Vorschau auf die Veranstaltungen des Heimatvereins im Jahr 2014

Friedrich der Große und unsere Heimat

“Müßiggänger und Tagediebe will ich nicht haben”

 

Friedrich der Große an den Geheimen Finanzrat von Brenkenhof:

Bester etc. Ich habe zwei Kolonisten aus dem Reiche; nebst ihren Familien, an Euch verwiesen, damit Ihr solche in den Etablissements ansetzen könnet. Die Leute habe ich Selbst gesprochen, und sie schienen Mir ehrlich zu sein, haben Mir auch versprochen, fleißig zu sein und in meinen Landen sich fortzuhelfen. Das ist nun schon gut; wenn sie Wort halten, wird es Mir lieb sein. Ihr müsset nur von Eurer Seite dahin sehen, daß  sie gleich nach ihrer Ankunft in Arbeit gesetzet werden, und nicht faulenzen können; denn sonst verzehren sie die Wohltaten, welche für sie ausgesetzet sind, stiften aber keinen Nutzen und laufen am Ende davon, wenn sie alles verzehret haben. Solche Beispiele sind Mir bekannt geworden, und müßet Ihr nun dahin sehen, daß das nicht weiter geschiehet, sonst wird der Zweck verfehlet. Müßiggänger und Tagediebe will ich nicht haben; sondern fleißige Leute; die das Land verbessern, und sich selbst glücklich machen. Ich überlasse alles Üebrige Eurer ungesparten Sorgfalt, und bin Euer wohl affectionierter König Friedrich.

Potsdam den 10. August 1777.

 

Entlassene Soldaten Friedrichs des Großen als Büdner in Schlalach

Den Rest lesen »

100 Jahre Eisenbahnverbindung Jüterbog-Treuenbrietzen

von Helmut Vorkastner

“Wohin rollst du Eisenbahn?

Langsam macht sich in Treuenbrietzen der fehlende Bahnanschluss bemerkbar. Schon ziehen jüngere Webermeister nach Luckenwalde, um die schnellen Verkehrsmittel zu nutzen.

Einen neuen Vorschlag macht der Kgl. Hauptmann a.D. und Amtsrat Krüger aus Wittenberg am 20. Februar 1858 mit seiner Denkschrift über den Bau einer Eisenbahn von Nauen über Potsdam, Beelitz, Treuenbrietzen, Kropstädt nach Wittenberg zum Anschluss an die Berlin-Anhaltische Bahn. Darin sagt er:

„Folgende Gründe dürften überzeugend für schleunige Erbauung der neuen Bahn durch eine neue Aktien-Gesellschaft oder eine der schon bestehenden Eisenbahn-Gesellschaften sprechen.

  1. Die Königliche Hauptstadt Potsdam, welche als Residenz unseres erhabenen Königshauses in Bezug auf Eisenbahn-Verbindungen gegen Residenzen anderer Länder bedeutend zurücksteht, bedarf schon deshalb einer neuen Verbindung nach Norden und Süden, um Sr. Majestät dem Könige und dem gesamten Königlichen Hause in Zukunft betreffenden Falls den oft lästigen bedeutenden Umweg über Berlin zu ersparen.
  2. Ebenso bedürfen die in Potsdam vorhandenen bedeutenden Fabriken und kaufmännischen einer Abkürzung des Weges von Potsdam nach Hamburg und Leipzig, welche Abkürzung sich für die erste Linie auf 4 Meilen, für die letztere aber auf 15 Meilen belaufen würde.
    Von Potsdam bis Leipzig sind gegenwärtig auf dem nächsten Eisenbahn-Wege, über Berlin, Wittenberg, Dessau, Köthen und Halle, nämlich 33 Meilen.
    Von Wittenberg bis Leipzig bauet die Berlin-Anhaltische Eisenbahn-Gesellschaft nun aber schon die von dem Unterzeichneten zuerst am 3. März 1852 angeregte Linie über Gräfenhainichen, Bitterfeld und Delitzsch, sowie die Strecke von Bitterfeld nach Halle, deren Eröffnung zum Herbst 1858 entgegengesehen werden kann.
    Wird nun von Potsdam nach Wittenberg auch gebauet, so ergeben sich als künftige Entfernungen
    von Potsdam nach Wittenberg               9 Meilen
    von Wittenberg nach Leipzig                  9 Meilen
    zusammen                                                 18 Meilen Den Rest lesen »

