150 Jahre Männerturnverein (MTV 1861) – die Anfänge des Turnens in Treuenbrietzen

Zusammengetragen von Ernst- Peter Rabenhorst

Wem nutzt das Turnen?

In Preußen wird 1860 das obligatorische Knabenturnen eingeführt. Auch in Treuenbrietzen spricht man 1860 erstmals über die Möglichkeit, eine Turnanstalt an der Schule zu errichten. Dazu wirft der „Gesellige Verein“ in seiner Sitzung am 30.April 1860 vier Fragen auf:

  1. Welche Vorteile gewährt ein regelmäßiger Turnunterricht der Jugend?
  2. Was nutzt es dem Manne, wenn er die Turnübungen fortsetzt?
  3. Welchen Vorteil hat die Stadt, wenn sie den Turnunterricht in allen Schulen und Vereinen befördert?
  4. Welcher Platz eignet sich am besten zu einem guten Turnplatz?

Gründung des MTV

1861 konstituiert sich in Treuenbrietzen ein Ausschuss, der die Gründung eines Turnvereins vorbereiten sollte. Ihm gehören an: Bürgermeister ROSENTHAL, Färbereibesitzer KOREUBER, Kaufmann A. JAENICKE, Buchbindereibesitzer HANNEBOHN, Maurermeister RÜGER, der Küster und Lehrer KÜHN, Kreisgerichtssekretär TONSOR, Seifenfabrikant K. MÜLLER, Buchhändler F. KÖHLER sowie Fabrikbesitzer J. LEHMANN. Die Leitung des Ausschusses liegt  in den Händen des Turnlehrers KÜHN. Die Gründung des Männerturnvereins (MTV 1861) erfolgt am 30.Juni 1861.

Um die Bedeutung des neu gegründeten Vereins zu unterstreichen, übernimmt der damalige Bürgermeister Carl Wilhelm ROSENTHAL den Vorsitz des Vereins. Nach der Abwahl von Bürgermeister ROSENTHAL wird Louis BEHRENDT 1868 zum neuen Vorsitzenden des MTV gewählt. Louis BEHRENDT kann 1893 auf eine 25-jährige ununterbrochene Tätigkeit als Vorsitzender des Männerturnvereins zurückblicken. (ZBZ,10.10.1893). 1897 wird er auf Beschluss der Generalversammlung zum Ehrenvorsitzenden des Vereins ernannt. (ZBZ,17.01.1897)

 

Nach der Gründung des Vereins galt es, Geräte zu beschaffen und einen geeigneten Turnplatz zu finden. Geturnt wird zuerst auf dem schon bestehenden städtischen Schulturnplatz. Für die oberen Knabenklassen wird der Schulunterricht obligatorisch. Die Turnlehrer der Schulen sind gleichzeitig die Turnwarte des Vereins. Später gibt es Schauturnen für die Öffentlichkeit auf dem städtischen Turnplatz am Schlalacher Weg, gleich links hinter der Nieplitzbrücke. 1865 beteiligt sich der Verein an der Einweihung des HIMMEL- Denkmals und der Gedenktafel am Geburtshaus des Komponisten. (Streiter,03.06.1936).

 

Aufbau von Abteilungen

Der MTV beschließt 1885, zur Förderung des Turnens eine Jugend- Abteilung zu errichten. „Mitglied kann jeder junge Mann werden, welcher das 14.Lebensjahr zurückgelegt und seiner Schulpflicht genügt hat“. Der Beitrag beträgt 10 Pfennig pro Monat. (ZBZ,04.04.1885)

 

Mit Beginn des Schuljahres 1903 wird das Mädchenturnen in den Lehrplan aufgenommen. (Bericht Bürgermeister JAHN, 1902-04)

 

Im November 1904 wird eine Damenabteilung des MTV gegründet. Die Abteilung, deren Leitung Lehrer THIEDE übernimmt, ist die erste ihrer Art im Turngau Zauch- Belzig. (ZBZ,21.12.04)

 

1905 beschließt der MTV, eine Alters- Turnriege zu gründen, der alle über 25 Jahre alten Herren beitreten können. (ZBZ,07.04.1905)

 

Der MTV 1861 ruft im Jahre 1912 eine Kinder- und Jugendabteilung ins Leben. (HV)

 

 

