Friedrich der Große und unsere Heimat

(aus Zauche Fläming-Heimat Nr. 1/35)

 

Friedrich der Große und Treuenbrietzen

Wir wissen, dass die unermüdliche Tätigkeit des großen Königs auch in unserer Heimatstadt sich auswirkte. Sie zeigte sich in der Beseitigung der Wohnungsnot, in Dorfgründungen, in der Förderung der Seidenraupenzucht und in der Hebung des Hopfenbaues. Das alles habe ich nachgewiesen in einer der ersten Nummern des Streiter (damals Tageblatt) und zwar im Jahre 1932 in der Arbeit „Friedrich der Große und Treuenbrietzen“. Auch in zwei anderen Arbeiten im Tageblatt vom Jahre 1932 habe ich ähnliche Stoffe behandelt: „Christoph Retz erhält vom König im Kietz zwei Häuser geschenkt.1782“, ferner „Schwierigkeiten beim Hausbau 1783“. Ich erinnere auch an meine Veröffentlichung vom Jahre 1933 „Niebelhorst, eine Gründung Friedrich des Großen“ und „Soldatenschicksal“(1934). „Siedler zur Zeit des Alten Fritz“. „Treuenbrietzener Bürger huldigen Friedrich den Großen“. Die folgenden Artikel sind teilweise Ergänzungen der früheren Arbeiten. Sollte aus dem Leserkreise der Wunsch laut werden, die genannten Arbeiten noch mal zum Abdruck zu bringen, so sind wir gern bereit, eine Wiederholung der betreffenden Arbeiten zu bringen.

 

Der alte Fritz in Treuenbrietzen

Eigentlich war es der junge Fritz, der durch Treuenbrietzen kam. Und so ganz wohl fühlte er sich dabei nicht. Der Wagen, auf dem er sich befand, wurde von Reitern begleitet. Es war aber keine Ehren-Begleitung, sondern eine starke Bedeckung. Und auf dem Wagen saßen Soldaten, die ihn bewachten. So zog der preußische Kronprinz, der später als Fridericus Rex berühmt geworden ist, in Treuenbrietzen am 3. September 1730 ein,  um hier eine Nacht zu verweilen. Es wart die Folge davon, dass der Kronprinz mit Unterstützung des Leutnants Katte einen Fluchtversuch unternommen hatte, der aber missglückte. Der erzürnte König Friedrich Wilhelm I. ließ seinen Sohn als Deserteur festnehmen und Anfang September von Wesel nach der Festung Küstrin bringen. Der Transport stand unter dem Befehl des Generals von Buddenbrock. Es war jener General, der später, als der König die Todesstrafe für seinen Sohn verlangte, ihm mit den Worten entgegentrat: „Wenn Euer Majestät Blut verlangen, so nehmen Sie meines, jenes bekommen Sie nicht, so lange ich sprechen darf“. Es ist heute wohl kaum festzustellen, wo der Arrestant mit seinem Transportkommando in Treuenbrietzen einquartiert war. Am 4. September ging der Transport weiter bis Mittenwalde, am 6. September kam er in Küstrin an.

Schon im ersten Jahr seiner Regierung kam Friedrich der Große wieder durch unsere Stadt. Es war am 15. August 1740, als der König von Charlottenburg über Potsdam und Wittenberg nach Leipzig fuhr, um dort zu übernachten und dann seine Schwester, die Markgräfin Wilhelmine in Beyreuth zu besuchen.

Dann berührte der König wieder Treuenbrietzen beim Beginn des 2. Schlesischen Krieges. Im August 1744 überschritt er mit einem Heere von 80.000 Mann die sächsische Grenze. Am 14. August kam er von Treuenbrietzen nach Wittenberg. In seiner Begleitung befanden sich seine beiden Brüder, die Prinzen August Wilhelm und Heinrich.

Bis heute lässt sich noch nicht urkundlich nachweisen, ob der König noch öfter in Treuenbrietzen geweilt hat.

