Pechüle

Aus Anlass des 850-jährigen Jubiläums der Gemeinde Pechüle möchten wir an dieser Stelle die von Georg Haberland verfasste Chronik der Gemeinde in Fortsetzungen veröffentlichen:

Vorwort
In diesen Seiten will ich alles Wissenswerte, mündlich und schriftlich Überlieferte, aus Pechüle und der näheren Umgebung zusammentragen, damit es der Nachwelt erhalten bleibt.

Es soll dazu dienen, das Heimatdenken zu fördern, das Selbstbewusstsein zu stärken und gegenwärtige Erlebnisse besser einzuordnen in die Geschichte der Menschheit. Ich will versuchen, die Entwicklung des Dorfes und seiner Bewohner im Laufe der Jahrhunderte, seit seiner Besiedlung, zu beleuchten, um auch die Frage zu beantworten: Wer sind wir – wo kommen wir her – wo gehen wir hin?
Vor 50 Jahren hätte sich kein Pechüler den heutigen Entwicklungsstand vorstellen können. Unsere heutige Zeit ist so schnelllebig, dass vieles, was in den letzten Jahrzehnten geschehen ist, in Vergessenheit geraten oder falsch dargestellt werden könnte. Ich habe diese Zeit bewusst miterlebt und habe dennoch Bedenken umfassend darüber zu schreiben, da eine objektive Darstellung der Geschehnisse einen größeren zeitlichen Abstand erfordert, deshalb konzentriere ich mich mehr auf die ältere Geschichte und beschäftige mich mit den letzten Jahrzehnten nur auszugsweise.
Ursprünglich hatte ich vor, diese Chronik erst nach Erreichen des Rentenalters zu schreiben, um Zeit zu haben, Archive zu studieren, aber nun nutze ich die Dauer meines monatelangen Krankseins, alles zusammenzutragen, was ich weiß und was an schriftlichen Überlieferungen erreichbar ist. Dabei hat sich ergeben, dass die Geschichte von Pechüle so zu betrachten ist, dass sie ein Teil aller Nachbardörfer ist. Ich hatte vor, auch unser Pechüler Platt irgendwie zu fixieren, aber schon bei der Aufstellung eines Wörterbuches ist mir klar geworden, dass dies schriftlich nicht möglich ist, denn unser Alphabet reicht nicht aus, um alle Laute des Plattdeutschen wiederzugeben. Zu gegebener Zeit werde ich mit weiteren Interessierten Tonbandaufnahmen machen. Meine Generation ist die letzte, die diese Sprache beherrscht. Sie zu erhalten ist genauso wichtig wie das Sammeln alter Überlieferungen und Urkunden. Sie ist ein Stück Heimat.
Pechüle, im Februar 1988
Georg Haberland

Die Zeit vor der deutschen Besiedlung (vor 1100)
Pechüle liegt am Fuße des Keilberges, eines Ausläufers des Flämings, Luftlinie 6 km von Treuenbrietzen und 16 km von Jüterbog entfernt. Seine Lage an der Uferzone des Baruther Urstomtales, das sich vom Spreewald über Baruth bis nach Brandenburg hinzieht, ist seit jeher für die Besiedlung durch Menschen ideal. Rings um das Dorf ist viel guter Ackerboden, der zum Wald hin sandiger wird. Viel natürliches Grünland garantiert reichliches Futter für das Vieh. Holz für Heizung und Hausbau war genügend vorhanden. Das Grünland darf man sich nicht wie heute vorstellen, eine baum- und strauchlose Kultursteppe, sondern mit alten Bäumen, Erlen- und Eichenwäldchen durchsetzte Wiesenlandschaft, worin sich Mensch und Tier wohlfühlen konnten. Rings um Pechüle sprudelten zahlreiche Quellen, die Mensch und Vieh immer Trinkwasser spendeten.
Schon unsere Vorfahren, die Wenden, hatten diesen günstigen Platz besiedelt, wie zahlreiche Funde beweisen. Ob es Ploni oder Heveller waren, ist unbekannt. Das alte Wendendorf mag wohl 300 m südwestlich des jetzigen Dorfes gelegen haben, wie Scherbenfunde andeuten.
In meiner Kindheit wurden in der ehemaligen Pechüler Kiesgrube, die auf halber Höhe des Keilberges, etwa 1,5 km östlich von Pechüle liegt, des öfteren Urnen mit Asche gefunden. Meistens waren es Scherben. Aber ich kann mich erinnern, dass 1936 eine vollständige Urne zutage kam, aber niemand hat ihr Alter bestimmt. Das ganze Umfeld der Kiesgrube war ein altes Gräberfeld. Die Urnen wurden mit der Asche der Toten in etwa 60 cm Tiefe beigesetzt und dann mit Feldsteinen abgedeckt. Ältere Pechüler erzählten, dass in früheren Jahrhunderten, bei der Suche nach Feldsteinen für den Haus- und Straßenbau, viele Urnen zerstört worden sind. War es ein Friedhof der Wenden in vorchristlicher Zeit? Schon vor 3000 Jahren lebten hier Menschen, der Burgwall 3 km nördlich von Bardenitz ist ein Beweis für die alte Besiedlung.
Vor zwei Jahren habe ich beim Kartoffelroden im Kossätenbusch ein schön geformtes und exakt bearbeitetes Steinbeil gefunden. Es befindet sich heute im Heimatmuseum Treuenbrietzen.

Die Besiedlung unserer Heimat durch die Deutschen
Bis zur Jahrtausendwende war das ganze Gebiet östlich der Elbe und der Saale von Slawen bewohnt, die beim Abzug der Germanen in der Völkerwanderungszeit nachgerückt waren. Sie siedelten hauptsächlich in den Niederungen und betrieben vorwiegend Fischfang und Viehzucht.
Unser Gebiet und nördlich davon war das Siedlungsgebiet der Wenden, genauer gesagt, der Ploni und Hevelier.
In der Lausitz saßen die Sorben, die im Spreewald ihre eigene Kultur und Sprache bis heute bewahrt haben, weil deutsche Siedler dieses Feuchtgebiet mieden.
Als nun nach dem Jahre 1000 das Land östlich der Elbe durch die Askanier und durch die Erzbischöfe von Magdeburg erobert wurde, sind die Wenden, die das Gebiet nur dünn besiedelt hatten, nicht etwa vertrieben oder vernichtet worden, sondern sie blieben in ihrem Wohngebiet. Die Eroberer verteilten das Land an ihre Ritter und an neu gegründete Klöster. So wurde nach 1100 auch das Kloster Zinna gegründet. Die ursprünglichen Klosterdörfer waren Dorf Zinna, Grüna, Werder und Neuhof. Erst mehr als 100 Jahre später wurden Bardenitz und Pechüle sowie viele andere Dörfer nördlich von uns dazu erworben.

Pechüle wurde um 1150 von Magdeburg aus besiedelt. Genaue Daten darüber sind mir unbekannt, da schriftliche Unterlagen fehlen. Pechüle besitzt aber ein anderes wichtiges Zeugnis aus dieser Zeit: Die Kirche, die heute noch unter Denkmalschutz steht. Sie wurde nachweislich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erbaut. In Pechüle wurden um 1150 achtzehn Hüfner angesiedelt, die zusammen mit fünfzehn Kossäten, den hier schon ansässigen Wenden, das neue Dorf Pechüle gründeten, wie es heute noch in seiner ursprünglichen Anlage besteht.
In der Mitte des Dorfes steht auf einer leichten Anhöhe die Kirche mit dem Friedhof. Gegenüber liegen der Pfarrhof und der Braukrug. Zu beiden Seiten von Kirche und Pfarrhof schließen sich die Hüfnergrundstücke an. Pechüle wurde als Straßendorf angelegt, d.h. Kirche und Gehöfte liegen in einer Reihe.
Das Dorf ist im Gegensatz zu Bardenitz sehr weitläufig angelegt und erstreckt sich von Süden nach Norden. Am Südende sind 4 und am Nordende 11 Kossätenstellen, die schmaler und kürzer als die Hüfnerstellen sind. Diese Benachteiligungen der Kossäten zeigt sich auch bei der Landverteilung. Während die Hüfner ihre bedeutend größeren Ländereien nah am Dorf erhielten, wurden die Kossäten an den Rand der Feldmark verwiesen.
Dieser Standesunterschied bestand übrigens bis ins 20. Jahrhundert hinein. So war es vor 100 Jahren undenkbar, dass ein Kossätensohn in eine Hüfnerwirtschaft einheiratete, umgekehrt war das eher möglich, worauf die Kossäten dann sehr stolz waren.
Aus der wendischen Zeit sind nur der Ortsname und einige Worte unseres Platt geblieben. Die Kossäten nahmen wohl aus Opportunismus die Sprache und die Sitten der Eroberer an.
Die Ostseite von Pechüle liegt auf dem Ufersand des Urstromtales und hat daher sandige und trockene Hausgärten, während die Westseite, in den Sumpf hineinreicht und feuchte und fruchtbare Hausgärten aufweist. Die Hofstellen der Westseite sind meist bis zu einem halben Meter erhöht worden. Die Pechüler Feldmark ist schmal und lang. Ebenso die Bardenitzer, die vom alten Grenzgraben bis zum Fließ reichte. Erst später erwarb Bardenitz noch Teile der Treuenbrietzener Gemarkung dazu. Die alte Straße von Treuenbrietzen nach Luckenwalde führte über Bardenitz, Pechüle und Mehlsdorf. Sie verlor ihre Bedeutung erst durch die Anlage des Schießplatzes.