Erinnerungen aus Vor- und Nachkriegsjahren

von Klaus Günter Haseloff, Niederschrift Emden 2009

Treuenbrietzen! Das war Kindheit pur! Meine Großeltern väterlicherseits wohnten dort und wir, mein Bruder und ich, fuhren sehr gern dort hin. Es sind auch so meine ersten Erinnerungen aus meinen Kindertagen und die reichen zurück bis vor den zweiten Weltkrieg. Oma und Opa wohnten im Bahnhofsgebäude, denn Opa war dort Bahnvorsteher. Mit Friedrich-Wilhelm-Schnauzbart, links und rechts die Spitzen sauber nach oben gezwirbelt, stand er am Zug und hielt die runde Kelle hoch, um den Zug abfahren zu lassen. Zu der Zeit wollte ich auch noch Lokführer werden. Wir durften auch schon mal in der Rangier-Lok mitfahren, das war auf jeden Fall ein Grund nach Treuenbrietzen zu fahren. Opa war früher mal bei den Ulanen und er trug seinen Bart wie Friedrich Wilhelm. Damit der ja seine Form behielt, trug er nachts eine Bartbinde, das sah so putzig aus. Eines meiner ältesten Bilder in meinem Gedächtnis ist das Schlafzimmer meiner Großeltern. In silberweiß gehalten, mein Opa mit Poposcheitel und Bartbinde im Bett liegend und auf dem Nachttisch stehend ein Wecker mit 2 großen Glocken. Wenn es also hieß: Wir fahren nach Treuenbrietzen, dann konnte es nicht schnell genug gehen und einmal, kann ich mich erinnern, waren wir sehr spät dran und meine Mutter rief Herrn Kalasch (nikow) am Bahnhof an und sagte: “Herr Kalasch (so hieß in Niemegk der Bahnvorsteher) hier ist Frau Haseloff, wir wollen nach Treuenbrietzen fahren und kommen möglicherweise nicht pünktlich!” Was soll ich euch sagen, der Zug stand noch da, wir stiegen ein und los ging’s. Das war das Schöne an der “alten Zeit “, man hatte sie noch.

Am Bahnhof in Treuenbrietzen wartete man schon auf uns. Eines Tages – ein Bild in der Zeitung – eine Lok mitten auf der Fernstraße – o weh o weh. Ja was war denn da passiert? Ein Unfall, nein – ein Schabernack mit bösen Folgen. Mein Bruder und ich hatten eine Weiche umgestellt und der arme Lokführer ist statt nach links geradeaus gegen den Prellbock gefahren. Die Lok kam erst auf der dahinter liegenden Landstraße wieder zum stehen. Mein Großvater hat von dieser Heimtücke seiner Enkel nie etwas erfahren, man meinte es müssten vielleicht Ziegen oder Schafe verursacht haben, die manchmal auf den Gleisen herumstanden und erst wegliefen wenn ein Zug kam und die Pfeife ertönte. Wir bevorzugten jetzt andere Spielplätze, um aus der Schusslinie zu bleiben. Hätte Opa nur die geringste Ahnung gehabt, wir wären für ihn gestorben gewesen, er hätte uns nicht mehr mit dem “Allerwertesten” angeguckt. Gott sei Dank war kein Mensch zu großem Schaden gekommen – ein Fahrradfahrer war vor Schreck gestürzt. Man stelle sich mal vor, was bei dem heutigen Verkehr da passiert wäre – na aber hallo, das hätte ein Aufsehen und eine polizeiliche Untersuchung gegeben. Was es damals an Reichsmark gekostet hat, weiß ich nicht. Es ist ja aber auch nach cirka 70 Jahren nicht mehr relevant. Streiche spielten wir weiterhin und so verging eine herrliche Zeit im Frieden. Auf dem Boden stöberten wir herum und fanden Billionen und Trillionen  – Scheine aus der Zeit der Inflation. Mit der Uniform vom Opa spielen – da gab es Ärger, das war ein Heiligtum, da mussten wir die Finger von lassen. Später, als Opa pensioniert wurde oder zu krank war, ich weiß es nicht, da zog man um in eine andere Wohnung in der Nähe zum Bahnhof. Oma hatte dort eine Abstellkammer unter der Treppe und der Inhalt in dieser waren Flaschen, Büchsen und Einmachgläser. Da gab es immer was besonders Interessantes. Ich mochte ganz besonders ihre Senfgurken und dann ganz speziell die Grießklößchen. Man erzählte mir später, dass ich immer, wenn Oma zu uns kam, zuerst fragte: “Oma hast du auch Grießklößchen mittebingt?” Die waren auch so was von lecker, die schmeckten einfach herrlich.