 

Die Treuenbrietzener Garnison zur Zeit des Alten Fritz

Nachdem Friedrich zur Regierung gekommen war, erhielt unsere Stadt eine neue Garnison. Es war das im Jahre 1742 formierte „stehende Grenadier Bataillon von Biela“. 40 Jahre später tut wieder ein Biela Dienst in der Garnison Treuenbriezen und zwar als Hauptmann im stehenden Batl. von Scholten. Er heiratet um 1780 die Witwe des Kriegs- und Domänenrates von Buchholz in Rietz. Von 1750 ab hören wir von dem Kahldischen Bataillon. Wiederholt erwarben Soldaten dieses Bataillons das Meisterrecht bei der Schuhmacher-Innung. So mancher Sohn eines Grenadiers erlernte auch das Schuhmacherhandwerk. Als Ende Juni 1756 das Bataillon Marschbefehl erhält, hat einer von den Soldatensöhnen nur 2 Jahre gelernt, doch es wird eine Ausnahme gemacht, er wird zum Gesellen gesprochen. 1759 tritt der Sohn des im Kriege gefallenen Grenadiers Hagen in die Lehre. Besonders an der Schlacht von Torgau hatte das Bataillon hervorragenden Anteil. Wir wissen bis heute nichts von dem Schicksal der Offiziere, deren Namen uns durch Zufall erhalten sind, so des Obristen von Kahlde, Haptmann von Lewald, Hauptmann Geiszitzheim, Major von Wangenheim. Wahrscheinlich ist auch so mancher von ihnen in den vielen Schlachten gefallen. Mancher vergaß aber auch seine Pflicht gegenüber dem König. Deshalb war an der Hauptwache, die auf dem östlichen Marktplatze lag, ein Galgen errichtet worden. Während des siebenjährigen Krieges wurden an ihm Bildnisse desertierter Offiziere und Namenstafeln desertierter Mannschaften angeheftet.

Nach dem Kriege erhielt unsere Stadt in dem Grenadier-Bataillon von Carlowitz eine neue Garnisontruppe. Als Kompanieführer wird aus dieser Zeit ein Major von Bock genannt. 1711 wechselte das Bataillon Chef und Namen. Es war jetzt das „stehende Grenadier-Bataillon  Nohr“, das in Treuenbrietzen, dem Grenzort gegen Sachsen, einquartiert war. Zwei Kompanien lagen mehrere Jahre in Beelitz, kehrten aber auf Anordnung des Königs 1773 nach Treuenbrietzen zurück. In den letzten Jahren des großen Königs, nämlich von 1778 – 1786 führte das Bataillon der Major von Scholten, der 1778 Chef des Bataillons wurde und dessen Namen nun die Truppe führte. Er war ein ungewöhnlich tatkräftiger Mann, sowohl auf wirtschaftlichem wie geistigen Gebiet leistete er Hervorragendes. Selbstverständlich war er auch ein tüchtiger Offizier, der noch in Treuenbrietzen zum Obristenleutnant, nach seinem Weggang von hier zum General befördert wurde. Gerhard Wernicke, Potsdam, hat über seine Tätigkeit schon früher eine hochinteressante Arbeit geschrieben „Die philosophischen Grenadiere von Treuenbrietzen“. Scholten war es auch, der in Treuenbrietzen den Bau einer Kaserne erstrebte.  Die Kaserne aber musste innerhalb der Stadtmauern liegen, um die Fluchtversuche der Soldaten zu verhindern. Da fand sich aber nut ein einziger  Platz „unweit des Schönfließer Tores bei dem Lazarett“. Es musste nämlich unbedingt die Abführung der Unreinlichkeiten ermöglicht werden. An der Biegung der Vogelgesangstraße – Hinter der Mauer wollte man die beiden Häuser von Schmidt und Tuchmacher Erne aufkaufen. Da die Häuser dem Einfallen nahe waren, wurde ein Preis von 120 Talern gefordert. Auch Moellers Garten sollte einbezogen werden. Aus dem Plan ist nichts geworden. Die Schwierigkeiten waren doch zu groß, so wurden die Soldaten weiter in Bürgerquartieren untergebracht.

Aber eine andere Arbeit scheint Scholtens Werk zu sein. An den Straßen nach Sachsen zu lagen in der Nähe der Stadt Wachthäuser, nämlich am Galgenberg und bei der heutigen Mannschen Ziegelei. Dort hielten sich beständig Posten zum Nachsetzen der Deserteure auf. Im Jahre 1781 wurden die beiden Jäger-Wachthäuser verkauft und abgebrochen.

