75 Jahre Siedlung Frohnsdorf

Am 20./21. August  feierten die Bewohner der Siedlung Frohnsdorf ihr 75jähriges Bestehen. Viel hat sich seither verändert. An den meisten Grundstücken wurden Um- und Ausbauten vorgenommen, Gehwege und Straßen wurden gebaut sowie Abwasserkanäle und Gasleitungen verlegt.

In seiner Kurzchronik gibt uns Ernst-Peter Rabenhorst einen Überblick über die Entstehung und Entwicklung der Siedlung Frohnsdorf.

Die Siedlung Frohnsdorf – eine Kurzchronik

 

1911: Im Nieplitztal bei Frohnsdorf beginnt die Landhausbesiedlung. Den Anfang machen Oberverwaltungsgerichtsrat Dr. BÜTTNER aus Berlin und Landgerichtsdirektor BARCHEWITZ aus Potsdam. Weiter errichtet die Rentnerin Frida LEHMANN ein Landhaus bei Frohnsdorf. (Bericht JAHN,1913,S.21)

 

1934: Im Rahmen des nationalsozialistischen Siedlungsprogramms ist eine große Siedlung mit über 100 Häusern auf der Flur Frohnsdorf geplant, und zwar auf dem Ackergelände an der Jüterboger Straße.(ZFH,02/1934).

 

Februar 1936: In diesen Tagen wird mit den Bauarbeiten für die geplante Siedlung Frohnsdorf begonnen. Es werden dort 125 Einfamilienhäuser entstehen, davon 19 Einzelhäuser und 53 Doppelhäuser. Sie sollen bereits im Juli bezugsfertig sein. (Streiter,04.02.36)

April 1936: Die Bauarbeiten in der Siedlung Frohnsdorf sind so weit fortgeschritten, dass mit dem Bezug der Häuser im Laufe des Sommers zu rechnen ist. Bewerber für die Siedlungen können sich umgehend im Stadtbauamt melden. (Streiter,17.04.36)

Oktober 1936: Bei einer Besichtigungsfahrt der Gaubehörden wird festgestellt, dass die neue Siedlung Frohnsdorf das Muster einer Arbeitersiedlung ist. Sie liegt weitab der Stadt und der großen Verkehrswege und hat Ausdehnungsmöglichkeiten nach allen Seiten. Auch die Siedler können in allen Richtungen nach Arbeit suchen, was ihre Krisenfestigkeit erhöht. Am Waldrand entsteht jetzt eine neue Schule. (Streiter,07.10.36)

Oktober 1936: In Frohnsdorf wird das Richtfest für die Waldschule gefeiert. Der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Treuenbrietzen, Carl ZOCH, hält die Festansprache. Er verweist darauf, dass in Frohnsdorf in kürzester Zeit 125 neue Siedlerstellen entstanden sind. Anschließend galt es, für deren Kinder eine neue Schule zu errichten. Im Hauptgebäude der Schule befinden sich künftig zwei Klassenzimmer, das Lehrmittelzimmer und eine Lehrerwohnung. Im Seitengebäude werden Nebenräume, Brausen und Toiletten eingerichtet. Die Schule erhält eine Zentralheizung mit Warmwasserversorgungsanlage. Außerdem ist eine offene Veranda vorgesehen, die bei schlechtem Wetter von den Kindern in den Pausen genutzt werden kann. Die Schule soll noch 1936 ihrer Bestimmung übergeben werden. (Streiter,12.10.36)

 

März 1937: Die Siedlungsgemeinschaft Frohnsdorf ruft zu einer „Deutschen Osterfeier“ auf. Die Feier beginnt mit einem Umzug durch das neu entstandene Dorf, der von einem Spielmannszug der HJ begleitet wird. (Streiter,25.03.1937)

April 1937: Die freie Schulstelle im Ortsteil Frohnsdorf wird dem dort ansässigen Lehrer MEINECKE übertragen. Damit kann der Unterricht an der Schule in Frohnsdorf am 19.April beginnen. Die Einweisung des Lehrers erfolgt durch den Treuenbrietzener Bürgermeister Fritz TITTMANN, der sich persönlich nachdrücklich für den Bau der Schule eingesetzt hatte. Die Schule hat zwei Klassenzimmer mit je 27 Doppelbänken, so dass sie von bis zu 108 Kindern besucht werden kann. (Streiter,16.04.1937)

 

1939: In der Siedlung Frohnsdorf wohnen 120 Familien in schmucken Häusern mit Wasserversorgung. Die Arbeiter sind zum größten Teil in den Fabriken der Umgebung beschäftigt. (Paul Friedrich PULS: „Frohnsdorf bei Treuenbrietzen“. In: ZFH,16/1939).