Die Kirche zu Pechüle
Zu den ältesten Kirchen in der Kurmark gehört die Kirche in Pechüle. Einer der besten Kenner des märkischen Backsteinbaus Adler setzte ihre Entstehung in die Zeit von 1160 – 1179. Das Kirchengebäude hat also ein ehrwürdiges Alter. Besonders charakteristisch ist der Turm, der in der Breite des Kirchenschiffes errichtet ist. Er ist etwa 200 Jahre jünger als die Kirche. Das Mauerwerk der Nord-, West- und Südseite besteht aus Granitquadern. Den Abschluß des Turmes bildet ein Dach mit abgeschrägten Giebeln, ein sogenanntes Walmdach, das außerordentlich gefällig wirkt. Das Turmdach hat wiederum ein Türmchen als Dachreiter. In den letzten Jahren drohte der Dachreiter einzustürzen, er wurde aber 1986 verstrebt. Die Kuppel erhielt einen neuen Kupferblechbelag. Auch die alte Wetterfahne von 1799 wurde durch eine neue ersetzt. Wirkt das Unterteil des Turmes schwer und massig, so drängt das fein abgestimmte obere Teil in die Höhe. Es ist schon so, dass auch dieser Turm, wie so manches Bauwerk des Mittelalters, seine eigene Sprache spricht.
Das Baumaterial des Kirchenschiffes bildet der Backstein. Als die Kirche gebaut wurde, näherte sich die so genannte romanische Bauweise ihrem Ende zu und die Gotik hielt ihren Einzug. Die Kirche in Pechüle trägt die Kennzeichen der spätromanischen Bauweise, insbesondere zeigte sich dies bei dem halbrunden Ausbau des Ostgiebels, in dem heute der Altar steht. Es ist eine Halbkugelapsis. Der schmalere Teil des Schiffes ist der quadratische Chor, die Decke erscheint hier als sechskappiges Kreuzgewölbe auf gurtartigen Rippen, wie in den Treuenbrietzener Kirchen. Um 1500 wurde das Kirchenschiff von vier Pfeilern geteilt und mit Kreuzgewölben überdeckt. Die Fenster waren ursprünglich ohne Verglasung. Sie hatten in der Frühzeit, als die Kirchen in kriegerischen Zeiten als Zufluchtsort dienten, die Aufgabe von Schießscharten bei Befestigungswerken. Die Kirchentür konnte von innen mit Balken gesichert werden. Noch heute sind in der Wand zu beiden Seiten der Kirchentüren die Löcher zu sehen, in die die Balken hineingeschoben wurden.
Ein wertvolles Gemälde aus dem 14. Jahrhundert, das die Leiden Christi darstellt, und die Heiligenfiguren aus katholischer Zeit zeugen von einem bescheidenen Wohlstand der Pechüler Bauern unter der Klosterherrschaft. Nach der Reformation gab es schlimmere Zeiten. Das Wertvollste in der Kirche ist der guterhaltene dreiteilige Flügelaltar, der aber nicht aus der Pechüler Kirche stammt. Nach einer Legende haben ihn die Pechüler Bauern nach der Schlacht in der Birkheide, als die Kaiserlichen von den Schweden geschlagen wurden, gefunden und in die Pechüler Kirche gebracht. Er steht heute unter internationalem Denkmalschutz. Die Kanzel stammt aus dem 17. Jahrhundert und gehört zum Barock.
Einst hingen im Turm drei Glocken. Die kleinste musste im 1. Weltkrieg abgegeben werden. Auch im 2. Weltkrieg wurde die kleinere der beiden vorhandenen Glocken weggeholt. Sie wurde aber nicht mehr eingeschmolzen, sondern 1946 auf einem Glockenlagerplatz bei Hamburg gefunden und nach Pechüle zurückgebracht. Die Glocken stammen aus dem Mittelalter und haben einen Durchmesser von 1,08 bzw. 0,82 m.
In der Pechüler Kirche waren früher noch mehr wertvolle Kulturgüter. Eine alte Zeitungsnotiz aus dem Jahre 1888 besagt:
„Im Märkischen Museum sind neuerdings einige seltene Altertümer aus dem 15. und 16. Jahrhundert eingegangen. Es sind dies kirchliche Gegenstände aus den zwischen Jüterbog und Treuenbrietzen gelegenen Dörfern Bardenitz und Pechüle. Das älteste Stück aus der katholischen Zeit der Mark Brandenburg stammende, ist ein Räucherfass aus Bronze im romanischen Stil. Der wertvollste Gegenstand ist eine leinene Prozessionsfahne mit vier Meter langer versilberter Stange, auf welcher sich ein Kruzifix befindet. Die Fahne zeigt die Bilder einiger Apostel und mehrere symbolische Zeichen. Eine Holzschnitzerei in gotischem Stil, welche die auf reichornamentierten Sessel thronende, den Leichnam Christi auf dem Schoß haltende Jungfrau Maria darstellt, dürfte aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammen und ist noch heute sehr gut erhalten. Aus den beiden Dörfern sind noch weitere wertvolle Altertümer in Aussicht gestellt.“

Aus der Klosterzeit
Wie schon erwähnt, gehörten zu Kloster Zinna ursprünglich nur 5 Dörfer. Aber zwischen 1250 und 1350 erwarben die Mönche umfangreiche Ländereien und sonstige Rechte, wie Wasser- und Mühlenrechte an den Flüssen Nuthe und Nieplitz hinzu, so dass die Hausmacht des Klosters beträchtlich anwuchs.
Dazu schreibt Hoppe in seinem Buch „Kloster Zinna“:
1268 kaufte Zinna von Richard von Zerbst die Dörfer Bardenitz und Pechüle nordwestlich vom Kloster. Erzbischof Konrad erstellte seine Zustimmung.
Wie wichtig dem Kloster die Dörfer Bardenitz und Pechüle waren, zeigt schon die Tatsache, dass von sämtlichen zinnaischen Dörfern nur Bardenitz und Pechüle Weizenabgaben leisten mussten, für die Hufe 2 bzw. 3 Scheffel.
1426 bat der Konvent Markgraf Johann um den Verkauf des bereits in der Zauche gelegenen Klausdorf. Es bestand noch als Dorf, der Markgraf versprach den Einwohnern ausdrücklich seinen Schutz.
Gleichwohl gab Zinna zwischen 1435 und 1452 seinen „armen lüden und gemeinen treuen von Pechüle die wüste marke und dorpstelle“ Klausdorf. Seitdem mussten die Pechüler als Pacht jährlich 21 Scheffel Roggen an die Pfarre Brietzen liefern. Gestritten hat man nur, ob der Scheffel 15 oder 16 Metzen hat.
Überhaupt waren die Mönche recht geschäftstüchtig.
Um 1300 verkaufte Erzbischof Burchard die Wendemark, unweit Bardenitz, und die südlich von Brietzen entspringende Nieplitz mit allen Nebenflüssen, die namentlich aus dem Osten, aus dem weiten Luchgebiet zwischen Zülichendorf, Pechüle, Niebel und Chemnitz kommen.
Seitdem besteht auch die Getreidemühle an der Lewenitz (Bardenitzer Fließ).
Markgraf Friedrich II. hat 1452 selbst eine große Klagesache zwischen dem Kloster und Brietzen entschieden, wobei es um Mühlen ging, die vom Kloster vermietet wurden, wozu die Stadt das Recht bestritt. Über die Größe der Metzen glaubte man sich ebenso beklagen zu müssen, genauso wie man gegenüber Zinna seine Ansprüche auf das Holz Lewenitz (zwischen Klausdorf und Bardenitz) betonte.
Auch die Grenze zwischen dem beiderseitigen Besitz war umstritten. Nach Friedrichs Spruch sollte die Lewenitz die Scheide sein. Sie war also gegen den Zustand von 1331, wo die Pechüler Mark als Grenze galt, zu Zinnas Vorteil nach Westen hinausgerückt.
Seitdem bildet das Bardenitzer Fließ die Grenze zwischen den Kreisen Jüterbog-Luckenwalde und Zauche Belzig.
Hoppe S. 209 Beilage 4: „Fluvium, qui dicitur Lewenitz, qui descendit de molendino Bardenitz.“ Ebenda heißt es (1331): „Fluvius, qui dicitur Pechüle, descendens a Villa Pechüle… sit terminus“, bis 1970 Grenzgraben zwischen Bardenitz und Pechüle.
Nach Hoppe gehören im Lande Jüterbog dem Kloster in den 70er Jahren des 15. Jahrhunderts folgende Ländereien:
1.    Grüna      34 Hufen
2.    Zinna    30 Hufen
Slatewitz wüst    44 Hufen
Stüdenitz wüst     40 Hufen
3.    Bardenitz    43 Hufen
Wendemark    40 Hufen
4.    Pechüle    42 Hufen
Klausdorf wüst    20 Hufen
5.    Mehlsdorf    14 Hufen
6.    Felgentreu    48 Hufen
7.    Zülichendorf    19 Hufen
8.    Kemnitz    42 Hufen
9.    Nettgendorf    35 Hufen
10.    Dobbrikow    42 Hufen
11.    Hennickendorf    53 Hufen
12.    Berkenbrück    13 Hufen
13.    Gottsdorf    27 Hufen
14.    Frankenförde    62 Hufen
15.    Frankenfelde    62 Hufen
16.    Märtensmühle    16 Hufen
17.    Liebätz    11 Hufen
18.    Ruhlsdorf    18 Hufen
19.    Woltersdorf    16 Hufen
20.    Luckenwalde      7 Hufen
21.    Kolzenburg    14 Hufen
22.    Dümde    12 Hufen
23.    Jänickendorf    30 Hufen
24.    Schlenzer    33 Hufen
25.    Sernow    36 Hufen
Pfuhl    20 Hufen
26.    Neuhof    30 Hufen
27.    Werder    46 Hufen
28.    Wölmsdorf    30 Hufen
Dennewitz,
Bochow und
Niedergörsdorf    17 Hufen
insgesamt            1096 Hufen

Dazu kommt noch der Besitz von 655 Hufen in Barnim. Außerdem sind noch der Hammer in Scharfenbrück und eine Reihe von Mühlen in Zinnas Besitz.
Hoppe rechnet die Hufe mit ungefähr 17 Hektar.

Die Raubzüge der Quitzows
Die Quitzows und ihr Anhang standen dem ersten Hohenzollern Friedrich I., der im Jahr 1412 als kaiserlicher Reichsverweser in die Mark kam, um in dem zerrütteten Land Ordnung zu schaffen, feindlich gegenüber und ebenso dem Erzbischof Günter von Magdeburg, der es mit Friedrich hielt.
Um den Erzbischof zu schädigen, fielen sie mehrfach raubend und plündernd in das Gebiet des Klosters Zinna ein, das zum Gebiet des Erzbistums Magdeburg gehörte.
Am 24. Mai 1413 wurden die Dörfer Bardenitz, Pechüle, Felgentreu, Mehlsdorf und Frankenfelde von Dietrich von Quitzow, Gans zu Putlitz und Richard von Rochow überfallen und ausgeraubt.
Der Gesamtschaden, den das Dorf Pechüle zu beklagen hatte, wurde auf 305 Schock Groschen errechnet.
Der Richter allein verlor ein Pferd, 10 Rinder, 24 Schafe und 8 Schweine.
Ein Einwohner des Dorfes, mit Namen Meier, wurde bei dem Überfall erschlagen.

Mit großem Eifer mag das Klosteraufgebot, zu dem die ausgeraubten Bauern die Hauptmasse stellten, zusammen mit den Bürgern von Magdeburg, Burg und Jüterbog an dem großen erbarmungslosen Rachefeldzug in die märkische Zauche teilgenommen haben, der im November 1413 unternommen wurde.
Ebenso verlief die Belagerung der Quitzow-Burg BEUTHEN (an der Nuthe bei Trebbin) im Februar 1414.
Dass sich die Burg ergab, war für die Belagerer sehr erfreulich und ebenso, dass bei der Verteilung des Beuteviehs so mancher Bauer das eine oder andere ihm geraubte Stück Vieh oder doch einigen Ersatz dafür erhielt.
Zu einer Schadenersatzforderung kam es seltsamerweise erst einige Jahre später, am 24. Mai 1420. Am Vormittag dieses Tages trafen sich die Schulzen dieser Dörfer im Hause des Schulzen zu Grüna. Unter Zustimmung des Abtes zu Grüna übertrugen sie es ihrem Landesherren, dem Erzbischof Günter von Magdeburg, beim Markgrafen Friedrich I. von Brandenburg, der für die Räubereien seiner Vasallen aufzukommen hatte, die Schadenersatzforderung geltend zu machen.
Die Schrift veranlasste die Einsetzung eines Schiedsgerichtes, das im Sommer 1420 einige Entscheidungen fällte.
Aus ihnen ist aber nicht ersichtlich, ob die Bauern überhaupt Entschädigung erhielten.

Die Hüfner der Klosterdörfer, vornehmlich der großen, dienten im Klosteraufgebot als Reiter.
Jeder von ihnen musste ein gutes Pferd haben, außerdem ein „pantzer, einen eisern Kolben, ein Schwerdt und einen Bogen mit seyner Zubehörungen“.
Für die Bewaffnung der Kossäten, die unbestritten einen langen Degen und ebenfalls einen Bogen hatten, war die Parwese charakteristisch. (Die Parwese war ein 2 m hoher und 1 m breiter Setzschild mit dickem Eisenblech beschlagen und unten mit eisernen Spitzen versehen, der in die Erde gerammt wurde, um dem Schützen Deckung zu geben, namentlich bei Belagerungen. Sie wurde darum auch Sturmwand genannt).

