Das Kino kommt nach Treuenbrietzen – Eine Kurzchronik

Zusammengestellt von Ernst- Peter Rabenhorst

Lebende Fotografien bei HEESE

Die erste uns überlieferte Nachricht über Filmvorführungen in Treuenbrietzen stammt vom 8.Mai 1906. An diesem Tage werden in der Zeitung „Kinomatographische Vorführungen“ mittels eines „Kinebioskop“ angekündigt. Sie sollen im Restaurant HEESE stattfinden, in jenem Haus in der Leipziger Straße 4, am Eingang zur Parkstraße, wo es schon seit langem keine Gaststätte mehr gibt. Heute befinden sich dort altersgerechte Wohnungen und eine Sozialstation. Aber 1906 wurde hier ein „Apparat neuester, bester französischer Konstruktion“ vorgestellt, der lebende Fotografien flimmerfrei wiedergeben kann. (ZBZ,08.05.1906)

1918 wird Im Restaurant HEESE ein der Neuzeit entsprechendes Kino, das Lichtspieltheater Treuenbrietzen, eröffnet. (TZ,23.06.1918). Dort gelangt im folgenden Jahr das gewaltige Filmwerk  „Die Glocke“, frei nach Motiven von Friedrich SCHILLER zur Aufführung. Da es sich um einen Stummfilm handelt, war, wie damals üblich, eine Gesangsbegleitung des Films erforderlich. Diese Aufgabe übernimmt der Opernsänger Josef SÜNDERMANN, ein ehemaliges Mitglied des Ensembles vom Deutschen Opernhaus Charlottenburg. (TZ,01.01.1919)

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Rechenschaftsbericht 2010

Im abgelaufenen Vereinsjahr 2010 haben wir insgesamt 9 Vereinssitzungen durchgeführt. Wie rechtlich vorgeschrieben trafen wir uns am Donnerstag den 18. Februar 2010 zur Jahreshauptversammlung auf der Rechenschaft über das vergangene Vereinsjahr abgelegt wurde. Dem Vorstand wurde Entlastung erteilt und auch sonst gab es keine Beanstandungen.

Am Donnerstag den 01. April 2010 wurde auf unserer Vereinssitzung ein Vortrag zum Thema „Die Geschichte des Hohenzollernbrunnen“ angeboten. Der Vereinsvorsitzende sprach über die Geschichtlichen Zusammenhänge die zur Errichtung des Hohenzollernbrunnen in Treuenbrietzen führten. Im Anschluss wurde mit den recht zahlreich erschienenen Gästen kontrovers aber sachlich über die Frage diskutiert ob nun Sabinchen oder die Figur des Hohenzollern auf dem Sockel vor dem Rathaus seine Standberechtigung habe.

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Rückblick Volkstrauertag 2010

Rückblick

Am Volkstrauertag 2010 wurden im Heldenhain die Tafeln der im 2. Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt Treuenbrietzen eingeweiht. Es werden noch einzelne Namen in der nächsten Zeit hinzugefügt.

Ein herzliches Dankeschön möchte ich unserer Vereinsfreundin, und Ortschronistin von Rietz, Frau Rita Szcepanski für Ihre Arbeit sagen.  Bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die mit ihren Hinweisen unsere Arbeit unterstützt haben, möchte ich mich ebenso bedanken wie bei all jenen die unser Projekt mit einer Spende in Form von Geld ermöglicht haben.

65 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges hat die Stadt Treuenbrietzen nunmehr einen Ort des Gedenkens an ihre gefallenen Söhne.

Wolfgang Ucksche

Ein Landrat als dritter Ehrenbürger

Zusammengestellt von Ernst- Peter Rabenhorst

Nach Bürgermeister Wilhelm HEMPEL, der nach der März- Revolution von 1848 die Finanzen der Stadt Treuenbrietzen in Ordnung brachte und so der Stadt einen wirtschaftlichen Neuanfang ermöglichte, und Carl August PAUCKERT, der sich in der zweiten Hälfte  des 19.Jahrhunderts durch die Anlage eines städtischen Parks bleibende Verdienste um die Verschönerung der Stadt Treuenbrietzen erwarb, wurde der Landrat des Kreises Zauch-Belzig, Bernhard von TSCHIRSCHKY, im Jahre 1914 dritter Ehrenbürger der Stadt Treuenbrietzen. Mit dieser Ehrung sollten wohl  in erster Linie die Verdienste des Landrats um die Brandenburgische Städtebahn und den Anschluss Treuenbrietzens an diese Strecke gewürdigt werden.