Die ersten Turnlehrer

Erste Verdienste um die Einführung des Turnunterrichts in Treuenbrietzen erwirbt sich Fritz KÜHN. Er wirkte 56 Jahre lang, von 1830 bis 1886, als Lehrer und Küster an der Treuenbrietzener Schule. Zu einer Zeit, als das Turnen an den Schulen noch nicht gepflegt wurde, richtet er auf seinem privaten Grundstück einen Turnplatz ein und führt dort die Jugend privat in die Kunst des Turnens ein. Fritz KÜHN verstirbt 1893 in Greifswald. (ZBZ,16.12.1893)

 

1863 stellt der „Männer- Turnverein Treuenbrietzen 1861“ gegen ein Entgelt von zwei Talern den Sergeanten LONGÈ als Turnlehrer an. 1864 folgt ihm  Turnlehrer LAHNDT. Die Schul- Kommission weist darauf hin, dass unentschuldigtes Fehlen in den Turnunterrichtsstunden genau so geahndet wird, wie jede andere Versäumnisstunde. (WT,16.04.1864)

 

Ab 1864 werden die Turnübungen für die aktiven Mitglieder des MTV jeden Donnerstagabend von 8 bis 10 Uhr unter der Leitung von Turnlehrer LAHNDT abgehalten. Meldungen zum Beitritt neuer Mitglieder nehmen die Vorstandsmitglieder ROSENTHAL, F. KÖHLER und J. BÖHME entgegen. (WT,09.03.1864). Noch im gleichen Jahr findet im Saal  bei Gastwirt LOBBES ein kleines Schauturnen des MTV mit Freiübungen und anschließendem Tanzvergnügen statt. (WT,27.04.1864). Für den Männerturnverein (MTV 1861 e.V.) werden die Kosten für einen besoldeten Turnlehrer aber bald zu hoch. Deshalb wird LAHNDT 1868 entlassen. Seit dieser Zeit arbeiten die Turnwarte ehrenamtlich.

 

Ein Turnplatz in den Heerwegen

Im Sommer 1860 entsteht in Treuenbrietzen der erste Turnplatz in der Nähe der Heerwege. Am 11.Mai 1860 beschließt die Stadtverordnetenversammlung die Bereitstellung eines Platzes in der „Voßhaide“ als Turnanstalt und bewilligt die Mittel für die Anschaffung der notwendigen Turngeräte. Und schon im Oktober 1863 findet das erste Schauturnen der Schulturner statt. (ZFH, 11/1934)

 

Dem Aufseher für die städtischen Verschönerungsanlagen, KÖHLER, wird 1862 auch die Beaufsichtigung des Turnplatzes an den Heerwegen übertragen. Der Magistrat dankt in einem Schreiben dem General- Gartendirektor LENNÉ zu Sanssouci für die bereitwillig gelieferten Strauchgewächse zur Bepflanzung des Turnplatzes. Auch dem Apotheker PAUCKERT wird für seine „uneigennützigen und rastlosen Bemühungen um die Verschönerungsanlagen der Stadt“ gedankt. (WT,12.02.1862)

 

Neue Schule mit Turnplatz

Nachdem der Pachtvertrag mit Bäckermeister KNAPE über den alten Gottesacker vor dem Berliner Tor wird 1866 endgültig aufgehoben wurde, wird dort ein Schulhaus gebaut. Der für den Bau nicht benötigte Teil des Gottesackers wird zur Anlage eines Turnplatzes genutzt. (WT,31.10.1866)

 

Die neue Elementarschule in der Burgwallstraße wird 1868 durch den Prediger und lokalen Schulinspektor HÖHNE unter Beteiligung der städtischen Behörden und sämtlicher Lehrer feierlich eingeweiht. Die Baukosten betrugen 7.000 Taler. Der freie Platz neben der Schule wird als Turnplatz eingerichtet. Dadurch entfallen die langen Wege zum bisherigen Turnplatz in den Heerwegen. (WT,12.08.1868). Auch der Turnschuppen auf dem bisherigen Turnplatz am Schlalacher Wege wird abgerissen und beim neuen Schulhaus wieder aufgebaut. (WT,14.04.1869). Die früher auf dem abgelegenen Platz am Schlalacher Weg abgehaltenen Turnübungen werden von nun an auf dem Turnplatz neben der Elementarschule durchgeführt.