 

Die Garnisontruppe stellte ständig Wachen für das Hauptwachlokal und für die Wachstube an den Stadttoren. Die Hauptwache lag auf dem „östlichen Marktplatz“. Es war nur ein kleines Gebäude mit zwei Stuben, eine für Offiziere und eine für Mannschaften. Soldatisch einfach war auch die Einrichtung. Die Offz.-Wachstube enthielt 1 Tisch, 3 Schemel, 1 Leuchter, 1 Laterne. Die „Gemeinen-Stube“ 3 Tische, 3 Bänke, 2 Schemel, 2 Leuchter, 2 Lichtgputzscheren, 1 Ofengabel, 1 Axt, 1 Holztrage, 1 Laterne, 4 Krüge. Die selben Gegenstände befanden sich in den Wachtstuben am Neuen (Berliner) Tor, Stein-(Jüterboger) Tor, Schönfließ- (Leipziger) Tor. Die Offz.-Wachtstube fehlte hier. Treuenbrietzen war durch seine Lage in der Nähe der sächsischen Grenze eine verhältnismäßige starke Grenzgarnison. Vom Jahre 1780 wird die Militärbevölkerung unserer Stadt, einschließlich der Frauen und Kinder auf 1369 angegeben, das ist mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung. Die Gründung einer Soldaten-Kinderschule durch Scholten war eine Notwendigkeit. Vom Jahre 1772 wissen wir die Stärke des Bataillons genau. Außer dem Chef gehörten dazu an Offizieren 3 Premier-Capitains, 1 Stabs-Capitain, 12 Subaltern-Offiziere. An Mannschaften: 4 Feldwebels, 32 Unteroffiziere, 4 Feldscherer, 360 Grenadiere. Es war der Bestand von 4 Kompanien, zu denen 200 Frauen gehörten. Zwei Kompanien des Bataillons lagen in Beelitz. Aber von Ende März bis Mitte Mai 1773 rückten die Beelitzer Truppen hier ein zum Exerzieren. Nach der Revue (Besichtigung) am 21. Mai rückte die Beelitzer Garnison für immer hier ein. So wurde die Treuenbrietzener Garnison wieder stärker und zwar um 1 Major, 1 Kaptain (v. Nuwotzky), 1 Stabs-Kapitän (v. Bila), 6 Subaltern-Offiziere, 2 Feldwebels, 14 Unteroffiziere, 2 Feldscherer, 180 Grenadiere, 19 Weiber. Während der Exerzier-Monate waren es sogar 282 Grenadiere, Spiel- und Zimmerleute. Als die Beelitzer Garnison einrückte, entstand eine Wohnungsnot, die der König durch Herstellung baufälliger Häuser, Neubauten und durch Ausbau von Etagen zu beheben versuchte.

 

Ein desertierter Leutnant

Der Leutnant von Cleric vom hiesigen Grenadier-Bataillon hatte im November 1742 auf drei Monate Urlaub erhalten, und da er sich nicht wieder gestellt hatte, erhielt der Major von Byla folgende Kabinettsorder:

 

Mein lieber Major von Byla!

Da ich aus eurem Rapport vom 16ten ersehe, dass der Leutnant von Cleric nach dreimaliger öffentlicher Citation (Aufforderung) nicht erschienen, so sollt ihr nun zur Execution schreiten. Er hat sich zwar bei mir gemeldet, aber warum meldet er sich nicht bei Euch?

Ich bin

Euer Wohlaffectionierter

König Friedrich

 

Infolgedessen musste die Kämmerei, jedoch nur vorschussweise, einen Galgen auf dem Marktplatze bauen lassen, welcher 8 Taler 12 Groschen gekostet hat. Nachdem die Execution, es war im Januar 1741, vor sich gehen sollte, erhielt gedachter von Cleric unter dem Galgen Pardon, welche Begnadigung demselben nicht einmal angenehm gewesen sein soll. Der Galgen wurde hierauf wieder weggenommen und einer bei der Hauptwache errichtet, an welchem die Bildnisse der desertierten Offiziere und die Namen der Gemeinen angeheftet wurden.

Im Mai 1815 ist dieser Galgen mit Einwilligung der Regierung in aller Stille durch den Schweinehirten fortgeschafft worden.

 

Spionage und Grenzschutz im 2. Schlesischen Krieg.

1744/45

Sachsen hatte sich mit Österreich verbündet und rechnete somit zu den Feinden Friedrichs. Die Gegend um Wittenberg und Belzig war also feindliches Ausland. Die Städte und Dörfer des Amtes Jüterbog gehörten damals zum Fürstentum Querfurt, dessen Fürst angeblich neutral blieb, der aber von Jüterbog aus einen umfangreichen Spionagedienst errichtete. So war Treuenbrietzen förmlich von Feinden umgeben. Ende März brachten etliche Bürger, die von Berlin kamen, die Nachricht mit, das die bisher in den Grenzorten Beelitz und Treuenbrietzen gelegene leichte Kavallerie den Befehl erhalten habe, am 1. April aufzubrechen und nach Alt-Ruppin zu gehen.