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Fritz Tittmann – Bürgermeister von Treuenbrietzen 1933–1941

von Andreas Peschel M. A.

Obwohl sich zahlreiche Monografien und Aufsätze mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigen, finden sich immer wieder Desiderate in der Forschung. So verwundert es zum Beispiel, dass von einem der wichtigsten Vertreter der NS-Bewegung in Sachsen bis heute noch keine eingehende Untersuchung vorhanden ist. Der erste Gauleiter von Sachsen – Fritz Tittmann – ist ganz in Vergessenheit geraten. Dies erstaunt, war doch Tittmann in der Anfangszeit der NSDAP in Sachsen einer ihrer wichtigsten Vertreter. Später engagierte er sich in Treuenbrietzen, wo er ebenfalls erfolgreich für die NSDAP warb und schließlich zum Bürgermeister avancierte.

Jugend

Ernst Fritz Tittmann erblickte als uneheliches Kind am 18. Juli 1898 in Leipzig das Licht der Welt. Seine Mutter, ein Dienstmädchen aus Lichtenwalde, gab das Kind bei Ernst-Wilhelm Vogel in Lichtenwalde zur Pflege. Nach dem Schulbesuch in Lichtenwalde und Frankenberg erfolgte an der Maschinenbau-Fachschule in Chemnitz seine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges meldete sich Tittmann dann freiwillig zum Infanterieregiment 105, welches an der Westfront eingesetzt wurde. Während des Krieges erlitt er drei Verwundungen und stieg zum Unteroffizier (Sergeant) auf. Er erhielt das Eiserne Kreuz I. und II. Klasse, die Friedrich-August-Medaille, das Verwundetenabzeichen in Silber sowie das „Diplom für Tapferkeit“ vom Divisionskommandeur. Im April 1918 wurde er nach schwerer Verwundung in das Zwickauer Lazarett eingewiesen, wo er eine Umschulung zum kaufmännischen Angestellten absolvierte. Im August 1920 folgte seine Entlassung aus dem Lazarett.

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40 Jahre Albert-Schweitzer-Schule in Treuenbrietzen

Eine Chronik, zusammengestellt von Ernst- Peter Rabenhorst

1965

Im Jahre 1965 machen die steigenden Schülerzahlen den Neubau einer Schule in Treuenbrietzen erforderlich. Das Projekt wird in den Kreisplan für das Jahr 1970 aufgenommen. (JÜ,26.08.1965)

1968

Kreisschulrat Johannes WINTER äußert sich vor der SVV Treuenbrietzen zum geplanten Schulneubau. Es soll eine zweizügige zehnklassige Oberschule geschaffen werden. In Verbindung mit der Einrichtung einer Schüler- Gaststätte soll die Treuenbrietzener Schule zu einem Beispiel für den ganzen Bezirk Potsdam werden. (JÜ,17.09.1968). Im Herbst 1968 beginnen die Arbeiten am Schulneubau. Die Bevölkerung wird aufgerufen, an den Rat der Stadt Vorschläge einzureichen, wie die neue Schule heißen soll. Dabei sollten die Straßennamen in der näheren Umgebung der Schule Berücksichtigung finden (Rudolf VIRCHOW, Robert KOCH, Justus von LIEBIG und Albert SCHWEITZER). (JÜ,31.05.1969).

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Die letzten Förster in Zeuden und Lobbese

Aufgeschrieben von Wilhelm Leps

Durch die in den 1870er Jahren einsetzende Bautätigkeit wurden viele Ziegeleien gegründet und dadurch den Arbeitern auf dem Lande Arbeitsgelegenheit gegeben, so dass sich ihr Wohlstand sichtlich hob. Sie konnten sich ihr Brennholz nun kaufen.