 

1868 bewilligt die Stadtverordnetenversammlung der Garnison die notwendigen Hölzer aus dem Stadtforst zum Bau von Turngeräten für eine Turnanstalt. Vereinbart wird gleichzeitig,  dass die Turngeräte bedingungslos in den Besitz der Stadt übergehen, falls das Bataillon einmal die Stadt verlassen sollte. (WT,07.03.1868)

 

MTV erhält Sportplatz am Anger

Der hintere Teil des Angers wird 1932 in einer Tiefe von rund 100 Metern von der nordöstlichen Grenzlinie in südwestlicher Richtung an den MTV als Sport- und Spielplatz für die Dauer von zunächst 15 Jahren verpachtet. Der Pachtpreis beträgt 50 RM jährlich. (TZ,20.02.1932)

 

Vereinsfahne wird geweiht

Im Vereinslokal von Mutter LEHMANN feiert der MTV 1875 sein 14-jähriges Stiftungsfest und die Weihe seiner neu beschafften Vereinsfahne. „Die neue Fahne macht sich sehr schön: auf der einen Seite von roher Seide mit der Inschrift ‚Männer- Turnverein Treuenbrietzen, gegründet 1861’, auf der anderen Seite von weißer Seide mit einem grünen Eichenzweig, welcher ein Wappen in zwei roten und zwei weißen Feldern einschließt, in welchem sich das vierfache F befindet, ist dieselbe ringsum mit Goldfransen besetzt, und hat eine vergoldete Fahnenschnur mit dergl. Troddeln.“ (WT,18.08.1875)

 

Turner- Feuerwehr

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt 1876, „dem hiesigen Turnverein zur Errichtung einer Turner- Feuerwehr die Mittel zu bewilligen, und zwar bis 180 Mk. zur Aufstellung eines Steigerhauses und bis 187 Mk. zur Beschaffung der zunächst nötigen Geräte unter der vom Magistrat beauftragten Bedingung, dass sowohl das Steigerhaus als auch die Geräte im Eigentum der Kommune verbleiben.“ (WT,30.08.1876). Die Turner- Feuerwehr hat 1877 ihren ersten Einsatz. Es brennt im TURLEY’ schen Hause in der Neue-Markt-Straße. Auch das daneben liegende GRÄBE’ sche Haus wird durch das Feuer stark beschädigt. (ZBZ,23.03.1902)

 

Horst WOLLENBERG schreibt in seiner Chronik der Treuenbrietzener Feuerwehr: Die Freiwillige Feuerwehr Treuenbrietzen wurde am 17. September 1876 von Mitgliedern des Männerturnvereins unter dem Namen Freiwillige Turner – Feuerwehr ins Leben gerufen. Sie stand unter dem Kommando von Bernhard Adler. Auf dem Turnplatz befindet sich ein 40 Fuß hohes Steigerhaus. Als Abzeichen trugen die Mitglieder ein breites rotes Band um den linken Oberarm. Die erste Ausrüstung erhielt die Freiwillige Feuerwehr von der Aachen – Münchener- Feuerversicherung in Form einer kleinen zweiräderigen Spritze. Sie wurde mit der Hand zum  Brandplatz gefahren. Später schritt man zur Uniformierung. Als Uniform wurden eine weiße Drillichbluse, ein schwarzer Filzhelm und ein grauer Hanfgurt gewählt. Im Jahre 1879 schloss sich die Turner – Feuerwehr dem Brandenburgischen Feuerwehrverband an.

 

Die kleine Spritze wurde allmählich unbrauchbar und durch eine zweiräderige Abprotzspritze mit Saugvorrichtung ersetzt, ebenso wurden anstelle der Filzhelme schwarze Lederhelme mit gelbem Messingkamm beschafft. Da die Ausrüstung immer mehr Mittel beanspruchte, musste trotz städtischer Unterstützung die Vereinskasse immer erneut angegangen werden, wodurch es zu Reibereien und Misshelligkeiten im Turnverein kam, denn nicht alle Mitglieder des Turnvereins waren Feuerwehrleute. Die Harmonie des Vereins drohte in die Brüche zu gehen, so dass am 30. August 1883 durch einen einstimmig gefassten  Generalversammlungsbeschluss die Trennung in Turnverein  und Freiwillige Feuerwehr vollzogen wurde.

