Die Treuenbrietzener Buchhandlungen

Zusammengetragen von Ernst- Peter Rabenhorst

Vor 65 Jahren, am 1.April 1946, wurde in Treuenbrietzen die Volksbuchhandlung gegründet. Aus diesem Anlass luden Regina SCHIKOWSKI und Klaus MEISSNER, die in den letzten Jahrzehnten den Buchverkauf in Treuenbrietzen in ihre Hände genommen hatten, zu einem kleinen Umtrunk. Aber die Geschichte der Treuenbrietzener Buchhandlungen reicht weiter zurück. Meist waren es Druckereien oder Papierhandlungen, die nebenbei noch einen Bücherverkauf betrieben. An diese mehr oder weniger kleinen Buchläden soll hier erinnert werden.

PFINGSTEN – die älteste Buchhandlung

In einer Zeitungsannonce aus dem Jahre 1924 weist die Buchbinderei und Buchdruckerei PFINGSTEN darauf hin, dass es sich bei ihr um die älteste Buchhandlung in Treuenbrietzen handle. Sie verfüge noch immer über ein großes Lager an Büchern aller Art. (Streiter,27.11.1940)

Seit wann die Buchhandlung besteht, wird dort nicht vermeldet. Doch darüber gibt                                                             ein anderes Inserat Aufschluss, das im Jahre 1924 in der Festschrift von Walter KUNZE zur Feier des fünfhundertjährigen Bestehens der Schützengilde Treuenbrietzen veröffentlicht wurde. Dort heißt es: „Buchbinderei, Buchdruckerei, Buch- und Papierhandlung Martin PFINGSTEN. Gegr. 1870. Anfertigung von Bucheinbänden aller Art, Einrahmung von Bildern und Brautkränzen. Bibeln, Gesangbücher, Kochbücher, Romane, Bilderbücher, Briefmarken, Postkarten, Photographie-Alben in großer Auswahl. Schulbücher, Schulbedarf, Kontobücher, Bürobedarf. Bei Bücherbestellungen kulante Bedienung. Modezeitungen werden im Abonnement besorgt und frei Haus zum Originalpreis geliefert. Tageszeitungen, Lederwaren, Klaviernoten, Gummistempel, Unterhaltungsspiele. In Vereins-, Geschäfts- und Familiendrucksachen billigste Preise bei schnellster Anfertigung.“

Fest steht auch, dass ein Buchbindermeister Carl PFINGSTEN im Jahre 1875 seine Wohnung aus den Hakenbuden 509 (heute Großstraße 115) in die Grünstraße 385 (heute Grünstraße 1) verlegte. (WT,18.09.1875). Buchbindermeister Carl PFINGSTEN stirbt 1905 im 61.Lebensjahr. (ZBZ,04.11.1905). 1927 feiert sein Sohn und Nachfolger, Buchbindermeister Martin PFINGSTEN, das Fest der Silbernen Hochzeit. Am gleichen Tage ist es 25 Jahre her, dass seine Ehefrau ein eigenes Putzgeschäft gründete. (TZ,16.04.1927).

Noch bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts war an der Straßenfront in der Grünstraße 1 eine Inschrift zu erkennen, die an den Buchdrucker und Buchhändler Martin PFINGSTEN erinnerte. Doch auch sie ist nach der letzten Sanierung verschwunden.

 

Buchhandlung HANNEBOHN

Alex HANNEBOHN war in erster Linie Buchdrucker und Verleger. Er gab seit April 1859 das „Wochenblatt für Treuenbrietzen und Umgegend“ heraus, welches jeden Sonnabend ausgeliefert wurde. HANNEBOHN weist in seinem ersten Werbeschreiben darauf hin, dass die Zeitung hauptsächlich „der Ökonomie, diesem Hauptstamme des gesellschaftlichen Lebens“ dienen soll. Außerdem soll sie das Organ der hiesigen städtischen Behörde sein und deren Bekanntmachungen veröffentlichen. Ebenso kann sie von Privatpersonen für Anzeigen genutzt werden. Neben der Druckerei besaß HANNEBOHN damals schon einen Laden, in dem er  Geschäftsbücher, Karten und Formulare verkaufte. Buchdruckerei und Laden befanden sich zunächst in den Hakenbuden 513 (heute Großstraße 111), im Hause der früheren Militärwache, in dem später Schuhmachermeister Otto REHFELD seine Werkstatt hatte. Außer Papierwaren wurden im Laden auch STOLLWERK’ sche Konfitüren verkauft. (TZ,13.09.1934)

Nach dem Tode des Verlegers übernimmt sein Sohn Paul HANNEBOHN 1887 die seit 1859 bestehende „Buchdruckerei, Buch- und Papierhandlung, Annoncen- Expedition“ und führt sie unter dem Namen „A. HANNEBOHN“ fort. (ZBZ,06.04.1887)

Er wird im Folgejahr zum eigentlichen Begründer einer zusätzlichen Buchhandlung, in der er Zeitschriften und Neuerscheinungen auf dem Gebiet der Literatur und der Musik anbietet. (ZBZ,26.09.1888). 1899 verlegt Paul HANNEBOHN die Buchdruckerei und das Ladengeschäft in sein neu erbautes Haus in der Großstraße 106a (heute Großstraße 102). (ZBZ,30.06.1899). Am 18.Mai 1912 verkauft er aus gesundheitlichen Gründen Buchdruckerei und Verlag an den Buchdruckereibesitzer Fritz EICHSTÄDT, der mit der Druckerei in die Leipziger Straße 1 übersiedelt. Paul HANNEBOHN stirbt 1924 im Alter von 63 Jahren. (TZ,29.10.1924)

Buchhandlung BLENN

Am 24.Juli1899 gründet  Felix BLENN eine Buch- und Papierwarenhandlung in der Großstraße 32. Er bietet dort Büroartikel, Papierausstattungen, Ansichtskarten, Geschenkartikel, Kontobücher, Leihbücher und Schulartikel an. Hinzu kommen ein  ausgedehnter Zeitungsvertrieb und die Annahme von Inseraten. (Annonce im „Stadtführer“ von 1930). Am 30.November 1945 wird ihm die Genehmigung erteilt, den Handels- Gewerbebetrieb „Leihbücherei, Büroartikel, Buch-, Papier- und Zeitschriften- Handlung“ weiter auszuüben.

