem nahen Bächlein, der Hals gebrochen worden war, lässt erkennen, dass hier lange keiner mehr ausgeruht hat. Der wundervolle Ausblick auf den Teich ist verwachsen. Wehmut beschleicht einen, wenn man so erkennt, wie das Lebenswerk eines Menschen, dem er seine ganze Liebe gewidmet hat, langsam vergeht. Sic transit gloris mundi! Die alte Eiche könnte von manchem frohen Wort, von mancher erbaulichen Stunde und manchem Besucher von Ruf und Namen erzählen. Aber sie schweigt und lässt nur, wie trauernd, Regentropfen herunterweinen.

Wir dringen weiter in das Innere des Geländes ein…Durch Laubholz geht es sanft bergan. Hier steht Taxus, Wachholder und Seidelbast. Hohe Farne bedecken den Boden, darunter auch Adlerfarn. Und Kreuzkraut. Alles hat REICHHELM teilweise von weither geholt, um ihm hier eine neue Heimat zu geben.

Und dann stehen wir unter der mächtigen Eiche, unter der sich die naturgetreue Nachbildung einer germanischen Opferstätte befindet. Aus hohem Farnkraut ragt ein Opfertisch aus groben Findlingen heraus. Mehrere aufgeschichtete Steine bilden die Füße des Tisches, über denen eine flache Steinplatte ruht. Rings herum befindet sich ein Steinkreis, ebenfalls aus aufgerichteten Granitblöcken, die einst durch die Gletscher der Eiszeit in unsere Gegend geführt worden sind. Der Platz befindet sich inmitten von Mischwald, und die hohe Eiche, ebenso mächtig und stark wie die unten am Blockhaus, beschirmt die Stätte. An dem zerfurchten Stamm des Baumes sind ein Widder- und ein Pferdeschädel, deren Knochen gebleicht sind, aufgehängt. Ehrfurcht vor dem Glauben unserer Vorfahren, die Gott in der Natur erkannten, kommt einem immer wieder an, wenn man hier steht. Er ist schon denkbar, dass hier stimmungsvolle Sonnenwendfeiern stattfanden.

Jetzt führt der Weg in einfachen Kiefernwald. Noch einige Steinblöcke markieren den verwachsenen Pfad zwischen den Bäumen. Dort ist auch der Rundlauf, der aus Feldsteinen um eine in der Mitte stehende Kiefer herum angelegt worden ist. Er stellt einen Irrgarten dar, ebenfalls die Form einer germanischen Kultstätte, welche auch bei den zeremoniellen Reigen zur Anwendung kam…Es ist dies die letzte Anlage dieser Art, die REICHHELM geschaffen hatte. Quer über die Steinringe liegen jetzt zwei umgeschlagene Kiefern. Gefälltes Holz liegt auch im Walde rings umher.

Durch die Bäume schimmert die Nachbildung des Hünengrabes, die wir nun nach wenigen Schritten erreichen. Auf Steinunterlagen ruht ein Findling als Abschlussstein, gerade so, wie wir dies von freigelegten Hünengräbern kennen. Heidekraut blüht rings umher, besonders jenseits des Drahtzaunes, der hier dicht vorbeigeht.

Der Weg, den wir von hier aus immer einschlugen, führt zum Teich herunter und um diesen herum…Bald gießt es in Strömen, so dass wir ordentlich nass werden. Unsere Mäntel sind völlig durchnässt, ehe wir zur Stadt zurückkommen. Aber es ist doch ein sehr schöner und stimmungsvoller Spaziergang gewesen, den wir an diesem Sonntagvormittag erlebt hatten. Er galt der Erinnerung eines Mannes, der die Größe und Schönheit der Natur erkannt hatte, und dessen  Herz daher, wenn auch einsam, so doch voller Güte war“.

Zusammengestellt von Ernst- Peter Rabenhorst

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