Strenge Winter in unserer Heimat in früherer Zeit

(Aus Zauche- und Fläming-Heimat)

 

Zu den strengsten Wintern in vergangenen Jahrhunderten muss der von 1739/40 gerechnet werden. Eilers, der Belziger Chronist, hat ihn selbst mit erlebt. Nach seiner Schilderung sind Wein und Bier im Keller gefroren, ja, in Belzig sind alle Brunnen bis auf einen, welcher noch Wasser gab, ausgefroren. Der Frost setzte schon kurz nach Michaelis ein und dauerte bis Pfingsten. Vom 9. bis 11. Januar war die größte Kälte, dazu wehte ein starker Nordwind. Die Weinstöcke gingen meist verloren, selbst viele Menschen sind bei dem Frost umgekommen. Auch viel Vieh ging ein. Besonders schlimm wurde es für das Vieh, dass der Winter so lange dauerte und kein Gras zum Vorschein kam. Im Königreich Böhmen hatte man eine Liste aufgestellt über den Verlust an Vieh; daraus geht hervor, dass 960.000 Schafe, 46.000 Rinder, 14.000 Schweine, 5.200 Pferde, 91.000 Schock Karpfen umgekommen sind. Da die Baumblüte erst im Juni war, wurde das Obst nicht mehr reif. Die Folge war eine große Teuerung; für einen Scheffel Roggen bezahlte man in Belzig 1 Taler 12 Groschen, für Weizen 2 Taler 8 Groschen, ein Schock Stroh galt 15 Taler, eine Fuhre Heu 24 Taler. – Im Juni wurde zur Erinnerung an den harten Winter eine Gedenkmünze geprägt. Sie zeigte auf der einen Seite den Winter durch Dürre und erfrorene Bäume ohne Blätter und den aus den Wolken stürmenden Nordwind, auf der anderen einen Ackersmann, der betrübt und müßig bei seinem Pflug sitzt. Bezeichnend ist die Inschrift:

Weil Lieb‘ und Andacht sich in Kält‘ und Eis verkehrt, hat hart‘ und langer Frost das    arme Land beschwert.

 

Nach  Eilers brach im Frühjahr eine Krankheit aus, die er auf die außerordentliche Kälte zurückführt, eine Brustkrankheit. Die Leute starben unter “Ausspannung der Seiten“ plötzlich dahin.

 

Auch im Kirchenbuch zu Trebbin findet sich über den strengen Winter dieses Jahres folgende Eintragung:

“Anno 1740 ist ein überaus sehr strenger, sehr beständiger und so sehr langwieriger Frost gewesen, welcher so mancherlei anderweitige betrübten Erfolge verursacht hat.“

 

Sehr groß, wenn auch nicht so anhaltend, war die Kälte im Jahre 1709. Damals hat man viele Menschen in Belzig erfroren gefunden, die Vögel fielen tot zur Erde. In Trebbin sind im Januar, Februar und März etliche Kühe und Kälber erfroren, an anderen Orten sogar mehr; die Schafe gingen bei dem vielen Schnee ein. In den Kellern zersprangen die Weinfässer und liefen aus. Doch folgte ein guter Frühling und ein gutes Jahr, so dass kein Mangel an Futter für Vieh zu spüren war.

 

Auch 1659, 1684 und 1716 waren harte Winter, dass Menschen und Tiere erfroren und viel Bäume eingingen, besonders auch Weinstöcke. Darum kostete z. B. 1684 der Roggen in Belzig wieder 1 Taler 16 Groschen, im nächsten Jahr dagegen, also 1685, nur 8 Groschen.

 

Am schlimmsten wurde es, wenn im Frühjahr Frost und Schneetreiben einsetzten, wie es wiederholt vorgekommen ist. In der Nacht zum 25. Mai 1705 fiel ein großer Schnee bei starkem Sturmwind, welcher besonders an den Bäumen großen Schaden anrichtete. So war es auch 1770. Am 20. März fing es an zu schneien, es dauerte bis zum 23. März an. Dabei sind die Knospen an den Obstbäumen alle erfroren, der Schnee hat über eine Elle hoch (also ¾ Meter) gelegen.

 

Das nächste Frühjahr, also 1771, brachte wieder Frost. Am 25. und 26. März ist großer Schnee gefallen, der ¾ Elle, an manchen Orten in der Stadt 4 Ellen hoch gelegen hat, worauf ein heftiger Frost einsetzte, welcher bis in den April anhielt, dass sogar die Getränke in den Gefäßen entzwei gefroren. Man musste mit der Axt alles heraus hauen. Am Tage war es leidlich hell und klar, die Nachtfröste waren dagegen desto heftiger. Erst Ende  April konnte man anfangen zu pflügen.

 

So haben unsere Väter schon schlimmere Winter durchmachen müssen. Wir aber wissen, dass der Winter  1928/29 ebenso fortleben wird im Gedächtnis der kommenden Generationen, wie die von dem Chronisten verzeichneten Jahre 1659, 1684, 1705, 1716, 1740, 1770 und 1771.

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