Turnen im Saal

Im Winter stellt der Gastwirt LOBBES den Saal seines Lokals zum Turnen zur Verfügung. Diesem Haus in der Lindenallee haben die Treuenbrietzener Turner bis heute die Treue gehalten. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft gestalteten sie einen ehemaligen Schuppen zu ihrem Vereinslokal um.

 

Turnen im Schützenhaus

Der Schützenhauswirt LÜDERITZ baut an sein Lokal eine Turnhalle an. Sie wird 1878 durch Bürgermeister GEIMECKE eingeweiht, der in seiner Begrüßungsrede erklärt: „Herr Schützenwirt LÜDERITZ hat dieselbe auf seine Kosten erbauen lassen und dadurch eine Opferfreudigkeit bewiesen, die der allgemeinen Anerkennung wert ist“. (ZBZ,30.11.1878).  In der Halle turnen die Turner des MTV 1861 und die oberen Klassen der Schulen.

 

Die Stadtverordnetenversammlung beschließt im Jahre 1906, den Turnunterricht der Schulen, einschließlich der Winterschule, im Winterhalbjahr in der Turnhalle des Schützenhauses durchzuführen. (Protokoll SV,22.10.1906)

 

1908 verlässt die Schützenhauswirtin Frau TRITT die Stätte ihres bisherigen Wirkens. Die Mitglieder des Männer-Turnvereins finden sich zu einem Abschieds-Kommers für ihre Vereinswirtin im Schützenhaus zusammen. Der Vorsitzende des Vereins, Lehrer THIEDE, hält die Festrede. Er verweist darauf, dass trotz „überschäumenden Jugendmutes“ selten ein Misston zwischen dem Verein und seiner Wirtin geherrscht habe. (ZBZ,17.03.1908)

 

Sparen für eine städtische Turnhalle

Einstimmig wird von der Stadtverordnetenversammlung  beschlossen, das Überschussdrittel der Sparkasse aus dem Rechnungsjahr 1913 als Grundstock zur Ansammlung eines Fonds für den Bau einer städtischen Turnhalle zu verwenden. Bürgermeister JAHN bemerkt dazu, dass eine städtische Turnhalle nicht nur für die körperliche Ertüchtigung der Schülerinnen und Schüler von Bedeutung ist, sondern auch für die Turnvereine, die Jugendpflege, die Kinderbewahranstalt und andere Einrichtungen. (TZ,03.06.1914). Die Überschüsse der städtischen Sparkasse werden auch 1915 einem Fonds zugeführt, aus dem der Bau einer städtischen Turnhalle finanziert werden soll. (Protokoll SVV,02.06.1915). 1925 wird der Tanzsaal einer Gaststätte in der Lindenallee (ehemals LOBBES) zur städtischen Turnhalle umgebaut.

 

Mitglied im Zauch-Belziger Turngau

Die Turnvereine Treuenbrietzen, Beelitz und Belzig schließen sich 1884 zum Zauch-Belziger Gau zusammen. Der MTV 1861 wird Mitglied der Deutschen Turnerschaft und gehört dem Turnkreis III b Berlin- Brandenburg an. Er nimmt 1885 mit  neun Turnern am Deutschen Turnfest in Dresden teil. (HV)

 

Vorsitzender des Zauch-Belziger Turngaus und zugleich zweiter Vorsitzender des MTV Treuenbrietzen ist über mehrere Jahre der praktische Arzt Dr. W. BASTIAN aus Treuenbrietzen. Er stirbt 1895 nach kurzem Leiden. (ZBZ,25.06.1895)

 

Stiftungsfeste und Gauturnfeste in Treuenbrietzen

1886: Der Männerturnverein erhält von der Stadt eine Beihilfe von 100 Mark für das am 29.August stattfindende 25-jährige Stiftungsfest des Vereins. (ZBZ,14.07.1886). Am Tage des Stiftungsfestes findet auch das 7.Zauch- Belziger Gauturnfest  in Treuenbrietzen statt. Zum Programm gehören der Abmarsch nach dem Marktplatz, das Antreten vor dem Hotel L. BEHRENDT, der Festzug durch die Stadt in Richtung Schützenhaus und ein Schauturnen. (ZBZ,08.09.1886).