Pechüle während der Reformation
Über diese Zeit liegen wenige Berichte vor. Sturtevant schreibt über die Zustände in Kloster Zinna:
Als Luther die neue Lehre verkündete, unterstand das Kloster dem Abt Benedikt (gest. 1539). Er war ein scharfer Gegner der Reformation und versuchte seine Mönche und die Bauern der Klosterdörfer von der neuen Lehre abzuhalten. Unter Benedikts Nachfolgern, Heinrich Greve und Matthias Kegel, fasste diese im Kloster und im Klostergebiet immer mehr Fuß, besonders in Kegels Amtszeit (1539-1543), und zwar unter höchst betrüblichen Umständen. Nicht nur, dass alle Ordnung im Kloster aufhörte, sondern Abt und Mönche bereicherten sich auch am Klostergut. Dem Abt wurde sogar nachgesagt, er habe die Monstranz von Luckenwalde, Grüna und Dorf Zinna nach Torgau verkauft, und das Geld für sich vereinnahmt.
In den zinnaischen Dörfern merkten die Bauern bald, wie es im Kloster stand und zogen ebenfalls ihren Vorteil aus dem Verfall. Es wurde ihnen um so leichter, als der Abt nicht ungern zu den dörflichen Hochzeiten kam, selbst wenn sie in den Fasten stattfanden, und gar den Wein noch aus dem Kloster mitbrachte. Da mochten sie den Alten leicht bestimmen, dass er Gerste statt Roggen als Zins annahm und Holz in großen Mengen verschenkte.
Ferner wird berichtet, dass der Abt auch auf die Dörfer zog, und das Abendmahl nach evangelischem Brauch in beiderlei Gestalt reichte. Damals bekannten sich wahrscheinlich die Klosterdörfer zum Protestantismus.
Die Neuregelung der kirchlichen Verhältnisse ging aber erst später vor sich, wohl erst, nachdem das Kloster mit dem Fortzug des letzten, an der Rettung des Klosters verzweifelnden, Abtes Valerian im Jahre 1553 zu bestehen aufgehört hatte, und an seiner Stelle ein Magdeburgisches Amt, das zunächst vom Jüterboger Amtshauptmann Lippold von Klitzing verwaltet wurde, getreten war.
Über Pechüle erfahren wir von der Generalkirchenvisitation des erzstiftlichen-magdeburgischen Kreises Jüterbog, 1562 veröffentlicht, in „Geschichtsblätter für Stadt und Land Magdeburg“, 10. Jahrgang, 1875 folgendes:
„David Freudemann, seines Alters im 34. ungefähr, ist von der Gemeinde vociert und anno 50 zu Berlin durch M. Eisleben ordiniert, wie er das durch ein schriftlich Testimonium vorgelegt, hat die Pfarre 12 Jahre innegehabt.
Dieser Pfarrer hat auch auf die vorgehaltenen Artikel der christlichen Lehre ziemlich geantwortet, und weil er jetzt in Trauer wegen seines verstorbenen Weibes gewesen, haben die Visitatoren mit ihm gleichwohl Geduld gehabt. Er hat aber gleichwohl ausgesagt, hierfür fleißiger zu studieren“.

Der Dreißigjährige Krieg
Über die Geschehnisse in Pechüle während des langen Krieges liegen wenige Nachrichten vor. Wahrscheinlich sind Kirchenbücher oder andere schriftliche Unterlagen bei Kriegshandlungen vernichtet worden. Kirchenbücher existieren erst seit Ende des Krieges.
Vor dem Krieg wohnten in Pechüle 18 Hüfner und 15 Kossäten. Im Kirchenbuch heißt es danach: „Das Dorf ist die Hälfte wüst und jeder hat nur ein Gespann, damit sie ihre und des Amtes Acker bestellen müssen“. Es werden auch viele Bewohner genannt, die im „Exilio“ gestorben sind. Sie waren bei der Annäherung von Truppen in den Busch geflohen und sind dort umgekommen.
In einem anderen Bericht heißt es, dass in den Pestjahren 76 Bewohner von Pechüle starben, wobei wahrscheinlich die Kinder unter 8 Jahren nicht mitgerechnet wurden.
Sturtevant schreibt darüber:
„Die Pest wütete schon mehrere Jahre im Lande; im Jahre 1637 waren in Jüterbog, das von Flüchtlingen überfüllt war, an 1730 Personen, wie alte Nachrichten vermelden, darunter fast alle Ratsherren und Geistlichen, der Seuche zum Opfer gefallen. Im nächsten Jahre flaute diese ab und brach 1639 erneut, namentlich auf dem Lande, aus. Gleichzeitig hatte das Land unter Hungersnot infolge einer Missernte zu leiden.
Im November 1644 fand in der Birkheide, 5 km von Pechüle entfernt, eine große Schlacht statt. Die Schweden unter Torstensohn verfolgten die Kaiserlichen und stellten sie hier. Als die Schlacht nach einigen Tagen beendet und es wieder still geworden war, mussten die Bauern die Toten begraben. Weit verstreut lagen die Leichen, mehr als 4000 mussten begraben werden. Das dauerte aber bei der verminderten Bevölkerung eine volle Woche, obwohl immer an die 100 Leichen in eine Grube geworfen wurden.

Hofedienste
Während der Klosterzeit kannten die Bauern der Klosterdörfer Fron- und Hofedienste nicht, lediglich einige Frankenfelder Kossäten halfen den Mönchen bei der Heuernte. Auch die Jagd, soweit für den Schutz ihrer Äcker notwendig war, übten die Bauern selbst aus. Sie zahlten dem Kloster lediglich den Zins und Zehnt für den Acker, den sie überlassen bekommen haben. Diese Geldabgabe war aber sehr gering.
Von diesem milden klösterlichen Regiment blieb aber nichts, als Kloster Zinna 1653 magdeburgisches Amt geworden war.
Die Arbeitskraft der Bauern wurde nun sehr stark durch die sogenannten Hofedienste in Anspruch genommen, die Hüfner durch Spanndienste, die Kossäten durch Hand- und Fußdienste, zweimal in der Woche. Zu Zeiten wirkte sich die Bestimmung aber viel härter aus. In einer Beschwerdeschrift über die Bedrückungen durch den Kgl. Amtmann Vieth zu Kloster Zinna klagen die Bauern unter anderem darüber, „daß wir, wenn es ein bißchen regnet, zu halben Tagen zu Hofe kommen müssen und unsere Nahrung zu Hause liegen lassen, dahero die Hofedienste fast die ganze Woche einen Tag wie den anderen dauern, um so mehr, da wir montags und dienstags zu Hofe dienen, die anderen vier Tage aber, wenn es zutrifft, nach der königlichen Residenz Berlin oder sonsten auch sechs bis sieben Meilen fahren müssen.“ Über die Hofedienste sind wir genau durch ein umfangreiches Schriftstück unterrichtet, das gegen Ende des 30-jährigen Krieges der Zinnaer Amtsschreiber Hertzberg in amtlichem Auftrag verfasst hat. Das Buch beschäftigt sich auch mit dem Besitzstand der Dörfer, nennt die Anzahl der Höfe und ihren damaligen traurigen Zustand. In der Einleitung sagt Hertzberg, er habe, alles nach Aussagen der Schulzen, wie es vordem gewesen, aufgezeichnet, und diese, seine Aufzeichnungen, insbesondere die über die Hofedienste, sind für sehr lange Zeit, bis ins 19. Jahrhundert, maßgebend gewesen, zum großen Leidwesen der Bauern.
Die Bauern mussten alle Arbeiten, die im Amt und auf dem Gut Kaltenhausen anfielen, unentgeltlich verrichten und das bedeutete eine bisher ungekannte Versklavung der Bauern. Im einzelnen nachzulesen bei Sturtevant „Chronik von Dorf Zinna“. Begreiflicherweise war das Verhältnis der Bauern zum Amt wegen dieser Frondienste nicht gut. Beschwerden dagegen wurden kaum beachtet. Die Hofedienste wurden erst 1807, im Zuge der Bauernbefreiung, aufgehoben.
Aber es gab neben den verhassten Hofediensten noch andere Bauernnöte, z. B. die Jagddienste.  Hertzberg schreibt darüber:  „Die Amtsuntertanen sind schuldig, das Wild zu treiben, fortzuschaffen und nicht minder den Jägern noch Unterhalt zu gewähren“. Letztere Bestimmung wirkte sich in der Praxis dahingehend aus, dass Bauern, wie es in einer Beschwerdeschrift der Dörfer Felgentreu und Mehlsdorf von 1785 heißt, „nicht nur die Jäger, sondern auch ihre Gesellschaften, die sie mitbringen, aufnehmen und beköstigen müssten. Ebenso würden sie gezwungen, auch jeden, der nur Zuschauer bey den Jagden sey, wieder zurückzufahren. Bei größeren Jagden würden sie mit Schlägen traktiert“. Von einer Beköstigung der Bauern war nicht mehr die Rede, jeder Bauer musste sich vielmehr für die zwei oder drei Tage während er Treiberdienste tun musste, sein Essen mitbringen. Sehr lästig war den Bauern auch, dass in den Waldgebieten, in denen im Spätherbst Sauen gejagt werden sollten, wie dem Lattebusch und dem Zülichendorfer Winkel, vom ersten September an vollkommene Ruhe herrschen musste. In dieser Zeit Holz zu holen oder Vieh weiden zu lassen, war ihnen nachdrücklich bei härtester Bestrafung untersagt, Zwischen 1788 und 1790 fanden alle Jahre viertägige Hofjagden unter Leitung des Obersten Freiherrn von Stein statt. Der Jagdbefehl Steins lautete 1789: „Amt Zinna hat die Hälfte aller Untertanen Mittwoch, den 5. November mittags nach Frankenförde hinüber zu beordern. Jeder Treiber führt ein Beil, Feuerzeug und jede Gemeinde sechs Spaten mit sich, versieht sich auch bis zur Ablösung mit Lebensmitteln für drei Tage. Der Schulze bringt die Liste mit. Kinder unter 14 Jahren und Weibsbilder dürfen nicht geschickt werden. Die Ablösung als die andere Hälfte (201 Treiber) trifft Sonnabend, den 8. November mittags gegen 11 Uhr in Zinna ein“.
Außerdem hatten die Bauern acht viergespännige Korbwagen zum Transport des Jagdzeuges , der Netzte, Gewehre usw. von Dorf Zinna bis Beelitz am 11. November zu stellen, ferner vier Wagen aus Felgentreu und vier aus Zülichendorf mit Ernteleitern.“

1789 ordnete der Hofjägermeister an:

1)    4 Korbwagen mit Pferden bespannt in Kemnitz bereitstellen, die königlichen Jäger nach Bardenitz zu bringen.
2)    4 Pferde, 1 Korbwagen in Kemnitz, die nötigen Gerätschaften aus dem dortigen königlichen Hundezwinger nach Pechüle zu bringen.
3)    22 Mann nach Kemnitz beordert, um die königlichen Hunde nach Pechüle zu bringen.
4)    Bardenitz Bauernquartier für 12 kgl. Hofjäger.
5)    Pechüle muss Stallung für 22 kgl. Hunde in Bereitschaft halten und Quartier für 2 kgl. Hofjäger.

Es scheint, dass damals das Amt Zinna sehr wildreich war. 1823 wurden sogar in der Treuenbrietzener Gegend Wölfe gesehen. Sturtevant berichtet, dass früher die Bauern, besonders im Herbst vor der Kartoffelernte, mit Laternen und Lärminstrumenten hinauszogen, um die Wildschweine zu vertreiben.

