Historisches aus Treuenbrietzen

Kanalisation in der Großstrasse

Wasserversorgung und Kanalisation

Vor 120 Jahren, im März 1902 begann man in Treuenbrietzen mit dem Bau einer neuen Wasserver- und Entsorgung. Die alten Anlagen stammten noch aus dem Mittelalter und bestanden aus drei Stadtbächen (Bäken) und 7 öffentlichen Kesselbrunnen die man zu Röhrenbrunnen umbaute. Zwei Stadtbäche verliefen auf der Großstraße, der dritte durch die Kietzstraße, Breite Straße und die Marienkirchstraße. Früher gab es auch noch einen vierten Stadtbach der durch die Grünstraße verlief, zu diesem Zeitpunkt aber schon zugeschüttet war.

Die Standorte der öffentlichen Brunnen waren:

1. auf dem Neuen Markt

2. in der Grünstraße

3. in der Töpferstraße

4. zwei in der Vogelgesangstraße

5. in der Berliner Vorstadt

6. an der Marienkirche

 

Der Brunnen auf dem Hof des ehemaligen Garnisonslazarett (heute Gesamtschule) wurde im Jahre 1903 ebenfalls in einen Tiefenbrunnen umgewandelt.

Das Wasser zum brauen des guten Treuenbrietzener Bieres wurde in alter Zeit nicht nur den Brunnen, sondern auch den Stadtbächen entnommen. Damit niemand seinen Unrat in der Zeit des Bierbrauens in die Bäken entsorgte, musste der „Ausklingler“ durch die Straßen laufen und seinen Spruch verkünden:

Et wird hiermit anjedit, det keener in de Bäke schütt, denn Morjen wird jeubrout.

Später wurden noch ein Wasserwerk, Wasserleitungen, Abwasserleitungen, ein Wasserturm und eine Kläranlage gebaut. Die städtischen Körperschaften lehnten anfangs diese Verbesserungen ab und meinten es reiche ein Verbesserung der Stadtbäche und der vorhandenen Brunnen. Auf Druck der preußischen Staatsregierung wurde der Bau der damals modernen Wasser- und Abwasseranlagen durchgesetzt. Ein Grund dafür waren die allgemeinen hygienischen Verbesserungen sowie die Verhinderung von Choleraepidemien.

 


Gewitter über Treuenbrietzen

Ein Zeitungsbericht aus Treuenbrietzen berichtet aus dem Jahre 1878: Das Gewitter welches Sonnabend, dem 04. Mai über unsere Stadt und Umgebung hinwegzog, hat im Dorfe Brachwitz gezündet und dabei sind die drei Kossäthen-Gehöfte von Rüder, Boßdorf und Kauert abgebrannt. Trotz des heftigen Regens standen alle drei Gehöfte sehr schnell in Flammen und brannten noch Abends 10 Uhr lichterloh.

 


Von einem Erdbeben in Treuenbrietzen im Jahre 1872.

 

Am 6. März, 872 nachmittags 10 Minuten nach 4 Uhr wurden in Treuenbrietzen zwei schnell hintereinander folgende ziemlich starke Erdstöße bemerkt. Die Erschütterung war so stark, dass z.B. die Blumen auf einem Blumengestell stark schwankten, die Türen welche nicht fest in den Angeln hingen, sich klappernd bewegten. Die Erschütterung war sogar so stark, dass feststehende Gegenstände verrückt wurden. So ist die Stütze des Wacholderbaumes vor der Tür des Webermeisters Richter vor dem Berliner Tor zirka um 5 Zoll (rund 14 Zentimeter) in die Erde gesunken und ebenso der Amboss des Schmiedemeisters Dümchen  in der Berliner Vorstadt um zirka 2 Zoll tief in die Erde gegangen.

 

W. Ucksche


 

Persönlichkeiten aus Treuenbrietzen

 

Bürgermeister Gustav Jenner

Gustav Jenner wurde am 25. Dezember 1852 in Liebenau in der Neumark geboren. Nach der Schule arbeitete er bei Verwaltung in Liebenau, er war Hilfskraft beim Magistrat in Schwiebus und Assistent beim Magistrat in Grünberg. Dort wurde er Polizeisekretär und Schließlich Bürgermeister in Rackwitz. Am 1. Juli 1917 wurde er für 12 Jahre Bürgermeister in Treuenbrietzen. In seiner Amtsperiode siedeln sich die Industriebetriebe „Gehre-Dampfmesser“ (GRW) und Metallwarenfabrik Werk Sebaldushof an. Der Sportplatz an der Berliner Straße entsteht. In einer sehr schweren Zeit, (Inflation) entsteht nach den Entwürfen von Professor Schmarge und gestaltet von Gartenbauarchitekt Gustav Allinger die Kriegergedenkstätte an der Jüterboger Straße. Noch vor Ablauf seiner Amtszeit wird er 1928 für weitere 12 Jahre gewählt. Mitte 1932 wird er sehr krank. Die Nationalsozialisten stellen am 12. März 1933 einen Antrag auf Abberufung, dem einen Monat später stattgegeben wird. Der verdienstvolle Bürgermeister Gustav Jenner stirbt am 25. Juli 1933 in Treuenbrietzen.