Früher hatten sie wegen Arbeitsmangel oft Not gehabt, das tägliche Brot für sich und ihre Familie herbeizuschaffen, an Holzkaufen zur Feuerung war wegen der Armut nicht zu denken, das mussten sie sich in den Forsten mühsam zusammensuchen. Nun war ja das Holen von Trockenreisig so stillschweigend erlaubt. Aber wohl durch die Not geboren kamen oft Übergriffe vor. Um diese zu beschränken, stellten die Gemeinden Förster an, manche auch nur Heideläufer. Die Förster übernahmen auch die Jagdaufsicht und die Wildpflege und verbesserten dadurch ihr sonst nicht hohes Einkommen, indem sie auch den Raubzeugfang ausüben konnten. Sie fingen nicht nur Füchse, Marder und Iltisse im Revier, die es früher mehr gab als heute, weil früher die Gebäude noch von Lehmfachwerk und mit Stroh gedeckt waren und den Tieren überall Durchschlüpfmöglichkeiten gegeben waren, was heute bei den massiven und hartgedeckten Gebäuden nicht mehr der Fall ist, daher die Abnahme. Ich kann mich noch entsinnen, dass ich als junger Mann, da ich die Jagdaufsicht für den Freund meines Vaters, den verstorbenen Oswald Tüllmann aus Niemegk hatte, in einem Jahr sechs Marder und neun Iltisse fing. Das gab eine ganz hübsche Nebeneinnahme, so auch für die Förster.

Wie schon gesagt, hatten es die kleinen Leute durch bessere Arbeitsmöglichkeit nicht mehr nötig Holz zu stehlen, und die Förster wurden als überflüssig von den Gemeinden abgebaut, so auch der letzte Förster in Zeuden und Lobbese, mit Namen Jäger.

Mit diesem Förster Jäger habe ich einmal ein Erlebnis gehabt, über das wir recht tüchtig lachen mussten. Wir waren bei einer Lobbeser Jagd alle beim Frühstück versammelt, da traten die Treiber an den Förster heran und sagten: „Wir haben gehört, Sie sind auch von den Bauern als Förster gekündigt.“ „Ja“, sagte er, „das stimmt, aber daran seid ihr schuld.“ Antwort der Treiber: „Warum denn wir?“ – „Ja, Ihr verfluchte Bande stehlt nicht mehr, nun brauchen sie mich nicht mehr und sparen das Geld für mein Gehalt.“ Er gab dann die Stellung als Jagdaufseher auch auf, weil es sich nicht mehr lohnte, und zog wieder nach Niemegk. Dort ging er dann wieder seinem Gewerbe als Korbmacher nach.

(ZFH, Nr. 20, 4. Dezember 1943)

Pfarrer und Küster in Zeuden

eine Beschreibung von Wilhelm Leps

Wir wollen den Weg von Niemegk zur Kreisgrenze in Richtung Wittenberg fortsetzen und kommen hinter Hohenwerbig in das Dorf Zeuden. Ein schönes Dorf, in dem es manches zu entdecken gibt. Am Teich sollte man anhalten und etwas verweilen. Dann sollte der Weg zur Kirche von Zeuden führen. Die alte Feldsteinkirche mag anlässlich der Visitation wohl 1530 schon Luther, auf alle Fälle seine Boten beeindruckt haben. Ob hier die Zinnaer Mönche die Bauanleitung gaben?

Die Wehrfenster, schmal und für Eindringlinge nicht so leicht zu erklimmen, mögen einen Schutz für die Dorf Bewohner bedeutet haben, die sich in gefährlichen Zeiten in ihrer Kirche versteckt hielten. Die älteste Erwähnung 1321 oder 1331 ist nicht ganz eindeutig und betraf einen Nicolaus de Tsuden in den Urkunden des Klosters Zinna. Also doch eine enge Verbindung zu den Zisterziensern.

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Ein Gang durch die Zeudener Krähenrummel

Eine Naturplauderei von Wilhelm Leps

Wenn man von dem Flämingdorf Zeuden den Rietzer Weg herunter nach dem Wald geht, kommt man an die so genannte Krähenrummel, die wir heute durchwandern wollen. Wir folgen dem Lauf der Rummel und kommen so an den Krähenbrunnen, der mit einem Gebüsch von Laubholz umrahmt ist. In demselben sehen wir Vertreter unserer einheimischen Vogelwelt: die schwarze Amsel, auch die Singdrossel. An den Baumstämmen klettern Grün- und Buntspecht herum. Auch der Pirol in seinem gelbgrünen Kleid lässt seinen melodischen Ruf ertönen, den wir als Jungen immer deuteten: „Pfingsval Bier holen, utsupen, mehr holen“

Wir sehen uns nun den mit Feldsteinen ausgemauerten Brunnen an, der gar nicht so tief ist, so dass man auf Steinstufen nach dem Wasser hinuntergehen und mit dem Eimer Wasser schöpfen kann. Von demselben haben die Zeudener und Pflügkuffer ihr Trink- und Kochwasser geholt, ehe sie in ihrem Dorf die Wasserleitung gebaut haben. Jetzt wird er nur noch von den Zigeunern benutzt, die gern ihr Lager in dem ihn umgebenden Laubholz aufschlagen. Auch sieht mahn auf den mit der Zeit verschlammten Stufen die Trittsiegel von Reh und Fuchs, die an dem Brunnen ihren Durst stillen.

