Beseitigung der Wohnungsnot in Treuenbrietzen durch Friedrich den Großen

(aus Zauche- und Fläming-Heimat Jg. 35)

 

Die Bevölkerung war zu damaliger Zeit auf den Wohnraum angewiesen, der von der Stadtmauer umgrenzt wurde. Vor den Toren der Stadt waren nur die Mühlen, die Ziegelei, das Hospital und das Armenhaus vorhanden. Das wirtschaftliche Leben der Stadt wurde beeinflusst durch das Vorherrschen des Tuchmacher-Gewerbes und durch die unverhältnismäßig starke Garnison. Während die Zivilbevölkerung nur die Zahl 2400 erreichte, betrug die Kopfzahl der Garnison mit Einschluss der Soldatenfrauen und Kinder fast 1400, also über 1/3 der Gesamtbevölkerung. Dadurch entstand eine Wohnungsnot in unserer Stadt, die den König veranlasste, Bauhilfsgelder für Neubauten auszuwerfen. Sie betrugen am Anfang 15 % (bei massiven Gebäuden), später 25 % und unter seinem Nachfolger sogar 30 %. Aber der Erfolg blieb aus. So wurden z. B. In den Jahren um 1783-89 nur zwei Häuser mit Hilfe mit Bauhilfsgeldern errichtet.

So musste der König einen anderen Weg einschlagen, um dem Übelstand abzuhelfen. Er entschloss sich, auf eigene Kosten Neubauten auszuführen und in vorhandenen Häusern, die sich dazu eigneten, Etagen-Wohnungen ausbauen zu lassen. Friedrich ließ sich dabei auch von dem Gedanken leiten, das hiesige Tuchmachergewerbe noch mehr zu heben. In der Stadt waren zu jener Zeit 80 Webstühle in Betrieb, davon 21 beständig. Die Treuenbrietzener Tuche wurden hauptsächlich auf der Leipziger Messe umgesetzt, daneben aber gingen auch Lieferungen bis nach Straßburg und nach der Schweiz. “Überhaupt glauben wir, dass dieses Gewerk unter allen in der Kurmark die meiste Wolle verarbeitet“, schreibt u. a. Der Magistrat an den König. Aber die aufgekaufte Wolle musste gesponnen werden. Obwohl schon 300-400 Spinner in der Stadt tätig sind, muss noch viel Wolle auf dem platten Lande und in den sächsischen Städten Zahna und Niemegk gesponnen werden. Es fehlen etwa noch 100 Spinner, aber diese kann man eben wegen Platzmangels in der Stadt nicht unterbringen.

 

Die Stadt hat das allergrößte Interesse an dem Ausbau von Etagen-Wohnungen, und doch vergehen fast 10 Jahre bei den fortgesetzten Berichten und Meldungen. Endlich tut der Magistrat einen kühnen Schritt, unter Umgehung der Kammer in Potsdam wendet er sich direkt an den König und bittet um ein Geschenk von 4000 Talern zum Ausbau der Etagen. – Antwort des Königs: “Dieserhalb sich in diesem Jahr noch gedulden und kommenden Jahres anderweitig Erinnerung tun“. Das war im Frühjahr, doch schon im Herbst glaubte Treuenbrietzen “Erinnerung tun zu dürfen“. Diesmal aber kam man schlecht an. Warum gerade 4000 Taler? Genügten früher nicht 1500 Taler? Untersuchen! Berichten! – Auch die Potsdamer Kammer kam auf ihre Kosten. Sie war ja übergangen worden. “So habt ihr denselben (nämlich den Magistrat zu Treuenbrietzen) zugleich über diesen Umstand zur Verantwortung zu ziehen“. Das war der Befehl des Königs. Statt der erhofften 4000 Taler gab es Vorwürfe, Ärger, dicke Köpfe.