März 1939: Ab 12.03.1939 erhalten die neuen Straßen in Frohnsdorf folgende Namen: Lüdendorfer Straße (von der R 2 in Frohnsdorf bis Ortsausgang in Richtung Lüdendorf); – „Graf-SPEE-Straße (die von der Lüdendorfer Straße zuerst links abzweigende und durch die Siedlung Frohnsdorf in Hufeisenform führende Straße); – Otto-WEDDIGEN-Straße (die nächste abzweigende Straße, die mitten durch die Siedlung Frohnsdorf führt); – Hermann-LÖNS-Weg (der neben dem Forstamt in Frohnsdorf rechts an der Nieplitz entlang führende Weg bis zum Jagdhaus Neue Hufen, wo er auf die Neue Hufenstraße stößt); – Gorch-FOCK- Weg (auf der anderen Seite der Nieplitz, gegenüber dem Waldgasthaus „Alte Eiche“ beginnend, am Forellenteich vorbei, bis zur Neue Hufenstraße). – Otto WEDDIGEN war der Führer des U-Bootes „9“ im Ersten Weltkrieg. Gorch FOCK war Seefahrer und Schriftsteller. Er schrieb das Buch „Seefahrt ist not“ und starb 1916 in der Schlacht am Skagerrak. (Streiter,13.03.39)

 

1940: Auf Grund der Verordnung über die öffentliche Bewirtschaftung von Eiern und Eiererzeugnissen erhält der Frohnsdorfer Kaufmann Karl WEIDENHAMMER die Zuständigkeit für die Erfassung der abzuliefernden Hühner- und Enteneier in Frohnsdorf. (Streiter,08.07.40)

 

1941: Die Feldflächen in Frohnsdorf zwischen Waldschule und Bahnlinie sowie zwischen Bahnlinie und Reichsstraße sollen in einzelnen, verschieden großen Parzellen zur Verpachtung kommen. Interessenten können sich bis 26.März im Rathaus melden. (Streiter,22.03.41).

1941: Auf einer Einwohnerversammlung des Ortsteils Frohnsdorf in der Gaststätte „Alte Eiche“ teilt Bürgermeister TITTMANN mit, dass neben der Waldschule die Einrichtung eines Friedhofes für den Ortsteil geplant ist. „Die Einrichtung eines Kindergartens sowie die Beförderung der Schulkinder durch einen Omnibus zur Stadt muss bis nach dem Kriege zurück gestellt werden.“ (Streiter,31.03.41)

 

01.12.1945: Alle Kinder der Siedlung Frohnsdorf besuchen ab jetzt die dreiklassige Schule in Frohnsdorf. Es wird ein dritter Klassenraum eingerichtet. Lehrerin ist Frl. HEISE. (Tätigkeitsbericht Schulbeauftragter BERING vom 15.02.1946)

 

Januar 1947: In Frohnsdorf ist beabsichtigt, an das Schulgebäude einen Kindergarten anzubauen. Eventuell soll auch ein Gemeindehaus mit anschließendem Gerätehaus für die Feuerwehr auf dem Anger der Siedlung erstellt werden. Auch eine Friedhofs-Kapelle soll gebaut werden. (Protokoll Stadtverordnetenversammlung vom 07.01.1947)

 

August 1949: Frau BLÜTHNER legt ihr Amt als Ortsteilbürgermeister von Frohnsdorf  nieder, ihr folgt Heinrich KÖGELER (SED). (Protokoll Stadtverordnetenversammlung vom 27.08.49)

 

Oktober 1950: Der Waldfriedhof in Frohnsdorf wird der KWU übergeben. Die Leichenhalle wird in Gemeinschaftsarbeit erstellt. Die Grenze zwischen Schulhof und Friedhof soll mit einer Hecke bepflanzt werden. (Protokoll Stadtverordnetenversammlung vom 01.07.50)

 

1953: Der Kindergarten Frohnsdorf wird eingeweiht. Die Kosten liegen wesentlich höher als geplant. (Protokoll Ratssitzung vom 02.07.53)

 

1955: Der Rat der Stadt befürwortet die Übernahme der Verkaufsstelle des verstorbenen Herrn WEIDENHAMMER in Frohnsdorf durch den Konsum, weil der Konsum in der Lage ist, den gesamten Ortsteil Frohnsdorf zu versorgen. (Protokoll Ratssitzung vom 10.02.55)

1955: Der Rat der Stadt stimmt dem Verkauf von 49 Siedlungsgrundstücken in der Siedlung Frohnsdorf zu. (Protokoll Ratssitzung vom 22.12.55)

 

1961: Die DFD- Gruppe Frohnsdorf richtet eine Konsumverkaufsstelle in der ehemaligen Schule ein. Sie leisteten dazu 38 NAW- Stunden. ( „Das sozialistische Dorf“,02.09.61,S.2)

 

1993: Die neu gebaute Straße im Wohngebiet Frohnsdorf erhält den Namen „Waldsiedlung“. Das beschloss die Stadtverordnetenversammlung. (FE,31.03.94,S.13)

 

2002: Die frühere Waldschule von Frohnsdorf wird nach aufwendiger Sanierung zum Hotel und Restaurant umgebaut. Neuer Betreiber ist die Familie PRÄGER, die vier Mitarbeiter beschäftigt. In dem 1933 bis 1936 als Schule für die neue Siedlung Frohnsdorf errichteten Fachwerkgebäude waren später (1961) der Konsum, die Post und der Jugendklub untergebracht. Entstanden ist jetzt ein Gastraum mit 36 Plätzen, der auch den früheren Laubengang mit einschließt. Weitere 38 Plätze gibt es auf der Gartenterrasse. Im Dachgeschoss sowie in der früheren Lehrerwohnung sind für Hotelgäste 10 Zimmer mit 25 Betten geplant. (FE,30.08.02,S.15)

 

14.08.2004: Mit einem Umzug weihen die Frohnsdorfer ihre beiden neuen Straßen ein. Nach der 2003 fertig gestellten Karl-LIEBKNECHT-Straße hat jetzt, 70 Jahre nach Gründung der Siedlung, auch die Karl- MARX- Straße eine feste Straßendecke erhalten. (FE,17.08.04,S.16)

Ernst-Peter Rabenhorst

Gib Deine Meinung ab!

Dein Kommentar