In ihrer Wohnstube gab es zwei Plüschsofa – ein rotes und ein grünes – und ehe man sich auf eines setzen durfte, wurde erst ein gesticktes Deckchen draufgelegt, damit der Plüsch um Gottes Willen nicht beschädigt werden konnte.

Die Bomben haben darauf keinerlei Rücksicht genommen. Es wurde alles zerfetzt, nur Oma war Gott sei’s gelobt im Keller oder in Niemegk  und hatte das Bombardement  überlebt. Sie zog dann auf den Bahnhof und dort in ein kleines Häuschen, was wohl mal ein Geräteschuppen war. Man war bescheiden und froh, eine Unterkunft gefunden zu haben.

Ich weiß aus Erzählungen, dass Opa mal bei uns war und unbedingt mit dem Motorrad nach Hause fahren wollte. Mein Vater versuchte es ihm auszureden. “Das kannst du doch nicht, das ist doch kein Pferd!” Seine Worte dagegen: “Was Lotte kann, das kann ich auch” – fuhr los und musste in Treuenbrietzen in einen Gartenzaun fahren, weil er nicht wusste wie er das Motorrad abbremsen musste. Er konnte eben doch nicht Motorrad fahren wie meine Mutter. Noch ein paar mal hat er es probiert, bis er eines Tages in einer Schafherde steckend die Nase voll hatte. Es war eben doch kein Pferd.

In Treuenbrietzen war nix mehr mit Lok fahren, es gab nicht mehr die leckeren Senfgurken – es war einfach nicht mehr so schön wie auf dem Bahnhof früher.

 

Nach 1989, also nachdem ich wieder mal nach Treuenbrietzen fahren konnte (nicht mit der Bimmelbahn, die fuhr leider nicht mehr), ging mein Weg zum Bahnhof, um von der gegenüber liegenden Seite der Hauptbahnhofsstation ein paar Bilder von dem ausrangierten Kleinbahnhof zu machen.Ein paar Tränchen habe ich dabei schon zerquetscht, es waren doch zu schöne Erinnerungen und deshalb -

Auf Treuenbrietzen komme ich später noch mal zurück!

 

Als mein Vater so zirka 1919-22 in voller Montur vom Paukboden einer schlagenden Studentenverbindung aus Berlin kommend auf dem Treuenbrietzener Bahnhof eintraf, war zur gleichen Zeit auch ein Prinz auf dem gleichen in Treuenbrietzen gelandet. Noch wohl im alkoholisierten Zustand ging mein Vater auf den durchlauchten Prinzen (Name mir nicht bekannt) zu und klopfte dem auf die Schulter und sagte: “Mensch August, dass ich dich hier treffe!” Daraufhin wurde mein Vater verhaftet und mein Großvater musste um Entschuldigung für das rüpelhafte Verhalten seines Sohnes bitten. So erzählte es mir meine Großmutter. Die Anrede August sagt auch bei meinem Vater nichts über den Namen des Prinzen aus, da mein Vater in Ermangelung auch später immer je nach Laune irgend welche Namen wie Heinrich, August oder Maxe benutzte. -