Aus der Geschichte von Klausdorf
Wahrscheinlich ist Klausdorf zum ersten Mal nach 1200 besiedelt worden, aber um 1300 wurde es schon wüst, weil die Feldmark zu arm war. Kloster Zinna kaufte damals die wüste Mark dem Markgrafen ab.
Sie gehörte jedoch zur Pfarrei Brietzen.
Pischon schreibt darüber: „Die Zinnaer Mönche haben im 13. Jahrhundert die Stadtmauer von Brietzen gebaut. Die Ausgleichung der gegenseitigen Rechnung scheint im Jahre 1311 stattgefunden zu haben. Wenigstens meldet uns eine teilweise und in Abschrift erhaltene plattdeutsche Urkunde von 1311, dass Dietrich, der Nachfolger von Abt Petrus, der Stadt dadurch gefällig wurde, dass er die dem Markgrafen durch das Kloster abgekaufte wüste Dorfstätte Klausdorf unter der Bedingung den Bauern zur Nutzung übergab, dass sie denen von Brietzen Thedekorn (Gerichtskorn), dem ehrsamen Rate von Brietzen Gerste und Geld jährlich geben sollten, wie es von alters her von der wüsten Mark gegeben worden sei. Beide Urkunden, sowohl die von Seiten des Klosters Zinna, als die von hier zuerst urkundlich vorkommenden Rates von Brietzen ausgefertigte, sind abschriftlich vorhanden. Es ist dies die erste Erwähnung des Dorfes Klausdorf, welches hiernach am Ende des 13. Jahrhunderts zum ersten Mal wüst geworden ist. Ein im Jahre 1541 verfertigtes Kirchenvisitationsprotokoll stellt fest, dass u.a. zum Einkommen der Pfarrei Treuenbrietzen die Pacht von 22 Scheffel Roggen von der Gemeinde Pechüle für die Feldmark Klausdorf gehöre.
Zwischen 1311 und 1450 scheint Klausdorf noch einmal besiedelt gewesen zu sein. Eine Karte von 1680 weist schon die Flurbezeichnungen „alte Dorfstelle“ und „neue Dorfstelle“ aus, wie sie noch heute bekannt sind.

Die Pechüler weigern sich, die wüste Feldmark Klausdorf abzutreten (nach Liebchen)
Der Direktor der kurmärkischen Kriegs- und Domänenkammer Dieckhoff hatte beschlossen, die neun als Pfälzer bezeichneten Familien in Klausdorf anzusiedeln. Sie kamen am 14. Februar 1748 im Amt Zinna an. Sogleich, am folgenden Tage, wurden die Pechüler, welche die wüste Mark bewirtschafteten, beim Landrat von Wobeser in Luckenwalde vorstellig. Sie gaben an, schon 1430 in Besitz der Feldmark gewesen zu sein und ohne diese nicht auskommen zu können, sie verlören viel Äcker, Weide und Wiesenwachs und seien dadurch schlecht imstande, die Kontribution und andere Abgaben zu entrichten. Sie wiesen besonders darauf hin, dass in ihrem Dorfe die stattliche Zahl von 18 Hüfnern und 16 Kossäten wohne.
Das Amt Zinna war der Magdeburgischen Kriegs- und Domänenkammer unterstellt, letztere wusste nichts von den Maßnahmen der kurmärkischen Kammer und wandte sich unter dem 23. Februar an das Generaldirektorium. Am 8. März machte die Magdeburger Kammer den Vorschlag, das zum Amt Saarmund gehörende kleine Vorwerk Horst für die Kolonisten herzurichten, da hier im Gegensatz zu Klausdorf Wiesenwachs vorhanden sei. Am 27. März forderte das Generaldirektorium Bericht von der kurmärkischen Kammer auf diesen Vorschlag. Letztere hielt indessen an ihrem Vorhaben fest und wies darauf hin, dass schon 1732, als einige Salzburger unterzubringen waren, auf Vorschlag des damaligen Kriegsrates und des späteren Kammerdirektors von Pommern, von Thiele, Klausdorf bebaut werden sollte, dass aber dieser Plan nicht zur Ausführung gekommen sei, da man die Salzburger an anderer Stelle angesiedelt habe.
Hinsichtlich der Weide, welche die Pechüler verlieren würden, bemerkte die Kammer, dass von Thiele schon den Einwand entkräftet habe und dass vorsichtshalber eine Untersuchung vorgenommen werde.
doch die Gemeinde Pechüle gab sich nicht zufrieden. Bereits am 20. April machte sie eine neue Vorstellung. Sie wies darauf hin, dass der größte Teil der Feldmark Klausdorf sandig und von Kiefern bewachsen sei, während der übrige Teil sumpfig und niedrig sei, so dass in trockenen Sommern auf den hohen Böden und in nassen Zeiten auf den niedrigen nichts geerntet würde, Pechüle aber für sein Vieh die Trift und Hutung verliere. Die Leute befürchteten weiter, ihr guter Boden würde, wenn man Kienholz und Buschwerk abschlüge, versanden. Auf fürstlichen Befehl sei 1572, zur Zeit des Amtshauptmannes von Oppen, das sandige Gelände mit Holz besät worden.
Das Generaldirektorium ordnete am 15. Mai 1748 an, die Bittsteller zur Ruhe zu verweisen.
Da die Kolonisten noch als Mieter in Zinna und Mehlsdorf wohnten und ohne Gespann und Ackergerät waren, wurde der Braukrüger Johann, Friedrich Henkel in Bardenitz, der den Ruf eines tüchtigen Landwirtes hatte, gewonnen, die Feldarbeiten der Pechüler auf der Klausdorfer Feldmark zu beaufsichtigen und eine Abschätzung des ausgesäten Kornes und des untergepflügten Düngers vorzunehmen. Die Bauern bestellten den Acker, weil sie hofften, ihn noch behalten zu dürfen. Die Schulzen und Schöppen von Pechüle wurden am 3. Mai ins Amt Zinna vorgefordert. Sie sollten mit Henkel die Felder durchgehen und ihm die Wintersaat und bisher eingebrachte Sommersaat angeben. Indessen baten die Bauern, die weitere Aussaat vornehmen zu dürfen, da sie hinlänglich mit Gespann und Sommersaat versehen seien. Am 11. und 12. Mai versammelte sich die Gemeinde Pechüle und beschloss, dass sie die wüste Mark weiter bestellen wolle. Ihre Vertreter trugen am 12. dem Beamten Klinzmann in Kloster Zinna den Beschluss vor und betonten, die Menge der Aussaat nicht eher angeben zu können, bis die Einsaat beendet sei, die Bauern aber die Aufsicht Henkels nicht dulden könnten. Sie hofften immer noch, dass des Königs Gnade ihnen die Feldmark einräume, da sie ohne diese nicht bestehen könnten und zwei kgl. Räte nächstens zur Untersuchung kämen. Klinzmann sagte den Gemeindemitgliedern, er würde von ihrem Vorhaben Bericht erstatten und sie für alle Schäden haftbar machen. Darauf erwiderten sie, die Gemeinde würde es aus dringendster Not aufs äußerste ankommen lassen. Diese Drohung wies darauf hin, dass die Pechüler mit Übergriffen antworten würden. Bereits am nächsten Tage, als die Kolonisten auf den zehn Enden Land, die als Gärten vorgesehen waren, gruben, sahen sie, wie der Pechüler Hirte das Vieh auf ihre Wiesen trieb. Er stellte die Kolonisten zur Rede und begab sich zu seiner Gemeinde. Bald erschienen die Pechüler Bauern Mann für Mann und sagten, dass sie ihnen hier keine Rechte einräumen könnten, sie würden vielmehr das umgegrabene Land umpflügen. Noch am gleichen Tage erschienen die Kolonisten Steffen, Greter, Brummer und Behnert in Kloster Zinna und trugen dem Beamten Klinzmann ihre Sorgen vor. Dieser verfügte sogleich, dass den Kolonisten kein Anlass zur Beschwerde gegeben werde und die Pechüler in üblicher Weise nach dem 11. Mai die Wiesen nicht mehr betreten dürften. Am 15. Mai erschien u. a. der Kolonist Kolbe in Zinna und beschwerte sich, die Pechüler kämen beständig mit Vieh auf die Klausdorfer Flur und pflügten das Land, auf dem Kartoffeln und Bohnen gesteckt seien, und hätten viel Holz in den Büschen geschlagen und nach Sachsen verkauft.

Die Bauern wurden noch einmal ermahnt. Die Kolonisten wandten sich auch an die Kammer. Am 15. Mai wurde das Amt angewiesen, die Bauern vorzuladen und von ihnen Schadenersatz zu fordern, gegebenenfalls auch die Strafe der Karre in Aussicht zu stellen. Auch sollte sich das Amt Zinna verantworten, warum es nicht sogleich über die im Wald angerichteten Schäden berichtet hätte. Bei dem Verhör, an dem drei Pechüler und drei Kolonisten teilnahmen, leugneten die Bauern, die Kolonisten würden hier und dort auf dem Acker buddeln und etliche Flecke als ihr Gartenland ansehen, so dass hierdurch die Bestellung des Ackers verhindert würde.

Die Pechüler bestritten sodann, sich seit dem Winter, an dem es ihnen verboten worden sei, an dem Walde vergriffen zu haben. Das, was in dem Busch geschlagen sei, wäre schon in der kalten Jahreszeit 1746 ausgekavelt worden. Niemand hätte sich unterstanden, Holz zu schlagen, um so mehr, als der Schulze um Fastnacht es bei der Strafe von einer halben Tonne Bier verboten habe. Die Kolonisten sagten aus, ihnen seien die Leute, welche Holz geholt hätten, nicht bekannt. Zum Schluss betonte der Beamte noch einmal, dass Holz weder aus dem Busch noch aus der Heide von Klausdorf geholt werden dürfe.

Anfang Juni begaben sich Dieckhoff und Kriegsrat Brand in das Amt Zinna, um die Klagen der Pechüler zu untersuchen. Es wurde geprüft, ob diese ein Recht auf die wüste Mark hatten. Fest stand, dass sie 1480 für die Benutzung der Flur 15 alte Schock, später 60 und zuletzt 120 Taler gegeben hatten, aber keine Eigentumsrechte geltend machen konnten. Sodann machten die Kommissare einen Vorschlag, wie nach der geschehenen Vermessung die Ländereien unter die Kolonisten aufzuteilen seien. Da die Pechüler das Getreide für die Aussaat, welche sie an Stelle der Kolonisten besorgt hatten, nicht annehmen wollten, waren die Kommissare genötigt, die Winter- und Sommersaat durch geschworene Taxatoren abschätzen zu lassen. Sie belief sich auf 10 Wispel und 7 Metzen.

Die Bauern betrieben immer noch mit ihrem Vieh die wüste Mark und schlugen dort Holz, und es war zu erwarten, dass die sich auch hier die Ernte holen würden. Deshalb stellten die Kommissare dem König anheim, den Kommandeur der Treuenbrietzener Garnison zu veranlassen, zur Aufrecherhaltung der Ordnung einige Mann zur Verfügung zu halten. Das Amt Zinna sollte den Bauern andeuten, sich jeden Übergriffs zu enthalten, damit ihre Anführer nicht zur Strafe auf die Festung Spandau gebracht würden.