Wir gehen nun in der Rummel weiter, die eigentlich ein von Bergen umrahmtes Tal ist. Da hören wir in dem Heidekraut ein Piepen und Zwitschern und schleichen uns näher. Es ist eine ganze Wiedehopffamilie, die wir hier erblicken und die auf Nahrungssuche ist. Wir gehen still weiter, um die Wiedehopfe nicht zu verscheuchen, und kommen an eine von rechts in die Rummel einmündende Nebenrummel, die tief von dem wilden Wasser ausgewaschen ist. Man könnte glauben, man befinde sich in einem Gebirge. Wir gehen nun der Nebenrummel nach. An den Rummelhängen sehen wir die Baue von Kaninchen, von Fuchs und Dachs, sehen auch einige graue Flitzer in ihrem Bau verschwinden. Über uns zieht ein Bussard seine Flugspirale. Die Lerchen trillern oben in der Luft ihr Lied. Da hören wir vor uns im Holz ein Klatschen, als wenn jemand zwei Splitt zusammenschlägt. Wir gehen dem Schall nach und sehen an einer Kiefer einen Schwarzspecht kleben, der mit dem Schnabel einen Astspahn zurückzieht und gegen den Stamm zurückschnellen lässt, also eine Spechtschmiede. Der Schwarzspecht ist der größte unserer heimischen Spechte, sein Gefieder ist rein schwarz, hat aber an dem Hinterkopf dunkelrote Federn. Wir verlassen nun diesen Rummelriss und gehen über den mit Kiefern bestandenen Berg, der im Herbst mit blühendem Heidekraut bestanden ist, auf dem dann die Bienen summen, und kommen nach dem sog. Heuweg. Auf ihm gehen wir links den Berg hinunter und gelangen so an den zweiten Rummelriss. Doch, was krätscht der Holzschreiher (Eichelhäher) so aufgeregt, auch hören wir die Meisen so aufgeregt piepsen. Da müssen wir uns überführen, was da los ist. Da sehen wir, dass der Edelmarder ein Eichhörnchen verfolgt. Die Jagd geht von Ast zu Ast, von Baum zu Baum, beide im Springen und Klettern gleich gewandt. Doch der Marder ist der Stärkere. Wir sehen, dass die Kräfte des Eichhörnchens nachlassen und schätzen es schon verloren. Da springt das Eichhörnchen von einer Kiefer auf die Erde und verschwindet in einem Kaninchenbau. Aber der Marder hinterher. Nun schätzen wir unser Eichhörnchen bestimmt verloren, aber der Bau hat zwei Ausgänge. Da sehen wir unser Eichhörnchen wieder herauskommen und auf eine Kiefer klettern, hinter ihm ein Kaninchen, welches der Marder wohl aufgestört hat, hinter diesem den Marder, der das Eichhörnchen aus den Augen verloren hat und nun das Kaninchen verfolgt, welches aber in einen anderen Bau flüchtet, der nur einen Eingang hat. Der Marder ihm nach – nun ist das Kaninchen verloren. Wir hören auch einen Todesschrei, der Marder wird nun Mahlzeit halten und nicht so schnell wieder herauskommen. Wir durften ihm doch nichts tun, weil er im Sommer Schonzeit hat. Wir gehen diese Rummel zurück, um wieder nach der Hauptrummel zu kommen. Rechts von uns liegen die Hasenberge, eine richtige Heidelandschaft mit Heidekraut und Krüppelkiefern, früher ein Lieblingsaufenthalt für Birkwild, das leider in den letzten Jahren gänzlich verschwunden ist. Links von uns sind die Berge mit Kiefern bestanden. Doch da hören wir wieder die Krähen so aufgeregt krächzen und die Elstern schackern. Was ist da wieder los? Wir bleiben stehen – da sehen wir einen Fuchs angeschnürt kommen, der ein Kaninchen im Fang hat und auf die Hasenberge verschwindet. Wir gehen weiter bis zur Hauptrummel rechts nach dem Hohenwerbiger Gebiet, wo sich das Tal verbreitert und die Berge an den Seiten noch steiler und höher werden, eine richtige Gebirgslandschaft im kleinen Fläming.