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges fuhr mein Vater vom Flughafen Zerbst kommend mit seinem Werkstadtzug zum Kleinbahnhof nach Treuenbrietzen und besetzte diesen. Zu seinem Zug gehörte unter anderem ein Kesselwagen, der angekoppelt zwischen den zwei Bahnhöfen abgestellt wurde. Im Krieg waren solche Kesselwagen für anfliegende Bomber, die auf dem Weg nach Berlin waren immer ein gern genommenes Ziel. Als dann zur gleichen Zeit ein Munitionszug mit Panzerfäusten beladen auf den Gleisen stand und die an oder abfliegenden  Bomberstaffeln die Wagons mit einigen Bomben bepflasterten, wurden auch Wagons mit den senkrecht stehenden Panzerfäusten getroffen, die dann explodierend im Stakkato ihre tödliche Kanonade gegen die Flugzeuge richteten. Da ich zu dem Zeitpunkt zu Besuch im Zuge meines Vaters weilte, konnte ich beobachten,wie verschreckt die Bomber sich in alle Richtungen aus dem Staube machten und das Weite suchten.                                                                              (eingereicht von Ernst-Peter Rabenhorst)

Milde Winter in unserer Heimat in früheren Jahrhunderten

1186 war ein so warmer Winter, dass im Januar die Bäume geblüht haben. Weil kein Frost kam, war im Mai Ernte, im August die Weinlese. Es folgte eine geschwinde Pestilenz.

 

1187 war der Anfang des Jahres dem vorigen gleich, aber im März und April verdarb die Kälte alles, so dass kein Futter gewonnen wurde und das Rindvieh starb.

 

1236 hat kaum 16 Tage Eis und Schnee gelegen, und am 27. Januar und 10. März hat es an warmen Tagen gedonnert.

 

1258 ingleichen, worauf ein sehr heißer Sommer gefolgt.

 

1420 haben die Bäume schon am 20. März geblüht und der Weinstock schon am 4. April, Rosen ebenfalls im April, und im Mai reiften Kirschen und Erdbeeren.

 

1425 haben am 6. Dezember Pfirsiche, Roggenblumen und andere Kräuter geblüht.

 

1427 und 1428 ist weder Schnee noch Frost gewesen, dass im Dezember auch die Bäume geblüht und ein heißer, trockener Sommer gefolgt.

 

1538 ist ein so warmer Dezember gewesen, dass am hl. Dreikönigstag (6. Januar) die Mädchen Kränze von Violen, Kornblumen, Stiefmütterchen usw. getragen.

 

1567 ist es im Winter so warm gewesen, dass die Bäume selbst auch im Walde geblüht, um Ostern haben Kirschen, Spillinge, Pflaumen, Schleenbäume geblüht.

 

1720 und 1723 war fast weder Frost noch Schnee, so dass auch der Hederich den ganzen Winter durch geblüht und um Lichtmess (2. Februar) in dem Roggen gestanden wie sonst in der Gerste. Kirschbäume und Kornrade haben auf den Feldern in Blüte gestanden.

 

1746 und 1747 ist der Winter anfangs sehr weich gewesen. Bis Neujahr hat es fast immer geregnet. Und obwohl im Januar ein starker Frost eintrat, so währet doch solcher nur 14 Tage. Der folgende Teil vom Januar und Februar ist so warm und bisweilen so frühlingshaftig gewesen, dass es, um Sommer zu sein, an nichts als am Grünen fehlte und im Februar Aprikosen, Birnen und die frühen Kirschen ziemlich heraustrieben, an einigen Orten auch in Blüte traten. Jedoch diese Freude wurde durch den am 1. und 2. März eintretenden Frost ziemlich versalzen, welcher den ganzen März und zwar in solcher Härte eingefallen, dass die frühzeitig herausgetretenen Knospen und Blüten an den Aprikosen und weißen Kirschen gänzlich verderbt wurden, wiewohl selbige weder den übrigen Baum- noch Feldfrüchten den geringsten Schaden getan, so denn auch die  Bäume, besonders Sauerkirschen, auch Äpfel- und Birnbäume überaus stark geblüht und angesetzt.