Die Überprüfung der Lage des Dorfes Pechüle ergab folgendes. Die Bewohner besaßen außer ihrer Feldmark die zu ihrem Ort gehörende Kienholzung, dazu einen Elsbruch im Felgentreuer Amtsbusch, die Koppelhutung auf der wüsten Feldmark Schlatenitz und auf der Birkheide mit einigen anderen Dörfern, die wüste Feldmark Studenitz mit Zinna und Mehlsdorf. Die bereits genannte Bruchweide im Felgentreuer Amtsbusch bestand durchgehend im „Elslaaken“ und eignete sich gut für Hornvieh und Pferde, die Koppelweiden auf beiden wüsten Feldmarken stellten gute Schafweiden dar und hatten eine solche Ausdehnung, dass mit Einschluss der Brache und Holzweide kein Mangel für das Vieh eintreten konnte. Der Pechüler Boden war meist als gut bezeichnet, auf welchem zum Teil Weizen, guter Roggen, Gerste und Hafer stand. Eine Ausnahme waren die „Butenländer“, d.h. die entfernt liegenden Ackerstücke. Die Kommissare hatten nur Bedenken hinsichtlich der Kossäten, deren 16 in Pechüle wohnten. Diese besaßen im Hutenschlag keinen Acker, sondern Land hinter ihren Höfen, welche als Wörden bezeichnet wurden. Aus diesem Grund gestatteten die Bauern den Kossäten nicht, das Vieh ohne weiteres auf die Ackerweide zu treiben, vielmehr mussten die Kossäten für das Weiden Pacht bezahlen. In den anderen Dörfern war es durchgehend gebräuchlich, dass das Vieh der Kossäten unter die Dorfhut gejagt wurde. Die Kommissare meinten, die Pechüler Kossäten hätten eher Grund zur Klage, wenn die Gemeinde die wüste Mark verliere. Besonders wurden zwei Kossäten betroffen, die auf Klausdorfer Gebiet etwa zwei Scheffel Wintergetreide aussäten, während die übrigen von dem Treuenbrietzener Kämmereigut Frohnsdorf Acker gemietet hatten.

Dieckhoff und Brandt wollten, dass jeder Kossät zwei Zugochsen und zwei Kühe unter die Dorfhut treibe, und forderten das Amt Zinna auf, die nötigen Schritte zu unternehmen. Gedachten die Kossäten Pferde zu halten, so sollten sie sich mit der Gemeinde vergleichen, doch mussten die Pferdehalter die Abfuhren, d.h. die Spanndienste mit verrichten, wie es bisher von den Kossäten, die Pferde hielten, gehalten wurde. Zwar schlugen die Kommissare weiter vor, einen Teil der wüsten Feldmark Studenitz, wovon das Dorf Zinna 22 Hufen in Pacht hatte, und etwa 50 Morgen von Klausdorf an dessen Grenze zu überlassen, doch wiesen die Kossäten diesen Vorschlag zurück, da diese Ländereien in hohem Acker stünden und es ihnen allein um die Hutung zu tun sei.

Die Ernte kam näher, und es war zu erwarten, dass die Pechüler Ansprüche auf die Erträge der wüsten Feldmark machen würden. Die Kriegs- und Domänenkammer, bei welcher neue Beschwerden eingetroffen waren, wollte jeden Übergriff verhindern. Das Amt sollte den Leuten drohen, dass vom Zeitpunkt der Veröffentlichung der Verordnung niemand mehr sich an den Feldfrüchten vergreife, und die Rädelsführer zur Strafe nach Spandau gebracht würden. Zwei Tage später – am 27. Juni 1748 – befahl die Kammer, den Pechülern Aussaat und Bestellerlohn entsprechend der Taxe mit 259 Talern zu vergüten. Sie weigerten sich jedoch, das Geld anzunehmen, wollten vielmehr die Ernte haben und stellten in Aussicht, das Getreide abzumähen. Obwohl das Amt die schärfsten Drohungen ergehen ließ, hüteten sie in Stärke von 13 Mann und mehr doch auf dem Klausdorfer Gebiet.

Rädelsführer konnten nicht ermittelt werden, da die Bewohner wie ein Mann zusammen standen.
Das Generaldirektorium berichtete Friedrich den Großen über diese Zustände am 3. Juli. Der König griff nun selbst ein. Er schrieb an das Direktorium:

…Seine Königl. Majestät in Preußen, unser allergnädigster Herr, haben auf dero General-Oberfinanz-Kriegs- und Domänenkammerdirektori alleruntertänigste Vorstellung am 3. dieses Monats die Widersetzlichkeit derer Untertanen im Zinnaischen Amtsdorf Pechüle betreffend an den Oberstleutnant von Byla dato die Order ergehen lassen, dass er, sobald ihn die kurmärkische Kriegs- und Domänenkammer requirieren wird, ein genügsames Kommando, um erwähnte Bauern von der Abmähung des Getreides und des Grases auf deren zweibrückenschen Kolonisten eingegebenen Feldmark Klausdorf abzuhalten, verabfolgen lassen wolle.
Berlin, den 6. Juli 1748
gezeichnet Friedrich

Oberstleutnant von Byla in Treuenbrietzen wurde verständigt, ein Kommando von 20 Grenadieren nach Pechüle zu legen, die Pechüler von der Feldmark zu verjagen und sie auch am Einfahren des etwa in Klausdorf gemähten Getreides zu hindern. Einige Rädelsführer, die das Amt Zinna bezeichne, sollten ins Amt zum Arrest abgeliefert werden.
Am 7. Juli abends – es war ein Sonntag – erhielt der Offizier den königl. Befehl. Es war auch höchste Zeit, denn die Bauern hatten schon am Sonnabend angefangen, das Gras abzumähen und einige Fuhren nach Hause gebracht. Sie wären schon am Montag mit der Ernte fertig gewesen. Mit anbrechendem Montag erschienen sie auf der Klausdorfer Feldmark und mähten beinahe allen Roggen ab.
Der Oberstleutnant ließ an diesem Tage in aller Frühe Erkundigungen einziehen und als er die Nachricht erhielt, die Bauern seien in voller Arbeit und hätten den größten Teil des Roggens abgemäht, schickte er ein Kommando nach Klausdorf und fuhr sogleich selbst nach. Er ließ die Pechüler Bauern zusammen treiben und nach Bardenitz bringen. Hier hielt er ihnen vor, wie unvernünftig sie tags zuvor räsoniert hätten, welches eine Beleidigung der Kriegs- und Domänenkammer, ja auch seiner königl. Majestät sei und stellte ihnen die Exekution bei weiterem Ungehorsam in Aussicht.
Sie baten um Verzeihung und versprachen, nicht mehr nach Klausdorf zu gehen. Von Byla riet ihnen, Deputierte der Gemeinde nach Zinna zu senden, um dort Gehorsam anzugeben. Zwei Vertreter aus Pechüle, der Zweihüfner Peter Schmidt und Peter Letz sowie auch Klausdorfer erschienen dort. In der in Kloster Zinna stattfindenden Verhandlung, an der auch der Oberstleutnant teilnahm, versprachen beide Parteien Frieden zu halten. Wegen des fortgenommenen Grases wollten die Pechüler das Brachfeld der Kolonisten unentgeltlich pflügen. Sie nahmen auch die bisher von ihnen verweigerte Vergütung von 25 Talern, 1 Groschen und 3 Pfennig für Aussaat und Bestell-Lohn an.
Das Generaldirektorium, das von diesen Vorgängen in Kenntnis gesetzt wurde, setzte fest, die Rädelsführer für dieses Mal nur mit zwei Tagen Gefängnis bei Wasser und Brot zu bestrafen.
Auch Friedrich der Große hatte den Bericht der Offiziere erhalten, es ist möglich, dass er selbst diese Strafe angeordert hatte. Am Abend des 11. August wurden die Übeltäter nach Verbüßung ihrer Haft in Kloster Zinna entlassen. Von weiteren Übergriffen der Pechüler ist nichts beurkundet.
Aus Erzählungen alter Pechüler geht hervor, dass sich in den Folgejahren eine gewisse Tradition unter den Pechülern herausbildete, zu Fastnachten die Klausdorfer aufzusuchen, sich bewirten zu lassen und dann Stänkereien zu führen – im Gedenken an die angetane Schmach bei der Besiedlung Klausdorfs.

Die Namen der am 14. Februar angekommenen Klausdorfer Siedler waren:
1.    Bauer Nikolaus Haubach, 50 Jahre, aus Staudenbühl (Pfalz)
2.    Bäcker Joh. Michael Greter, 26 Jahre, Enselin bei Schwäb. Hall
3.    Leineweber Joh. David Wasem, 42 Jahre, Grubach sw. Kreuznach
4.    Müller Karl Pritzer, 50 Jahre, Schmidt-Hachenbach, Hunsrück (er ist unterwegs in Berlin gestorben und hatte Frau und drei Söhne hinterlassen)
5.    Maurer Jakob Brummer, 40 Jahre, angeblich aus Packnan, Würtemberg
6.    Tagelöhner Leonard Bennert, 41 Jahre, Windsheim in Schwaben
7.    Handarbeiter Johann Otto Steffen, 38 Jahre, Laubeck
8.    Schneider Valentin Zundel, 50 Jahre, angebl. aus Lautreck in der Pfalz (vermutlich Lauterecken sw von Kreuznach. Letzterer starb am 14. März, seine Kinder wurden nach Berlin ins Friedrichshospital gebracht und erhielten die väterliche Erbschaft von 5 Talern)
9.    Erst am 5. März kam der Schmied Johann Martin Kolbe, 40 Jahre , Frankfurt/Main an.
10.    Juli 1748: Ackerleute Johann, Adam Helgenberger, 40 Jahre, Lichtenberg bei Darmstadt
11.    Juli 1748: Ackerbürger Johann Jakob Pfeiffer, Umstadt in der Pfalz
12.    Juli 1748: Christian Wolf, 32 Jahre, Eberstadt in Hessen

Anmerkung des Verfassers: Bevor Klausdorf neu besiedelt wurde, hatte die Feldmark Jahrhunderte wüst gelegen, weil sie einfach zu ungünstig war. 1984 wurde sie mit einem sehr hohen Kostenaufwand melioriert, der Nutzen bleibt zweifelhaft.