Die Sachsen bewachten ihre Grenzen, indem sie den „Blendowskischen Pülk tatarischer Hoff Fahnen“ Postierungsquartiere längs der brandenburgischen Grenze zuwiesen. Eine Fahne sollte in Zahna, Kropstädt und Marzahna, eine andere in Niemegk, Belzig und Lüsse zu liegen kommen. Sie mussten täglich ein- oder zweimal die Grenze auf und ab patrouillieren.

Von dem Amtmann in Jüterbog waren fortgesetzt Kundschafter unterwegs. So erfuhr er auch, dass die Bürgerschaft im Brandenburgischen angewiesen wurde, Waffen zu führen und sich einexerzieren zu lassen. Leute, die nach Beelitz geschickt wurden, stellten fest, dass dort und in der Umgebung keine Soldaten mehr waren. Ein Bote ging nach Magdeburg durch das Amt Belzig. Als er etwa 3 bis 4 Meilen jenseits der Grenze war, stieß er auf einen Ort, in welchem die ersten preußischen Truppen lagen. Diese etwa 100 Mann stark, gehörten einem Dragoner-Regiment, das kurz vorher in Beelitz gestanden hatte.  Von Leuten, die im August nach Jüterbog zum Jahrmarkt kamen, hörte er, dass in kurzer Zeit etliche Regimenter Husaren u. a. leichte Kavallerie in die Grenzorte Trebbin, Beelitz, Treuenbrietzen usw. einrücken sollten. Nach seinen Erkundigungen sollte bei Brück oder bei Boßdorf ein Lager preußischer Truppen gebildet werden. Im Amt Belzig wurde viel Hafer und Heu aufgekauft.

Auch erfuhr er von den Grenzsicherungen im preußischen Amt Zinna. Hier wurden in den Dörfern Wachen aufgestellt, Pechkränze an Stangen befestigt, um sie im Notfall anzuzünden. Die Einwohner stellten Teertonnen daneben auf, um dieselben bei Gefahr anzuzünden und den benachbarten Gemeinden Signale zu geben. Bürger und Bauer mussten sich dann in den Verteidigungszustand setzen und gegebenenfalls von der Flinte und dem „Hausgewehr“ Gebrauch machen. So lautete die Anweisung.

Im Amte Zinna ließ der Amtmann die Schulzen und Schöppen eines jeden Ortes nach seinem Wohnsitz kommen und gab nachfolgende Verhaltungsmaßregeln. Jedes Dorf stellt nach seiner Größe 2 – 4 Mann zur Nachtwache, die fleißig im Ort und dort, wo es nötig ist, auch in der Umgebung patrouillieren sollen, damit kein verdächtiges Gesindel einschleiche und Unfug verübe. Am Tage stehen am Eingang des Dorfes zwei Mann Wache, die alle Bettler und sonstige Fremde abweisen und, sofern sie sich widersetzen oder gar verdächtig sind, ins Amt liefern. Die Krüger dürfen keine verdächtigen Personen beherbigen und müssen die bei ihnen einkehrenden Leute dem Schulzen melden, der sie nach ihrem Gewerk fragt. An der zu errichtenden mit Stroh und Teer versehenen Stange hält bei Tage eine Person, dagegen  in der Nacht ein  Posten von 2 Mann Wache. Die Eingänge des Dorfes werden mit Schlagbäumen versehen und die unnötigen Zugänge mit Gräben und Pfählen unbrauchbar gemacht. In jedem Ort stehen besonders des Nachts 2 Pferde in Bereitschaft, damit sowohl dem Amt als den benachbarten Orten schleunigst Nachricht gegeben werde. In solchen gefahrvollen Augenblicken wird auch die Sturmglocke gezogen und die Bewohner des Ortes müssen mit ihren Hausgewehren dem anderen zur Hilfe eilen. Die Wächter dürfen nicht jünger als 18 Jahre sein. Der Schulze visitiert sie und ist deshalb vom Wachtdienst befreit. Dem Amt werden für jede Nacht von jedem Dorf 3 Mann neben den ordentlichen Nachtwächter zu Wachtzwecken geschickt. Die Feuergeräte müssen in gutem Zustand sein.

 

Inzwischen war auf sächsischer Seite ein Korps unter dem General Renard herangerückt. Mit 6000 Mann rastete er am 27. September bei Zahna. Er wollte den Preußen die bei Treuenbrietzen mit 5000 Mann standen den Durchmarsch verwehren. Er schickte einen Trompeter zu dem kommandierenden preußischen Offizier und ließ ihn wissen, dass beim Einmarsch in sächsisches Gebiet die besetzten Orte angezündet und seine Truppen die Feindseligkeiten sogleich aufnehmen würden. Am folgenden Tage rückte das sächsische Korps in die Gegend von Niemegk und stellte sich so auf, dass den Preußen ihr bisheriger Weg auf Coswig an der Elbe versperrt war.