 

1889: Auch sein 28-jähriges Stiftungsfest feiert der MTV drei Jahre später mit einem Festumzug, Schauturnen und Turnerball. Das Schauturnen besteht aus Freiübungen, Geräte- und Kürturnen. Während des Turnens konzertiert die RIECH‘ sche Musikkapelle. (ZBZ,11.09.1889)

 

1896:  In Treuenbrietzen findet ein weiteres Gauturnfest statt, das 17.des Turngaus Zauch- Belzig. Es wird mit der Fahnenweihe des Turnvereins „JAHN“ verbunden.  (Bericht Bürgermeister JAHN 1896-98). Der MTV „JAHN” wurde 1895 gegründet, er ist der dritte Turnverein in Treuenbrietzen. Sein Vorsitzender wird O. MOELTER. Der Verein löst sich aber nach wenigen Jahren wieder auf. (HV)

 

1897: In Treuenbrietzen findet das 18.Gauturnfest des Turngaus Zauch-Belzig statt. Es ist verbunden mit dem 25-jährigen Stiftungsfest des zweiten in Treuenbrietzen gegründeten Turnvereins, des  Männerturnvereins „Hoffnung“. (Bericht Bürgermeister JAHN 1896-98)

 

1907: Der Belziger Turngau feiert  im Schützenhaus sein Gauturnfest. Die Stadt prangt im Schmuck von Girlanden und Fahnen. Der Vorsitzende des Zauch- Belziger Turngaus, Lehrer THIEDE, eröffnet den Kommers. Es folgen die Darbietungen der Turner und das Wettturnen. (ZBZ,26.06.1907)

 

1911: Festlich begeht der MTV 1861 im Jahre  1911 sein 50-jähriges Stiftungsfest. Der historische Festzug zeigt die Entwicklung der Leibesübungen vom Altertum bis zur Neuzeit. Stadtrat Louis KNAPE übergibt dem Vorsitzenden des Vereins, Lehrer THIEDE, ein von der Stadt gestiftetes JAHN- Bild. (ZBZ,08.08.1911)

 

1936: Der Deutsche Turntag hatte 1935 die Auflösung der deutschen Turnerschaft beschlossen. Sie wird dem Reichsbund für Leibesübungen angegliedert und damit der nationalsozialistischen Bewegung gleichgeschaltet. Unter diesen Bedingungen feiert der MTV sein 75-jähriges Bestehen. 500 Teilnehmer nehmen an den Wettkämpfen teil. Die Unterbringung erfolgt in Privatquartieren. Vereinsführer BREUEL begrüßt die Gäste. Er dankt allen erfolgreichen alten Turnern und überreicht ihnen Ehrenurkunden: Otto ZEWRLING, Karl PREUSS, Paul PAULINIUS, Franz REHFELDT, August WOLSCHLÄGER, Gustav THIEDE, Otto HASELOFF, Karl ZOCH, Max NÄTHE, Gustav MÜLLER, Otto SAACKEL, Rudolf HARMS, Rudolf BREUEL, Fritz BRECKO, Albert WUCKE, Wilhelm SCHÜLER, Willi HEESE, Reinhold WITT, Albert LEHMANN, August REUTER, Paul WELLMITZ, Kurt KUNZE, Otto BLUMBERG, Gustav MENCKE, Karl DÜMCHEN, Richard REHFELD, Erich SAAGE, Fritz GÖRES, Fritz BAATZ. Hauptbrandmeister ELLGER überreicht dem MTV, aus dessen Reihen die Feuerwehr in Treuenbrietzen hervorging, ein Jubiläumsgeschenk. (Streiter,15.06.1936)

 

1941: Der MTV begeht seinen 80.Jahrestag im Saal des „Bürgergartens“. Vereinsführer Pg. BREUEL teilt mit, dass gegenwärtig 50 Mitglieder des Vereins an der Front sind. Vereinsführer BREUEL und sein Stellvertreter Pg. SAACKEL werden mit einem „Ehrenbrief“ ausgezeichnet. Oberturnwart Pg. Theo LEHMANN erhält ein Bild. (Streiter,17.11.1941)

 