Pechüle in den Kriegen der letzten Jahrhunderte
In den Befreiungskriegen musste Pechüle viel Not erleiden. Als nach der Schlacht von Jena 1806 die Franzosen gegen Berlin marschierten, wurden auch unsere Dörfer geplündert. In den Folgejahren lagen in den Amtsdörfern immer wieder französische Einquartierungen, die von Bauern mit Essen und Futter für die Pferde versorgt werden mussten.
Von 1813-15 waren es dann preußische und russische Truppen. Nach den Schlachten bei Großbeeren und Dennewitz waren die Dörfer des Amtes sehr verarmt. Das Volk sagte allgemein, dass die Russen als Freunde (besonders die Kosaken) sehr viel schlimmer seine als die Franzosen als Feinde.
Am 30. April 1813 rückten mehrere hundert Jäger eines russischen Korps in Bardenitz und Pechüle ein und bezogen hier Quartier. Bardenitz musste 21 Offiziere, 193 Soldaten und 217 Pferde unterbringen, Pechüle 4 Offiziere, 135 Soldaten und 154 Pferde. Es war für die Einwohner nicht leicht, denn es gab Gehöfte, die 15 Soldaten und 15 Pferde nehmen mussten, wie Schenke und Lüdicke in Bardenitz. Andere hatten weniger Pferde, dafür aber Offiziere, die höhere Ansprüche als die Soldaten stellten. Auch in Pechüle mussten drei Bauern je 15 Soldaten unterbringen, nämlich Schlunke, Ebel und Martin Schulze. Die beiden Schulzen in Bardenitz und Pechüle  erhielten von den Russen eine Quittung über die gelieferten Brot- und Fleischrationen ausgestellt. Als sie aber dieselben beim Magazin in Treuenbrietzen einlösen wollten, konnte sie niemand lesen, weil sie in russischer Sprache geschrieben waren.
Über die Schlacht bei Dennewitz erfahren wir u. a. folgendes: Der Rat der Stadt Treuenbrietzen erließ die Forderung, dass für Verpflegung der hier ankommenden preußischen Verwundeten und französischen Gefangenen die Dörfer Bardenitz, Pechüle und Klausdorf der Stadt zu Hilfe kommen müssen – weil kein Magazin vorhanden – und angesichts dieses soviel Brot als sie entbehren können, herbringen und demnächst dieses wieder erstattet erhalten, auch haben diese Gemeinden soviel Vorspann an Pferden und Ochsen zur Stadt zu schicken, als sie nur haben, weil die vielen Verwundeten nach Potsdam geschafft werden müssen.
Am folgenden Tage gingen die Antworten ein:
„In Klausdorf sind alle Pferde fort, die Landwehr hat sie uns weggenommen und ist keines zu Hause und Brot ist im Dorfe auch keines. Das ganze Dorf ist voll Verwundeter, die Bardenitzer haben schon welche weggeholt.
Bardenitz ist voll Verwundeter, zur Verpflegung kann die Gemeinde nicht beitragen.
In Pechüle haben die Husaren gestern schon die Wagen abgeholt, nach Zinna Verwundete zu fahren, so dass keine Pferde vorhanden sind, und weil das von General Borstell kommandierte Korps unsere Ochsengespanne genommen hat, um die Lebensmittel heranzuschaffen, können wir keine Gespanne schicken. An Brot ist kein Vorrat, weil viele vom Schlachtfeld gekommen sind, und über tausend Menschen in unserem Dorfe waren.“
Weiter heißt es: „Eines Tages kamen Russen in das Dorf Pechüle. Als sie beim Plündern waren, gerieten sie mit einem gewissen Frobenius in Streit, wobei dieser erstochen wurde.“
Aus Pechüle sind in den Befreiungskriegen gefallen (lt. Inschriften der Gedächtnistafeln der Pechüler Kirche):
1.    Joh. Gottfried Hagen, Grenadier, geblieben bei Groß-Görschen am 2. März 1813
2.    Joh. Ludwig Bosdorf, Landwehrmann, geblieben bei Dennewitz den 6. September 1813
Weiterhin sind in den Kriegen gegen Dänemark, Österreich und Frankreich gefallen:
1.    Gustav Hermann Klemm, gefallen bei Schleswig am 23.4.1848
2.    Friedrich Gustav Lintow, gest. am 5.8.1866
3.    Joh. Friedrich Haberland, gefallen am 16.8.1870 bei Vionville
4.    Friedrich Schlunke, gefallen am 18.8.1870 bei Gravelotte
5.    Karl Friedrich Hagen, gef. am 30.9.1857
6.    Martin Bolze, gest. Juli 1860
Auf der Dorfstraße steht vor dem Friedhof das Denkmal für die 17 Gefallenen des ersten Weltkrieges. Leider ist die Inschrift nicht mehr vollständig lesbar, da es mutwillig von Jugendlichen beschädigt wurde.
Obwohl das Denkmal mit dem Reichsadler gekrönt ist, wurde es 1945 von der Roten Armee vollkommen respektiert.
Die Namen der Gefallenen lauten:
1.    Gustav Schulze, gef. am 24.2.1916 bei Verdun
2.    Hermann Schulze, gef. am 31.7.1916 bei Verdun
3.    Albert Schröder, gef. am 19.4.1917 in der Champagne
4.    Ewald Schmidt, gef. am 3.5.1917 bei Prago
5.    Gustav Schröder, gef. am 22.5.1917 am Winterberg
6.    Alfred Rosin, gef. 8.11.1917 bei Verdun
7.    Hermann Schulze, gef. am 23.11.1917 bei Arras
8.    Gustav Hagen, gest. am 8.1.1918 im Lazarett
9.    Gustav Frobenius, gef. am 23.3.1918 bei St. Quentin
10.    August Haberland, gest. am22.4.1918 im Lazarett
11.    Bernhard Engel, verm. 27.9.1918 bei Cambrai
12.    Albert Höhne, gef. am 26.9.1914 bei Reims
13.    Ferdinand Haberland, gef. am 26.10.1914 in Frankreich
14.    Gustav Brummer, gest. am 3.11.1914 im Lazarett
15.    Karl Prinz, gef. am 17.12.1914 in Frankreich
16.    Albert Schmidt, gest. am 26.2.1915 im Lazarett
17.    Fritz Schulze, unleserlich

Für die Gefallenen der Sieger des zweiten Weltkrieges wurden Ehrenfriedhöfe angelegt, nicht so für die deutschen  Gefallenen. Obwohl sie für eine ungute Sache kämpften und sinnlos starben, soll an dieser Stelle zum Zeichen des Gedenkens aufgeführt werden, wer 1936 in Pechüle wohnte und im 2. Weltkrieg fiel oder vermisst wurde.
1.    Schröder, Erich
2.    Schröder, Bernhard
3.    Schröder, Emil
4.    Schröder, Gustav
5.    Schröder, Herbert
6.    Höhne, Albert
7.    Friedrich, Hermann
8.    Zimmermann, Albert
9.    Zimmermann, Heinz
10.    Zimmermann, Martin
11.    Geserigk, Alfred
12.    Hinze, Georg
13.    Rinn, Felix
14.    Bergholz, Erich
15.    Zahn, Albert
16.    Lintow, Gustav
17.    Lintow, Bruno
18.    Händel, Rudi
19.    Näthe, Emil
20.    Schulze, Erich
21.    Ernicke, Kurt
22.    Ruhle, Gustav
23.    Ruhle, Walter
24.    Schumann, Erich
25.    Haberland, Erich
26.    Bosdorf, Martin
27.    Hagen, Bernhard
Außerdem wurden beim Einmarsch der Russen in ihren Häusern ohne ersichtlichen Grund erschossen:
28.    Schenke, E.
29.    Geserigk, H.
30.    Schröder, P.
Auf dem Friedhof in Pechüle befindet sich ein Massengrab mit sechs Soldaten und einer Frau. Sie waren auf der Flucht und sind in der Pechüler Feldmark tot aufgefunden worden. Dieses Grab wird bis heute gepflegt.

Interessante Eintragungen im Kirchenbuch
Pfarrer Samuel Benedikt Schreiner schreibt 1806: „Gott hat durch Luther die Erde erneuert und seine großen Verdienste an Christen, Juden und Türken sind bekannt. 1804 fand sich eine Gesellschaft von Gelehrten, die ihm ein Denkmal und Wohltätigkeitsanstalt bey Mansfeld errichten wollten, wie das Waisenhaus in Halle. Könige, Fürsten und Städte gaben dazu große Summen, selbst ein Jude aus Hamburg gab 5 Rthlr. Weil es dazu gehörte, verordnete das Konsistorium in Berlin, die Prediger in allen Orten sollten dazu eine Kollekte sammeln. Ich tat es und 1805 hielt ich über die Worte „Euch ist gegeben“ eine Predigt. Es ist eine große Wohltat Gottes, daß er uns durch Luthern die reine Lehre Christi geschenkt hat. Ich bekam nicht einen Pfennig.
1806 festo Ephan. sollte auf Spezialbefehl des Königs im ganzen Lande in allen Kirchen lutherischer Konfession gesammelt werden. Ich kündigte solche am Neujahrstag weitläufig und nachdrücklich an, und sie sollten im Schulzengericht gesammelt werden. Ich lasse den Schulzen Andreas Huschke, Schöppen Balthasar Bosdorf und Andreas Hagen darum bitten. Aber nicht nur aus Dummheit und Geiz, sondern aus Bosheit haben 18 Bauern und 12 Kossäten nicht einen Pfennig geben wollen. Es wurde mir geantwortet, sie hätten Kontribution ausgebracht, Mehlfuhren zu tun. Ich meldete solches dem Konsistorio und sandte für mich einen Rthlr. ein.“

Pfarrer Johann, Christian Schulze schreibt 1833:
„Im Jahre 1833 den 9ten April traf das hiesige Dorf ein großes Unglück, indem an dem selbigen Tage eine Feuersbrunst ausbrach, die in einer viertel Stunde sich so verbreitete, daß 7 Hüfner, 11 Kossäten und eine Büdnerwohnung in Flammen standen und ohne Rettung vom Feuer verzehrt wurden. Es war den Unglücklichen nicht möglich, viel zu retten.“
Es handelte sich um die Nordhälfte des Dorfes. 7 Kossäten wohnten damals zusammengedrängt im Kietz (der seit jeher in vielen Orten das Ghetto der altansässigen Wenden war). Sie bauten anschließend am Ende des Dorfes neu auf. Der Name für die kleine Straße ist aber bis heute erhalten geblieben. Auch die Hüfner bauten gleich wieder auf. Seitdem heißt die Nordhälfte des Dorfes „Neues Ende“. Da die Häuser aber noch heute stehen, sieht es älter aus als das „Alte Ende“.

Eine Zeitungsnachricht aus dem Jahre 1887:
„Am 12. August 1887 wurden beide Dörfer von einem verheerenden Brande heimgesucht. Am Mittwoch sind in dem Dorf Bardenitz vier Wirtschaften fast vollständig abgebrannt. Ausgekommen soll das Feuer sein in der Frühe gegen 3 Uhr auf dem Gehöft des Bauern Bergemann, und zwar in dessen massiv gebauter Scheune. Von hier aus übertrug sich das Feuer in Feuergarben bis in das 10 Minuten entfernte Dorf Pechüle, woselbst drei Gehöfte fast vollständig niederbrannten. Den Bedauernswerten ist die Ernte fast vollständig verbrannt, sogar das Vieh ist in den Flammen umgekommen.“

In den beiden Dörfern spricht man noch heute von einem Versicherungsbetrug. In einem kleinen Gehöft zwischen den großen, neuen Häusern soll ein mißgünstiger Nachbar ständig gelöscht haben, so dass es stehenblieb und bis heute als deutlich älteres Haus zu erkennen ist.

Während es in Pechüle bis zum 30-jährigen Krieg 34 Feuerstellen seit der Besiedlung im 12. Jahrhundert gab, weist eine statistische Angabe aus dem Jahre 1801 folgendes aus (nach Bratring „Beschreibung der Mark Brandenburg“, 1805):
–    Pechüle: 44 Feuerstellen (Wohnhäuser), 273 Einwohner, 78 Hufen
–    Bardenitz: 47 Feuerstellen, 326 Einwohner, 40 Hufen
–    Klausdorf: 14 Feuerstellen, 80 Einwohner, 20 Hufen

Etwa um 1700, besonders im 19.  Jahrhundert, begann die Vergrößerung der Dörfer. Büdner, Häusler und Handwerker bauten Wohnhäuser, so dass es heute in Pechüle 74 Anwesen gibt.