 

Gleiche Wirkung hat die Wärme gehabt bei einigen Wassertieren. Am 6. Dezember 1746 und um den 20. Januar 1747 (auch am 16. Februar 1750) ließen sich auf den Gewässern hin und wieder Frösche und Kröten sehen,  bei welchen bei genauer Untersuchung befunden wurde, dass sie wie in der Laichzeit ganz dick und aufgetrieben gewesen. Aber bei eintretender Kälte sind diese Kreaturen alle gestorben.

 

1750 war es Ende Januar und Februar ganz warm, es ist alles frühzeitig herausgekommen und hat geblüht, so dass ein im vorigen Herbst gelegter Wein schon am 19. Februar gelaufen. Das  folgende Wachstum ist auch durch keinen Frost gestört worden, so dass ein in allen Stücken gesegnetes Jahr erfolgte.

(Aus Bekmann, Hist. Beschr. der Chur und Mark Brandenburg, 1751, desgl. Eilerst, Belziger Chronik, 1743)

Strenge Winter in unserer Heimat in früherer Zeit

(Aus Zauche- und Fläming-Heimat)

 

Zu den strengsten Wintern in vergangenen Jahrhunderten muss der von 1739/40 gerechnet werden. Eilers, der Belziger Chronist, hat ihn selbst mit erlebt. Nach seiner Schilderung sind Wein und Bier im Keller gefroren, ja, in Belzig sind alle Brunnen bis auf einen, welcher noch Wasser gab, ausgefroren. Der Frost setzte schon kurz nach Michaelis ein und dauerte bis Pfingsten. Vom 9. bis 11. Januar war die größte Kälte, dazu wehte ein starker Nordwind. Die Weinstöcke gingen meist verloren, selbst viele Menschen sind bei dem Frost umgekommen. Auch viel Vieh ging ein. Besonders schlimm wurde es für das Vieh, dass der Winter so lange dauerte und kein Gras zum Vorschein kam. Im Königreich Böhmen hatte man eine Liste aufgestellt über den Verlust an Vieh; daraus geht hervor, dass 960.000 Schafe, 46.000 Rinder, 14.000 Schweine, 5.200 Pferde, 91.000 Schock Karpfen umgekommen sind. Da die Baumblüte erst im Juni war, wurde das Obst nicht mehr reif. Die Folge war eine große Teuerung; für einen Scheffel Roggen bezahlte man in Belzig 1 Taler 12 Groschen, für Weizen 2 Taler 8 Groschen, ein Schock Stroh galt 15 Taler, eine Fuhre Heu 24 Taler. – Im Juni wurde zur Erinnerung an den harten Winter eine Gedenkmünze geprägt. Sie zeigte auf der einen Seite den Winter durch Dürre und erfrorene Bäume ohne Blätter und den aus den Wolken stürmenden Nordwind, auf der anderen einen Ackersmann, der betrübt und müßig bei seinem Pflug sitzt. Bezeichnend ist die Inschrift:

Weil Lieb’ und Andacht sich in Kält’ und Eis verkehrt, hat hart’ und langer Frost das    arme Land beschwert.

 

Nach  Eilers brach im Frühjahr eine Krankheit aus, die er auf die außerordentliche Kälte zurückführt, eine Brustkrankheit. Die Leute starben unter ”Ausspannung der Seiten” plötzlich dahin.

 

Auch im Kirchenbuch zu Trebbin findet sich über den strengen Winter dieses Jahres folgende Eintragung:

”Anno 1740 ist ein überaus sehr strenger, sehr beständiger und so sehr langwieriger Frost gewesen, welcher so mancherlei anderweitige betrübten Erfolge verursacht hat.”

 

Sehr groß, wenn auch nicht so anhaltend, war die Kälte im Jahre 1709. Damals hat man viele Menschen in Belzig erfroren gefunden, die Vögel fielen tot zur Erde. In Trebbin sind im Januar, Februar und März etliche Kühe und Kälber erfroren, an anderen Orten sogar mehr; die Schafe gingen bei dem vielen Schnee ein. In den Kellern zersprangen die Weinfässer und liefen aus. Doch folgte ein guter Frühling und ein gutes Jahr, so dass kein Mangel an Futter für Vieh zu spüren war.