Generalversammlungen des MTV

1905: Der MTV führt seine Generalversammlung im Schützenhaus durch. Den Bericht erstattet der stellvertretende Vorsitzende Karl REICHHELM. Die Mitgliederzahl des Vereins stieg auf 190. Sie verteilt sich auf 22 Zöglinge, 162 Steuer zahlende und 6 Ehrenmitglieder. Außerdem ist die im November 1904 neu gegründete Damenabteilung mit 17 Turnerinnen hinzugetreten. Zahnarzt REICHHELM wird zum neuen Vorsitzenden gewählt, Schriftführer und Stellvertreter wird G. THIEDE. Weiter kommen in den Vorstand: Turnwart C. HINTZE und sein Stellvertreter P. NÄTHE, Zeugwart H. KAUFMANN, Kassenwart P. PAULINIUS, Vergnügungswart E. HAHN sowie die Ausschussmitglieder C. PREUSS; A. KARSTÄDT und H. GERICKE. (ZBZ,17.01.1905)

 

1909: Der MTV hält seine Generalversammlung im Schützenhaus ab. In den Vorstand werden wieder gewählt: Lehrer G. THIEDE als Vorsitzender, P. PAULINIUS als sein Stellvertreter, A. KARSTÄDT als Kassenwart, Hermann KAUFMANN als Vergnügungswart und R. TEMPELHAHN als Beisitzer. Neu in den Vorstand kommen M. NÄTHE, O. REHFELD und W. THEITGE. Das älteste Mitglied des Vereins, Julius POHLER, wird zum Ehrenmitglied ernannt. Karl HINTZE kann in diesem Jahr auf eine 25-jährige Tätigkeit als Turnwart zurückblicken. Es wird beschlossen, ihm ein Ehrengeschenk zu überreichen und das Jubiläum durch Fackelzug und Kommers festlich zu begehen. Da Karl HINTZE aus Altersgründen sein Amt niederlegt, wird Gustav GÖRES zum neuen Turnwart ernannt und bestätigt. (ZBZ,16.01.1909).

 

1921: Der MTV beschließt auf seiner Hauptversammlung im Schützenhaus die Bildung einer eigenen Schwimmabteilung. Schwimmwart wird Willi HESSE aus der Großstraße 72. Zum Eintritt in diese Abteilung meldeten sich sofort 35 Personen. Gegenstand der Beratung ist auch die Vorbereitung des 60.Stftungsfestes des Vereins. (TZ,01.05.1921)

 

1922: Die Generalversammlung des MTV findet Im Schützenhaus statt. Der Vereinsvorsitzende, Lehrer THIEDE, gibt den Jahresbericht. Der Verein besteht aus sieben Ehren-Mitgliedern, 293 Erwachsenen, 30 Jugendturnern und 36 Damen. Dazu kommen noch 37 Knaben und 39 Mädchen. In den neuen Vorstand werden gewählt: G. THIEDE, Vorsitzender; Paul PAULINIUS, stellv. Vorsitzender; H. KAUFMANN, Kassenwart; T. SACHSE, Schriftwart; A. WOLLSCHLÄGER, Turnwart; O. SAACKEL, Sport- und Spielwart; W. HESSE, Schwimmwart; GOHLKE, Vergnügungswart. (TZ, 15.01.1922)

 

1925: Der MTV hält  seine Generalversammlung im Schützenhaus ab. Zum Vorsitzenden wird Lehrer THIEDE gewählt, sein Stellvertreter ist BREUEL. Weiter werden gewählt: Gerätewart P. BALZER, stellv. Vergnügungswart BEYER, stellv. Turnwart Albert LEHMANN. Das ausgeschiedene Vorstandsmitglied PAULINIUS wird zum Ehrenmitglied ernannt. (TZ,17.01.1925)

 

1929: Der Vorsitzende des MTV, Lehrer THIEDE, teilt auf der Hauptversammlung mit, dass dem Verein 193 Mitglieder angehören. Der Vorsitzende schließt seinen Jahresbericht mit den Worten „Vorwärts immer – rückwärts nimmer!“ Zum neuen Sportwart wird Turnbruder RHODE gewählt, die Wiederwahl von Spielwart SAACKEL, Oberturnwart August WOLLSCHLÄGER und des stellvertretenden Vorsitzenden BREUEL erfolgt durch Zuruf. August REUTER wird Schwimmwart, W. HESSE Werbewart. (TZ,14.01.1929)

 

Militärische Pflichtturnstunde in Kriegszeiten

Einer Anregung der Königlichen Regierung folgend, beschließt der Magistrat 1915, für die Fortbildungsschüler vom 15. Lebensjahre an eine militärische Pflichtturnstunde einzurichten und andere für den Augenblick weniger wichtige Unterrichtsfächer zurück zu stellen. Ratsherr LEHMANN wird von der Königlichen Regierung als Führer der hiesigen Jungmannschafts- Kompanie bestätigt. (TZ,09.01.1915)