Sachsen hatte jetzt beschlossen, in Friedrichs Stammlande einzufallen. Preußen ergriff Gegenmaßnahmen. Die Magistrate im Süden der Mark sollten alle Tage durch Eilboten melden, was in Sachsen, insbesondere in Wittenberg und Umgebung vorginge, und waren verpflichtet, ohne Rücksicht auf die Kosten unter allerhand Vorwänden Leute nach Sachsen auszusenden. Die mussten erforschen, welche Bewegungen und Anstalten in Feindesland getroffen wurden.

Infolge der Siege Friedrichs unterblieb der Einfall. So blieb unsere Heimat von den Leiden des Krieges verschont, hatte aber trotzdem viel Unruhe und Beschwerde durchmachen müssen.

 

Aus dem siebenjährigen Krieg

Wir wissen nicht genau, ob der König 1756 bei seinem Einfall in Sachsen mit seinem Heere durch Treuenbrietzen marschiert ist, können es aber auf Grund einer Notiz in dem Einnahme- und Ausgabebuch der Hüfnerschaft Darbrietzen annehmen. Dort steht vermerkt über 1757: dem Pfänder Haseloff sind gezahlt für Aufräumung des  Ihr. Köigl. Maj. Durchreise für 4 Tage Arbeit a 4 Groschen = 16 Groschen.

Treuenbrietzen hat zweimal während des Krieges Feinde in seinen Mauern gesehen, nämlich 1758 und 1760. Immer waren es österreichische Streife-Korps, die hier brandschatzten. So besetzten am 27. August 1758 50 österreichische Kavalleristen das Rathaus, nahmen die öffentlichen Kassen in Beschlag und erpressten eine Kontribution von 1152 Talern, nachdem sie 6000 Gulden vergeblich gefordert hatten.

Schlimm war es im Jahre 1760. Im Oktober erschien eine größere Abteilung der österreichischen Armee in Treuenbrietzen. Sie kam über Wittenberg und Boßdorf, wo Kirche, Pfarre und Einwohner gebrandschatzt worden waren. Auch das Kirchenbuch hatte man zum größten Teil mitgenommen. In Treuenbrietzen war während der so unruhigen Oktobertage das Hauptquartier der Österreicher. Über 15000 Taler wurden von ihnen von der unglücklichen Stadt erpresst. Es erscheint uns rätselhaft, wie die Stadt die ungeheure Summe aufbringen konnte. Selbst die Innungsgelder wurden herangezogen, so musste z. B. das Schuhmacher-Gewerk 29 Taler beisteuern. Die Stadt erhielt nur etwa 9000 Taler vom König und vom Staat zurück.

Unserer Nachbarstadt Beelitz erging es nicht besser. Dort verlangten die Österreicher 10000 Taler. Da die Bürgerschaft nur 7000 Taler aufbringen konnte, sandte sie am 13. Oktober zwei Vertreter nach Treuenbrietzen zu dem Oberst Sprung, um bei ihm um Nachlass zu bitten. Sie erreichten auch, dass der Rittmeister Blaskowick, der in Beelitz die Summe eintreiben sollte, mit dem einkassierten Gelde zufrieden sein musste. Am selben Tag marschierte auch das Regiment, das von Esterhazi kommandierte, von Beelitz über Treuenbrietzen. Die Österreicher führten 15 Preußen mit, die ihre Ulanen in der Nähe von Brandenburg gefangen genommen hatten.

1760 erlitt die Stadt einen neuen Verlust, indem die beiden Wagen, die sie zum Train der Armee hatte stellen müssen, von den Feinden in Schlesien fortgenommen wurden. Im Jahre darauf musste die Stadt wieder 4 Fourage-Wagen stellen, aber es fehlte an Geld, die Stadt lieh sich aus diesem Grunde von dem Kaufmann Kaplik in Spandau 600 Taler.

So hat die Stadt durch den Krieg schwer gelitten. Und man kann sich vorstellen, wie die Bevölkerung aufatmete, als endlich der Friede geschlossen war. Man feierte das Friedensfest aus vollstem Herzen. Das Schuhmacher-Gewerk gab bei dieser Gelegenheit für die Illumination 1 Taler aus. „Bei gehaltenem Friedensfest hat man sich ein Vergnügen gemacht und ein Viertel Bier getrunken“

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