 

W. Ucksche


 

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Kariedeln in Treuenbrietzen

 

Am Fastnachtsmontag (Rosenmontag) ist es wieder soweit. Die Kinder ziehen damals wie heute mit glattgeschabten Zweigen in der Hand von Geschäft zu Geschäft um Gaben einzusammeln. Früher waren es vor allem Brezeln, Pfandkuchen, Klemmkuchen und Würste die auf den Zweig gesteckt wurden. Kariedeln nennt man in unserer Gegend diesen Brauch, der auch in verschiedenen Nachbarstädten üblich ist. In Luckenwalde hat man sogar einen Kariedelbrunnen errichtet. Woher der Name kariedeln kommt ist nicht ganz eindeutig zu klären. Wahrscheinlich gingen in alter Zeit auch die Erwachsenen kariedeln. Bei Kaufmännern, Handwerkern und Landbesitzern wurden „Steuern“ eingetrieben. Einmal im Jahr wollte man auch den „Zehnten“ einfordern, der sonst nur der Obrigkeit zustand. Außer den oben genannten Gaben, gab es aber noch andere Lebensmittel die verteilt wurden, zum Beispiel Eier, Schinken, Obst und Bier. Um all die „Schätze“ zu transportieren wird man vielleicht ein Karre (Handwagen) benutzt haben.

So mag die Bezeichnung „Kariedeln“ für den Brauch beim einsammeln der Gaben entstanden sein. Noch heute sagen die Eltern zu ihren Kindern, wo seit ihr denn heute wider rumkariedelt? Rumkariedelt = rumtreiben, umherziehen.

Auf den Dörfern des Flämings nennt man denselben Brauch zempern. In der MAZ und anderen Publikationen wird oft auch der Begriff „Zimpern“ verwendet der allerdings falsch sein dürfte. In der lateinischen Sprache bezeichnet man als dezem den Zehnten. Zempern heißt also „ den Zehnten holen“. Die leckeren Sachen gab es aber nur wenn auch ein entsprechender Spruch aufgesagt wurde.

 

Der bekannteste lautet so:      „Ich bin der kleine König,

                                              Gebt mir nicht so wenig,

                                              Last mich nicht so lange stehen,

                                              Muss noch ein Häuschen weiter gehen.“

 

Weniger bekannt ist folgender: „Ich bin der kleine Kaiser,

                                               gestern war ich heiser,

                                               heute kann ich wieder reden,

                                               nun musst du mir eine Brezel geben.“

 

 

Eine lustige Geschichte vom Fastnachtsmontag in Treuenbrietzen 1938

Im Restaurant „Heese“ (Leipziger Straße 4) großer Jubel, Musik und Tanz. Auf der Straße ein Fuhrwerk, mit zwei Schimmeln bespannt, von denen der Mehlhändler W. Paasch aus der Leipziger Vorstadt und der Fuhrmann W. Kalisch von der Rietzer Grenze steigen. Beide haben schon ordentlich gefeiert, nun spannen beide die Schimmel aus, sitzen auf und wollen hoch zu Pferde in den Saal hinein. Die Türen werden sogleich geöffnet. Während nun W. Kalisch unter allgemeinen Jubel Einzug im Saal hält, stutzt der Schimmel des zweiten Reiters, macht kurz kehrt und wandert trotz allem Zerren am Zügel nach seinen Platz am Wagen. Der Reiter muss absteigen und zu Fuß seinem Freunde folgen. Er wird nun gefragt, warum er nicht hineingeritten ist. Da antwortet er:

Ich weiß auch nicht, ob der Schimmel noch nicht 16 Jahre alt ist. Es steht ja an der Saaltür angeschrieben: Unter 16 Jahren Zutritt verboten.

 

W. Ucksche


 

Die Kaiserurkunde Otto II.