 

Jubiläen und Ehrungen verdienter Turner

Der MTV veranstaltet 1904 zu Ehren seines langjährigen Vorsitzenden, Ratsherr Otto WELSCH, am Tage seiner 25-jährigen Mitgliedschaft einen Kommers. Neben turnerischen Darbietungen wird erstmals ein germanischer Schwertertanz zur Aufführung gebracht. (ZBZ,07.05.1904). Otto WELSCH wird aus Anlass des Jubiläums zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt, der stellvertretende Vorsitzende Karl REICHHELM übergibt ihm die Urkunde. Die RIECH’sche Kapelle bringt ihm eine Morgenmusik. (ZBZ,11.05.1904). Sechs Jahre später stirbt Ratsherr Otto WELSCH im 49. Lebensjahr. Er gehörte seit 1896 der Stadtvertretung an und  wurde 1902 in das Magistratskollegium berufen. Otto WELSCH war bis zuletzt Ehrenvorsitzender des MTV. (ZBZ,18.12.1910).

 

Lehrer THIEDE kann 1918 auf eine 25-jährige Dienstzeit an der Schule in Treuenbrietzen zurückblicken. Er bekleidet außerdem in der Kirche das Amt des Chordirigenten. Als eifrigem Förderer der Turnerei wurde ihm die Leitung des Männer-Turnvereins übertragen. In der Sanitätskolonne übt Lehrer THIEDE das Amt eines Kolonnenführers aus. (TZ,01.11.1918)

 

Die Turnfreunde Paul PAULINIUS und August WOLLSCHLÄGER können 1923 auf eine 40-jährige Mitgliedschaft im MTV zurückblicken.

 

Sportliche Erfolge

Bei den Ausscheidungskämpfen des Kreises Zauch- Belzig erkämpft sich Adolf WELLMITZ vom MTV mit 170 Punkten die Berechtigung, am Zwölfkampf beim Deutschen Turnfest in München teilzunehmen. (TZ,16.06.1923). Dort erringen Adolf WELLMITZ und Walter EBEL je einen Sieg mit 176 bzw. 166 Punkten. (TZ,21.07.1923)

Ein Jahr später gewinnt Adolf WELLMITZ den Zehnkampf des Geräteturnens im Gau Zauch-Belzig. Der Wettkampf fand in Lütte statt. (TZ,10.04.1924)

 

Beim 39.Gauturnfest in Belzig sind die Treuenbrietzener äußerst erfolgreich. Bei den Frauen gibt es einen Doppelsieg durch Anni KARSTÄDT und Lisbeth GÄBELT. Bei den Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren liegen sogar fünf Treuenbrietzener vorn: Kurt NÄTHE siegt im Zwölfkampf vor Theodor LEHMANN, Fritz WACHE, Karl KORBITZKI und Erich KARSTÄDT. (TZ,28.06.1924)

 

Der MTV 1861 Treuenbrietzen veranstaltet 1933 am Tag der Jugend einen Fünfkampf (800 m Lauf, Keulenweitwurf, Weitsprung, Kleinkaliberschießen und 25 km Gepäckmarsch mit 25 Pfund im Tornister). Den Sieg erringt Theo LEHMANN mit 72 Punkten vor Horst SAACKEL, Bruno KAUFMANN, Erich HENNING und Heinz BREUEL. (TZ,04.07.1933)

 

Anlässlich seines 75-jähriges Bestehen veranstaltet der MTV 1861 Treuenbrietzen einen Geräte-Wettkampf Treuenbrietzen – Brück – Belzig. Einzelsieger des Wettkampfes wird Kurt NÄTHE. Theo LEHMANN und Kurt SCHÖNLEIN belegen gemeinsam den 3.Platz. Fritz KLOHS wird Achter. (Streiter,13.01.1936)

 

 

Vorsitzende des MTV 1861 Treuenbrietzen bis 1945:

1861-1868: Bürgermeister ROSENTHAL

1868-1898: Louis BEHRENDT

1897-1904: Otto WELSCH

1905-1906: Karl REICHHELM

1906-1930: Gustav THIEDE

1930-1935: Fritz BRECKO

1935-1945: Rudolf BREUEL

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