 

Auch 1659, 1684 und 1716 waren harte Winter, dass Menschen und Tiere erfroren und viel Bäume eingingen, besonders auch Weinstöcke. Darum kostete z. B. 1684 der Roggen in Belzig wieder 1 Taler 16 Groschen, im nächsten Jahr dagegen, also 1685, nur 8 Groschen.

 

Am schlimmsten wurde es, wenn im Frühjahr Frost und Schneetreiben einsetzten, wie es wiederholt vorgekommen ist. In der Nacht zum 25. Mai 1705 fiel ein großer Schnee bei starkem Sturmwind, welcher besonders an den Bäumen großen Schaden anrichtete. So war es auch 1770. Am 20. März fing es an zu schneien, es dauerte bis zum 23. März an. Dabei sind die Knospen an den Obstbäumen alle erfroren, der Schnee hat über eine Elle hoch (also ¾ Meter) gelegen.

 

Das nächste Frühjahr, also 1771, brachte wieder Frost. Am 25. und 26. März ist großer Schnee gefallen, der ¾ Elle, an manchen Orten in der Stadt 4 Ellen hoch gelegen hat, worauf ein heftiger Frost einsetzte, welcher bis in den April anhielt, dass sogar die Getränke in den Gefäßen entzwei gefroren. Man musste mit der Axt alles heraus hauen. Am Tage war es leidlich hell und klar, die Nachtfröste waren dagegen desto heftiger. Erst Ende  April konnte man anfangen zu pflügen.

 

So haben unsere Väter schon schlimmere Winter durchmachen müssen. Wir aber wissen, dass der Winter  1928/29 ebenso fortleben wird im Gedächtnis der kommenden Generationen, wie die von dem Chronisten verzeichneten Jahre 1659, 1684, 1705, 1716, 1740, 1770 und 1771.

Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden des Heimatvereins zum Vereinsjahr 2011

20 Jahre Heimatverein Treuenbrietzen e.V.

 

Mit der Gründung des Heimatvereins am 18. Dezember 1991 im kleinen Saal des Schützenhauses in Treuenbrietzen wurden die Traditionen der Heimatpflege, die um 1900 von den Mitgliedern der ”Brandenburgia” begonnen wurden, weitergeführt. Auf Initiative von Karl Reichhelm und Oskar Brachwitz konnte 1930 der erste Heimatverein gegründet werden. Die Arbeit dieses Vereins kam mit dem Kriegsende 1945 zum erliegen, so dass sich eine Neugründung erforderlich machte. Über die Aktivitäten der 20jährigen Vereinsarbeit soll auf der Jahreshauptversammlung im Februar 2012 berichtet werden.

 

Zu der größten Herausforderung in der Vereinsgeschichte gehört die Übernahme des Heimatmuseums. Die Mitglieder des Vereins haben beschlossen, die Arbeit des Heimatmuseums ab 01. Januar 2012 in nunmehr eigener Verantwortung weiterzuführen. Diese Entscheidung wäre wohl auch im Sinne unserer Vorgänger. Wir werden unsere ganze Kraft dafür einsetzen, unser schönes Heimatmuseum zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

 

Im Februar fand unsere Mitgliederversammlung statt, auf der Rechenschaft über das abgelaufene Geschäftsjahr gelegt und die weiteren Ziele für die nächste Zeit vorgestellt wurden.

 

Anfang April konnten wir unsere Vereinssitzung mit dem Vortrag ”Melanchton und die Juden” gestalten. Interessante Fakten und Begebenheiten wurden vorgetragen und fanden allgemeinen Zuspruch und Beachtung.

 

Ebenfalls im April gedachten wir der Opfer des Massakers vom April 1945.