Die 1895 geborene Elsbeth HAGEN, verwitwete BLENN, erhält 1948 die Berechtigung, eine Buchverkaufsstelle und Leihbücherei zu betreiben. Sie darf auch Zeitschriften vertreiben. Im gleichen Jahr wird sie zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt, weil sie Schnürsenkel und Fingerhüte zu erhöhten Preisen eingekauft und weiter verkauft hatte. Auch den erzielten Mehrerlös von 50 Mark muss sie abführen. (Gewerbeakte)

Nach dem Tode ihres Mannes heiratet Elsbeth HAGEN einen Herrn RECKZEH und führt die Firma Felix BLENN weiter. Am 31.Dezember 1955 gibt  sie ihren Gewerbebetrieb „Buchverkaufsstelle, Papier-, Schreib- und Spielwaren- Einzelhandel“ auf. Das Geschäft wird von der HO- Industriewaren übernommen. (Gewerbeakte).

Heute befindet sich in dem Gebäude ein  Friseur & Kosmetik- Salon.

 

 

Buchhandlung BAENSCH

1919 eröffnet Kurt BAENSCH in der Großstraße 83 ein Papier- und Schreibwarenhaus. (TZ,16.12.1919). 1925 empfiehlt Kurt BAENSCH nicht nur seine Bockbiermützen und Lokaldekorationen, sondern er teilt gleichzeitig mit, dass er sein Buch-, Papier- und Lederwarengeschäft in den Umbau in der Großstraße 85 verlegt hat. Auch gibt er bekannt, dass er seinem Geschäft eine große Abteilung Spielwaren und Christbaumschmuck angegliedert hat. (TZ,07.12.1925).

1960 erhält die Konsumgenossenschaft Treuenbrietzen/Marzahna die ehemalige Wohnung BAENSCH in der Großstraße 85 als Verwaltungsräume. (Protokoll Ratssitzung vom 21.10.1960).

Zeitzeugin Jutta WELLMITZ erinnert sich: Kurt BAENSCH ging in den 50-er Jahren in den Westen. Die HO übernahm den Laden und führte das Geschäft für Lederwaren, Spielwaren und Schreibwaren weiter. Klaus KREFT übernahm die Geschäftsführung. Im oberen Teil des Hauses befanden sich Verwaltungsräume des Konsums. Nach dem Umzug des Konsum in das Haus HOLZAPFEL (Großstraße 80) erhielten SCHUMANN‘ s die Wohnung. Frau SCHUMANN übernahm auch die Leitung der HO- Verkaufsstelle nach dem Ausscheiden von Klaus KREFT. Nach 1990 kam der 90-jährige BAENSCH noch einmal nach Treuenbrietzen und stellte Rückgabeansprüche für das Haus.

 

 

Buchhandlung PETERMANN

Das Gründungsjahr der Buchhandlung ist nicht bekannt. Erstmals erwähnt wurde sie 1905, als die Buchhandlung und Buchbinderei von H. PETERMANN aus der Nagelgasse 293 (heute Nagelgasse 6) in die Großstraße 75 (heute 70) zog, wo PETERMANN  das zwangsversteigerte Hausgrundstück des Barbierherrn August ZERLING erworben hatte. (ZBZ,19.08.1905). Es soll sich hier um das höchste Wohnhaus in Treuenbrietzen handeln. 1941 betreibt ein Fritz PETERMANN die Buchhandlung nebst Buchbinderei und Schreibwarengeschäft.

Nach Kriegsende kaufte Schneider KLOTZKOWSKI das Haus, gab es aber später an die Stadt ab. 1950 befand sich in dem Haus Großstraße 70 das Fotogeschäft Willi GRUBE.

 

 

 

Eine „Deutsche Buchhandlung“

1932 eröffnet Otto TIETZ im Hause der Tischlerei GOETZE in der Großstraße 37 eine „Deutsche Buchhandlung“. Er verteilt als erstes Eintrittskarten für die Teilnahme an einer Wahlkampfrede Adolf Hitlers am 4.April 1932 in Potsdam. (TZ,30.03.1932).

 

 

Buchhandlung WALTER

1932 eröffnet H. P. WALTER in der Großstraße 93 ein „Buch-, Papier- und Schreibwarengeschäft“ nebst Antiquariat. (TZ,26.03.1932)

 

 

Die Volksbuchhandlung

Soweit die Vorgeschichte der Buchhandlungen in Treuenbrietzen. In der sowjetischen Besatzungszone wird nach 1945 damit begonnen, einen einheitlichen, zentral geleiteten Volksbuchhandel aufzubauen.  Eine Zweigstelle des Volksbuchhandels nimmt 1946 ihre Arbeit in der Großstraße 7 auf. Zunächst ist dort auch noch die Stadtbücherei untergebracht. Und so erledigt Fräulein PÖTSCH neben dem Buchverkauf ehrenamtlich noch die Aufgaben der Buchausleihe.

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