Milde Winter in unserer Heimat in früheren Jahrhunderten

1186 war ein so warmer Winter, dass im Januar die Bäume geblüht haben. Weil kein Frost kam, war im Mai Ernte, im August die Weinlese. Es folgte eine geschwinde Pestilenz.

 

1187 war der Anfang des Jahres dem vorigen gleich, aber im März und April verdarb die Kälte alles, so dass kein Futter gewonnen wurde und das Rindvieh starb.

 

1236 hat kaum 16 Tage Eis und Schnee gelegen, und am 27. Januar und 10. März hat es an warmen Tagen gedonnert.

 

1258 ingleichen, worauf ein sehr heißer Sommer gefolgt.

 

1420 haben die Bäume schon am 20. März geblüht und der Weinstock schon am 4. April, Rosen ebenfalls im April, und im Mai reiften Kirschen und Erdbeeren.

 

1425 haben am 6. Dezember Pfirsiche, Roggenblumen und andere Kräuter geblüht.

 

1427 und 1428 ist weder Schnee noch Frost gewesen, dass im Dezember auch die Bäume geblüht und ein heißer, trockener Sommer gefolgt.

 

1538 ist ein so warmer Dezember gewesen, dass am hl. Dreikönigstag (6. Januar) die Mädchen Kränze von Violen, Kornblumen, Stiefmütterchen usw. getragen.

 

1567 ist es im Winter so warm gewesen, dass die Bäume selbst auch im Walde geblüht, um Ostern haben Kirschen, Spillinge, Pflaumen, Schleenbäume geblüht.

 

1720 und 1723 war fast weder Frost noch Schnee, so dass auch der Hederich den ganzen Winter durch geblüht und um Lichtmess (2. Februar) in dem Roggen gestanden wie sonst in der Gerste. Kirschbäume und Kornrade haben auf den Feldern in Blüte gestanden.

 

1746 und 1747 ist der Winter anfangs sehr weich gewesen. Bis Neujahr hat es fast immer geregnet. Und obwohl im Januar ein starker Frost eintrat, so währet doch solcher nur 14 Tage. Der folgende Teil vom Januar und Februar ist so warm und bisweilen so frühlingshaftig gewesen, dass es, um Sommer zu sein, an nichts als am Grünen fehlte und im Februar Aprikosen, Birnen und die frühen Kirschen ziemlich heraustrieben, an einigen Orten auch in Blüte traten. Jedoch diese Freude wurde durch den am 1. und 2. März eintretenden Frost ziemlich versalzen, welcher den ganzen März und zwar in solcher Härte eingefallen, dass die frühzeitig herausgetretenen Knospen und Blüten an den Aprikosen und weißen Kirschen gänzlich verderbt wurden, wiewohl selbige weder den übrigen Baum- noch Feldfrüchten den geringsten Schaden getan, so denn auch die  Bäume, besonders Sauerkirschen, auch Äpfel- und Birnbäume überaus stark geblüht und angesetzt.

 

Gleiche Wirkung hat die Wärme gehabt bei einigen Wassertieren. Am 6. Dezember 1746 und um den 20. Januar 1747 (auch am 16. Februar 1750) ließen sich auf den Gewässern hin und wieder Frösche und Kröten sehen,  bei welchen bei genauer Untersuchung befunden wurde, dass sie wie in der Laichzeit ganz dick und aufgetrieben gewesen. Aber bei eintretender Kälte sind diese Kreaturen alle gestorben.

 

1750 war es Ende Januar und Februar ganz warm, es ist alles frühzeitig herausgekommen und hat geblüht, so dass ein im vorigen Herbst gelegter Wein schon am 19. Februar gelaufen. Das  folgende Wachstum ist auch durch keinen Frost gestört worden, so dass ein in allen Stücken gesegnetes Jahr erfolgte.

(Aus Bekmann, Hist. Beschr. der Chur und Mark Brandenburg, 1751, desgl. Eilerst, Belziger Chronik, 1743)

Gib Deine Meinung ab!

Dein Kommentar