 

Zu Christi Himmelfahrt wollten wir dem Bischhofstein bei Rietz einen Besuch abstatten, leider war das betreffende Waldgebiet wegen des Einsatzes von Gift gegen den Eichenprozessionspinner gesperrt, so dass wir einen neuen Weg suchen mussten. So fuhren wir durch Rietz nach Niemegk, stärkten uns dort, um über Haseloff nach Treuenbrietzen zurückzukehren. Bei Familie Küster konnten wir uns bei Speis’ und Trank erholen. Wir wurden überaus gut bewirtet und möchten hier nochmals unseren herzlichen Dank sagen.

 

Im Juni beteiligten wir uns in gewohnter Weise an den Sabinchenfestspielen und im Juli und August legten wir eine Sommerpause ein.

 

September und Oktober hatten wir verschiedene Wanderungen in die Umgebung von Treuenbrietzen geplant, um die Wandergruppe weiter aufzubauen. Es kam anders als gedacht. Die Märkischen Wandertage wurden zu Probewanderungen in Vorbereitung des Deutschen Wandertages 2012 umfunktioniert. An diesen Probewanderungen nahmen auch einige Heimatfreunde teil. Es ist uns leider bis jetzt nicht gelungen, eine Wandergruppe im Heimatverein aufzubauen.

 

Am Volkstrauertag im November gedachten wir der Toten der Weltkriege im Heldenhain, der Goethestraße und in Dietersdorf.

 

Zum Adventsmarkt am 26. und 27. November konnten wir in der Stadt eine Abordnung des Partnerschaftsvereins aus unserer Partnergemeinde Nordwalde begrüßen. Hier im Museum traf man sich zum Austausch der Gedanken über die Aktivitäten und Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit zwischen den Vereinen und Institutionen der beiden Partnerstädte.

 

Da unsere Winterwanderung zum ”Reichhelmspark” am 22. Dezember ausfallen musste, war mit der Weihnachtsfeier am ersten Dezember Schluss.

 

 

Alles in allem ein eher ruhiges Vereinsjahr, wenn man von den Verhandlungen zur Übernahme des Museums absieht.

Der Verein hat zur Zeit 63 Mitglieder.

Förderung der Seidenraupenzucht in Treuenbrietzen

(aus Zauche- und Fläming-Heimat Jg. 35)

 

In Preußen nahm die Seidenraupenzucht durch Friedrich den Großen einen bedeutenden Aufschwung. Damals wurde der kostbare Stoff auch von Männern getragen, und viel Geld ging dafür ins Ausland. Der König befahl das Anpflanzen von Maulbeerbäumen im ganzen Land und erteilte Privilegien auf Begründung großer Maulbeerplantagen. Die Terrasse im Schlosse zu Sanssouci war mit Maulbeerbäumen bepflanzt. Er teilte Belohnungen an diejenigen aus, die viel und gute Seide gewannen. Neben baren Geldunterstützungen schützten die verschiedensten Verordnungen auch die Seidenindustrie, der König stand immer als treibender Faktor dahinter.  Die preußische Seidenindustrie war gegen Ende des 18. Jahrhunderts die bedeutendste in Deutschland geworden. Während im Jahre vor seinem Regierungsantritt nur 4000 Pfund Seide verarbeitet wurden, waren es 1785, also ein Jahr vor seinem Tode, bereits 14000 Pfund im Wert von 60-70000 Talern, die hauptsächlich in der Mark und den benachbarten Provinzen gewonnen wurden. Nach des Königs Tode aber verfiel der ganze stolze Bau, und nichts ist in der Mark davon übrig geblieben als einige verkümmerte Maulbeerplantagen.