Pechüle und der Truppenübungsplatz
Während die Geschichte und die Entwicklung der beiden Dörfer Bardenitz und Pechüle ziemlich gleich durch die Jahrhunderte verlief, wurde das Geschick von Pechüle in den letzten 100 Jahren vom Schießplatz geprägt.
Als der Artillerieschießplatz 1860 gegründet und 1884 durch den Zukauf der zu Dorf Zinna gehörenden Gemarkung Schlatenitz (das heutige Neue Lager) und Stüdenitz (zwischen den Dörfern Dorf Zinna, Mehlsdorf und Pechüle gelegen) vergrößert wurde, nahm dieser Gestalt an. Pechüle war damals davon noch nicht betroffen, außer dass das Hutungsrecht an der Birkheide verlorenging. Aber 1913 musste auch Pechüle einen großen Teil seiner Gemarkung an den Fiskus verkaufen.
Pechüle besaß 1850:
–    2000 Morgen Acker
–    1000 Morgen Wiese
–    2700 Morgen Wald
–    106 Pferde
–    237 Stück Rindvieh

1913 verlor es fast den gesamten Wald, außerdem das Ackerland und die Wiesen, vom Querweg und rechts der Straße von Pechüle nach Zülichendorf gelegen. Acker und Wiesen konnten die Pechüler wieder zurückpachten und erhielten Entschädigung, wenn diese zeitweilig abgesperrt waren.
Einen noch größeren Einschnitt erlitt das Dorf, als der Schießplatz 1936 noch mehr erweitert wurde. Es behielt nur noch 400 Morgen Acker rings um das Dorf gelegen. Felgentreu, Mehlsdorf und Dorf Zinna wurden vollständig aufgekauft. In Pechüle wurden 11 Hüfner-, 4 Kossäten- und ein Büdnergehöft enteignet. Ewald Rosin, eine Hüfnerstelle, stimmte nicht zu und behielt seine Ländereien. Diese waren nachher regelrechte Exklaven im Schießplatz. Die verbliebenen Kossäten- und Büdnerwirtschaften wurden mit den enteigneten, aber nicht zum Schießplatz gehörenden Ländereien aufgestockt. Außerdem konnten Acker und Wiesen weiter zurückgepachtet werden, so entstanden wieder lebensfähige Betriebe. Sieben enteignete Gehöfte wurden von Pechülern, die schlechte Hofstellen besaßen, aufgekauft. Die Staatshäuser wurden an Beschäftigte des Schießplatzes vermietet. Diese schon sehr alten Häuser verfielen mit der Zeit noch mehr und wurden zum Teil auch schon abgerissen. Pechüle wurde zu einem „vergessenen Dorf“ am Rande des Schießplatzes.

Zur Geschichte der Mahlmühle von Bardenitz (nach Liebchen)
Die älteste Nachricht über die Bardenitzer Wassermühle, westlich des Dorfes, stammt aus dem Jahre 1413, als auch sie von den Quitzows ausgeplündert wurde. Dabei verlor der Müller 1 Pferd, 10 Rinder und 8 Schweine.
Die zweite Mitteilung, die aus dem Jahre 1480 stammt, gibt nähere Einzelheiten an. Die Mühle gehörte dem Inhaber erblich. Er musste 10 Wispel Roggen, und zwar vier an Kloster Zinna und sechs an die Jüterboger Bürger liefern. 1580 erfahren wir, dass die 10 Wispel dem Amt Zinna allein zukamen. (1 Wispel = 24 Scheffel = 360 Metzen = 1080 Quart =1320 Liter).
Am 6. Oktober 1623 schwor der Müller Peter Schmidt den Untertaneneid und 1642 wird Samuel Woltersdorf als Besitzer erwähnt, der 10 Wispel entrichten sollte und dessen Mühle zwei Gänge besaß.
1660 muss ein Kaufvertrag vorgenommen worden sein. Die Pacht wurde auf 5 Wispel festgesetzt, da die Mühle in Verfall geraten und Rückstand bei den Abgaben eingetreten war. Von Martini 1660 – 1661 wurde vertragsgemäß keine Abgabe bezahlt, dann stieg die Pacht von Jahr zu Jahr um einen Wispel, bis vom sechsten Jahre ab die abzuführende Menge 5 Wispel betrug. Der Käufer bedung sich aus, den Kaufpreis und seine Unkosten zurückzufordern, falls die Herrschaft den Kaufvertrag änderte.
Der Inhaber musste aber 1670 gestorben sein, dessen Witwe Anna geb. Belger, hatte sich wegen der Erbschaft mit ihren sechs Kindern auseinanderzusetzen. Der älteste Sohn war zu Lebzeiten des Vaters vom Mühlrad so verletzt worden, dass er zu keinem Handwerk tauglich war und aus der Mühle mit Speisen und Trunk versorget werden musste. Anscheinend heiratete die Witwe den Müller Peter Schmidt. Es war damals wohl geplant, die Abgabe zu erhöhen. Schmidt bat davon abzusehen, und Landesherr August riet am 8. Mai 1674, den Bittsteller aufzufordern 7 Wispel zu geben, und ihm zu versprechen, dass es bei dieser Menge auch in Zukunft verbleibe.
Der Amtshauptmann war der Ansicht, dass „die sämtlichen Pächter der Amtsmühlen der Pächte halber in Ruin geraten und es zuträglicher sei, bei einer billigen Pacht einen gewissen Besitzer und unwiderruflichen Eigentumsherren der Mühle zu haben als bei einer übermäßigen Pacht in oftmaliger Veränderung zu stehen und endlich gar der Mühlen gewärtig seie“.
Im gleichen Jahr starb der Erbmüller Peter Schmidt, denn seine Frau verkaufte 1674 zum Preise von 450 Gulden die Wassermühle an Peter Tegener, der die Tochter der Verkäuferin, Anna Woltersdorf, heiraten wollte. Tegener baute die Mühle von Grund auf neu und sah sich infolge der 7 Wispel Roggen und der Kontribution schwer belastet. Seine Mahlgäste vom Fläming wandten sich zudem nach Treuenbrietzen, deshalb wollte er auch eine Schneidemühle errichten. Da im Amt Zinna in kurzer Zeit schon zwei Schneidemühlen errichtet wurden, so hielt man es in Halle, dem Sitz der Verwaltung, nicht für angebracht, den Wunsch Tegeners zu erfüllen, zumal im Amt Belzig und Saarmund genügend Schneidemühlen waren und über den Mangel an Absatz von Brettern geklagt wurde.
Von Juni 1694 ab musste Tegener jährlich zehn Wispel Roggen abführen. Da dies sich als unmöglich erwies, wurde die Abgabe durch Reskript vom 20. Dezember 1698 herabgesetzt.
Als der verschwenderische erste preußische König sich bemühte, seine
Einnahmequellen zu erweitern, sollte 1705 der neue Inhaber der Bardenitzer Mühle, Peter Wendt, 10 Wispel entrichten. Dieser wies darauf hin, dass infolge des elenden Zustandes seines Besitztums 300 Taler verbaut waren, er wenig Mahlgäste, wenig Acker und wenig schlechte Wiese habe.
Die Magdeburger Kammer wurde durch königlichen Spezialbefehl vom 23. April 1705 angewiesen, ein Gutachten abzugeben und zu berücksichtigen, dass in früherer Zeit die Abgabe mit Rücksicht auf den geringen Einwohnerstand herabgesetzt worden sei. Die Untersuchung zeigte dann auch, dass der Bardenitzer Müller wegen der großen Zahl von Mühlen in der Umgebung nicht viele Mahlgäste hatte und nur ein Mahlgang wegen des ungenügenden Wassers betrieben werden konnte. Wendt musste damals probeweise das Wasser im Fließ sammeln, dann schüttete er auf jeden Gang einen halben Scheffel Getreide. Beide Mahlgänge arbeiteten so lahm, dass es eine ganze Stunde dauerte, ehe die beiden halben Scheffel auf den Gängen geschrotet waren. Die Mahlgäste kamen aus Bardenitz und Pechüle. Der jährliche Verbrauch der Pechüler wurde auf 1710 Scheffel Getreide, der der Bardenitzer auf 1450 Scheffel geschätzt. An jedem Scheffel verdiente der Müller eine Metze, wovon 15 auf einen Scheffel gingen, so dass ihm von Pechüle 4 Wispel und 18 Scheffel und von Bardenitz 4 Wispel 2/3 Scheffel zustanden. Hiervon musste der Müller mit den Angehörigen leben und die Abgaben bezahlen. Dem König Friedrich I. schien das Einkommen des Müllers doch zu gering und er verfügte aus Charlottenburg, dass die Abgabe von 7 Wispeln so lange beizubehalten sei, bis eine Veränderung in den Einkommensverhältnissen des Müllers einträte. Am 8. Januar 1711 leistete Tobias Tegener den Untertaneneid.
Er wandte sich 1714 gegen den Braukrüger Henkel in Bardenitz, der in der Gemarkung des Ortes eine Mahlmühle aufbauen wollte. Diese Gefahr wurde indessen abgewendet, aber 1728 trat man an Tegener mit der Forderung heran, 10 Wispel Pacht an das Amt Zinna abzuführen. Der Müller, der Frau und drei Kinder zu ernähren hatte, klagte, ihm wären die sächsischen Mahlgäste verloren gegangen, die 1725 erbaute Papiermühle weiter oberhalb des Bardenitzer Fließes beeinträchtige seine Tätigkeit und aus Bardenitz und Pechüle bekäme er kaum 10 Wispel Metzkorn. Er bat, ihm nur die bisherigen 7 Wispel zuzumuten und noch einen Ort, Zülichendorf oder Kemnitz, welche bisher nach ihrem Gefallen mahlen konnten, zuzulegen, sowie ihm zu gestatten, an Stelle des bisherigen Mahlgeldes von 2 Pfennig 3 für den Scheffel zu nehmen.
Der Amtsrat Vieth in Kloster Zinna wollte die beiden genannten Dörfer nicht der Bardenitzer Mühle zuweisen, da den beiden Mühlen von Treuenbrietzen sowie die Gottsdorfer Mühle und die Klinkenmühle, welche insgesamt dem Amt Zinna jährlich 24 Wispel Pacht einbrächten, geschädigt würden.
Frankenfelde wurde doch der Bardenitzer Mühle zugewiesen. Vieth schlug vor, Frankenfelde, das von Bardenitz 1,5 Meilen entfernt läge, mahlpflichtig zur Lindenberger Mühle zu machen, die Vieth selbst besaß. Er sollte dann 1,5 Wispel jährlich abführen, während der Bardenitzer Müller statt 10 Wispel nur 8,5 Wispel abgeben sollte. Die Magdeburger Kammer ging auf diesen Vorschlag nicht ein und verfügte, dass ihr Mitteilung zu machen sei, wenn wegen der Entfernung zum Mahlort den Untertanen Schwierigkeiten erwachsen. 1730 wurde die Pacht des Bardenitzer Müllers durch Resprikt vom 13. April 1730 auf 8 Wispel ermäßigt, nachdem Frankenfelde das Getreide zur neuerbauten Frankenfelder Windmühle bringen musste.
Als Klausdorf durch Friedrich den Großen mit Kolonisten besetzt worden war, wurde Tobias Tegener gestattet, das Getreide des Dorfes zunächst auf 6 Jahre, von 1751 – 1757, zu mahlen. Dafür gab er jährlich 9 Taler Pacht.
Im Jahre 1760 wurde dem Müllermeister Kettlitz in Bardenitz gestattet, neben seiner Mühle eine Schneidemühle aus eigenen Mitteln zu errichten. Folgende Bedingungen sollte er einhalten: Er führe jährlich 5 Taler ab, er kaufe Sägeböcke im Sächsischen, er begnüge sich mit einer Entschädigung von einem Groschen für den Schnitt und verspreche, keinen Schaden an benachbarten Äckern und Wiesen durch Stauung des Wassers hervorzurufen. Der Müller Grohmann bei Kloster Zinna war mit dieser Neuanlage nicht zufrieden, um so mehr, da zuvor eine Schneidemühle bei Jüterbog angelegt worden war und ihm Abbruch sei. Auch der Treuenbrietzener Müller Köhler befürchtete um seinen Verdienst durch Konkurrenz zu kommen. Kettlitz gedachte, die Böcke in der Nähe des sächsischen Brück und in anderen sächsischen Orten zu erwerben, welche bisher ihre Stämme zum Teil in der Schneidemühle Zahna schneiden ließen.
Am 22. August 1785 richtete der Müller Johann, Heinrich Röhrborn aus Hundeluft in Anhalt-Zerbst eine Vorstellung beim Generaldirektorium in Berlin ein, in welcher er bat, ihm die Wassermühle Bardenitz käuflich zu überlassen, und ihm, da diese baufällig sei, einige Freijahre zu überlassen. Er wollte 4500 Taler zahlen und war mit Kettlitz einig geworden, der die Mühle schon längst zum Verkauf angeboten, aber wegen der Baufälligkeit der Gebäude keinen Käufer gefunden hatte.
Unter dem 11. April 1786 ging Röhrborn ein königlicher Spezialbefehl zu, in diesem heißt es unter anderem:
„Nachdem er vorgestellet hat, daß ihm und seiner Familie die Freiheit und Einrollierung und Werbung accordiere und darüber ein Protektonium ausgefertigt, werde er sich mit seiner Familie und Vermögen gen Lande begeben und die Wassermühle kaufen, höchstderselben auch solches Gesuch dem Edikt vom 8. April 1764 gemaß, in Granden zu deferieren geruht haben.“
Von Trinitatis 1812 ab wurde die Zeitpacht des Zwangsgemahls von Klausdorf erlassen, und die Abgabe von 9 Talern fiel weg. Nach den Freiheitskriegen versuchte der Staat eine Änderung der Zwangsabgaben vorzunehmen und besonders die Ablieferung von Getreide in eine Zahlung in Form von Geld vorzunehmen. Infolge dieses neuen Verwaltungsgrundsatzes wurde 1822 die Regulierung der Mühlenabgabe beantragt. Vom 1. Januar 1828 ab soll die Witwe Röhrborn eine Rente an Stelle der bisherigen Leistungen entrichten. Danach sollen an Stelle der 8 Wispel Roggen, die dem Erbpächter Bohnstedt in Kaltenhausen zustanden, 142 Taler, und an Stelle des Martinischockes, Walpurgesschockes, Rinngeldes usw. und für Acker- und Wiesenzinses 7 Taler, 8 Groschen, 9 Pfennige, insgesamt also 199 Taler, 8 Groschen, 9 Pfennig treten. Der König ermäßigte durch Kabinettsorder vom 27. März 1830 die jährliche Rente auf 145 Taler, wenn die Witwe die Verpflichtung, die Brücke bei der Mühle zu unterhalten, und sonstige Anstellungen am Regreß, fallen ließe. Am 4. Januar 1831 wurde der Regreß abgeschlossen und am 28. April 1831 übernahm der Sohn Ferdinand Röhrborn die Mühle. Der neue Besitzer beantragte mehrmals eine Ermäßigung der Rente. Das Rentamt Zinna gab zu, dass die Mühle bei der Regulierung der Rente am höchsten belastet worden sei, dass jedoch keine Rücksicht darauf genommen werden konnte, da die Berechnung der Rente in geordnete Wege ermittelt und festgelegt worden wäre. Zudem wies das Rentamt darauf hin, dass die Schädigung des Bittstellers durch die in geringer Entfernung angelegte Mühle des Tuchfabrikanten Lehmann in Treuenbrietzen unwesentlich sei. Der Bittsteller hatte zwar bei dem Landrat in Belzig gegen den Bau protestiert, jedoch nichts erreichen können. Noch am 7. Oktober 1840 machte die Witwe Röhrborn eine Immediateingagbe. Der Minister antwortete ihr am 13. Januar 1841, dass es bei dem Vertrag von 1831 verbleibe. 1853 riss Müllermeister Röhrborn seine Mühle ab und beabsichtigte, eine neue zu bauen und statt zweier deutscher Gänge einen amerikanischen, einen deutschen und einen Spitzgang herzurichten, ohne die Lage des Fachbaumes und des Gerinnes zu verändern.
Der letzte Besitzer der Mühle namens Röhrborn wurde 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht mit 6 weiteren Mitgliedern der NSDAP aus Bardenitz und Pechüle in das KZ Buchenwald gebracht und ist dort gestorben. Heute ist die Mühle ein VEB, und die Schneidemühle ist stillgelegt.