 

Nun hieß es für die Stadtverwaltung, die Scharte wieder auszuwetzen und die Sachen einzurenken. In dem Antwortschreiben wurden alle Register über die Not der Stadt gezogen. “Es wollen sich Familien von verschiedenem Stande und sogar nach des Obrist von Rohr Versicherung Personen von Adel hier niederlassen, allein sie finden ihr Unterkommen nicht“. Die Einquartierung wird immer “lastbarer, zumal seit 1773 die 2. Grenadier-Kompanie des Batl. von Rohr von Beelitz hierher verlegt worden ist.“. Und noch  verschiedene andere Gründe führt man an, man würde sich sonst niemals “erdreistet haben, dieserhalb  bei Seiner Königl. Majestät um ein Geschenk nachzusuchen“. Man war jetzt bescheidener, man brauchte nur noch 1800 Taler, um die man in einem neuen Antrag bat, allerdings durch die Kammer. Die Antwort des Königs: “- dass Höchstdieselben nicht auf einmal an allen Orten bauen lassen können. Die Kammer muss also warten und deshalb noch in Geduld stehen, bis das Geld gelegentlich erfolgen kann“.

 

So wurde dann der Plan des Etagen-Ausbaues wieder um mehrere Jahre verschoben, bis im Jahre 1779 ein neuer Versuch unternommen wird, der auch Erfolg hat. Diesmal kommt eine Kabinetts-Ordre des Königs. Zwecks “weitere Ausbreitung der dortigen Woll-Manufaktur“ erfolgt auf Spezial-Befehl des Königs eine eingehende Untersuchung der baufälligen Häuser, der Vermögensverhältnisse der Hauseigentümer, der Kostenanschläge, der Lieferungsmöglichkeit von Bauholz und Steinen.

 

Im Frühjahr 1781 beginnt trotz aller Schwierigkeiten der Ausbau der Etagen.

 

Zunächst machen sich Treuenbrietzener Fuhrleute auf den Weg und holen Kalk aus den Kalkbrennereien zu Ferch, unter den Fuhrleuten befindet sich der Bürger August Naethe mit seinem Bruder Friedrich Naethe. Auch 16 Fuhren Feldsteine müssen angefahren werden. Die Anfuhr wird übernommen von dem Stadtverordneten Nichelmann und dem Färber Koreuber. Über 36000 Mauer- und fast 2000 Dachsteine liefert die hiesige Kämmerei-Ziegelei. Auch unter den Bürgern, die Bauholz aus der Zinnaschen Forst holen, sind Namen, die heute noch ansässig sind, nämlich Kolzenburg und Thurley. Die Steinmühle, die Neue Mühle und die Schneidemühle der Witwe Kettlitz in Bardenitz bekommen viel Arbeit. Hierher kommen die “Sägeblöcke“ für Bretter, Bohlen und Balken. Der Besitzer der Steinmühle war zu jener Zeit der Mühlenmeister Schneider, die Neue Mühle gehörte dem Mühlenmeister Seebald. Vor allem aber finden die Handwerker reichlich Beschäftigung bei den Bauten, so der Maurermeister Christoph Legeler, die Zimmermeister Müller und Friedrich Langhammer, der Töpfermeister Christian Halle, der Tischlermeister Gottfried Schmidt, die Glasermeister Christian Wehle und Karl Hübner, die Schlossermeister Christian Voigt und Georg Karl Auffhalter.

 

Fast 2000 Taler waren vom König für den Ausbau der Etagen aufgewendet worden, genau 1952 Taler 23 Groschen 7 Pfennig. In dieser Summe ist der Wert des aus der Königl. Forste Zinna gelieferten Holzes noch nicht einbegriffen. Ein schönes Stück Geld swar verdient worden. Und außerdem war dem empfindlichsten Wohnungsmangel abgeholfen, in 29 Häusern gab es 34 neue Wohnungen, gewiss eine Leistung, die der Bevölkerungspolitik des Königs alle Ehre macht und Zeugnis ablegt von einer tatkräftigen, weitblickenden Staatsfürsorge.

 

Zwei Jahre später, nämlich 1783, hat der König auch den Neubau von 18 Häusern ausführen lassen. Er hat dazu die wüsten, unbebauten Stellen innerhalb des Stadtgebietes enteignen müssen. Es ist kennzeichnend, dass unter den neuen Besitzern 6 Tuchmacher erwähnt werden.

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