Den Rest lesen »

Neugründungen von Dörfern

Clausdorf

 

Clausdorf wurde in derselben Gegend, in welcher das alte Clausdorf im 14. Jahrhundert gelegen hat, als ein zu dem Amte Zinn angehöriges Colonistendorf in den Jahren 1748 bis 1752 aufgebaut. Die  Erbzinsverschreibung datiert vom 23. August 1752. Jeder der 10 Kolonisten: Johann Jakob Pfeifer, Johann Adam Helgenberger, Johann Martin Kolbe, Johann Davis Wassen, Andreas Jakob Brummer, Johann Michel Greter, Leonhardt Benert, Johann Otto Stephan, Christian Wolf und Anna Katharine Witwe Prinz erhielten von der alten Feldmark Clausdorf 102 Morgen Acker, 14 Morgen 18 Quadrat-Ruten Wiese und 2 Morgen zur Hofstelle und zum Hausgarten. Die nötigen Häuser, Scheunen und Ställe wurden ihnen auf königliche Kosten aufgebaut. Jeder Kolonist bekam 3 Ochsen, 2 Kühe, 20 Schafe, 3 Taler zu einer Zuchtsau, 10 Taler zu einem Wagen und Pfluge und die einmalige Aussaat an Winter- und Sommergetreide für das ihm zugewiesene Land unentgeltlich. Der Besitz an Land, Gebäuden und Inventar wurde den Kolonisten erb- und eigentümlich verschrieben. Von allen Landesabgaben ”sie haben Namen wie sie wollen, sie seien erdacht oder sollen noch erdacht werden”, wurden sie von und an und zu ”ewigen Zeiten”  befreit. Nur übernahm jeder Kolonist die Verpflichtung, jährlich an das Amt Zinna vom 1. Juni 1750 ab zu Martini 14 Taler 8 Groschen 11 Pfennige Erbzins und an die Pfarre zu Treuenbrietzen 2 Scheffel 5/8 Metze Roggen Berliner Maß (Meßkorn) zu entrichten. Das Schulzenamt, dem eine Dienstwiese von 4 Morgen zinsfrei überwiesen wurde, erhielt Johann Jakob Pfeifer. Auch wurde die Schulstelle mit 15 Morgen Acker, 3 Morgen Wiesenwuchs, freier Amtswohnung und Hausgarten dotiert. Sämtliche Einwohner des Dorfes erhielten das Recht, sich Raff-, Lager- und Leseholz in der sogenannten Kirchenheide zu sammeln, aber nur zu ihrer Feuerung, nicht zum Verkauf, auch das Bauholz sollte ihnen nach besonderen Anschlägen der vorgesetzten Behörde aus dieser Forst unentgeltlich angewiesen werden. Reiche die Dorfheide hierzu nicht aus, so sollten die Königlichen Forsten ihnen sowohl Brenn- als Bauholz zu ermäßigten Preisen liefern. Bier und  Branntwein sollten  die Kolonisten aus dem Amte Zinna nehmen und ihr Korn nur auf den Amtsmühlen mahlen lassen. Von jeder gewaltsamen Werbung zum Militärdienst sollten sie mit ihren Kindern und Nachkommen für alle Zeiten befreit sein.

(aus Pischon, Chronik von Treuenbrietzen)

Beseitigung der Wohnungsnot in Treuenbrietzen durch Friedrich den Großen

(aus Zauche- und Fläming-Heimat Jg. 35)

 

Die Bevölkerung war zu damaliger Zeit auf den Wohnraum angewiesen, der von der Stadtmauer umgrenzt wurde. Vor den Toren der Stadt waren nur die Mühlen, die Ziegelei, das Hospital und das Armenhaus vorhanden. Das wirtschaftliche Leben der Stadt wurde beeinflusst durch das Vorherrschen des Tuchmacher-Gewerbes und durch die unverhältnismäßig starke Garnison. Während die Zivilbevölkerung nur die Zahl 2400 erreichte, betrug die Kopfzahl der Garnison mit Einschluss der Soldatenfrauen und Kinder fast 1400, also über 1/3 der Gesamtbevölkerung. Dadurch entstand eine Wohnungsnot in unserer Stadt, die den König veranlasste, Bauhilfsgelder für Neubauten auszuwerfen. Sie betrugen am Anfang 15 % (bei massiven Gebäuden), später 25 % und unter seinem Nachfolger sogar 30 %. Aber der Erfolg blieb aus. So wurden z. B. In den Jahren um 1783-89 nur zwei Häuser mit Hilfe mit Bauhilfsgeldern errichtet.

Den Rest lesen »

Seite 1 von 1012345...10...Letzte »
Close It