Die Entwicklung der Landwirtschaft in Pechüle in den letzten 150 Jahren
Während sich die Bestellung der Äcker unserer Gemarkung in den ersten sechs Jahrhunderten kaum veränderte, begannen seit 1800 große Umwälzungen. Durch die Einführung der Lupine und durch den vermehrten Anbau der Kartoffeln entfiel die traditionelle Dreifelderwirtschaft – Winterung – Sommerung – Brache -.
Moderne Ackerbaumethoden setzten sich durch. Die althergebrachte Gemeinschaftshutung von Rindern und Schweinen hörte auf. Auch der Verlust der Hutung in der Birkheide um 1850 mag dazu beigetragen haben. Die Beschaffenheit und die weite Entfernung der Pechüler Wiesen standen einem Weidebetrieb entgegen.
Die damalige Umstellung auf die neue Bewirtschaftungsform und die Zersplitterung der Flächen machten eine Flurreform – die Separation – erforderlich. Sie erfolgte um 1850, dabei erhielten aber die Hüfner wieder ihre Flächen zusammenhängend nahe am Dorf, während die Kossäten sich mit dem Rand der Feldmark begnügen mussten.
Um 1900 begann die Mechanisierung. Zuerst wurden die Dreschmaschinen mit Göpel angetrieben. Seit Einführung der Elektrizität (im Jahre 1920) mit Elektromotoren. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurden zunehmend Pferdegrasmäher und Heuwender, Heurechen und Kartoffelroder eingesetzt.
Nach 1930 erleichterten Getreidebinder und andere moderne Maschinen weiterhin die Arbeit.
Durch den Einsatz von Mineraldünger seit dem 1. Weltkrieg stiegen die Wiesen- und Felderträge beträchtlich. Der Schwerpunkt der Landwirtschaft in Pechüle war die Viehwirtschaft. Der überwiegende Teil der Felderträge wurde durch diese veredelt. Bedingt durch den hohen Grünlandanteil wurden vorwiegend Rinder gehalten. Schon vor dem 1. Weltkrieg begann die gezielte Rinderzucht. Lückenlose Zuchtbücher und Milchkontrollergebnisse – geführt von meinem Großvater August Haberland – liegen mir noch heute seit 1910 vor.
Eine Molkereigenossenschaft wurde 1913 in Treuenbrietzen gegründet.
1926 wurde ein Versuchsring zur Förderung des Ackerbaus aufgebaut.
Nach 1945, besonders nach 1960, geschah die größte Umwandlung der Landwirtschaft in Pechüle, darüber ein besonderes Kapitel.

Tiere in unserer Heimat
Das Naturschutzgebiet „Zarth“ umfasst heute eine Fläche von 250 Hektar. Es wurde hauptsächlich wegen seiner seltenen Pflanzenwelt (etliche Orchideenarten und seltene Gräser) unter Naturschutz gestellt.
Leider ist die moderne Landwirtschaft nicht in der Lage, die Wiesen und umliegenden Flächen so zu bewirtschaften, wie es für die genannten Pflanzenarten notwendig ist. Sie drohen auszusterben.
Außerdem bildet der Zarth ein Refugium für eine artenreiche Vogelwelt. Es entwickelte sich ein wahres Vogellparadies. Beutner weist in seiner Diplomarbeit als Biologe 134 Arten nach, davon 75 als Brutvögel, wie Bekassine, Rohrweihe, Wiesenweihe, Roter Milan, Schwarzstorch und Kranich.  Durch die umfangreichen Meliorationsmaßnahmen der letzten 15 Jahre in unserer Feldmark ist der Tierbestand viel ärmer geworden.
Die Abholzung vieler Bäume und Sträucher entzog einer Reihe von Vogelarten den geeigneten Lebensraum.
Bis 1973 war die Trappe bei uns noch heimisch. Auch der große Brachvogel war bis vor 10 Jahren noch sehr zahlreich. Ebenso gab es viele Kiebitze, jetzt brüten sie nur noch vereinzelt. Eine Kultursteppe hat man geschaffen. Es ist zu befürchten, dass langfristig eine Verarmung unserer Landschaft entstehen wird, denn durch die übermäßige Entwässerung der Wiesen wird die geringe Torfauflage der Wiesen schwinden. Zurückbleiben wird ein unebener Boden aus sterilem Schwemmsand.
Wie es bei uns einmal ausgesehen hat, schildert ein alter Zeitungsartikel von Ernst Friedel (Brandenburgia Nr. 6 – 1905): „Bei der Pflegefahrt des Märkischen Museums am 2. Oktober 1904 wurden wir in der Gegend von Treuenbrietzen und Jüterbog, auf der Fahrt von Kemnitz nach Bardenitz, als wir nach dem 2 km südlich von Niebelhorst mitten in den feuchten Bardenitzer Wiesen gelegenen wendischen Burgwall nachmittas zwischen 4 und 5 Uhr entlangfahren, durch eine Menge jagdbaren Wildes erfreut. Zunächst begrüßt uns eine Schar Trappen, über deren häufiges Vorkommen bei Treuenbrietzen uns erst Postrat Steinhard berichtet hat, weiter westlich nach dem Zarth zu, einem feuchten Buschwald, wimmelt es geradezu von Fasanen, die in dieser Zeit viel Schaden auf den Feldern anrichten, z. B. die jungen Mohrrüben rausziehen und verzehren. Über unseren Häuptern zog hoch in den Lüften mit Geschrei ein gewaltiger Schwarm, weit über 100 wilde Gänse, anscheinend Saatgänse, kleiner als die Graugans, in offenem Dreieck, dessen eine Seite bedeutend länger als die andere war, geführt von einem besonders kräftigen Ganter. Mehrere Völker Rebhühner laufen geschäftig über den Sturzacker, meist alte Tiere. Unsere besondere Aufmerksamkeit und Freude erregten aber die zahlreichen Birkhühner – ich persönlich habe mindestens 50 Stück gesehen – welche ebenfalls ziemlich dreist umherschweiften über den wiesigen, mit Warften (kleinen mit Weiden bestandenen Hügelchen) übersäten flachen Gelände. Wenn man weiß, mit welcher Wichtigkeit in Oberbayern und Tirol den Touristen die seltenen Spielhähne gezeigt werden, so kann man wirklich auf diese ausgezeichnet schönen Tiere unserer heimischen Fauna stolz sein. Die Hähne, die sich durch die schönen geschwungenen, als Hutschmuck viel begehrten Schwanzfedern auch weithin kenntlich machen, heißen auch Brummhähne, die Birkhenne auch Kurre.
Sonst ist mir in der Mark das Spielwild bekannt aus der Warthe- und Havelniederung. Zwischen Tegel und Oranienburg ist es nicht selten.“
Seit 1930 sind Birkhühner in Pechüle nicht mehr vorhanden.

Geschrieben von Georg Haberland  im Jahr 1988
Veröffentlicht in den Treuenbrietzener Nachrichten verteilt über das Jahr 2000

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