Auszug aus der Kaiserurkunde Otto des II. Vom 21. Juli 981. „Alle Christen der Gegenwart und Zukunft mögen zur Kenntnis nehmen, dass wir auf inständig Bitten unserer geliebten Gemahlin und Mitkaiserin Theophanu zu unser beiderseitigen Seelenheil unseres kaiserlichen, gleichnamigen Vaters (Otto des Großen) die in unserem Besitze befindlichen Ortschaften und Kastelle im Slavenland: Nuenburg, Dubie und Briechouua genannt, im Havelgau und in der Grafschaft Markgrafen Dietrich unweit der Havel gelegen, zu eigen geschenkt haben an das Kloster Memleben, welches von uns und unserer Gemahlin Theopfanu zu Ehren der heiligen Jungfrau und Gottesmutter Maria mit den nach monastischer Regel lebenden Mönchen aus besonderer Liebe und mit vielen Ausgaben gegründet wurde, weil dort unser Vater seinen letzten Erdentag erlebte“.

 

Zur Erklärung: Kaiser Otto der II. begab sich seinerzeit auf eine Reise nach Italien. Da solche Unternehmungen mit kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden waren, bargen sie allerhand Gefahren. Aus diesem Grund wurden die drei erwähnten Reichsburgen mit den dazu gehörigen Burgwardien an das Kloster Memleben bei Merseburg gegeben (Hauskloster der Ottonen). Da Kaiser Otto II. in Italien starb und nicht zurückkehrte, verblieben die drei genannten Orte im Herrschaftsbereich der Ottonen. Die drei in der Urkunde erwähnten Reichskastelle lassen sich nicht eindeutig lokalisieren. Vieles deutet darauf hin, dass das Reichskastell Briechouua mit unserem heutigen Treuenbrietzen identisch sein könnte. Einen eindeutigen Beleg dafür gibt es bis heute leider nicht. Sollte es dennoch gelingen diese Sachlage zu beweisen, dann wäre die Stadt Treuenbrietzen in diesem Jahr bereits 1040 Jahre alt.

 

W. Ucksche

Kaiserurkunde Otto II.

 

Jüdischer Friedhof 1925

Jüdisches Leben in Treuenbrietzen

 

Die Schüler einer 6. Klasse der Grundschule Albert-Schweitzer in Treuenbrietzen beteiligen sich am bundesweitem Projekt „Denkmal aktiv – Kulturerbe macht Schule. Der Heimatverein unterstützt die Spurensuche der Schüler. Aus diesem Grund trafen wir uns am 23. November 2021 im Heimatmuseum der Stadt, wo noch Fragmente von zwei jüdischen Grabsteinen aufbewahrt werden. Frau Anke Geißler-Grünberg von der Universität in Potsdam übersetzte die noch erhaltenen Schriftzüge in Hebräischer Sprache ins Deutsche. Im Anschluss unternahmen wir einen kleinen Stadtrundgang, wobei über jüdisches Leben in Treuenbrietzen informiert wurde. Nach eineinhalb Stunden beendeten wir unsere „Spurensuche“ auf dem jüdischen Friedhof der Stadt. Ich hoffe, wir konnten den Schüler noch einige neue Informationen vermitteln.

 

W. Ucksche

 


 

Wagnerorgel

Geburtstag einer Königin

Eine Königin feiert ihren Geburtstag. Ihr Alter: 280 Jahre. Gemeint ist die Königin der Instrumente, die Orgel. In der Zeit von 1739 bis 1741 baute der Orgelbauer Joachim Wagner die Orgel für unsere St. Marien Kirche. Übrigens soll auch die St. Nikolai Kirche eine Orgel von Joachim Wagner besessen haben.

 

W. Ucksche


 

Rabenhorst

Verdienstvolle Bürger der Stadt Treuenbrietzen

Zu den verdienstvollen Bürgern gehört zweifelsohne der in Treuenbrietzen geborene Apotheker, Botaniker und Dr. der Philosophie Gottlob Ludwig Rabenhorst. Sein Vater war Ratsmann und Kämmerer der Stadt. Vor 190 Jahren, am 29. Dezember 1831 heiratete er die Tochter des Kaufmanns Christian Gottfried Krüger, ebenfalls aus Treuenbrietzen. Er war Mitglied in zahlreichen wissenschaftlichen Gesellschaften. Achtung und Würdigung für seine Botanischen Arbeiten und vor allem für seine Kryptogrammforschung erfuhr er weit über Deutschland hinaus. Bei der Gründung des Botanischen Vereins der Provinz Brandenburg am 15. Juni 1859 wurde Rabenhorst zum Ehrenmitglied gewählt. Vor 140 Jahren, am 24. April 1881 verstarb Dr. phil. Gottlob Ludwig Rabenhorst Nachmittag 04. Uhr im Alter von 75 Jahren. Er wurde auf dem St. Wolfgang-Friedhof beigesetzt. Sein Grab ist heute leider nicht mehr vorhanden.

 

W.Ucksche