Förderung der Seidenraupenzucht in Treuenbrietzen

(aus Zauche- und Fläming-Heimat Jg. 35)

 

In Preußen nahm die Seidenraupenzucht durch Friedrich den Großen einen bedeutenden Aufschwung. Damals wurde der kostbare Stoff auch von Männern getragen, und viel Geld ging dafür ins Ausland. Der König befahl das Anpflanzen von Maulbeerbäumen im ganzen Land und erteilte Privilegien auf Begründung großer Maulbeerplantagen. Die Terrasse im Schlosse zu Sanssouci war mit Maulbeerbäumen bepflanzt. Er teilte Belohnungen an diejenigen aus, die viel und gute Seide gewannen. Neben baren Geldunterstützungen schützten die verschiedensten Verordnungen auch die Seidenindustrie, der König stand immer als treibender Faktor dahinter.  Die preußische Seidenindustrie war gegen Ende des 18. Jahrhunderts die bedeutendste in Deutschland geworden. Während im Jahre vor seinem Regierungsantritt nur 4000 Pfund Seide verarbeitet wurden, waren es 1785, also ein Jahr vor seinem Tode, bereits 14000 Pfund im Wert von 60-70000 Talern, die hauptsächlich in der Mark und den benachbarten Provinzen gewonnen wurden. Nach des Königs Tode aber verfiel der ganze stolze Bau, und nichts ist in der Mark davon übrig geblieben als einige verkümmerte Maulbeerplantagen.

Unter seinem Nachfolger, Friedrich Wilhelm II., erschien am 3. Mai 1788 eine “Kgl. Preußische Verordnung zur Beförderung der Maulbeerplantagen und des Landseidenbaues“. Es wurden darin Belohnungen ausgesetzt, u. a. erhielt jede Grundherrschaft und Gemeinde sowie jeder Gutsbesitzer mit einer Plantage von mindestens 200 Bäumen eine Belohnung von 20 Rtlr. und die auf den Seidenbaubetrieb geschlagene Medaille in Gold, welche 6 Dukaten beträgt. Die Namen der Förderer wurden in den Zeitungen veröffentlicht.

 

Ferner erhielt auf Grund jener Verordnung der Gutsherr, Kirchenpatron, Prediger; Küster und Kirchenvorsteher, der den Kirchhof des Dorfes mit Maulbeerbäumen bepflanzte, für jeden laubbaren Baum eine Beihilfe von 2 Groschen.

 

Friedrich der Große hielt besonders die Lehrer und Geistlichen seines Landes zur Aufzucht der für die Fütterung nötigen Maulbeerbäume an. So hat denn in Treuenbrietzen auch der Archidiakonus Nicolai die Seidenraupenzucht betrieben. Im Jahre 1771 stellte er sie jedoch ein, als Pächter der von ihm bis dahin benutzten Maulbeerbäume erscheinen in erster Linie die Lehrer der umliegenden Dörfer, so 1771 und 1774 die Küster Haensch aus Nichel und Erxleben aus Treuenbrietzen, 1794 und 1800 der Küster Blenkels aus Nichel und die Kantoren Schede aus Bardenitz und Claudius aus Pechüle. In Treuenbrietzen befasste sich auch der damalige Kämmerer Rabenhorst mit der Seidenraupenzucht.

 

Die meisten Maulbeerbäume befanden sich auf den beiden Kirchhöfen zu St. Marien und St. Nicolai, es waren am Anfang 50 Stück, aber schon nach etwa 20 Jahren waren über die Hälfte eingegangen (1789  = 21 Stück, 1794 wieder 31 Stück vorhanden). Auch die Stadtwälle waren mit Maulbeerbäumen bepflanzt worden, zählte man doch dort 1789 nicht weniger als 40 Stück. Im Garten des Hofspitals standen dagegen nur wenige Bäume, und vor einem Grundstück außerhalb des Stadtgebiets, dem Schwerdtfegerschen Haus, sogar nur 6 Stück, alles in allem dürfte also der Bestand kaum jemals die Zahl 100 überschritten haben.

 

Die Züchter haben wiederholt Ursache zu klagen. Im Sommer 1783 starben z. B. dem Kämmerer Rabenhorst sämtliche ausgelegten “Würmer“ (Raupen) nach der vierten Häutung. Er führt diese Erscheinung auf die vielen Nebel und auf andere schädliche Ausdünstungen zurück. Die Blätter der Bäume seien alle mit einer klebrigen Feuchtigkeit überzogen gewesen. Der König genehmigt deshalb auch auf einem entsprechenden Antrag hin, dass die Pacht für das Jahr erlassen wird.

 

Mehr als alles andere beweist der allmähliche Rückgang der Pachterträge, wie wenig lohnend die Seidenraupenzucht war. Während 1771 immerhin noch 8 Taler 12 Groschen für die Bäume auf dem Kirchhof gezahlt wurden, bot man 1800 nur noch 1 Taler 16 Groschen (für jeden  Baum jährlich 1 Groschen). In der ersten Zeit wurde die Laubbenutzung immer auf 3 Jahre, später auf 6 Jahre verpachtet. Es kam vor, dass bei manchem angesetzten Verpachtungstermin sich nur ein einziger Liebhaber einfand. Die letzte Bekanntmachung erschien am 8. Oktober 1806, am 21. Oktober sollte die Verpachtung stattfinden. An diesem Tage wälzten sich gewaltige Heeresmassen durch unseren Ort. Am 23. Oktober weilte Napoleon selbst in den Mauern unserer Stadt. Der Krieg hatte der sterbenden Seidenraupenzucht bei Treuenbrietzen den Todesstoß versetzt.

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