Wir gehen nun zurück durch die Hauptrummel an dem Krähenbrunnen vorbei, um wieder nach unserem Ausgangsort Zeuden zu kommen. Hier wollen wir uns von unserem Marsch bei Hennigs Otto im Gasthof stärken und uns die aus Feldsteinen erbaute alte Kirche und den über vier Morgen großen Dorfteich ansehen, der gleich neben Hennigs Gasthof liegt und von unzähligen Gänsen und Enten bevölkert und mit Schleien und Karpfen besetzt ist, so dass im Herbst jeden Jahres zehn bis zwölf Zentner Speisefische gefangen werden.

Auf dem Rückweg durch die Rummel haben wir noch ein neues Erlebnis. Wir hören die Krähen in dem Laubbusch am Krähenbrunnen wieder Krach machen und niederstoßen. Da sehen wir eine Waldohreule auf einer Birke sitzen, die von den Krähen belästigt wird. Wir jagen das schwarze Gesindel weg, um der so nützlichen Eule Ruhe zu verschaffen. Am Ausgang der Rummel kommt eine Ricke mit zwei Kitzen. Als sie uns sieht, machte sie „Bä, bä“ und verschwindet im Eiltempo im Wald. Wir gehen nun den Rietzer Weg wieder hoch. Über uns in der Luft schießen Mehl- und Blutschwalben. Letztere haben einen geteilten, gabelförmigen Schwanz.

Endlich sind wir wieder in Zeuden angekommen. Wir haben uns ein Stück unserer Heimat angesehen und dabei gefunden, dass unser Fläming auch Naturschönheiten hat – man braucht sie nur aufzusuchen. Man braucht wirklich nicht immer in die Ferne zu gehen, um etwas zu sehen und zu erleben.

(ZFH, Nr. 10, 27. Mai 1939)

Lütgen-Zeuden eine Beschreibung von Wilhelm Leps

Dicht am Dorf Pflügkuff findet sich in südlicher Richtung ein ziemlich tiefer Teich, der ständig Wasser führt. Es ist der Teich des untergegangenen Dorfes Lütgen-Zeuden. Hier an diesem Teich waren die wenigen Gehöfte errichtet, die zu dem Dorf gehörten. Wie schon der Name andeutet, war der Ort nur klein. Auch die Flur war nicht groß, sie umfasste nur 12 Hufen. Lütgen-Zeuden war eine Gründung der Kolonisationszeit, also der letzten Jahrzehnte vor 1200. Das bezeugen die blaugrauen Scherben, die auf der ehemaligen Dorfstelle aufgelesen wurden. Wann es untergegangen ist, wissen wir nicht. Nach dem Scherbenmaterial dürfte das Dorf um 1400 noch bestanden haben. Nach der Wegeführung kann man annehmen, dass Pflügkuff später gegründet worden ist, denn der Weg Zeuden – Pflügkuff hat bei seinem Austritt aus Zeuden die Richtung auf Lütgen-Zeuden, macht aber dann einen Knick auf Pflügkuff zu. Die gleiche Beobachtung lässt sich bei der Straße Schmögelsdorf – Pflügkuff machen. Lütgen Zeuden lag in einer Meereshöhe von 140 Metern. Ungünstige Bodenverhältnisse können nicht die Ursache der Wüstwerdung gewesen sein, denn die Gemarkung liegt auf fruchtbarem Geschiebemergel und umfasste sogar Teile des Lössgebietes dieser Gegend. So kann nur an eine gewaltsame Zerstörung durch Krieg oder Pest gedacht werden. Die erste urkundliche Erwähnung geschieht erst, als das Dorf längst untergegangen war, nämlich 1391 im Erbbuch des Amtes Belzig. Damals hatten die Bauern von Pflügkuff die Hufen auf der „Lütischen Mark“ in Benutzung und zwar hatte jeder Bauer entweder 2 Hufen oder auch 1 Hufe, einer hatte 1½ , ein anderer nur eine ½ Hufe. Später ist übrigens die Flur von Lütgen-Zeuden mit der von Pflügkuff vereinigt worden. Es bleibt noch die Frage offen, wie der Ort zu dem Namen Lütgen-Zeuden gekommen ist. Von verschiedenen Forschern wird angenommen, dass Dörfer mit dem Zusatz „Klein bzw. Lütgen“ Wendendörfer seien im Gegensatz zu der größeren deutschen Siedlung

(Zauche- und Fläming-Heimat, Nr. 2, 22. April 1944)

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